{"id":36265,"date":"2015-05-29T23:02:00","date_gmt":"2015-05-29T21:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=36265"},"modified":"2015-05-29T23:02:00","modified_gmt":"2015-05-29T21:02:00","slug":"literarischer-lernz-in-centrope","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=36265","title":{"rendered":"Literarischer Lenz in Centrope"},"content":{"rendered":"<p>So hei\u00dft ein Festival, das von der &#8220;Dokumentationsstelle f\u00fcr ost- und mitteleurop\u00e4ische Literatur&#8221; im &#8220;Theaterbrett&#8221; in der M\u00fcnzwardeingasse nun schon das siebente oder achte Mal veranstaltet wurde und das bisher mehr oder weniger an mir vorbeigegangen ist. Aber heuer ist alles anders, heuer habe ich in den letzten Monaten gleich mehrere Einladungen dazu bekommen und so bin ich Donnerstagabend hingegangen, denn ich interessiere mich ja f\u00fcr die Literatur jenseits des Horizonts und Stefan Teichgr\u00e4ber von der Dokumentationsstelle hat vor Jahren auch die Veranstaltungen der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/05\/17\/margaretner-literaturgeschichte\/\">&#8220;Szene Margareten&#8221; <\/a>organisiert, mich nach dem Flop mit dem Herrn Winter und der Bezirksr\u00e4tin Steininger von 2002, glaube ich, mit <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_tauben.html\">&#8220;Tauben f\u00fcttern&#8221;<\/a> und Honorar\u00a0 eingeladen und mir dann auch eine Zeitlang die Programme seiner Veranstaltungen geschickt, so da\u00df ich durch ihm vor Jahren schon mit ukrainischen Autoren in Kontakt gekommen bin. Er hat auch zweimal oder so die &#8220;Goldene Margarete&#8221; in der Pannaschgasse organisiert, das war ein Literaturwettbewerb, wo man lesen konnte, da standen auch sehr viele osteurop\u00e4ische Autoren am Programm, die meistens nicht pers\u00f6nlich da waren, weil die Szene weder Fahrt noch \u00dcbernachtung zahlte.<\/p>\n<p>An eine Polin kann ich mich aber erinnern, die mit der \u00dcbersetzung ihres Textes nicht einverstanden war, so hat sie ihn sehr lang nur auf Polnisch gelesen, bis die Leute murrten, weil sie nichts verstanden haben und als das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/04\/14\/margaretner-osterspaziergang\/\">Lesetheater durch Margareten<\/a> gegangen ist, war die Dokumentationsstelle eine Station und Stefan Teichgr\u00e4ber hat sie uns vorgestellt. Nun also ein Literaturfestival das sehr liebevoll und mit wahrscheinlich kleinen Mittel organisiert wurde und abwechselnd Lesungen von \u00f6sterreichischen, slowakischen, tschechischen, ungarischen etc Autoren in \u00dcbersetzung bot. Der Direktor des Theaters, Ludvik Kavin, ich glaube, auch ein Tscheche hat er\u00f6ffnet und dann begann Ursula Kovalyk, die in Kosice geboren wurde, in Bratislava lebt, Krankenschwester war und jetzt in einer sozialen Einrichtung mit Obdachlosen arbeitet, mit ihrem Text der &#8220;Die Kunst-oder Zirkusreiterin&#8221; hei\u00dft. Es ist das vierte Buch, der 1969 Geborenen und handelt der Tochter einer Alleinerzieherin, die f\u00fcr sie einen Vater sucht. Dann kam Bettina Balaka, die geb\u00fcrtige Salzburgerin, die ich 1996 f\u00fcr mich entdeckte, als ich in der Jury des Nachwuchsstipendiums war, dann hat sie bald den Alfred Ge\u00dfweinpreis gewonnen, bei der von der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/28\/ruth-aspocks-buchpremiere\/\"> Ruth<\/a> organisierten Veranstaltung <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/poesie_und_brotberuf.html\">&#8220;Poesie und Brotberuf&#8221;<\/a> sind wir gemeinsam bei der Poldi aufgetreten. Ihren <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/03\/15\/kassiopeia\/\">vorletzten Roman<\/a> habe ich gelesen, jetzt ist wieder einer erschienen, der &#8220;Unter Menschen&#8221; hei\u00dft und, das ist interessant, von einem Hund handelt. Von einem Migrantenhund, wie Bettina Balaka erw\u00e4hnte, denn die meisten Hunde kommen aus dem Ausland. Der in dem Buch aus Ungarn und dorthin l\u00e4uft er wieder hin, vorher ist er aber bei einem \u00fcbergewichtigen Diabetikerin, der unter einer sehr oder vielleicht auch nur vermeintlicht unsympathisch Magistra, Bachelor oder wie die neuen Titel jetzt so alle hei\u00dfen, die Sektionschefin im Innenministerium ist, lebt, die alle anzeigt, aber seltsamerweise wegen einer unangemessenen Anzeige dreihundert Euro Strafe bekommt. So ruft sie nicht bei der Polizei an, als der Hund unter ihr sechs Stunden bellt, weil der Diabetiker inzwischen einen Hypo hatte, sondern ruft erst die Feuerwehr, als es aus der Wohnung raucht, weil die Ravioli angebrannt sind, der Notarzt schimpft\u00a0 mit ihr und der Hund wird von einem Polizisten aus dem Krankenwagen entfernt. Dann wurde es lyrisch, n\u00e4mlich mit Katerina Rudcenkova aus Prag, die aus ihrem Gedichtband &#8220;Gang \u00fcber die D\u00fcnen&#8221; las und dann gab es eine kleine Pause, weil der Star des Abends, die 1932 in Budapest geborene Anna Jokai, die schon mit dem &#8220;Staats&#8221;- und dem &#8220;Kossuth-Preis&#8221; ausgezeichnet wurde und spirituellen Realistin ist, noch nicht da war. So gab es schon vorher die Br\u00f6tchen und die &#8220;Raffaello-Kugeln&#8221;, dann kam die alte Dame, beziehungsweise las Sebastian Reinfeld aus einem Roman, der wenn ich es richtig verstanden habe &#8220;Das hungrige Leben&#8221; hei\u00dft und vom Untergang einer Familie handelte, ein anderer &#8220;Das Licht der Welt&#8221; lag am Lesetisch und anschlie\u00dfend gab es ein Gespr\u00e4ch mit der Autorin, das gleich von zwei \u00dcbersetzern am Podium und noch einem Herrn im Publikum, der m\u00f6glicherweise Ge\u00f6rgy Buda war oder ihm \u00e4hnlich gesehen hat, \u00fcbersetzt wurde. Den Abschlu\u00df des Donnerstags bildete die 1971 in Salzburg geborene, jetzt in Berlin lebende Autorin Kathrin R\u00f6ggla, mit der ich einem im Salzburger Literaturhaus bei dem von Christine Haidegger organisierten Symposium &#8220;Sichten und Vernichten&#8221; gelesen habe und die dann auch schnell ber\u00fchmt geworden ist <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/08\/wir-schlafen-nicht\/\">&#8220;Wir schlafen nicht&#8221;<\/a>, habe ich gelesen. Sie war auch einmal Jurorin beim <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/10\/erich-fried-tage-2013\/\">&#8220;Fried-Preis&#8221; <\/a>und wurde von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/09\/07\/saisonstart-mit-angelika-reitzer\/\">Angelika Reitzer<\/a> zu\u00a0 dem von ihr organisierten Symposium <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/19\/wie-im-echten-lebenkathrin-roggla\/\">&#8220;Wie im echten Leben&#8221;<\/a> eingeladen. Jetzt hat sie einen wahrhaft fulminanten Text \u00fcber die Globalisierung hingelegt. Eine Frau oder vielleicht ein Mann f\u00e4hrt mit einem Fahrer zum Flughafen und monologisiert\u00a0 die ganze Zeit vor sich hin, ob sie sich am rechten Weg befindet. &#8220;Wie in Mumbay, wir sind aber nicht in Mumby, Hongkong, Taschkent,etc&#8221;. Der Text hei\u00dft &#8220;Die Tangente&#8221; und wird im n\u00e4chsten Jahr in einem Erz\u00e4hlband, bei &#8220;Fischer&#8221; glaube ich, erscheinen. Er wurde auch \u00fcbersetzt und anschlie\u00dfend ebenso sehr fulminant auf Tschechisch gelesen. Am Freitag gings weiter mit etwas weniger Publikum und Martin Reiner aus Br\u00fcnn, 1964 geboren, dem es irgendwie wie mir, nur umgekehrt ergeht, die Gro\u00dfmutter eine echte Wienerin, meine kam aus der Tschechai, der Name Deutsch, meiner hat das hacek in der Geburtsurkunde und die Sprache ist, genauso wie beim <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/03\/wildganspreis-und-peter-henisch-schlusveranstaltung\/\">Peter Henisch<\/a>, dessen Gro\u00dfeltern auch Zuwanderer waren, verlorengegangen. Er hat sich mit dem Werk eines mir bisher unbekannten tschechischen Dichters namens Ivan Blatny besch\u00e4ftigt, dessen gro\u00dfer Roman Ludvik Kavin, wie er in der Einleitung erw\u00e4hnte, sehr gefallen hat. Leider ist er nicht auf Deutsch \u00fcbersetzt und Ivan Blatny, entnehme ich &#8220;Wikipedia&#8221;1919 in Br\u00fcnn geboren, 1990 in Colchester, England, gestorben und im Exil an Schizophrenie erkrankt, wie auch dem &#8220;Roman \u00fcber den Dichter Blatny&#8221; zu entnehmen war. Dann kam Melica Beslija, 1973 in Bonien Herzegowina geboren und in Sarajewo aufgewachsen, die in Wien vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie und Slawistik studierte und bei &#8220;Atelier&#8221;, den Roman &#8220;Sarajewo in der Geliebten&#8221; herausgab. Sie las mit sehr viel Dramatik und Engagemeint einen Text der &#8220;Nationalismus&#8221; hie\u00df und der ihr, wie sie in der Einleitung betone, sehr wichtig war. Herausgekommen ist eine Gespenstergeschichte, der Nationalismus, als kopflose Gestalt, die in eine Wirtschaft eindringt und zwei Freunde zu entzweifen versucht. Leider hat sie Ludwik Kavin beim Lesen unterbrochen, so da\u00df nicht klar wurde, odb es ihm gelungen ist?<\/p>\n<p>Die Geschichte hat es aber, wie ich f\u00fcrchte, bewiesen und war wahrscheinlich auch das, was Melica Besilija in Sarajevo erlebte, bevor sie nach Wien gekommen ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/09\/03\/schlafriges\/\">Antonio Fian<\/a> las sechs seiner Dramolette, wo es um die Unm\u00f6glichkeit sich zu verstehen geht, darunter das, was man im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/04\/19\/eroffnung-des-literaturmuseums\/\">Literaturmuseum<\/a> nachh\u00f6ren kann, aber auch das wo Kanzler Gusenbauer in einer Hauptschule Nachhilfe gibt und die Kinder aufschreiben l\u00e4\u00dft, was an den Eurofightern gut ist, etc. Nach der Pause folgte Adga Pavi Pain aus Kosice, der in Bratislava lebt, einer der bedeutensten und umstrittensten Autoren, wie im Programm stand. Er schreibt unter verschiedenen Pseudonymen und Ludvik Kavin wunderte sich auch \u00fcber seinen Namen, der so gar nicht slowakisch klingt. Der schwarz gekleidete schlanke Mann mit einer schwarzen Baseballkappe hatte eine Menge B\u00fccher auf dem B\u00fcchertisch liegen, darunter eines aus der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/18\/erster-messetag-und-bank-austria-literaris-lesefest\/\"> &#8220;Edition zwei&#8221;<\/a>, die es, glaube ich, inzwischen nicht mehr gibt, aus dem &#8220;Wieser-Verlag&#8221; und in seinem Text ging es um eine Disko, beziehungsweise um zwei DJs, die in einem Pionierhaus auflegen.<\/p>\n<p>Dazu passte auch der letzte Text des Ungarn, Laszlo Darvasi aus Szeged, 1962 geboren, der krankheitshalber nicht gekommen war. So gab es nur die \u00dcbersetzung und da entschuldigte sich die junge Frau die gelesen hat, gleich f\u00fcr die vielen schlechten W\u00f6rter, die nun kommen werden. Ich dachte zuerst, sie meint ihre ungarische Aussprache, es waren aber die Worte &#8220;Schei\u00dfe&#8221; gemeint, die oftmals vorkamen, denn es war auch ein sehr deftiger realistischer Text, von zwei Jungen, die offenbar in ein Hotel hochfuhren und die ganze Zeit \u00fcbers Schei\u00dfen und da\u00df man sich danach abwischen mu\u00dfte redeten, dazwischen gab es einige Schl\u00e4gereien und so ist vielleicht auch die Realit\u00e4t im heutigen Ungarn, Bulgarien oder Rum\u00e4nien, wo es Stra\u00dfenkinder und viele Probleme gibt und dann war das Festival schon fast vorbei.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, es gab wieder freie Br\u00f6tchen und Getr\u00e4nke, die man sich kaufen konnte.<\/p>\n<p>Ludvik Kavin lud zur Diskussion ein und es war eine interessante Mischung zwischen \u00f6sterreichischer und ost-bzw. mitteleurop\u00e4ischer Literatur, so da\u00df ich mich schon auf das n\u00e4chste Jahr und den n\u00e4chsten literarischen Lenz freue und kann noch hinzuf\u00fcgen, da\u00df ich schon einmal, ich glaube, es war 1998 oder 1999 zu einem runden Geburtstag von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/23\/nachruf-auf-rolf-schwendter\/\">Rolf Schwendter<\/a> im &#8220;Theaterbrett&#8221; gelesen habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So hei\u00dft ein Festival, das von der &#8220;Dokumentationsstelle f\u00fcr ost- und mitteleurop\u00e4ische Literatur&#8221; im &#8220;Theaterbrett&#8221; in der M\u00fcnzwardeingasse nun schon das siebente oder achte Mal veranstaltet wurde und das bisher mehr oder weniger an mir vorbeigegangen ist. 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