{"id":36223,"date":"2015-06-04T00:22:00","date_gmt":"2015-06-03T22:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=36223"},"modified":"2015-06-04T00:22:00","modified_gmt":"2015-06-03T22:22:00","slug":"entdeckungen-in-mexiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=36223","title":{"rendered":"Entdeckungen in Mexiko"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich mit Egon Erwin Kisch schon in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/12\/china-geheim\/\">China<\/a> gewesen bin und seinen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=36050&amp;preview=true\">jouralistischen Werdegang in Prag mitbeobachten<\/a> konnte, geht es jetzt nach Mexiko, wo auch &#8220;Der Jahrmarkt der Sensationen&#8221; geschrieben wurde, dort kamen die &#8220;Entdeckungen&#8221; 1945 noch vor Ende des Krieges, in einem Exil-Verlag heraus, es war das letzte Buch, das Kisch geschrieben hat, der dann nach Prag zur\u00fcckkehrte, wo er 1948 gestorben ist.<\/p>\n<p>Also die Reisereportagen, mein Buch ist 1947 im &#8220;Globus-Verlag&#8221; erschienen, ich habe es nat\u00fcrlich aus dem B\u00fccherschrank,\u00a0 die vor siebzig Jahren \u00fcber ein Land geschrieben wurden, das ich mit dem Alfred und der kleinen Anna in den Neunzehnneunzigerjahren bereiste, der Alfred ist mit dem Karli vor kurzem dort gewesen und, hat Vanille, Schokolade, Topflappen, T-Shirts und noch einiges anderes mitgebracht.<\/p>\n<p>Der rasende Reisereporter, der ein excellenter Schreiber war und seine Reportagen immer\u00a0 entsprechend aufbereitete, beginnt mit dem Essen oder &#8220;Geschichten mit dem Mais&#8221;, denn das ist das Grundnahrungsmittel der Mexikaner, die es in Form von &#8220;Tamales&#8221;, &#8220;Enchiladas&#8221;, &#8220;Tacos&#8221; oder &#8220;Quesadillas&#8221; essen, einiges davon ist auch mir bekannt.<\/p>\n<p>Man kann den Mais auch trinken, schreibt Kisch weiter und gebacken werden die Tortillas in den St\u00e4dten in den &#8220;Tortilleras&#8221;, am Land geht man zu den Maism\u00fchlen, mahlt sein Selbstangebautet und brutzelt es dann zu Hause.<\/p>\n<p>Die Mexianer sind und waren sehr arm und zu Zeiten, als Kisch dort war, wurden sie von den Amerikanern \u00fcber die Grenze geholt um dort in den Gem\u00fcsefeldern zu arbeiten, w\u00e4hrend der Maisanbau zu Hause ver\u00f6dete.<\/p>\n<p>\u00dcber die Besatzung durch die Spanier, die mit den goldenen Korn zuerst nichts anfangen konnten, wird auch berichtet, sp\u00e4ter wurde es auch in Spanien angeplanzt und entsprechenden vermarktet.<\/p>\n<p>Dann berichtet Kisch vom Ausbruch eines Vulkans, der das Maisfeld des Indio Dionisio Pulido vernichtet und gibt anschlie\u00dfend ein &#8220;Kolleg \u00fcber die Kulturgteschichte des Kaktus&#8221;, wo er Goethe, Stifter, Karl May, Cortez, den Eroberer, Napoleon, Hebbel, Spitzweg, Humboldt , sowie Henri Rousseau erw\u00e4hnt und \u00fcber die Heraldik, die bildende Kunst, die Literatur, die Geschichte, das Manufakturwesens, die Industrie, die Pharmakologie, die Ethnographie, die Hydologie und die Dialektik des besagten Gegenstandes Auskunft gibt.<\/p>\n<p>In &#8220;Der Nibelungenschatz von Mexiko&#8221; wird \u00fcber den Goldschatz der Atzeken berichtet, \u00fcber den der &#8220;brave Soldat Bernal Diaz del Castillo&#8221; 1519 meinte &#8220;Die ganze \u00fcbrige Welt zusammengenommen kann nicht so viele K\u00f6stlichkeiten besitzen&#8221; und dar\u00fcber, wie die Spanier ihn unter sich aufteilen bzw. dem K\u00f6nig zukommen lassen wollten und wie er zuletzt verschwand.<\/p>\n<p>Dann begibt sich Kisch als Interviewer zu den Pyramiden, entlockt ihnen so manche Geheimnisse, bis sie ihm ank\u00fcndigen, da\u00df sie sich nun nach Europa begeben werden, um sich mit den Tr\u00fcmmern, die dort gerade angerichtet wurden, zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Und weil die Spanier die Indios nat\u00fcrlich missionieren wollten, wird im n\u00e4chsten Kapitel von der Madonnenbegegnung des kleinen Juan Diego im Jahre 1531 berichtete, die von ihm, wie in Lourdes, die Errichtung einer Kapelle forderte und interessant dazu, Werfel hat \u00fcber das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/28\/das-lied-von-bernadette\/\">Wunder in Lourdes,<\/a> auch w\u00e4hrend seiner Flucht aus Nazi-Deutschland geschrieben.<\/p>\n<p>Dann geht es um &#8220;Das verteilte Baumwollland&#8221;, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/30\/regierung\/\">B. Traven<\/a> hat ja \u00fcber die<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/29\/der-karren\/\"> Unfreiheit der mexikanischen Landarbeiter <\/a>geschrieben, dann kam der Streik, die Bauern wurden frei, waren aber, weil ihnen die Herren nur verrostetes Arbeitszeug hinterlassen haben, bald bei den Banken sehr verschuldet, es gab tolle Spit\u00e4ler, aber die Bauern hatten keine Zeit dorthin zu gehen und brauchten ihre Kinder auch auf dem Feld, statt sie zur Schule zu schicken.<\/p>\n<p>Kaiser Maximillian hatte in Mexiko kein Gl\u00fcck und Kisch besuchte dann ein\u00a0 Silberbergwerk, wo es aussieht, wie in &#8220;einen Jules Verne Roman&#8221; und wo es nicht sicher ist, ob es das heute noch gibt.<\/p>\n<p>Dann geht es in ein Lepraspital, eine damals laut Kisch auch in Europa noch weit verbreitete Krankheit und das Metall Mica oder Glimmer, wie ich ergooglet habe, wurde zum Segen &#8220;der motorisierten Menschheit&#8221; ich glaube nahe der Stadt Oaxaca, in der wir auch waren, abgebaut, dort gibt es auch den Monte Alban und der birgt Kristalle, aus denen schon die Ureinwohner kunstvollen Schmuck herstellten.<\/p>\n<p>Aus den Agaven wird das Volksgetr\u00e4nk &#8220;Pulque&#8221; hergestellt, an dem sich dann alle betrinken und die Krankheiten werden mittels Kr\u00e4uter vertrieben, die von den einheimischen Frauen gesammelt und am Markt verkauft werden. Da gibt es welche die einen in Schlaf versetzen, so da\u00df die W\u00f6cherinnen, die Wehen nicht merken und erst aufwachen, wenn der S\u00e4ugling seine Milch haben will.<\/p>\n<p>Und Hahnenk\u00e4mpfe gibt es auch, da werden den H\u00e4hnen die Federn und die Fl\u00fcgel abgeschnitten und alle beteiligen sich an den Wetten, obwohl die K\u00e4mpfe in den St\u00e4dten verboten sind.<\/p>\n<p>In &#8220;Gesch\u00e4ftsreise&#8221; geht es mit einem Amerikaner zu den Heimarbeitern und sogar in ein Gef\u00e4ngnis, wo in T\u00f6pfereien Souveniers f\u00fcr die Amerikaner hergestellt werden und ein &#8220;Indiodorf unter dem Davidstern&#8221; gibt es auc, genauso, wie bei den Nazis auch Mexikoforschung betrieben wurde. Da gibt es dann auch einige Deunizanten, die sich gegenseitig verunglimpften, so da\u00df die &#8220;Verwirrungen einer Kaiserin&#8221; geradezu erholsam sind. Oder auch nicht nat\u00fcrlich, denn Carlotta, die Frau von Kaiser Maximillian soll nach einer Vergiftung in lebenslangen Wahnsinn verfallen sein, so reist der rasende Reporter herum und untersucht alle Gifte, die daf\u00fcr in Frage kommen und landet schlie\u00dflich bei einem Pilz, den sie angeblich als Abteibungsmittel verwenden wollte.<\/p>\n<p>Dann geht es noch weiter mit der Erforschung Mexiko Mitte der Neunzehnhundertvierzigerjahre, wo ein Jahr nach dem Vulkanausbruch die Gesch\u00e4fte bl\u00fcten, Petroleumleitungen verlegt wurden und Kisch ein solches Werk besucht. Einen Film \u00fcber das Elend, die die Silberausbeutung verursachte, hat er auch in seinen Kopf gedreht und man bekommt, falls das inzwischen wahrscheinlich l\u00e4ngst vergriffene Buch noch zu bekommen ist, einen sehr guten Eindruck \u00fcber das mexikanische Leben vor siebzig Jahren, das immer wieder durch Eindr\u00fccke was gleichzeitig in Europa geschah und wahrscheinlich Kischs Traumatisierung im fernen Mexiko sichtbar macht, vermischt wird.<\/p>\n<p>Ein sehr interessantes Buch, ich empfehle es zu lesen, in den Bibliotheken und Antiquariaten wird es wahrscheinlich aufzusp\u00fcren sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich mit Egon Erwin Kisch schon in China gewesen bin und seinen jouralistischen Werdegang in Prag mitbeobachten konnte, geht es jetzt nach Mexiko, wo auch &#8220;Der Jahrmarkt der Sensationen&#8221; geschrieben wurde, dort kamen die &#8220;Entdeckungen&#8221; 1945 noch vor Ende &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=36223\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[5025,3549,1405],"class_list":["post-36223","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-der-rasende-reporter","tag-egon-erwin-kisch","tag-mexiko"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36223","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=36223"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36223\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=36223"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=36223"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=36223"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}