{"id":36202,"date":"2015-05-25T00:38:21","date_gmt":"2015-05-24T22:38:21","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=36202"},"modified":"2015-05-25T00:38:21","modified_gmt":"2015-05-24T22:38:21","slug":"eine-art-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=36202","title":{"rendered":"Eine Art Liebe"},"content":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/19\/deutsches-lesen\/\">deutschen Lesen<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/16\/alberta-empfangt-einen-liebhaber\/\"> und<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/15\/luft-und-liebe\/\"> der<\/a> Liebe, obwohl es in dem 2011 erschienenen Roman, der 1967 in Frankfurt am Main geborenen Katharina Hacker, die 2006 mit den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/10\/die-habenichtse\/\">&#8220;Habenichtsen&#8221;<\/a> den dBp bekommen hat, um etwas ganz anderes geht, ist er doch Saul Friedl\u00e4nder gewidmet und soll, wie im Nachwort steht, sein Leben nacherz\u00e4hlen, obwohl er nichts mit seiner Biografie zu tun hat und ein wenig \u00fcber die Kunst des Schreibens und wie das so mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/25\/jadran-heist-die-adria\/#comments\">Autobiografien<\/a> so ist, geht es in dem Buch, einer Art Dreiecksgeschichte, zwischen der Studentin Sophie, die genau wie Katharina Hacker, drei Jahre in Jerusalem Hebr\u00e4isch studiert und dort Moshe oder Moses bzw. Maurice Fein oder Jean Marie Ferrir kennenlernt, der mit einem Trapistenm\u00f6nch befreundet war, der auf seltsame Weis, in einem Berliner Nachtclub ums Leben kam.<\/p>\n<p>Kompliziert genug? Katharina Hacker macht die leider an sich einfache Geschichte, des 1930 in Berlin geborenen Moses, der mit seinem Vater, Theodor, einem Rechtsanwalt und seiner Mutter Ruth, einer S\u00e4ngerin, Ende der Drei\u00dfigerjahre nach Paris emigrieren mu\u00df, noch ein bi\u00dfchen undurchsichtiger, in dem sie nicht linear erz\u00e4hlt, sondern von vorne nach hinten h\u00fcpft, die Perspektiven wechselt, einmal erz\u00e4hlt die Studentin, die in dem Buch auch noch ihre Beziehungen wechselt, einmal Moshe selbst, dann gibt es\u00a0 noch Notizzetteln von ihm und am Anfang des Buches schenkt Moshe ihr\u00a0 Jeans Geschichte, mit dem Auftrag sie aufzuschreiben, der letzte Satz auf Seite 265 lautet, dann auch auf Sophies Frage, ob die Geschichte, so wie er es sich vorgestellt h\u00e4tte, geworden w\u00e4re &#8220;Ich habe mir nichts vorgestellt!&#8221;, antwortete Moshe. &#8220;Es ist deine Geschichte, ich habe sie dir geschenkt!&#8221;<\/p>\n<p>Und so k\u00f6nnen wir also zwischen Phantasie und Wahrheit, Fiktion und Realit\u00e4t w\u00e4hlen und um Schuld und S\u00fchne und wer der H\u00fcter seines Bruder ist und ob ein halbw\u00fcchsiger Junge Schuld am Tod eines j\u00fcdischen Ehepaars ist, nur weil er seinem kollaborierenden Vater verr\u00e4t, da\u00df der wahre Name seines Freundes Moses Fein und nicht Jean Marie ist? Denn das war der Einfall des Paters Gerard, den kleinen Moses taufen zu lassen und in ein Kloster zu stecken, w\u00e4hrend die Eltern versuchen sollten von Frankreich, das inzwischen von den Deutschen besetzt wurde, in die Schweiz zu fl\u00fcchten.<\/p>\n<p>Die b\u00f6sen Schweizer lieferten die beiden an die Nazis aus, Ehepaare mit Kindern haben sie durchgelassen, h\u00e4tten die beiden, den kleinen, der inzwischen Jesuit werden will, w\u00e4hrend es seinen Freund Jean in das Schweigekloster der Trapisten zieht, also doch nur mitgenommen. Aber wieder sch\u00f6n der Reihe nach, weil meine Leser ja manchmal mit meinen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/22\/uber-bulgarien\/#comments\">Schachtels\u00e4tzen Schwierigkeiten<\/a> haben, obwohl ich ja eigentlich ohnehin eher linear erz\u00e4hle.<\/p>\n<p>Da ist also die Ich-Erz\u00e4hlerin, von der man sp\u00e4ter ihren Namen Sophie erf\u00e4hrt, die in Jerusalem studiert und dort \u00fcber den Umweg eines Buchh\u00e4ndlers, den Rechtsanwalt Moshe Fein kennenlernt, der 1939, glaube ich, mit seinen Eltern nach Frankreich emigrierte. Der Vater ist herzkrank. So \u00fcberredet ihn Pater Gerard, das Kind, das er bisher selber unterrichtet hat, in eine Klosterschule zu stecken, in der ersten wird er Maurice gerufen, in der zweiten, nahe der Schweizer Grenze, als die Eltern dorthin flohen, wird er getauft und mu\u00df seinen sch\u00f6nen Namen hergeben. Er beginnt zu weinen, der um ein Jahr \u00e4ltere Jean, der eigentlich in eine Nazi-Schule sollte, aber wegen seiner frommen Mutter doch in das Kloster durfte, tr\u00f6stet ihn damit, da\u00df er seinen Namen Jean-Marie haben darf.<\/p>\n<p>Ob es eine erotische Beziehung zwischen den beiden Jugendlichen gibt, wei\u00df ich nicht, wenn, wird sie nur angedeutet. Die Geschichte beginnt ja Ende der Neunzigerjahre, als Jean schon gestorben ist, Moshe, dessen Frau, die seltsamerweise Ruth, wie seine Mutter hei\u00dft, durch einen Unfall ums Leben kam, verwitwet,\u00a0 hat inzwischen eine Freundin und zu Sophie, der er sehr ruppig begegnet, empfindet er auch &#8220;eine Art Liebe&#8221;.<\/p>\n<p>Sie soll also Jeans Geschichte aufschreiben. Auf den ersten ein- bis zweihundert Seiten, tut sie es aber mit der\u00a0 Moses, Moshes oder Maurice, der, als der Krieg 1945 endet, eigentlich auch Trapist oder Jeusit werden will. Pater Gerard und auch Jean versuchen das zu verhindern, in dem sie j\u00fcdische Verwandte, die in Paris leben aufsuchen, Moses wandelt sich dann auch zum Zionisten, w\u00e4hrend Jean in das Schweigekloster eintritt und emigiriert nach Israel.<\/p>\n<p>Jean will eigentlich Einsiedler werden, der Abt verhindert das aber, so beginnt er zu reisen, nach irgdeneinem Konzil, sind die Ordensregeln nicht mehr so streng, \u00fcber die Melancholie zu schreiben und auch Moshe, dessen Hochzeit er noch verweigerte, zu treffen. So zum Beispiel in Venedig, wo er in einer Kirche das Kain und Abel Gem\u00e4de sieht und man nach und nach herausbekommt, welche Schuld, den M\u00f6nch qu\u00e4lt, so da\u00df er mit sechzig Jahren, das Kloster verl\u00e4\u00dft, Moshe einen Brief schreibt, da\u00df er nicht an Gott glaubt und nach Berlin verschwindet, wo er in sch\u00e4bigen Hotelzimmern wohnt, in einem Nachtklub arbeitet und dort schlie\u00dflich wie der Abel erschlagen wird.<\/p>\n<p>Bei Moshe wurde inzwischen ein Hirntumor entdeckt, er reist seinem Freund trotzdem nach, beziehungsweise trifft er Anfangs des neuen Jahrtausends, Sophie die sich wieder mit ihren fr\u00fcheren Freund Sebastian befreundet hat, in Berlin und weigert sich, ihre Geschichte zu lesen.<\/p>\n<p>Ganz sch\u00f6n kompliziert, aber doch sehr poetisch und nachdenkenswert \u00fcber die Schuld und S\u00fchne und Lebensl\u00e4ufe der Neunzehnhundertdrei\u00dfig geborenen Kinder, die pl\u00f6tzlich ihre Familien verloren, ihre Religion und Identit\u00e4ten wechseln mu\u00dften, aber auch \u00fcber Sinn und Unsinn des M\u00f6nchtums, des Z\u00f6libats und der Schweigegel\u00fcbde und den Schwierigkeiten dieses Lebens \u00fcberhaupt, kann man sinnieren und ich habe nach dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/22\/der-vorleser\/\">&#8220;Vorleser&#8221;,<\/a> der den Holocaust von einer anderen Seite her erz\u00e4hlt, wieder ein interessantes Buch \u00fcber ein unr\u00fchmliches St\u00fcck der deutschen Vergangenheit gelesen, wo ich noch anmerken will, da\u00df ich etwas \u00c4hnliches, Ende des vorigen Jahrhundert mit den <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/buecher.html\">&#8220;Wiener Verh\u00e4ltnissen&#8221;<\/a> meinem ersten selbstgemachten Buch, das ich als Reaktion auf einen Roman von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/28\/ruth-aspocks-buchpremiere\/\">Ruth Asp\u00f6ck, <\/a>geschrieben habe.<\/p>\n<p>Ein an sich linear erz\u00e4hlter Roman, mit einem Vorwort \u00fcber den Literaturbetrieb, dann reist die Protagonistin Hanna nach dem Tod ihres Vaters und einem Buch, das sie in dessen Nachla\u00df gefunden hat, nach New York. um dort in einem j\u00fcdischen Altersheim Gespr\u00e4che mit dem fast hundertj\u00e4hrigen Jakob Mandelbaum zu f\u00fchren, der sich auch schuldig am Tod seiner Eltern und seines Bruders in Theresienstadt bzw. Auschwitz f\u00fchlt.<\/p>\n<p>Diana Vogt, der ich das Manuskript dann schickte, hat mir in einem Brief geschrieben, da\u00df sie es f\u00fcr keinen Roman h\u00e4lt, was ich ganz ehrlich, immer noch nicht verstehe und sie nicht w\u00fc\u00dfte, wer sich daf\u00fcr interessiere und wem sie es anbieten k\u00f6nne?<\/p>\n<p>So ist es mein <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/28\/ruth-aspocks-buchpremiere\/\">erstes<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/04\/die-auflosung\/\">selbstgemachtes<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/08\/sechzig-minuten-aus-dreisig-buchern\/\">Buch<\/a> geworden, das mir der Alfred damals zum Geburtstag schenkte, das die Freiheitsstatue am Cover hat und das inzwischen l\u00e4ngst vergriffen ist. Nur meine Belegexemplare habe ich noch in Harland und in der Krongasse stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit dem deutschen Lesen und der Liebe, obwohl es in dem 2011 erschienenen Roman, der 1967 in Frankfurt am Main geborenen Katharina Hacker, die 2006 mit den &#8220;Habenichtsen&#8221; den dBp bekommen hat, um etwas ganz anderes geht, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=36202\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[1304,1008,442,359],"class_list":["post-36202","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-deutschland","tag-frankreich","tag-holocaust","tag-israel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36202","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=36202"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36202\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=36202"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=36202"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=36202"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}