{"id":36140,"date":"2015-05-22T00:38:00","date_gmt":"2015-05-21T22:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=36140"},"modified":"2015-05-22T00:38:00","modified_gmt":"2015-05-21T22:38:00","slug":"der-vorleser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=36140","title":{"rendered":"Der Vorleser"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt das zweite Buch, auf meiner<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/19\/deutsches-lesen\/\"> &#8220;Deutschland-Leseliste&#8221;,<\/a> das ich von\u00a0<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/20\/mit-dem-rad-von-ulm-nach-regensburg\/\"> Ulm nach W\u00fcrzburg<\/a> mitgenommen habe.<\/p>\n<p>Bernhard Schlinks &#8220;Der Vorleser&#8221;, ein Fund aus dem B\u00fccherschrank und ein sehr ber\u00fchmtes Buch, das auch verfilmt worden ist. Beides ist an mir vorbeigegangen, so da\u00df ich nicht genau wu\u00dfte, wor\u00fcber es darin geht.<\/p>\n<p>Von dem\u00a0 1944 in Gro\u00dfdorning geborenen Juristen, habe ich mir, glaube ich, 1996 als ich nach <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/02\/bachmannpreisgefluster\/\">Klagenfurt<\/a> gefahren bin, um dort zuzuh\u00f6ren und das literarische Feeling zu schnuppern, beim\u00a0 &#8220;Libro&#8221; einen Krimi gekauft, der mir aber, glaube ich, nicht sehr gefallen hat.<\/p>\n<p>Jetzt ist vor kurzem ein neuer Schlink &#8220;Die Frau auf der Treppe&#8221; erschienen&#8221;, da habe ich die Rezension ein bi\u00dfchen mitverfolgt und jetzt den &#8221; Vorleser&#8221;, gelesen<\/p>\n<p>Auf der Zugfahrt zur\u00fcck von W\u00fcrzburg nach Wien, als ich mit der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/21\/einsamkeit\/\"> Gabriele Wohmann<\/a> fertig war, habe ich es begonnen und ich kann schreiben, da\u00df es leichter zu lesen war und mir auch sehr gefallen hat.<\/p>\n<p>Sehr eindrucksvoll die Geschichte des Ich-Erz\u00e4hlers, Michael Bergs, der in den fr\u00fchen Sechzigerjahren mit f\u00fcnfzehn Jahren als er an Gelbsucht erkrankte, die etwa zwanzig Jahre \u00e4ltere Hanna Schmitz kennenlernt.<\/p>\n<p>Sie hilft ihn bei einer Unp\u00e4\u00dflichkeit, seine Mutter schickt ihn mit Blumen zu ihr, um ihr zu danken. Sie ist gerade beim B\u00fcgeln, entkleidet sich bis aufs Unterkleid, er l\u00e4uft davon, kommt aber wieder und sie beginnt ihn zu verf\u00fchren &#8220;Das ist doch, was du willst, Jungchen!&#8221; und die Geschichte beginnt.<\/p>\n<p>Heute w\u00fcrde man das sexuellen Mi\u00dfbrauch nennen, aber das wird nicht einmal thematisiert.<\/p>\n<p>Eine Geschichte also \u00fcber die sich sehr nachdenken l\u00e4\u00dft und, die in den drei Teilen, in denen sie erz\u00e4hlt hat, mehrere \u00fcberraschende Drehungen und Wendungen nimmt.<\/p>\n<p>Der Ich-Erz\u00e4hler, ein Jurist, der sich mit Rechtsgeschichte besch\u00e4ftigt, man k\u00f6nnte auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/25\/jadran-heist-die-adria\/#comments\">einiges Biografisches<\/a> zuordnen, beziehungsweise finden, erz\u00e4hlt die Geschichte, zehn Jahre nach Hannas Tod.<\/p>\n<p>Im ersten Teil \u00fcbersteht er die Gelbsucht, mu\u00df dabei solange zu Hause bleiben, da\u00df er glaubt, das Schuljahr wiederholen zu m\u00fc\u00dfen, das l\u00e4\u00dft Hanna, die er seither jeden Tag besucht nicht zu, so verspricht er ihr zu lernen und schafft es auch.<\/p>\n<p>Er mu\u00df ihr vor der Liebe jeden Abend vorlesen und es kommt auch zu Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen zwischen den Beiden, einmal schl\u00e4gt sie ihm mit ihrem G\u00fcrtel, als er nur kurz Fr\u00fchst\u00fcck holen wollte, sie glaubte offenbar, er wolle sie verlassen und hat den Zettel, den er ihr hinterlie\u00df, nicht gesehen. Einmal will er sie, sie ist Stra\u00dfenbahnschaffnerin, auf der Fahrt \u00fcberraschen, da ignoriert sie ihn und sie auch auf einmal verschwunden.<\/p>\n<p>Das irritiert den jungen Mann, Sohn eines Philosophieprofessors, der die Nazi Zeit einigerma\u00dfen mit Anstand \u00fcberstand, der nach der Matura Jus studiert und w\u00e4hrend eines KZ-Seminars, wo die Studenten einen Proze\u00df mitverfolgen, trifft er Hanna wieder.<\/p>\n<p>Sie, die ihm nie sehr viel von sich erz\u00e4hlte, war Aufseherin in einem KZ bei Krakau, ist auch Schuld, da\u00df Frauen und Kinder in einer Kirche verbrannten und wird lebenslang verurteilt.<\/p>\n<p>Er kommt jeden Tag in den Gerichtssaal, reagiert dann k\u00f6rperlich, da\u00df er keine K\u00e4lte versp\u00fcrt und fast daran stirbt, schlie\u00dft sein Studium\u00a0 ab, heiratet und l\u00e4\u00dft sich bald wieder scheiden.<\/p>\n<p>Im dritten Teil beginnt er Hanna Cassetten von der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/02\/02\/reise-durch-die-odyssee\/\"> &#8220;Odyssee&#8221;<\/a>, aber auch von anderen Klassikern, die er besprochen hat, zu schicken, dernn er hat w\u00e4hrend des Proze\u00dfes herausbekommen, da\u00df sie Analphabetinist, deshalb interessiert sie sich soviel f\u00fcr Bildung.<\/p>\n<p>Auch eine \u00fcberraschende Wendung und nach achtzehn Jahren soll sie freikommen, da wendet sich die Leiterin der Strafanstalt an ihn mit der Bitte ihr eine Wohnung und eine Arbeit zu besorgen, da er offenbar der einzige ist, der Kontakt zu ihr aufnahm.<\/p>\n<p>Er dr\u00fcckt sich erst vor einem Besuch, kommt dann aber doch, trifft eine alte, dicke Frau, die auch so riecht und am Tag vor ihrer Entlassung, als er sie abholen will, hat sie sich in ihrer Zelle erh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Die Leiterin zeigt ihm ihre Zelle, sie hat an Hand seiner Cassetten das Lesen und das Schreiben erlernt und sich B\u00fccher von Primo Levi, Elie Wiesel, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/16\/grundbuch-jean-amery\/\">Jean Amery<\/a>, aber auch die \u00fcber die Eichmannprozesse aus einer Spezialbibliothek bringen lassen und sie hinterl\u00e4\u00dft ihr Geld einer \u00dcberlebenen, er soll das Geld, das sich in einer Dose befand, nach Amerika bringen und dann beginnt er \u00fcber Hanna und sich zu schreiben und man hat eine etwas andere Holocaustliteratur gelesen.<\/p>\n<p>Kann dar\u00fcber nachdenken, wie es dazu kommen konnte und bekommt vielleicht auch ein bi\u00dfchen Einblick in die Psyche der KZ-W\u00e4rter, die wahrscheinlich oft einfache Menschen waren und vielleicht auch nicht schreiben und lesen konnten. Kann \u00fcber die Sozialisierung in den F\u00fcnfzigerjahre und \u00fcber den Liebessommer eines F\u00fcnfzehnj\u00e4hrigen zu einer zwanzigj\u00e4hrigen \u00e4lteren Frau nachdenken, die sich als KZ-W\u00e4rterin meldete, weil sie verhindern wollte, da\u00df jemand ihren Analphabetismus bemerkte.<\/p>\n<p>Auch so kann man den Holocaust erz\u00e4hlen, denke ich, lese am Buchr\u00fccken, da\u00df das Buch in neununddrei\u00dfig Sprachen \u00fcbersetzt und zum internationalen Bestseller wurde und bin wieder gespannt, was ich noch von Bernhard Schlink finden und lesen werde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt das zweite Buch, auf meiner &#8220;Deutschland-Leseliste&#8221;, das ich von\u00a0 Ulm nach W\u00fcrzburg mitgenommen habe. Bernhard Schlinks &#8220;Der Vorleser&#8221;, ein Fund aus dem B\u00fccherschrank und ein sehr ber\u00fchmtes Buch, das auch verfilmt worden ist. Beides ist an mir vorbeigegangen, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=36140\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[5020,5021,5022,2890],"class_list":["post-36140","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-analphabetismus","tag-holocaustliteratur","tag-internationaler-bestseller","tag-kindesmissbrauch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36140","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=36140"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36140\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=36140"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=36140"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=36140"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}