{"id":36131,"date":"2015-05-21T09:07:35","date_gmt":"2015-05-21T07:07:35","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=36131"},"modified":"2015-05-21T09:07:35","modified_gmt":"2015-05-21T07:07:35","slug":"einsamkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=36131","title":{"rendered":"Einsamkeit"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommen die sechzehn kurzen Erz\u00e4hlungen aus dem 1984 erschienenen &#8220;dtv-Taschenb\u00fcchlein&#8221;, das am Cover vor einem begr\u00fcnten Gartenzaun, einen gro\u00dfen gelben deutschen Postkasten tr\u00e4gt, den es noch heute gibt und an welchen wir in der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/20\/mit-dem-rad-von-ulm-nach-regensburg\/\"> letzten Woche<\/a> \u00f6fter vorbei gefahren sind, der 1932 in Darmstadt geborenen Gabriele Wohmann, die in den Siebzigerjahren, als ich sowohl studierte, als mich auch f\u00fcr Literatur zu interessieren begann, sehr bekannt war, so da\u00df ich, um den Namen nicht herumgekommen bin, einige B\u00fccher von ihr in Harland stehen habe und wohl auch einiges gelesen habe, obwohl sie, wie die sechszehn Erz\u00e4hlungen beweisen, nicht sehr leicht zu verstehen ist, weil sprachlich hintergr\u00fcndig und auch etwas distanziert erz\u00e4hlt, wie ich realistisch flapsig formulieren w\u00fcrde. Heute h\u00f6rt man eher weniger von ihr, sie scheint vergessen zu sein, ihre letzten Romane sind wie ich &#8220;Wikipedia&#8221; entnehme, in den fr\u00fchen Zweitausenderjahren erschienen, aber man findet \u00f6fter etwas in den Schr\u00e4nken, so auch das 1984 erschienene B\u00e4ndchen, da im Juni besagten Jahres, die Klassenbeste der 6A in Melk, wahrscheinlich in einem Gymnasium bekommen hat und dann irgendwann viel sp\u00e4ter im Schrank deponierte. Ob sie es gelesen hat, wei\u00df ich nicht, ich h\u00e4tte es mit Sechzehn h\u00f6chstwahrscheinlich nicht verstanden, habe ich mir in den jeweiligen Hotelzimmern zwischen Ingoldstadt und W\u00fcrzburg und dann noch im Zug nach Wien schon recht schwer getan, was wohl daran liegt, da\u00df ich eine bin, die es gerne realistisch hat, die\u00a0 alles nacherz\u00e4hlen k\u00f6nnen will und wahrscheinlich auch eine Anh\u00e4ngerin des linearen Schreibens, also das, grob gesagt, was nicht f\u00fcr besonders literarisch gilt, Gabriele Wohmann ist oder war aber eine Meisterin des literarischen Erz\u00e4hlens und so geht es in den sechzehn Kurzgeschichten auch h\u00f6chst anspruchsvoll zu und sie sind, wie ich vermute, h\u00f6chstwahrscheinlich weder f\u00fcr eine Klassengabe einer sechsten Gymnasialklasse, noch als Reiselekt\u00fcre f\u00fcr das &#8220;deutsche Lesen&#8221; auf einer Radtopur zwischen Ulm und Regensburg geeignet, aber wo soll man sie sonst lesen? Man soll es nat\u00fcrlich und sich wahrscheinlich mehr M\u00fche geben, als ich es tat, trotzdem nehme ich mir, glaube ich, einen Eindruck des Wohmannschen-chreibens mit und wenn ich auch nicht alle Geschichten verstanden habe,\u00a0 realistisch ist das, worum es darin geht wohl auch, ist die Einsamkeit heute wahrscheinlich noch ein viel gr\u00f6\u00dferes Thema, als es vor drei\u00dfig Jahren war und die Literatur soll ja, wie ich h\u00f6re, kunstvoll und abgehoben sein und wenn man es einfacher will, kann man sich ja etwas anderes zum Radfahren mitnehmen, in den Bahnhofkiosken werden die Chicklits und die Krimis ja auch angeboten, ich habe mich aber in Gabriele Wohmann eingelesen, von der ich auch gerne wissen w\u00fcrde, was sie heute macht und wie es ihr geht und dem &#8220;Rheinischen Merkur&#8221;, am Buchr\u00fccken entnehme ich, &#8220;da\u00df die Kunst von Gabriele Wohmanns Gegenwartsschilderung darin liegt, da\u00df sie in der scheinbaren Normalit\u00e4t heutigen wohlgeordneten Lebens pl\u00f6tzlich die Br\u00fcchigkeit der vermeintlichen Sicherheit, mehr noch: die Gefahr, die f\u00fcr die Psychie gerade in dieser Sicherheit liegt, aufzeigt&#8221;. Vielleicht ist es das, was mich ein wenig st\u00f6rte oder mir das Lesen schwermachte, weil ich gerne alles psychologisch gradlinig und nachvollziehbar haben will, vielleicht habe ich deshalb Psychologie studiert, h\u00f6chstwahrscheinlich sogar und nun hinein in die Nacherz\u00e4hlung oder zu dem, was in meiner Erinnerung haften geblieben ist: Der Buchbeschreibung f\u00fchrt noch die Erz\u00e4hlung &#8220;Solange es Menschen gibt&#8221; an und da geht es um Frau Schober, Witwe wohlsituatiert und bei ihr hat sich eine Miriam mit ihrem Freund einquartiert, die ihr nach und nach alles wegnimmt, schwanger wird und sogar davon spricht, da\u00df die Wirtin in ein Altersheim ziehen soll, damit es mehr Platz f\u00fcr sie, ihren Freund und ihr Kind in dem Wohnhaus gibt. Nicht allt\u00e4glich erz\u00e4hlt, aber wahrscheinlich eine allt\u00e4gliche Geschichte, die sehr vielen Frauen oder auch M\u00e4nnern, inzwischen sicher passierte und noch passieren wird und \u00e4hnlich eindrucksvoll auch die Geschichte &#8220;Erinnerungen an den Tod von Felix Mendelssohn Bartholdy&#8221;, um den es, wenn ich mich recht erinnere, dabei gar nicht geht, sondern um zwei Geschwister, die mit ihren Puppen spielen oder spielten. Wahrscheinlich handelt die Erz\u00e4hlung von der Vergangenheit, als sie Kinder waren, jetzt ist wahrscheinlich sowohl die Mutter tot, als auch die Tanten, von denen ebenfalls erz\u00e4hlt wird. In &#8220;Mein sch\u00f6nster Tag&#8221; geht es um einen Zoobesuch und um einen Schulaufsatz, der dar\u00fcber geschrieben wird und da ist etwas Schreckliches passiert, n\u00e4mlich der Freund Peter, konmmt dabei um und die Erz\u00e4hlerin hei\u00dft Molly und das ist ein Name, der passt, wie gleich am Anfang steht. Sp\u00e4ter kommt man darauf, da\u00df sich das am &#8220;sch\u00f6nsten Tag&#8221; auf das Moll des Lebens bezieht. &#8220;Tiefe Not&#8221; ist auch so eine Geschichte, da richtet eine Frau alles f\u00fcr eine Party her, \u00fcberlegt, ob es W\u00fcrstchen geben soll, entscheidet sich dann\u00a0 f\u00fcr\u00a0 Salzgeb\u00e4ck und dazwischen\u00a0 soll sich der Sohn auf eine Schularbeit f\u00fcr den Bu\u00df und Bettag vorbereiten, aber man ist im Wohlstanddeutschland nicht mehr gl\u00e4ubig, die Pastoren interessieren sich, das ist wohl als leichte Kritik zu verstehen, mehr f\u00fcr den Umweltschutz und die Friedensbewegung, als f\u00fcr Bach und so pl\u00e4tschert es dahin, wird bosartig, br\u00fcchig und man kann \u00fcber diese vermeintliche Wohstandswelt bei Getr\u00e4nken und Kuchen nachdenken, aber etwas anderes haben wir in W\u00fcrzburg im &#8220;Kulturspeicher&#8221; beim Volker Pispers auch nicht gemacht und auch da habe ich das meiste, wor\u00fcber die Leute lachten, so gar nicht lustig gefunden. &#8220;Strafporto&#8221; ist auch so eine tiefgr\u00fcndige Geschichte. Da will eine alte Frau ihrer Tochter ein Erinnerungsalbum in den Urlaub nachschicken, sie ist aber nicht sicher, ob sie es mit der Frankierung richtig schaffte. Die tochter soll aber nicht \u00fcber sie lachen und sie als hilflose Alte brandmarken. So rennt sie durch die Sommerhitze zum Postkasten, um sich das Paket vom Postler wieder zur\u00fcckgeben zu lassen, weil sie sich vor dem weniger, als vor ihrer Tochter geniert. Sechzehn tiefgr\u00fcndige Geschichten \u00fcber Nachbarinnen, Hausfrauen, Lehrerinnen, Ehebruch und Kinder, die das zu verhindern wissen und noch vielesmehr, die alle etwas mit der deutschen und wahrscheinlich auch anderen Wohlstandseinsamkeit zu tun haben und die sehr tiefgr\u00fcndig und sch\u00f6n erz\u00e4hlt sind. Ich w\u00fcrde diese Themen ja viel <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/\">einfacher und verst\u00e4ndlicher <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/07\/augustin-schreibwerkstatt\/\">hinunterschreiben<\/a>, werde aber ( auch) nicht gelesen und ich habe noch andere Wohmann-B\u00fccher auf meiner Liste stehen, weil ich sie mir aus dem Schrank nehme, wenn ich sie finde und in Harland habe ich auch noch einiges, was ich h\u00f6chstwahrscheinlich noch nicht gelesen habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommen die sechzehn kurzen Erz\u00e4hlungen aus dem 1984 erschienenen &#8220;dtv-Taschenb\u00fcchlein&#8221;, das am Cover vor einem begr\u00fcnten Gartenzaun, einen gro\u00dfen gelben deutschen Postkasten tr\u00e4gt, den es noch heute gibt und an welchen wir in der letzten Woche \u00f6fter vorbei gefahren &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=36131\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[5016,4547,5017,5018],"class_list":["post-36131","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-alltagsleben","tag-einsamkeit","tag-gabriele-wohmann","tag-kurzgeschichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36131","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=36131"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/36131\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=36131"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=36131"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=36131"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}