{"id":35992,"date":"2015-05-14T00:51:00","date_gmt":"2015-05-13T22:51:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=35992"},"modified":"2015-05-14T00:51:00","modified_gmt":"2015-05-13T22:51:00","slug":"agnes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=35992","title":{"rendered":"Agnes"},"content":{"rendered":"<p>Auf Peter Stamms ersten Roman &#8220;Agnes&#8221; bin ich\u00a0 durch das <a href=\"https:\/\/www.literaturcafe.de\/buecher-sind-kein-freibier-wer-romane-verschenkt-macht-sich-verdaechtig\/\">&#8220;Literaturcafe&#8221;<\/a> aufmerksam geworden, denn da gab es ja 2012 in Deutschland diese Aktion zum &#8220;Tag des Buches&#8221;, wo man drei\u00dfig ausgesuchte B\u00fccher verschenken durfte.<\/p>\n<p>&#8220;Agnes&#8221; war dabei und Wolfgang Tischer hat sich mit dem Buch und einer Reporterin auf einen Dorf- oder Kleinstadtplatz gestellt und dann eine Glosse dar\u00fcber geschrieben, da\u00df sich B\u00fccher angeblich nicht verschenken lassen, weil die Leute abwehrend vorbeigegangen sind.<\/p>\n<p>Da habe ich andere Erfahrungen, aber vielleicht ist &#8220;Agnes&#8221; in einer Einkaufspassage, Samstag um zw\u00f6lf nicht das richtige Buch. Ich h\u00e4tte es jedenfalls sehr gern genommen, habe von Peter Stamm dann den Erz\u00e4hlband\u00a0 <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/20\/wir-fliegen\/\">&#8220;Wir fliegen&#8221; <\/a>gelesen und von dem 1963 geborenen Schweizer Autor schon etwas geh\u00f6rt gehabt.<\/p>\n<p>Dann lag &#8220;Agnes&#8221; auf dem &#8220;Thalia&#8221; 3.99 Stapel und bevor ich ich zum Lesen gekommen bin, wurde das Buch, das auf der Leseliste deutscher Gymnasien steht von <a href=\"https:\/\/www.literaturcafe.de\/peter-stamm-agnes-oder-wie-man-schuelern-die-lust-am-lesen-austreibt\/\">Malte Bremer im Literaturcafe<\/a> verrissen.<\/p>\n<p>Ein Verri\u00df, den ich, obwohl ich nicht das Buch, nur den Autor kannte, nicht nachvollziehen,\u00a0 f\u00fcr h\u00f6chst subjektiv und vielliechtein bi\u00dfchen \u00fcberheblich und von oben herabgehalten habe.<\/p>\n<p>Herr Bremer hat sich dann bei mir gemeldet und ich habe ich vorigen Jahr in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/17\/buchmessenreport\/\">Leipzig<\/a> auch pers\u00f6nlich kennengelernt. Was mich an der Diskussion vielleicht noch etwas st\u00f6rte, waren die Lesermeinungen, die sich gleich anschlossen, inzwischen gibt es aber auch einige differenziertere und es ist wahrscheinlich gut \u00fcber ein Buch zu sprechen, so da\u00df man es danach lesen und sich selber ein Urteil bilden kann.<\/p>\n<p>Das habe ich jetzt getan, auch in ein paar Stunden und der Badewanne und ich kann mich ein ganz kleines Bi\u00dfchen Malte Bremers Meinung anschlie\u00dfen, zwar nicht, da\u00df das Buch Sch\u00fcler zum Langweilen bringt und auch nicht, da\u00df Peter Stamm kein anerkannter Autor ist, nur, da\u00df ich den Stil vielleicht auch ein bi\u00dfchen h\u00f6lzern und dstanziert empfunden habe.<\/p>\n<p>Ich kann aber, glaube ich, auch nachvollziehen warum das so ist.<\/p>\n<p>Und die Idee, die meiner Meinung nach, dahinter steckt, finde ich\u00a0 h\u00f6chst interessant und sie hat mich zum Nachdenken gebracht.<\/p>\n<p>Geht es da ja um das Schreiben \u00fcbers Schreiben oder um den Roman im Roman, bzw. kann man, glaube ich, sehr bildhaft nachvollziehen, was das Leben von der Literatur unterscheidet.<\/p>\n<p>Da ist also der Ich-Erz\u00e4hler, ein Sachbuchautor, der \u00fcber Luxuslokomotiven ein Buch schreiben soll und deshalb in einer Bibliothek in Chicago sitzt, da kommt Agnes, eine f\u00fcnfundzwanzigj\u00e4hrige Studentin, bez\u00fcglich M\u00e4nner noch recht unerfahren hinzu, geht mit dem Autor zuerst Kaffee trinken und dann mit ihm chinesisch oder indisch essen und da w\u00e4re gleich mein erster Kritikpunkt, wo die Schreibidee vielleicht ein bi\u00dfchen h\u00f6lzern wirken k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Der Autor steht auf Seite 22, l\u00e4dt sie in ein chinesisches Restaurant ein, da liegt dann vorher noch eine tote Frau auf der Stra\u00dfe, auch eine Metapher, die ich f\u00fcr etwas unn\u00f6tig empfinden w\u00fcrde. Es wird zwischen Agnes und dem Protagonisten aber viel \u00fcber das Sterben und die Furcht davor diskutiert, dann geht Agnes mit ihm in seine Wohnung und da zeigt er ihr einen Erz\u00e4hlband, den er geschrieben hat.<\/p>\n<p>Er hat sich es also schon mit der sch\u00f6nen Literatur probiert und da hat Agnes die Idee, da\u00df er \u00fcber sie, bzw. ihre Beziehung schreiben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Vorher probiert sie es noch selbst und er verrei\u00dft es, so da\u00df sie den Versuch dann zerrei\u00dft, obwohl er zugibt, da\u00df es vielleicht besser, als das seine war und dann beginnt er \u00fcber ihre Beziehung zu schreiben.<\/p>\n<p>Da kommt es auch zu Fehleinsch\u00e4tzungen der Wirklichkeit der Beiden, so behauptet sie, sie w\u00e4ren in einem indischen Restaurant, das erste Mal gewesen und irgendwo weiter hinter im Buch steht dann, es war ein indisches Restaurant.<\/p>\n<p>Nun gut, das kann ich nachvollziehen, da\u00df das Gedankenexeperimente sind, die dann auf dem Papier nicht so gut ankommen, aber den Unterschied zwischen Literatur und Leben kann man hier, glaube ich, sehr gut begreifen und mir wird ja auch immer vorgeworfen, bei mir passiert nichts und ich schreibe zu wenig abgehoben.<\/p>\n<p>In einer normalen Beziehung passiert wahrscheinlich \u00fcblicherweise auch nicht so viel, da\u00df man einen spannenden Plot daraus machen k\u00f6nnte und so steht der Autor bei der Beschreibung des Textes \u00fcber Agnes auch bald an, beziehungseise mu\u00df er sich was ausdenken und dann passiert doch etwas, n\u00e4mlich Agnes wird schwanger.<\/p>\n<p>Er reagiert bl\u00f6d, patzig, gemein, sagt, er will kein Kind und trifft sich auch mit einer anderen Frau, die er inzwischen kennengelernt hat. Als er zur\u00fcckkommt ist Agnes, die inzwischen bei ihm wohnt, weg, ausgezogen, hinterl\u00e4\u00dft sie Nachricht, sie wird das Kind bekommen und damit zu einem anderen Mann gehen.<\/p>\n<p>Da wird er wieder reurig, rennt ihr nach und eines Tages kommt auch ein Anruf einer Freundin, Agnes geht es sehr schlecht, sie hatte eine Fehlgeburt, das Kind ist also weg und sie kann wieder bei ihm einziehen.<\/p>\n<p>Jetzt schreibt er \u00fcber das Kind, gibt ihm den Namen Margret, weil die Kellnerin in dem Kaffee, in dem er das schreibt, diesen Namen auf ihrem Schildchen hat. Agnes geht mit ihm auch einkaufen, kauft eine Puppe, einen Teddyb\u00e4ren und auch Kleider f\u00fcr das nicht geborene Kind, \u00fcber das er inzwischen eine Geschichte geschrieben hat.<\/p>\n<p>Wirft das dann heulend weg, er geht wieder zu der anderen Frau, feiert mit ihr Sylvester und als er zur\u00fcckkommt ist Agnes weg, verschwunden und so hei\u00dft auch der erste Satz des Buches, um den Bogen wieder zur\u00fcckzuspannen:<\/p>\n<p>&#8220;Agnes ist tot. Eine Geschichte hat sie get\u00f6tet.&#8221;, aber das wei\u00df man eigentlich nicht. Beziehungsweise habe ich das nicht so empfunden oder so interpretiert und habe eine sehr spannende Geschichte eines anerkannten Autors gelesen, vom dem ich inzwischen auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/05\/21\/sieben-jahre\/\">&#8220;Sieben Jahre&#8221;<\/a> gelesen habe, &#8220;Seer\u00fccken&#8221; habe ich beim vorigen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/04\/23\/blind-date-und-andere-ereignisse-zum-welttag-des-buches\/\">&#8220;Tag es Buches&#8221;<\/a> im &#8220;Wortschatz&#8221; gefunden und bei<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/20\/peter-stamm-im-literaturhaus\/\"> einigen<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/04\/12\/von-der-entschluselung-der-welt\/\">Lesungen<\/a> habe ich den Autor inzwischen auch erlebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Peter Stamms ersten Roman &#8220;Agnes&#8221; bin ich\u00a0 durch das &#8220;Literaturcafe&#8221; aufmerksam geworden, denn da gab es ja 2012 in Deutschland diese Aktion zum &#8220;Tag des Buches&#8221;, wo man drei\u00dfig ausgesuchte B\u00fccher verschenken durfte. &#8220;Agnes&#8221; war dabei und Wolfgang Tischer &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=35992\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[5006,3961,2802,1259],"class_list":["post-35992","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-literaturcafe","tag-literaturkritik","tag-peter-stamm","tag-schweizer-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35992","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35992"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35992\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35992"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35992"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35992"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}