{"id":35683,"date":"2015-04-22T22:35:30","date_gmt":"2015-04-22T20:35:30","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=35683"},"modified":"2015-04-22T22:35:30","modified_gmt":"2015-04-22T20:35:30","slug":"gustav-ernst-und-der-dialog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=35683","title":{"rendered":"Die Dialoge des Gustav Ernst"},"content":{"rendered":"<p>Am Mittwoch und am Donnerstag wird und wurde an zwei Nachmittagen und Abenden in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; Gustav Ernst im Portrait vorgestellt, beziehungsweise ein Colloquium oder Symposium \u00fcber den gro\u00dfen Realisten abgehalten. Kurt Neumann erkl\u00e4rte in der Einleitung, das wievielte literarische Portrait das schon w\u00e4re, er z\u00e4hle\u00a0 keinen Namen auf, aber bei dem \u00fcber<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/01\/peter-henisch-colloquium\/\"> Peter Henisch<\/a> bin ich gewesen und bei den<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/12\/18\/strahlung-und-reflexion-der-friederike-mayrocker\/\"> Geburtstagsveranstaltungen der Friederike Mayr\u00f6cker <\/a>und Gustav Ernst, das habe ich, glaube ich, schon \u00f6fter geschrieben, z\u00e4hlt neben Peter Henisch sicher zu meinen Lieblingsautoren, da ist es der Realismus und das Politische, das mich anzieht, die manchmal zu starke Sprache und die M\u00e4nnerphantasien eher nicht. Aber dazu komme ich noch sp\u00e4ter, erst begann der Germanist Walter Hinderer, der auch Pr\u00e4sident der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/23\/erich-fried-preis-an-judith-hermann\/\">&#8220;Fried Gesellschaft&#8221;<\/a> ist oder war, deshalb waren wahrscheinlich auch die Lunzers, Robert Huez und Anne Zauner im Publikum, aber auch Daniela Strigl, Alexandra Millner, Julia Danielcyk, der liebe <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/05\/lesung-mit-rudolf-lasselsberger\/\">Rudi<\/a>, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/21\/die-verfehlte-wirklichkeit\/\">Dine Petrik<\/a>,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/25\/herbert-j-wimmers-literarischer-konstruktivismus\/\"> Herbert J. Wimmer<\/a> und und und, mit seinem Vortrag &#8220;Theatralit\u00e4t als amimetisches Erz\u00e4hlen&#8221; hei\u00dfen h\u00e4tte sollen, dann aber etwas \u00fcber das &#8220;Produzieren und von Produzenten&#8221; im Titel hatte und den Realismus des 1944 geborenen Autors, der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/04\/ein-tag-mit-gustav-ernst\/\">2013 den &#8220;Preis der Stadt Wien&#8221;<\/a> bekommen hat, an Hand von drei Romanen, n\u00e4mlich &#8220;Trennungen&#8221;, 2000, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/11\/beste-beziehungen\/\">&#8220;Beste Beziehungen&#8221;, 201<\/a>1 und\u00a0 <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/20\/grundlsee\/\">&#8220;Grundlsee&#8221;, 2013<\/a>, erl\u00e4uterte und Kurt Neumann hat vorher, glaube ich, noch von den &#8220;Wiener Vorlesungen&#8221; etwas erz\u00e4hlt, die Gustav Ernst in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; gehalten hat und wahrscheinlich auch von seinem Debutroman &#8220;Einsame Klasse&#8221;, der in den Siebzigerjahren erschienen ist, von dem Dichter Korsch und seiner Frau, einer Malerin handelt und sich auch auf die &#8220;Arena Besetzung&#8221; 1976 bezieht, da war Gustav Ernst ja im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/04\/19\/eroffnung-des-literaturmuseums\/\">&#8220;Literaturmuseum&#8221;<\/a> zu sehen und den Roman im &#8220;Verlag der Autorenproduzenten&#8221; habe ich mir in den Siebzigerjahren auch gekauft und Gustav Ernst wahrscheinlich \u00fcber die Zeitschrift &#8220;Wespennest&#8221; kennengelernt, die er mit Peter Henisch, Helmut Zenker, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/20\/fliege\/\">E.A.Richter,<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/23\/jachymov\/\"> Josef Haslinge<\/a>r und anderen herausgab und wo ich\u00a0 auch sehr lange meine ebenfalls realististischen Texte hingeschickt habe. Dann kamen Ulrike Krawagna, die \u00fcber die &#8220;Einsame Klasse&#8221; dissertierte, Hans H\u00f6ller, ein Germanist, der \u00fcber <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/16\/recherchetag-und-bernhard-fritsch-briefwechsel\/\">Thomas Bernhard <\/a>etc forschte, und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/10\/stromung\/\">Martin Kubaczek<\/a> und stellten die &#8220;Einsame Klasse&#8221;, den Monolog &#8220;Die Frau des Kanzlers&#8221; und eben &#8220;Grundlsee&#8221; vor. In &#8220;Einsame Klasse&#8221; geht es um den Literaturbetrieb der Siebzigerjahre und um seine Bedingungen, damals hat sich ja die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/18\/bei-der-gav\/\">GAV<\/a> aus Protest gegen den konservativen PEN gegr\u00fcndet, Gustav Ernst war Gr\u00fcndungsmitgied, die Zeitschrift &#8220;Wespennest&#8221; f\u00fcr brauchbare, sprich realistische exte, wurde gegr\u00fcndet und in dem Dichter Korsch und seiner malenden Frau l\u00e4\u00dft sich sicher auch viel autobiografisches entdecken, war Gustav Ernst ja damals mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/25\/generalversammlung\/\">Elisabeth Ernst <\/a>verheiratet. &#8220;Die Frau des Kanzlers&#8221; 2002\u00a0 erschienen ist eine Reaktion auf <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/10\/widerstand-im-haiderland\/\">Schwarz-Blau<\/a> und das St\u00fcck wurde 2003 in einer Galerie auf der Westbahnstra\u00dfe, glaube ich, von Eva Dithe vorgef\u00fchrt, da h\u00e4lt die Frau des Kanzlers eine Schimpftirade, w\u00e4hrend ihr Mann daneben sitzt und Mozart spielt. Ein St\u00fcck, das ich nicht gelesen habe, aber mich von seiner politischen Kompenente wegen sicherlich am meisten interessiert. Die neuen Romane, wie &#8220;Grundlsee&#8221; habe ich gelesen, das wurde von den Germanisten, als das poetischste bezeichnet, es ist sicher auch ein sanfterer Familienroman als &#8220;Beste Beziehungen&#8221;, wo ein Mann, der von seiner Frau unterdr\u00fcckt wird, am Ende Amok l\u00e4uft, hier geht es um den Tod und das Sterben, die Kinder stellen sich vor, wo sie einmal neben ihren Eltern im Grab liegen werden und dann stirbt von Kapitel zu Kapitel jemand weg, am ersten der Vater, aber der ist sozusagen als Gespenst bis am Schlu\u00df des Buches vorhanden, wenn er auch immer schw\u00e4cher wird und sich an immer weniger erinnern kann. Gustav Ernst las je ein paar kurze Stellen aus den B\u00fcchern, danach folgten die wissenschaftlichen Erl\u00e4uterungen und nach einer Pause mit Getr\u00e4nken folgte <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/29\/fiktionen-oder-autoritat-der-erzahler\/\">Markus K\u00f6hle <\/a>und erz\u00e4hlte in zwanzig Minuten von den Zeitschriftenherausgeber, &#8220;Wespennest&#8221; bis 1995, &#8220;Kolik&#8221; gemeinsam mit Karin Fleischanderl ab 1997, erz\u00e4hlte kurz etwas von den Konflikten und von den Ver\u00e4nderungen, die die &#8220;Zeitschrift f\u00fcr brauchbare Texte&#8221; im Laufe der Jahre machte, irgendwann kam Walter Famler dazu, verwandelte sie in eine Essaysammlung, stellte das Geld auf, um die Zeitschrift zu finanzieren, die Gr\u00fcndungsmitglieder zogen sich nach und nach zur\u00fcck, zuletzt Gustav Ernst und jetzt gibt es die &#8220;Kolik&#8221;, den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/13\/kolikslam-2\/\">&#8220;Kolik Slam&#8221;<\/a> und die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/01\/27\/von-der-as-in-die-kolik-lounge\/\">&#8220;Kolik Lounge&#8221;<\/a>, wo auch Realisten, wie <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/28\/priessnitzpreis-an-anna-weidenholzer\/\">Anna Weidenholzer,<\/a> Rudi Lasselsberger, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/04\/03\/herzkorper\/\">Harald Darer,<\/a> aber auch andere Autoren wie<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/30\/reinhard-priessnitz-preis-2009\/\"> Michael Hammerschmid<\/a>, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/27\/priessnitzpreis-an-robert-prosser\/\">Robert Prosser<\/a> etc, die sp\u00e4ter vielleicht den Priessnitz-Preis, zu dessen Juroren Gustav Ernst ja geh\u00f6rt, gewinnen. Danach kam noch einmal ein Referat eines Literaturwissenschaftler \u00fcber die &#8220;Realistik bei Gustav Ernst&#8221; und erl\u00e4uterte sie an den Romanen &#8220;Trennungen&#8221; und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/26\/fruhling-in-der-via-condotti\/\">&#8220;Fr\u00fchling in der Via Condotti&#8221;<\/a> und &#8220;Grado&#8221; &#8220;Trennungen&#8221; habe ich nicht gelesen, ich glaube, aber einmal in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; gemeinsam mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/03\/28\/erinnerung-an-helmut-eisendle\/\">Helmut Eisendle <\/a>eine Lesung daraus geh\u00f6rt und, ich glaube, mich auch zu erinnern, da\u00df ich in der Diskussion sagte, da\u00df das gemeinsame zwischen beiden Autoren w\u00e4re, da\u00df zwei alten M\u00e4nner \u00fcber die Liebe und den Tod reden w\u00fcrden. Gustav Ernst ist ja sehr dramatatisch, verwendet oft die direkte Rede,\u00a0 Monologe und&#8221;sagte er&#8221;,&#8221; sagte sie&#8221;. In &#8220;Trennungen&#8221; erz\u00e4hlt ein Mann, da\u00df er von Rom kommt, wo ihn seine Frau mit einem Architekten betr\u00fcgt und nach Wien zu seiner sterbenden Mutter f\u00e4hrt, in der &#8220;Via Condotti&#8221; f\u00e4hrt ein Ehepaar zum zwanzigsten Hochzeitstag nach Rom, um dort die Hochzeitsreise wieder zu erleben und wird entt\u00e4uscht, weil es die sch\u00f6nen Erinnerungen nicht mehr findet, sehr interessant hier den Bezug zur Realit\u00e4t herzustellen und &#8220;Grado&#8221; ist ein Text, den ich auch nicht gelesen habe, der mir aber wahrscheinlich nicht gefallen w\u00fcrde, denn da l\u00e4dt einer eine Frau zum Essen ein und h\u00e4lt ihr einen Monolog, da\u00df er nicht mit ihr schlafen, sondern nachher nach Hause und onanieren gehen wird. En bi\u00dfchen a la <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/12\/12-februar\/\">Bernhard,<\/a> w\u00fcrde ich vermuten und auf dem Buch steht drauf, da\u00df es erst f\u00fcr Leser ab achtzehn empfohlen wird. Danach gab es es Diskussionsrunde mit Wolfgang Straub, der fragte, ob Gustav Ernst Ekel oder Entz\u00fccken bei den Lesern ausl\u00f6ste und da verwunderten mich die Herren H\u00f6ller und Hinderer, die ins Entz\u00fccken kam und von der Romatik und von Hofmannsthal schw\u00e4rmten, so w\u00fcrde ich Gustav Ernst nicht empfinden, sondern als einen politischen Realisten mit einer starken Sprache und stark m\u00e4nnlichen Themen. Ulrike Krawagna sagte, da\u00df sie &#8220;Beste Beziehungen&#8221; weglegen h\u00e4tte m\u00fc\u00dfen. Ich habs zu Ende gelesen und stimmte einer Stimme aus dem Publikum zu, da\u00df das wohl eine eher weibliche Reaktion ist, mit den starken M\u00e4nnerphantasien nicht soviel anfangen zu k\u00f6nnen. Martin Kuabczek verwies noch auf einen anderen Ernst Roman<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/01\/02\/helden-der-kunst-helden-der-liebe\/\"> &#8220;Helden\u00a0 der Kunst, Helden der Liebe&#8221;<\/a>, wo zwei Dichter nach Frankfurt fahren, bei jedem Autobahnrestaurant Rast machen und da auch endlos \u00fcber alles schwadronieren. Die Frage wurde aufgeworfen, wie filmisch oder dramatisch Gustav Ernst sei? Kurt Neumann meinte, er h\u00e4tte sich von seinem Realismus wegentwickelt und w\u00fcrde jetzt andere Themen haben und jedes seiner B\u00fccher w\u00e4re nach einem eigenen\u00a0 Konzept geschrieben. Die Abschlu\u00dffrage war die nach dem Lieblingsbuch, da wurde &#8220;Grundlsee&#8221; als das poestischte am \u00f6ftesten genannt. Mich hat die Veranstaltung auf &#8220;Die Frau des Kanzlers&#8221; neugierig gemacht und Morgen geht es weiter mit &#8220;3 Interpreatationen zur Theaterarbeit&#8221;, denn Gustav Ernst ist ja auch Dramatiker und einige St\u00fccke. wie &#8220;Tausend Rosen&#8221; habe ich im Volkstheater auch gesehen. &#8220;Herzgruft&#8221; habe ich einmal gekauft oder gefunden und das Programm von der Urauff\u00fchrung am 10. April 1988. im K\u00fcnstlerhaus lag\u00a0 zur freien Entnahme auf. Ulf Bierbaumer, Gabriele Mathes, und Tom Kleijn werden Vortr\u00e4ge \u00fcber &#8220;Die gro\u00dfe Wut des Gustav Ernst&#8221; oder &#8220;Gustav Ernst auf der B\u00fchne&#8221; halten, aber da werde ich\u00a0 beim<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/lesungen\/\"> B\u00fcchertauschfest im Reumannhof<\/a> sein und zwei meiner eigenen <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_bruederschaft.html\">realistischen <\/a><a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_absturzgefahr.html\">Texte<\/a> lesen. Nachher kommt ein Interview mit Franz Schuh, der auch zur &#8220;Wespennest-Redaktion&#8221; geh\u00f6rt und ganz am Schlu\u00df liest Gustav Ernst aus seinem neuen Roman &#8220;Zur unm\u00f6glichen Aussicht&#8221;, der auch wieder ein Monolog in einem Gasthaus zu sein scheint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Mittwoch und am Donnerstag wird und wurde an zwei Nachmittagen und Abenden in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; Gustav Ernst im Portrait vorgestellt, beziehungsweise ein Colloquium oder Symposium \u00fcber den gro\u00dfen Realisten abgehalten. 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