{"id":35551,"date":"2015-04-15T12:59:11","date_gmt":"2015-04-15T10:59:11","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=35551"},"modified":"2015-04-15T12:59:11","modified_gmt":"2015-04-15T10:59:11","slug":"ungarn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=35551","title":{"rendered":"Moderne Erz\u00e4hler der Welt: Ungarn"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Moderne Erz\u00e4hler der Welt&#8221;, hei\u00dft die Reihe, wo es B\u00e4nde \u00fcber Mexiko, \u00c4gypten, T\u00fcrkei, Westindien, Argentinien etc, gibt, ich habe, glaube ich, die mit Literatur aus Ungarn und Mazedonien in den Schr\u00e4nken gefunden und den \u00fcber Ungarn diesmal nach <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/04\/13\/wiedermal-nach-ungarn\/\">B\u00fck<\/a> migenommen.<\/p>\n<p>Das mit den modernen Erz\u00e4hlern ist differenziert zu verstehen, ist der Band aus dem Institut f\u00fcr Auslandsbeziehungen, doch 1975herausgegeben und das, was dort als modern gilt, heute h\u00f6chstwahrscheinlich schon veraltet, dab es damals doch noch den eisernen Vorhang und die Erz\u00e4hler beziehen sich nicht nur auf den zweiten, sondern auch auf den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/05\/es-ist-fruhling-und-ich-lebe-noch\/\">ersten Weltkrieg<\/a>, was f\u00fcr die heutigen Lesegewohnheit vielleicht\u00a0 schon ein bi\u00dfchen ungew\u00f6hnlich ist.<\/p>\n<p>Ein Vorwort gibt es auch und dann geht es los mit dem 1883 geborenen und\u00a0 1954 verstorbenen Lajos Nagy, dessen &#8220;Weltkrieg\u00a0 zwischen Haar und\u00a0 Kahl, wohl eine witzig, ironisch satirische Kriegsbew\u00e4ltigung darstellt.<\/p>\n<p>Laszlos Nemeths &#8220;Gendarmenlist&#8221;, 1901-1975, ist da schon direkter, da wird die Naivit\u00e4t der hochschwangeren Kathi geschildert, die von ihren Jani zwar sitzengelassen wurde, deshalb ist der Vater, ein Bauer b\u00f6s auf sie, er ist aber auch einer der Roten, hat sich politischbet\u00e4tigt, wird gesucht, mu\u00df sich verstecken, so schickt er Kathi eine Bohnschaft, da\u00df sie mit Geld und Esen zum Bahnhof einer bestimmten Stadt kommen soll.<\/p>\n<p>Sie ist aber noch nie mit dem Zug gefahren und kennt sich auch sonst in der Welt nicht gut aus und eine Hochschwangere, die mit einem B\u00fcndel zum Bahnhof eilt, dem Vater hat sie das Geld inzwischen aus einer Kasette gestohlen, f\u00e4llt auf und einer der Gendarmen, den sie auf dem Weg begegnet, ist auch so schlau, Zivil anzulegen, ein Fahhrad zu nehmen und ihr zu folgen.<\/p>\n<p>Sie verr\u00e4t ihm auch alles, als er ihr Janis Namen nennt, weil sie glaubt, es sei einer seiner Kameraden, so wird er verhaftet und hingerichtet und athi kommt an der Stelle wo er baumelt, dann auch nieder.<\/p>\n<p>Schlimm, schlimm die Geschichte, wie wohl auch die von Peter Veres,\u00a0 1897-1970, die eine Kindheit in Armut, geschildert von einem kleinen Buben, der als &#8220;Mutters\u00f6hnchen&#8221;, der Vater ist nie da, erz\u00e4hlt. Die Mutter schimpft sehr viel und schl\u00e4gt ihn auch, wenn er weint, denn das galt damals als Schande und nur das Kind, als artig, das wenig bis gar nicht weint. Trotzdem liebt er seine Mutter und sie ist auch lieb zu ihm und eines Tages zeigt sie ihm einen Brief, obwohl er noch nicht lesen kann. Der Vater kommt nach Haus, so will sie den Ofen heizen um Brot zu backen und Kuchen auch.<\/p>\n<p>&#8220;Willst du Kuchen oder Strudel?&#8221;, fragt sie ihn.<\/p>\n<p>&#8220;Ja, Pogatschen und Kuchen mit Marmelade!&#8221;, antwortet er freudig, es ist aber nur ein wenig Mohn da und Holz zum Heizen auch nicht. Das mu\u00df erst besorgt werden.<\/p>\n<p>Nicht stehen, so nennt man das nicht und das machen auch alle, da\u00df sie nachts ausziehen und sich das Holz vom Gut holen, die Mutter nimmt das Kind als Verst\u00e4rkung mit, wird vom Verwalter erwischt. Da sieht er seine starke liebe Mutter, das erste Mal weinen und der &#8220;Kindeszorn&#8221; ist erwacht, der sp\u00e4ter vielleicht zur Revolution f\u00fchren wird.<\/p>\n<p>Der 1928 geborene und 1972 gestorbene Laszlo Kamondy erz\u00e4hlt in &#8220;Das letzte Spiel&#8221; auf sehr satirische Weise von einem Tennispiel in der Nazizeit in einem vornehmen Kurort am Plattensee zwischen einem deutschen Mayor und einem ungarischen Gymnasiasten.<\/p>\n<p>Der Junge gewinnt, der Pfarrer, das Zigeunerm\u00e4dchen Gy\u00f6ngyi und noch einige andere nehmen dabei auf mehr oder weniger unterschiedliche Weise Anteil und Ferenc Santas Geschichte, 1927 in Siebenb\u00fcrgen geboren, hei\u00dft gleich &#8220;Nazis&#8221; und erz\u00e4hlt, was passiert, wenn die Besatzer in ein kleines Dorf zu einem Hirtenjungen und seinem Gro\u00dfvater kommen.<\/p>\n<p>Dagegen erz\u00e4hlt Aron Tamasi 1897-1966, ebenso aus Siebenb\u00fcrgen in &#8220;Erl\u00f6sung&#8221; die Geschichte einer Herbergssuche, w\u00e4hrend Gy\u00f6rgy G. Kardos, 1925 in Budapest geboren, von dem ich ,glaube ich, &#8220;Die sieben Tage des Adam Bogatir&#8221; auf meinem Harlander Lesesto\u00df liegen habe, in &#8220;Theophile Gautier mu\u00df man einfach lieben&#8221;, wieder satirisch vom gro\u00dfen Krieg erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Da strandet der Held dessen Kleidung aus Uniformteilen der verschiedenen Nationen besteht, Schuhe hat er keine an den F\u00fc\u00dfen, in Bulgarien, eigentlich will er nach Budapest, wird aber nur bis Vidin mitgenommen, wo ihn alle, wahrscheinlich weil der Krieg zu Ende ist, beschenken und er einige Tage mit einer Gymnasiastin herumzieht, die ihm st\u00e4ndig franz\u00f6sische Dichter zitiert, weil sie die Tochter eines Gymnasiallehrers ist.<\/p>\n<p>So weit bin ich, glaube ich, bei meinem diesmaligen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/04\/16\/ungarische-rohextverformung\/\">Ungarn Aufenthalt<\/a> gekommen, werde das Buch wieder in das Regal zur\u00fcckstellen oder auf die Stapel der ungelesenen B\u00fccher legen, um es bei meinem n\u00e4chsten Badeaufenthalt, sofern es einen geben sollte, weiterzulesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Moderne Erz\u00e4hler der Welt&#8221;, hei\u00dft die Reihe, wo es B\u00e4nde \u00fcber Mexiko, \u00c4gypten, T\u00fcrkei, Westindien, Argentinien etc, gibt, ich habe, glaube ich, die mit Literatur aus Ungarn und Mazedonien in den Schr\u00e4nken gefunden und den \u00fcber Ungarn diesmal nach B\u00fck &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=35551\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[4977],"class_list":["post-35551","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-literatur-aus-ungarn"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35551","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35551"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35551\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35551"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35551"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35551"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}