{"id":35537,"date":"2015-04-14T15:41:44","date_gmt":"2015-04-14T13:41:44","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=35537"},"modified":"2015-04-14T15:41:44","modified_gmt":"2015-04-14T13:41:44","slug":"exodusroman","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=35537","title":{"rendered":"Exodusroman"},"content":{"rendered":"<p>Nach Ungarn mit Literatur eines ungarischen Autors, diese Tradition habe ich mir <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/14\/nach-buk-ins-bad\/\">vor einiger Zeit angew\u00f6hnt<\/a> und es gibt auch verschiedenes Ungarisches auf meiner Leseliste bzw. B\u00fccherstapeln, so wartet noch eine Anthologie, von Sandor Marai habe ich mir <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/23\/wellness-und-schreibeurlaub\/\">das letzte Jahr<\/a> etwas mitgenommen und ungelesen wieder zur\u00fcckgebracht, genau, wie von Gy\u00f6rgy Dalos und da Ungarn 2000 Gastland auf der Frankfurter Buchmesse war und Walter Famler zu diesem Zweck in der &#8220;Edition Wespennest&#8221; einige B\u00fccher herausbrachte, die dann bei den B\u00fcchert\u00fcrmen, der &#8220;Literaturur im M\u00e4rz&#8221; zu finden waren, habe ich mir diesmal Janos K\u00f6banyai nach B\u00fck mitgenommen und hatte, zugegeben auch einige Vorurteile, weil ich dachte, experimenteller Autor und schwer zu lesen.<\/p>\n<p>Wie man sich irren kann, hatte ich doch von dem 1951 geborenen Autor, der als Schriftsteller und Fotograf in Budapest lebt oder lebte, noch nicht viel geh\u00f6rt, im Netz ist auch nicht sehr viel zu finden und irgendwie ist dieses Schicksal aus einem ungarischen Waisenhaus, die Lebensgeschichte einer ungarischen J\u00fcdin, am Buchr\u00fccken steht, Tatsachenroman, auch experimentell, weil knapp und schn\u00f6rkellos erz\u00e4hlt, aber leicht und rasch zu lesen und auf jeden Fall interessant, gibt es doch Parallelen zu <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/31\/bleibergs-entscheidung\/\">vor kurzem Gelesenen einer Fr\u00fchjahrsbucherscheinung<\/a>.<\/p>\n<p>Nimmt die Ich Erz\u00e4hlerin auf ihren Exodus nach Israel &#8220;doch ein eingeschmuggeltes Buch von Hanna Szenes&#8221;\u00a0 auf ihre Schiffreise mit und von dieser j\u00fcdischen Widerstandsk\u00e4mpferin, die am 7. November 1944 in Budapest hingerichtet wurde, die auch Gedichte geschrieben hat, hat ja auch Schulamit Meixner in ihrem k\u00fcrzlich erschienenen Roman &#8220;Bleibergs Entscheidung&#8221; geschrieben.<\/p>\n<p>Im &#8220;Exodusroman&#8221;, der 1998 in Ungarn erschienen ist und, wie ich dem Klappentext entnahm, &#8220;bei der Kritik und bei den Lesern enorme Resonanz ausl\u00f6ste&#8221;, wird das Schicksal eines M\u00e4dchens, das, obwohl die Eltern in der N\u00e4he wohnten, in einem j\u00fcdischen Waisenhaus aufwuchs, auf knapp hundert Seiten\u00a0 lapidar erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Vom Hunger und der Gewalt in diesem Waisenhaus wird berichtet, es gibt einen Bruder und einen Vater und eine Mutter, die wechselnde Beziehungen zu verschiedenen M\u00e4nner hat und sich. um die Kinder nicht zu k\u00fcmmern scheint, obwohl der Kontakt zu ihr, bis Israel besteht.<\/p>\n<p>Die Deportation in ein Arbeitslager und die Verschiffung nach dem Krieg auf dem Luxusschiff &#8220;Exodus&#8221; wird berichtet. Vorher haben die Kinder, beziehungsweise jungen Erwachsenen, l\u00e4ngere Zeit in verschiedenen Hotels, die zu Kinderheimen umfunktioniert wurden, verbracht.<\/p>\n<p>Es gab den Versuch den Vater zum Mitkommen zu \u00fcberreden, der dies jedoch ablehnte, mehrere Trennungen und Wiedervereinigungen mit dem Bruder und auch eine seltsame Scheu der jungen Frau\u00a0 sich mit M\u00e4nnern einzulassen, die wohl aus der Erfahrung mit ihren eigenen Eltern erkl\u00e4rt werden kann.<\/p>\n<p>In Israel l\u00e4\u00dft sie sich als Krankenpflegerin ausbilden, geht, weil sie keine B\u00fccher hat, heimlich in medizinische Vorlesungen, wird da zuerst vom Professor hinausgeschmissen, sp\u00e4ter bringt er ihr selbst medizinische B\u00fccher und sie schlie\u00dft auch als Beste in ihrem Jahrgang ab.<\/p>\n<p>Dann meldet sie sich zum Milit\u00e4r als Lazaretthelferin, wird dabei verletzt, setzt es aber durch, weiter ihren Dienst zu machen.<\/p>\n<p>Sie heiratet schlie\u00dflich doch, kann aber keine Kinder bekommen, weil man ihr in dem Lager, in dem sie interniert war, Medikamente in das Essen mischte, die zur Unfruchtbarkeit f\u00fchren sollten.<\/p>\n<p>So kam es zu f\u00fcnf Fehlgeburten, so da\u00df sich ihr Mann\u00a0 von ihr scheiden l\u00e4\u00dft. Sie k\u00fcmmert sich dann zuerst, um die Kinder ihres Bruders, wird auch Vorsteherin eines Heimes f\u00fcr asthmatische Kinder, bevor sie einen Witwer mit vier Kinder kennenlernt und ihn schlie\u00dflich heiratet.<\/p>\n<p>Wie weit dieser &#8220;Tatsachenroman&#8221; einem authentischen Schicksal entspricht und wie der Autor dazugekommen ist, diese Geschichte zu erz\u00e4hlen, ist dem d\u00fcnnen B\u00e4nchen nicht genauer zu entnehmen.<\/p>\n<p>Es gibt aber ein Glossar, das die verschiednenen j\u00fcdischen und israelischen Ausdr\u00fccke, die verwendet werden, erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Die \u00dcbersetzung stammt von Karlheinz\u00a0 Schweitzer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Ungarn mit Literatur eines ungarischen Autors, diese Tradition habe ich mir vor einiger Zeit angew\u00f6hnt und es gibt auch verschiedenes Ungarisches auf meiner Leseliste bzw. 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