{"id":35170,"date":"2015-03-25T21:48:46","date_gmt":"2015-03-25T20:48:46","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=35170"},"modified":"2015-03-25T21:48:46","modified_gmt":"2015-03-25T20:48:46","slug":"jadran-heist-die-adria","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=35170","title":{"rendered":"JADRAN hei\u00dft die Adria"},"content":{"rendered":"<p>Von Ruth Asp\u00f6ck sind, seit sie 2007 mit ihrem Verlag &#8220;Die Donau hinunter&#8221;, in Pension gegangen ist, vier B\u00fccher im &#8220;L\u00f6cker-Verlag&#8221; erschienen, die man wohl als dokumentarische Literatur oder Dokumentarromane bezeichnen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>In <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/09\/nichts-als-eine-langweilige-blindschleiche\/\">&#8220;Nichts als eine langweilige Blindschleiche&#8221;<\/a>, hat sie ihre Tageb\u00fccher aufgearbeitet, dann ist sie mit<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/12\/reisen-mit-franz-grillparzer\/\"> &#8220;Grillparzer auf Reisen&#8221;<\/a> gegangen und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/28\/ruth-aspocks-buchpremiere\/\">im Vorjahr hat sie ihre Salzburger und ober\u00f6sterreichischen Nachkriegserinnerungen <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/02\/der-krieg-nach-dem-frieden\/\">aufgezeichnet<\/a>.<\/p>\n<p>Jetzt hat sie mit &#8220;JADRAN hei\u00dft die Adria&#8221;, das Leben einer bosnischen Fl\u00fcchtlingsfamilie, die in den Neunzigerjahren aus Banja Luka nach \u00d6sterreich kam und sie die Frau, die als Kassierin in der Kantine des Bundeskanzleramts arbeitet, kennenlernte, weil sie dorthin manchmal essen geht, aufgezeichnet.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich lange Gespr\u00e4che gef\u00fchrt und ist mit ihr im letzten Oktober oder November auch nach Banja Luca gefahren, um sich ihre Heimat anzusehen und hat mir von dort eine sch\u00f6ne warme wei\u00dfe <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/08\/literarisches-geburtstagsfest-3\/\">Haube zu meinem Geburtstagsfest mitgebracht.<\/a><\/p>\n<p>Jetzt habe ich das Buch, das heute mit Musikbegleitung von Sasa Jansetovic, moderiert von Renata Schmidtkunz, in der Hauptb\u00fccherei vorgestellt wurde, gelesen, das in sieben Abschnitten, die alle mit &#8220;A&#8221; beginnen &#8220;Aufw\u00e4rmen&#8221;, &#8220;Aufsitzen&#8221;, &#8220;Anreiten&#8221;, &#8220;Ausreiten&#8221;, man sieht das Reiten spielt dabei eine wichtige Metapher, eingeteilt ist und die Abschnitte berichten abwechselnd auch von der Ich-Erz\u00e4hlerin, deren Biografie, was mir wieder, wie im letzten Buch, auff\u00e4llt, seltsam abgewandelt und distanziert wurde, als auch von Susana Jovanovic, die im Betriebsrestaurant eines Druckereibetriebs, in dem die Ich-Erz\u00e4hlerin, jetzt Pensionistin, als Emfangsdame besch\u00e4ftigt war, arbeitet.<\/p>\n<p>In &#8220;Aufw\u00e4rmen&#8221; wird von den Sammelleidenschaften der Pensionistin, sie sammelt Eulen und hat fr\u00fcher Bierdeckeln in Trinklokalen, in denen sie als Kind mit ihrem Vater war, erz\u00e4hlt. Wieder f\u00e4llt mir die sehr genaue, etwas altmodisch klingende Sprache auf, warum schreibt sie nicht von Wirtsh\u00e4usern und Weinstuben, wie ich es wahrscheinlich tun w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Die Armut in der Jugend wird wieder thematisiert, in der &#8220;Edition die Donau hununter&#8221; hat Ruth Asp\u00f6ck einen entsprechenden Essay ver\u00f6ffentlicht, sie hat in ihrer Jugend in Fabriken und Wirtsh\u00e4usern gearbeitet, da einen reichen Mann kennengelernt, der sie sp\u00e4ter verlassen hat, dann ging sie f\u00fcr einige Jahre nach Amerika, Ruth Asp\u00f6ck ist, glaube ich, in Kuba gewesen und hat ein Buch dar\u00fcber geschrieben, wieder zur\u00fcckgekommen und in dem Betriebsrestaurant Susana Jovanovic kennengelernt, die in den neunziger Jahren mit ihrem Sohn Alexander nach Wien gekommen ist. Ihren Mann Branco, aus einer katholischen Familie stammend, hat sie gegen den Willen ihrer Eltern geheiratet und ihn in seinem kleinen Transportunternehmen geholfen, dann kam der Krieg, die Nachbarn wurden Feinde und Branco, der immer eine Pistole mit sich f\u00fchrte, hat bei einem Streit in einem Park einen Angreifer erschossen, wof\u00fcr er sechs Jahre eingesperrt wurde.<\/p>\n<p>Danach ging er zuerst nach Italien und als Susana oder Bijana Panic, wie der wirkliche Name hei\u00dft, der im Buch und im Veranstaltungsprogramm erw\u00e4hnt wird, nicht nachkommen und schon wieder eine Sprache lernen wollte, zu ihr nach Wien.<\/p>\n<p>Das Buch schildert nicht nur das Leben einer Fl\u00fcchtlingsfamilie, die l\u00e4ngst in \u00d6sterreich heimisch geworden ist und ein H\u00e4uschen am Stadtrand bewohnt, sondern es zeichnet auch die Geschichte nach, wie es zu dem Zerfall Jugoslawien gekommen ist und geht so gar weiter in die Geschichte, in den ersten Weltkrieg und nach \u00d6sterreich- Ungarn zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Im ersten Kapitel schreibt die Pensionistin, die schon einige Erz\u00e4hlungen in Anthologien ver\u00f6ffentlicht hat, von ihrem Wunsch einen Roman zu schreiben, durch ihre Bekanntschaft mit Susana Jovanovic ist ihr das gelungen.<\/p>\n<p>&#8220;Susana ist die Hauptfigur dieses Buches, das zu schreiben und zu ver\u00f6ffentlichen mir nun doch gegl\u00fcckt ist. Deshalb trete ich jetzt zur\u00fcck. Genug des Sinnierens. Ich habe mich ausreichend vorgestellt. Sie kennen mich nun. Vorderhand verabschiede ich mich und lade Sie ein, lesend das Leben Susanas zu verfolgen&#8221;.<\/p>\n<p>Ganz hat sie diesen Vorsatz nicht durchgehalten, taucht sie doch immer wieder in den weiteren Kapiteln auf und am Ende geht es\u00a0 um das Schreiben und um die Schreibschulen, in denen man es lernen kann.<\/p>\n<p>&#8220;Ich habe keinen Schreibkurs besucht. Meine Texte sollen aus mir kommen, aus meinen \u00dcberlegungen un in meinem Stil, nicht der eines Lehrers oder einer Lehrerin&#8221;, schreibt sie auf der vorletzten Seite, was, wie meine Leser wissen werden, so auch nicht ganz stimmt, haben wir uns doch die letzten zwei Jahre \u00f6fter mit R<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/05\/ruth-und-roberts-schreibgruppe\/\">obert, Ruth, Ilse und und Fritz im Cafe Ludwig in der Westbahnstra\u00dfe<\/a> getroffen und daraus am <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/06\/westbahn-spontan\/\">sechsten M\u00e4rz<\/a> gelesen.<\/p>\n<p>Am Abend in der Hauptb\u00fccherei gab es dann einige Bekannte, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/29\/salzburg-lesung\/\">Margot Koller<\/a> war mit ihrer Freundin da, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/05\/06\/manner-und-frauen\/\">Irene Wondratsch,<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/10\/osterspaziergang-in-neulerchenfeld\/\">Ingeborg Reisner,<\/a> Klaus Khittl und und und &#8230;<\/p>\n<p>Alexander Lellek, der Verlagsleiter leitete damit ein, da\u00df er nicht w\u00fc\u00dfte, wieviele B\u00fccher Ruth Asp\u00f6ck schon geschrieben hat, dann begann der Schwiegersohn von\u00a0 Bijana Panic, der im bosnischen Fernsehen als Kameramann t\u00e4tig ist, am Akkordeon zu spielen, bevor Renata Schmidkunz von Ruth Asp\u00f6ck\u00a0 wissen wollte, wie sie auf die gekommen ist, das Buch zu schreiben?<\/p>\n<p>Dann begann die Lesung mit verteilten Rollen und dann noch einmal ein Gespr\u00e4ch, das in eine ziemlich aufgeheizte Diskussion im Publikum f\u00fchrte, wo es um die die bosnische beziehungsweise serbokroatische Sprache und um die Frage ging, wie lange man sich noch als Bosnier oder schon als \u00d6sterreicher f\u00fchlen kann und soll?<\/p>\n<p>Spannend von der Literatur, in die Soziologie und vielleicht wieder zur\u00fcck zu kommen und von Ruth Asp\u00f6ck, die ihr viertes &#8220;L\u00f6cker Buch&#8221;, wie sie betonte \u00fcber die Gegenwart und Wien schreiben wollte, habe ich sehr viele B\u00fccher gelesen.<\/p>\n<p>Wieviele sie geschrieben hat, wei\u00df ich ebenfalls nicht, werde aber die, \u00fcber die ich schon gebloggt habe, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/20\/kannitverstan\/\">hier<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/10\/emma-oder-die-muhen-der-architektur\/\">verlinken<\/a> und interessant ist auch auch die Frage ob\u00a0 &#8220;ihr Ziel\u00a0 mit diesem Buch Susana Jovanics Leben und das ihres Umkreises darzustellen und verst\u00e4ndlich zu machen&#8221;, gelungen ist.<\/p>\n<p>Biljana Panic antwortete jedenfalls auf Renata Schmiedkunz Frage, da\u00df das Buch etwas f\u00fcr sie\u00a0 ist, da\u00df sie an ihre Kinder weitergeben kann und, da\u00df sie also \u00fcberleben wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Ruth Asp\u00f6ck sind, seit sie 2007 mit ihrem Verlag &#8220;Die Donau hinunter&#8221;, in Pension gegangen ist, vier B\u00fccher im &#8220;L\u00f6cker-Verlag&#8221; erschienen, die man wohl als dokumentarische Literatur oder Dokumentarromane bezeichnen k\u00f6nnte. 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