{"id":35133,"date":"2015-03-27T00:03:02","date_gmt":"2015-03-26T23:03:02","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=35133"},"modified":"2015-03-27T00:03:02","modified_gmt":"2015-03-26T23:03:02","slug":"ein-liebender-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=35133","title":{"rendered":"Ein liebender Mann"},"content":{"rendered":"<p>1821 lernte der \u00fcber siebzigj\u00e4hrige Goethe in Marienbad, die siebzehnj\u00e4hrige Ulrike von Levetzow kennen, der er 1823 einen Heiratsantrag machte, der aber abgewiesen wurde, so da\u00df er daraufhin die &#8220;Marienbader-Elegien&#8221; schrieb, 1832 in Weimar starb, Ulrike von Levetzow ist unverheiratet geblieben und hat, wie ich &#8220;Wikipedia&#8221; entnahm, ihr Leben lang dementiert ein Liebesverh\u00e4ltnis, sondern nur eine v\u00e4terliche Beziehung zu dem alten Geheimrat gehabt zu haben, trotzdem ist sie als Goethes letzte Liebe in die Geschichte eingegangen und der 1927 in Wasserburg geborene Martin Walser, hat 2009\u00a0 den Roman &#8220;Ein liebender Mann&#8221; dar\u00fcber geschrieben, der als verbilligtes Taschenbuch \u00fcber den &#8220;Thalia-Abverkaufsto\u00df&#8221; zu mir gekommen ist, angelesen habe ich ihn ihn aber schon 2009, denn damals hat die FAZ einen Teil des Romanes im Internet ver\u00f6ffentlicht und allgemein kann es als sehr interessant empfinden, was einem ebenfalls nicht mehr jungen Mann \u00fcber die letzte Liebe des alten Geheimrates eingefallen ist.<\/p>\n<p>Das Buch ist in drei Teile gegliedert, der erste spielt, 1823 in Marienbad, da ist Goethe mit seinem Diener Stadelmann, der sich ein Gesch\u00e4ft darausmacht, Goethes Haare zu verkaufen und dem Schreiber John auf Kur, sein Freund und Dienstgeber, Gro\u00dferzog Carl August\u00a0 bzw. Chef steht irgendwo, Martin Walser bedient sich durchaus einer modernen Ausdrucksweise, ist ebenfalls anwesen und Frau von Levetzow mit ihren drei T\u00f6chtern, Ulrike, Amilie und Berta, neunzehn, sechzehn und f\u00fcnzehn Jahre alt.<\/p>\n<p>Goethe geht mit der &#8220;Contresse Ulrike&#8221;, wie die, in einem Stra\u00dfburger Internat Erzogene, genannt wird, weil sie so kritische Fragen stellt, spazieren und auf Abendgesellschaften, da tanzt er mit ihr. Es ist aber \u00fcblich, da\u00df die T\u00e4nze abgel\u00f6st werden k\u00f6nnen, so tritt ein Herr de Ror auf, ein halbgriechischer oder halbt\u00fcrkischer Gew\u00fcrzwarenh\u00e4ndler von dem man keinen Vornamen wei\u00df und Goethe ergl\u00fcht in Eifersucht.<\/p>\n<p>Sein Alter macht ihn auch zu schaffen, er ist drei-, bald vierzundsiebzig, also f\u00fcnfundf\u00fcnfzig Jahre \u00e4lter, w\u00e4hrend sich sein Hausarzt ein Mann von f\u00fcnfzig Jaren mit einer drei\u00dfig Jahre j\u00fcngeren Frau verlobt.<\/p>\n<p>Das mag noch angehen, aber f\u00fcnfundf\u00fcnfzig? Trotzdem geht das Leben weiter. Nach dem Eifersuchtsanfall, wo Goethe sich beleidigt in sein Gasthauszimmer zur\u00fcckzieht, kommt es zu einem Kost\u00fcmball und da verkleidet er sich als Werther, Ulrike als Lotte und sie gewinnen auch noch den ersten Preis, nur als sie zwischendurch spazieren gehen, st\u00fcrzt der alte Mann, mu\u00df vom Hausarzt versorgt werden, entschlie\u00dft sich aber trotzdem, den Herzog als Heiratsvermittler zu Frau von Levettow zu schicken.<\/p>\n<p>Das wird, wie in &#8220;Wikipedia&#8221; steht abgewiesen, in dem Buch wird das etwas unverbindlicher ausgedr\u00fcckt. Die Familie reist nach Karlsbad ab. Goethe reist nach und geht sogar vier Stunden mit Ulrike spazieren, wobei es zu einer &#8220;Du -Zone&#8221; kommt.<\/p>\n<p>Es werden auch K\u00fc\u00dfe getauscht und weil die Levetzowschen T\u00f6chter, Frauen des neunzehnten Jahrhunderts sind, bedienen sie sich und das finde ich genauso k\u00f6stlich, wie die &#8220;Contresse Ulrike&#8221;, einer Art K\u00fcrzelsprache und sagen&#8221;Swswnn&#8221;, wenn sie &#8220;So weit sind wir noch nicht&#8221; meinen und &#8220;ab&#8221; &#8220;Aber bald&#8221;.<\/p>\n<p>Das sind schon Floskeln, die Goethe und Ulrike w\u00e4hrend des Spaziergangs austauschen, sie schickt ihm ein Band, das sie als Lotte trug, er raubt ihr einen Handschuh und im dritten Teil ist sie wieder im Internat, dort hat sie angeblich nur Schiller und nicht Goethe gelesen, wie die vorlaute Schwester, dem Geheimrat in Marienbad verriet. Goethe in Weimar, im Hause seines Sohnes August und seiner Schwiegertochter Ottilie, die auch etwas gegen die Liebe des &#8220;Lustgreises&#8221; und wahrscheinlich gegen eine Heirat haben.<\/p>\n<p>So schreibt Goethe\u00a0 die &#8220;Marienbadner-Elegien&#8221;, die er im Roman Ulrike zukommen l\u00e4\u00dft, in Wirklichkeit scheint das nicht geschehen zu sein. Walser l\u00e4\u00dft Goethe auch Briefe an Ulrike schreiben, beziehungsweise \u00fcbt er sich in der Kunst des Briefromanes und da schildert er die \u00dcberwachungen, beziehunsweise die Beschimpfungen seiner Schwiegertochter, die Ulrike eine &#8220;Ehrgeizhure&#8221; nennt. Das l\u00e4\u00dft Walser Goethe tats\u00e4chlich an seine Geliebte schreiben, was mir als nicht sehr realistisch scheint. Er schreibt auch von seinen Bef\u00fcrchtungen, da\u00df sie die Briefe nicht erhalten wird, weil Ottilie, den Postmeister besticht und sie abfangen lassen wird.<\/p>\n<p>Es werden auch Goethes weitere Eifersuchtsanf\u00e4lle, abwechselnd mit seinem Herzrasen geschildert, das er bekommt, als er einen Brief von Ulrike empf\u00e4ngt, die ihm einen Besuch von Herrn de Ror, der, wie inzwischen herauskommt, Juan hei\u00dft, erz\u00e4hlt und von Schmuckst\u00fccken, die ihr, die bisher immer ungeschm\u00fcckt war, von dem H\u00e4ndler zur Verf\u00fcgung gestellt bekommt.<\/p>\n<p>Dazwischen wird sein Leid, auch in dem Romanversuch &#8220;Ein liebender Mann&#8221; geschildert und auf der letzten Seite l\u00e4\u00dft Walser Ulrikes Kammerfrau erz\u00e4hlen, da\u00df sie am zw\u00f6lften November 1899, einen Tag vor ihrem Tod, seine Briefe verbrennen lie\u00df.<\/p>\n<p>Eine interessante literarische Deutung eines anderen gro\u00dfen Dichters und alten Mannes \u00fcber die vermutlich letzte Liebe Goethes.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr Johann Wolfgang Goethe hat sich der Vielschreiber, der einen beachtlichen Werkkatalog aufzuweisen hat, von dem ich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/02\/mesmers-gedanken\/\">einiges<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/16\/erfahrungen-beim-verfassen-einer-sonntagsrede\/\">gelesen<\/a>\u00a0 habe, glaube ich, auch in anderen Werken interessiert, so habe ich das Surhkjamp-Taschenb\u00fcchlein &#8220;In Goethes Hand&#8221;, noch auf meiner Leseliste.<\/p>\n<p>Interessant, interessant, ob es jetzt so war oder nicht, in Walsers Phantasie hat es sich so abgespielt und mir hat vor allem der moderne Ton, in den er die Geschichte packt, sehr gefallen, so sprechen Ulrike und Goethe ganz am Anfang auch \u00fcber Literatur, Byron und Scott sind gerade in\u00a0 und sie unterhalten sich \u00fcber &#8220;Satzhoheiten&#8221; und &#8220;unvorgreifliche Voschl\u00e4ge&#8221;, das ist die &#8220;h\u00f6flichste Art sich etwas dringend zu w\u00fcnschen&#8221;, sagt Ulrike, w\u00e4hrend Goethe, den Ulrike Exzellenz nennt, von einer &#8220;Art Befehl&#8221;, spricht.<\/p>\n<p>Seine Farbenlehre kommt vor und so sieht er auch Ulrikes Augenfarbe von blau in gr\u00fcn wechseln und \u00fcber seine Minerialiensammlung wird auch berichtet.<\/p>\n<p>Sehr interessant also, Goethe \u00fcber Martin Walser n\u00e4her kennenzulernen, ich kann mich aber an die Worte meiner Lehrerinnen erinnern, da wei\u00df ich\u00a0 nicht mehr so genau, ob es die Frau Linser in der Haptschule oder die Frau Professor Friedl in der Stra\u00dfergasse war, die, als sie \u00fcber die Liebe des alten Goethe zu einem jungen M\u00e4dchen und seinen Heiratsantrag, berichtete, meinte, da\u00df ihre Eltern bzw.\u00a0 Mutter so vern\u00fcnftig waren, ihn abzulehen.<\/p>\n<p>Nach der Lekt\u00fcre des Buches denke ich fast ein wenig aufm\u00fcpferisch, die junge Frau w\u00e4re gut versorgt gewesen, h\u00e4tte mit dem alten Herrn \u00fcber Literatur diskutieren k\u00f6nnen und w\u00e4re bald Witwe geworden, vielleicht h\u00e4tte sie ihn ein bi\u00dfchen pflegen m\u00fc\u00dfen, Personal w\u00e4re aber im Haus gewesen, was ist also dabei?<\/p>\n<p>Die Welt nat\u00fcrlich, die Klatschm\u00e4uler und wahrscheinlich die Familie Goehte Junior und dar\u00fcber hat auch Gerhard Hauptmann ein Drama geschrieben und ich habe in meiner Sturm und Drang Phase, die &#8220;Leiden des jungen Werthers&#8221; und noch andere Goethe-Lekt\u00fcre gelesen. Ein Gedichtausgabe, habe ich einmal zu Weihnachten von meinen Eltern bekommen, mit der Frau Professor Friedl haben wir ein Jahr den &#8220;Faust&#8221; studiert, was ich zuerst f\u00fcr einen Witz gehalten habe und heute etwas \u00fcbertriebenfinde.<\/p>\n<p>Ein Buch der Ottilie von Goethe, wahrscheinlich sind es Gedichte oder ein Tagebuch, habe ich mir einmal antiquarisch gekauft und sogar einmal eine Erz\u00e4hlung \u00fcber den &#8220;Torquato Tasso&#8221; geschrieben, der mich in meiner &#8220;Sturm und Drang-Phase sehr beeindruckt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1821 lernte der \u00fcber siebzigj\u00e4hrige Goethe in Marienbad, die siebzehnj\u00e4hrige Ulrike von Levetzow kennen, der er 1823 einen Heiratsantrag machte, der aber abgewiesen wurde, so da\u00df er daraufhin die &#8220;Marienbader-Elegien&#8221; schrieb, 1832 in Weimar starb, Ulrike von Levetzow ist unverheiratet &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=35133\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[4950,3327,4951],"class_list":["post-35133","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-goethe-roman","tag-martin-walser","tag-ulrike-von-levetzow"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35133","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35133"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35133\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35133"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35133"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35133"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}