{"id":34666,"date":"2015-03-14T00:06:19","date_gmt":"2015-03-13T23:06:19","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=34666"},"modified":"2015-03-14T00:06:19","modified_gmt":"2015-03-13T23:06:19","slug":"albors-asche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=34666","title":{"rendered":"Albors Asche"},"content":{"rendered":"<p>Ich mu\u00df gestehen, Marlen Schachingers neues Buch <a href=\"http:\/\/www.omvs.at\/de\/buecher\/albors-asche-1730\/\">&#8220;Albors Asche&#8221;<\/a> mit lodernden Flamme am Cover, hat mich zu Beginn ein wenig ratlos gemacht.<\/p>\n<p>Denn kann man Anfangs des Einundzwanzigsten Jahrhunderts noch, wie im neunzehnten, zu Zeiten E.T.A. Hofmanns oder einer <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/02\/10\/marlen-schachingers-festrede\/\">Betty Paoli,<\/a> erz\u00e4hlen? Weitschweifend, gelehrig, mit lateinischischen Zahlen in den langen Kapitel\u00fcberschriften, wie beispielsweise &#8220;I Meterologie, altgriechisch, &#8230;&#8230;Untersuchung der \u00fcberirdischen Dinge und Himmelsk\u00f6rper&#8221;, die griechischen Buchstaben habe ich jetzt in Ermangelung meiner Altgriechischkenntnisse ausgelassen, den Lesern mag es vielleicht \u00e4hnlich gehen und auch das, was da erz\u00e4hlt wird und, wie ich dem Klappentext entnehme, gegen Ausgrenzung und Fremdenha\u00df, alles also sehr aktuelle Themen, geht, kommt am Anfang sehr beh\u00e4big und umst\u00e4ndlich daher und wenn nicht ab und zu das Wort &#8220;Computer&#8221; oder andere Neuheiten unserer Gesellschaft erw\u00e4hnt werden, w\u00fcrde man meinen, man w\u00e4re im neunzehnten Jahrhundert, wo uns E T. A Hoffmann von Nixen, Teufeln und anderen D\u00e4monen erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Da gibt es Valerian, ein wahrscheinlich nicht mehr so junger Mann, der seit einundzwanzig Jahren sein Zimmer nicht mehr verlassen hat, denn damals ist in dem St\u00e4dtchen Albor etwas Entsetzliches geschehen, da\u00df ihn seine Mutter Maria nahm, seither sitzt er am Schreibtisch oder steht am Fenster und schreibt, wie ein Chronist alles, was sich so ereignet auf.<\/p>\n<p>Seine Halbschwester, die Lehrerin Lucia, versorgt ihn mit Essen und eines Tages beobachtet er, da\u00df in der verfallenen Kirche gegen\u00fcber, die damals auch zerst\u00f6rt wurde, man kommt erst ganz langsam in das Geschehen, Marlen Schachinger, die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/22\/literarischer-schreibunterricht-teil-ii\/\">Sprachschullehrerin<\/a>, versteht es, spannend zu erz\u00e4hlen, eine seltsame Frau mit einem seltsamen Kleid und bodenlangen roten Haar einzieht, in dem St\u00e4dtchen gehen seit dem damaligen Geschehen alle im chinesischen Einheitsdrill, wahrscheinlich eine Anspielung auf das Zeitggeschichte, daher.<\/p>\n<p>Und diese Frau, Pastora, Valerian nennt sie Tithorea, nach einem Schmetterling &#8220;III Tithorea Tarricina, eine der Nymphalidaen, auch Tarricina Langfl\u00fcgel oder Creme-Getrupfter Tigerfl\u00fcgel genannt&#8221; und\u00a0 z\u00e4hlt ihre Sommersprossen, die, scheint, wie auch etwas langatmig erz\u00e4hlt wird, aus dem Flu\u00df Ebro gekommen zu sein. Ist sie eine Nixe?, habe ich Anfangs gedacht, denn sie hat, wie sie dem Wasser entstiegen ist, alle sich in ihren langen Haaren befindlichen Fischchen langsam herausgesch\u00fcttet.<\/p>\n<p>Sie scheint aber mit ihrem Vater, der sich mit Platon besch\u00e4ftigt, dort gelebt zu haben und kommunziert auch st\u00e4ndig mit ihm, w\u00e4hrend sie sich in der verfallenen Kirche einrichtet.<\/p>\n<p>Richtig, einen Koffer hatte sie auch noch in der Hand und der interessiert die Jungfrauen im Dorf, so da\u00df sie Lucia mit einer Heckenschere zu ihr schicken und die M\u00e4nner, der Apotheker, der B\u00fcrgermeister, der Polizist, der Journalist und dann noch die Gemeinen, sind von der Sch\u00f6nen derart angezogen, da\u00df sie sich Tag und Nacht auf dem Hauptplatz gegen\u00fcber der Kirche aufhalten, um sie, wenn m\u00f6glich, anzustarren.<\/p>\n<p>Die B\u00e4ckerin profitiert davon und er\u00f6ffnet schnell ein Bistro, die Frauen werden eifers\u00fcchtig und schmieden Intrigen und so kommt es, wie es kommen mu\u00df. Pastora wird zu einer \u00f6ffentlichen Versammlung vorgeladen, die Haare werden ihr abgeschnitten und es wird ihr auch aufgetragen, die verfallene Kirche zu reparieren.<\/p>\n<p>Das erscheint mir jetzt ein wenig unlogisch, denn ist in dem ersten Kapitel nicht gestanden, da\u00df sich niemand, um die Kirche k\u00fcmmern will?<\/p>\n<p>Pastoria tut es aber, h\u00e4lt sich Haustiere, legt Kr\u00e4uter an, deshalb wird sie auch f\u00fcr eine Hexe gehalten und die Stadtverwaltung verlanla\u00dft,\u00a0 seltsame Verodnungen, was nun alles in der Stadt verboten ist, was auch extra zuerst in ganzen dann nur noch halben Inseraten, in dem Buch angek\u00fcndigt wird.<\/p>\n<p>&#8220;Der Verzehr von M\u00e4useohren, eingelegt oder nicht, ist aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden untersagt. (Dekret der Stadtverwaltung Albor erlassen am 5. 11. anno domini).&#8221; in etwa.<\/p>\n<p>Trotzdem tut sich etwas in dem St\u00e4dtchen. Pastora beginnt mit Valerian brieflichen Kontakt aufzunehmen und geht mit der Apothekersfrau in das Bordell, ja das gibt es auch und dort finden sich n\u00e4chtlich die Honoratoren ein.<\/p>\n<p>Sie bringt aber einige G\u00e4nse, die die Apothekerfrau den M\u00e4dchen zubereitet und dadurch selbst eine Verwandlung erlebt. So finden sich nach und nach die M\u00e4dchen und auch Jakob mit der Hupe, ist das eine literarische Anspielung auf Erich K\u00e4stner?, in Pastoras Kirche ein.<\/p>\n<p>Es geschieht zwar auch einiges Unheil, Tote werden in dem St\u00e4dtchen aufgefunden, die Unliebsamen verschwinden und der Stadtrat bestreitet, wieder bei Stafe, da\u00df in dem St\u00e4dtchen gemordet wird. Am Ende brechen dann, wenn ich es richtig verstanden habe, leicht ist das Buch nicht zu lesen und ob das in einer Zeit des wachsenden Analphabetismus und der zunehmenden Ungeduld und abnehmenden Konzentrationsf\u00e4higkeit gut sein kann, wei\u00df ich nicht, die Guten Richtung Ebro auf, aber das steht auch im Klappentext &#8220;man steigt keineswegs zweimal in denselben Flu\u00df&#8221;, auch Valerian ist wahrscheinlich dabei, der jetzt &#8220;Mian&#8221; hei\u00dft und Albor f\u00e4ngt wieder zu brennen an und ich f\u00fcge an, da\u00df ich das was derzeit bei uns geschieht, bez\u00fcglich IS Terror, Anschl\u00e4gen und Radikalisierungen, mir dem Geschehen in den Drei\u00dfigerjahren des vorigen Jahrhunderts, nicht so un\u00e4hnlich scheint.<\/p>\n<p>Spannend, spannend, sage ich am Ende trotzdem, denn ich bin ja neugierig und blicke gern \u00fcber den Tellerrand und kann so Marlen Schachinger, die ich ich\u00a0 durch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/28\/ruth-aspocks-buchpremiere\/\">Ruths<\/a> Verlag kennenlernte, ihren Erstling &#8220;Morgen vielleicht&#8221;, dann ihren Krimi und zuletzt <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/13\/denn-ihre-werke-folgen-ihnen-nach\/\">&#8220;Denn ihre Werke folgen Ihnen nach&#8221;<\/a>, das mich deshalb faszinierte, weil es da ja <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/buecher.html\">auch<\/a> um literarische Plagiate und um den Literaturbetrieb geht, gelesen habe, als eine Meisterin der verschiedenen Schreibstile bezeichen.<\/p>\n<p>Sie ist\u00a0 auch eine, deren literarische Karriere ich vom <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/11\/17\/o1-interview-und-frauenlesung\/\">Lesetheater<\/a> bis hin zu ihrem eigenen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/01\/21\/schreibgesprache\/\">narrativen Institut <\/a>verfolgen konnte und da habe ich jetzt ein Video \u00fcber eine Sommerakademie, die sie in N\u00d6, anbietet, gesehen, wo sie &#8220;Zu literarischen Mut und literarischen Flunkern&#8221; auffordert.<\/p>\n<p>&#8220;Es mu\u00df nicht alles realistisch nachzuvollziehen sein&#8221;, dieses Buch ist wohl das Beweisst\u00fcck f\u00fcr diese These und nat\u00fcrlich mu\u00df es nicht und nat\u00fcrlich finde ich es spannend, das Ergebnis dieses literarischen Muts zu lesen, h\u00e4tte vielleicht nur nicht gedacht, da\u00df sich Verlage \u00fcber solche Experimente dar\u00fcbertrauen und bin jetzt auf die Rezeption, des k\u00fcrzlich erschienen Romanes sehr gespannt und nat\u00fcrlich auch, was und in welchen Stil ich Marlen Schachinger\u00a0 noch lesen werde?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich mu\u00df gestehen, Marlen Schachingers neues Buch &#8220;Albors Asche&#8221; mit lodernden Flamme am Cover, hat mich zu Beginn ein wenig ratlos gemacht. 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