{"id":34397,"date":"2015-02-18T22:13:41","date_gmt":"2015-02-18T21:13:41","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=34397"},"modified":"2015-02-18T22:13:41","modified_gmt":"2015-02-18T21:13:41","slug":"wiener-vorlesung-zur-remigration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=34397","title":{"rendered":"Wiener Vorlesung zur Remigration"},"content":{"rendered":"<p>In Wien findet derzeit ein Symposium &#8220;Bilderbuch Heimkehr -Remigration im Kontext&#8221; statt und in dessen Folge gab es am Abend eine &#8220;Wiener Vorlesung&#8221; zu den europ\u00e4ischen Petrspektiven der Remigration im Radio Kulturhaus. Eigentlich habe ich ja ins Literaturhaus gehen wollen, da gab es eine \u00e4hnliche Veranstaltung der Exilbibliothek &#8220;Dichtung und Wahrheit &#8211; Die \u00dcberwachung der \u00f6sterreichischen Emigranten durch den britischen Geheimdienst&#8221;,\u00a0 das w\u00e4re aber auf Englisch gewesen. So habe ich mich f\u00fcr Hubert Christian Ehalt, Marita Krauss und Georg Stefan Troller entschieden und bin in die Argentinierstra\u00dfe gegangen.<\/p>\n<p>Da gab es zuerst einen kurzen Vortrag zum Thema von der Professorin f\u00fcr bayrische und schw\u00e4bische Landesgeschichte Marita Krauss und dann ein Gespr\u00e4ch mit ihr und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/09\/26\/subjekt-des-erinnerns\/\">Georg Stefan Troller,<\/a> der als Zeitzeuge f\u00fcr die Emigranten zur Zeit des Nationalsozialismus gilt, ist er doch als Sechzehnj\u00e4hriger \u00fcber die Tschechoslowakei und Paris in die USA emigiriert und als amerikanischer Soldat 1945 zur\u00fcckgekommen. Dann war er eine Zeitlang in Wien, bevor er sich in Paris niederlie\u00df, wo er viele Filme drehte.<\/p>\n<p>2005 hat er den &#8220;Theodor Kramer Preis&#8221; bekommen , wo ich ihn kennenlernte. Ein sehr r\u00fcstiger und auch streitlustiger vierundneunzigj\u00e4hriger alter Herr, der Hubert Christians Fragen beantwortete, wie das damals mit der Wiederkehr war und ob die Emigranten in Wien und Deutschland willkommen gewesen w\u00e4ren?<\/p>\n<p>Dieses Gespr\u00e4ch wurde offenbar f\u00fcr das Fernsehen aufgenommen, denn w\u00e4hrend Georg Stefan Troller gerade erz\u00e4hlte, wie das f\u00fcr die Deutschen war, als der Krieg verloren war, ob sie sich dar\u00fcber freuten oder entt\u00e4uscht waren, st\u00fcrzte ein junges M\u00e4dchen auf die B\u00fchne und sagte &#8220;Es tut mir leid, wir m\u00fcssen noch einmal von vorne anfangen, denn wir haben das nicht auf Band!&#8221; und Professor Ehalt l\u00e4chelte und wiederholte freundlich &#8220;Guten Abend, meine Damen und Herren, wir sprechen heute \u00fcber die Remigration!&#8221;<\/p>\n<p>Dann ging es aber weiter und der 1921 in einem Wiener B\u00fcrgerhaushalt Geborene, erz\u00e4hlte, da\u00df er sich als junger Schnitzler, Goethe, bzw. Hoffmannsthal gef\u00fchlt hat und, da\u00df es in den Giftschr\u00e4nken seiner Eltern <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/09\/19\/franz-kafka-tagebucher-1910-1923\/\">Kafka<\/a> und Karl Kraus gegeben hat, die aber verboten waren, was mich insofern ein\u00a0 wenig wunderte, da Kafka ja vor dem Krieg, glaube ich, nicht sehr bekannt war.<\/p>\n<p>&#8220;Die Fackel&#8221;, diese roten Heftchen waren es aber und Georg Stefan Troller sagte auch, da\u00df er <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/12\/12\/die-letzten-tage-der-menschheit\/\">&#8220;Die letzten Tage der Menschheit gelesen hat&#8221;, <\/a>bevor er Wien verlassen hat. Als er dann zur\u00fcckkam, ging er in seine alte Wohnung, eine Frau \u00f6ffnete, sagte &#8220;Jessasna, der Herr Troller!&#8221; und ein Mann schrie aus dem Hintergrund &#8220;Sage nichts!&#8221;<\/p>\n<p>Er ging auch in das arisierte Pelzgesch\u00e4ft seines Vaters, bzw. zu dem Ariseur, der seiner Freundin gerade ein Pelzkr\u00e4gelchen als Wiedergutmachung gegeben hat.<\/p>\n<p>Christian Hubert Ehalt erz\u00e4hlte dann vom Stadtrat Matelka, der sich in den F\u00fcnzigerjahren so ziemlich als einziger daf\u00fcr eigesetzt hat, die Emigrierten zur\u00fcckzuholen und hat dasm glaube ichm auch mit Theordor Kramer so getan, der aber schon sehr krank war und bald darauf gestorben ist.<\/p>\n<p>Die Frau Professor, die sich in ihren Ausf\u00fchrungen vorwiegend auf die deutschen Verh\u00e4ltnissen bezog, erw\u00e4hnte noch, da\u00df die R\u00fcckkehr nicht so leicht war, man brauchte eine Einladung, eine Wohnung, einen Posten und die Zur\u00fcckgebliebenen f\u00fcrchteten sich auch vor der Wiedergutmachtung, das Arisierte zu verlieren, etc.<\/p>\n<p>Nachher gab es noch eine kleine Diskussion, mit Fragen aus dem Publikum, was mit den kleinen Leuten passiert w\u00e4re, von denen man nicht so viel wei\u00df.<\/p>\n<p>Das sind wahrscheinlich auch die, die vielleicht nicht zur\u00fccgekommen sind, w\u00fcrde ich vermuten und Hubert Christian Ehalt lud am Schlu\u00df zu weiteren Veranstaltungen der Wiener Vorlesungen ein und riet den Abend, da ja Aschermittwoch ist, noch zu einem Heringschmaus zu n\u00fctzen.<\/p>\n<p>Ich sah beim Nachhauseweg einige Bekannte aus der Theodor Kramer Gesellschaft, die wahrscheinlich auch bei dem Symposium gewesen sind und ein Buch von Georg Stefan Troller &#8220;Das fidele Grab an der Donau&#8221; hat mir der Alfred auch einmal gekauft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Wien findet derzeit ein Symposium &#8220;Bilderbuch Heimkehr -Remigration im Kontext&#8221; statt und in dessen Folge gab es am Abend eine &#8220;Wiener Vorlesung&#8221; zu den europ\u00e4ischen Petrspektiven der Remigration im Radio Kulturhaus. 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