{"id":34135,"date":"2015-02-20T00:52:57","date_gmt":"2015-02-19T23:52:57","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=34135"},"modified":"2015-02-20T00:52:57","modified_gmt":"2015-02-19T23:52:57","slug":"tolstoi-und-der-lila-sessel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=34135","title":{"rendered":"Tolstoi und der lila Sessel"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/10\/ein-buch-pro-tag\/\">&#8220;Ein Buch pro Jahr Projekt&#8221;,<\/a> der Amerikanerin Nina Sankovitch, habe ich ja hier schon viel geschrieben, als es <a href=\"http:\/\/buzzaldrins.de\/2014\/02\/09\/tolstoi-und-der-lila-sessel-nina-sankovitch\/\">Mara<\/a>\u00a0 vor ungef\u00e4hr einem Jahr auf ihren Blog vorstellte.<\/p>\n<p>Ein Projekt, das mich\u00a0 fasziniert, weil ich ja auch etwas \u00c4hnliches betreibe, zwar kein Buch pro Tag, mehr als hundertsiebzig schaffe ich nicht, weil ich noch etwas anderes machen und sowieso an erster Stelle schreiben will.<\/p>\n<p>Aber meine Leseliste reicht dank der Abverk\u00e4ufe und der offenen B\u00fccherschr\u00e4nke weit in die Zukunft hinein, ich lese in keinen Sessel, sondern unter Woche in der Fr\u00fch in der Badewanne und ich schaffe da, glaube ich, keine siebzig Seiten pro Stunde, wie Nina Sankovitsch, sondern eher an die f\u00fcnzig.<\/p>\n<p>Am Wochenende und wenn es keine Veranstaltungen gibt, also auch im Sommer und zu Weihnachten, lese ich auch am Abend und manchmal lege ich auch einen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/21\/weihnachtslesemarathon\/\">Lesemarathon<\/a> ein.<\/p>\n<p>Ich habe auch schon immer viel gelesen und die Idee einen gro\u00dfen Roman \u00fcber das Aufschreiben meiner B\u00fccher zu verfassen, verfolgt mich schon lang und ist auch jetzt wieder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/02\/05\/ganz-gut-erzahlen\/\">vorhanden<\/a>, ein Grund, da\u00df ich das Buch jetzt lese, beziehungsweise auf meiner Leseliste vorgezogen habe.<\/p>\n<p>ich habe ja im J\u00e4nner bei meinen \u00dcberlegungen \u00fcber die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=Bibliotherapie\">&#8220;Bibliotherapie&#8221;<\/a> geschrieben, das ich es gerne h\u00e4tte, es mir zum Normalpreis aber nicht kaufe, ein paar Tage sp\u00e4ter habe ich es bei &#8220;Morawa&#8221; in der Abverkaufskiste um drei Euro gefunden und gehofft, da\u00df es mich bei der Frage weiterbringt, wie es schaffe einen Roman \u00fcber das B\u00fccherauflesen zu schreiben und\u00a0 das Thema damit beenden kann?<\/p>\n<p>Mitnichten, das Buch handelt nat\u00fcrlich von etwas anderem und das Thema B\u00fccherlesen wird mich wahrscheinlich genausowenig, wie Nina Sankovitsch loslassen und interessant ist auch, da\u00df ich\u00a0 \u00fcber das Sterben an Krebs , vor<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/19\/50-111-worter-oder-neunzehnter-nanowrimo-tag\/\"> kurzem geschrieben habe<\/a> und immer noch an dem Text<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/01\/31\/storungen\/\"> korrigiere<\/a> und da hatte ich kurz auch die Idee, die Veronika B\u00fccher lesen zu lassen, sie tut es dann nicht, sondern strickt J\u00e4ckchen f\u00fcr ihr noch nicht geborenes Enkelchen und geht ihre Schwiegermutter im Altersheim besuchen.<\/p>\n<p>Nina Sankovitch, 1962 als Tochter polnisch-belgischer Einwanderer in Illinois geboren, studierte Jus, bekam vier S\u00f6hne und hat eine ihrer Schwestern, Anne-Marie an Krebs verloren. Drei Jahre hat sie um sie getrauert und ist, wie sie schrieb, hektisch herumgerannt, hat sich f\u00fcr alle verantwortlich gef\u00fchlt, versucht\u00a0 Anne-Marie zu ersetzen, dann ist sie mit ihrem Mann eine Woche lang ans Meer gefahren, hat an einem Tag <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/09\/dracula\/\">Bram Stokers &#8220;Dracula&#8221;<\/a> ausgelesen, dar\u00fcber den am Abend geplanten Restaurantbesuch verschlafen und sich dort am n\u00e4chsten Tag vorgenommen, ab nun in die innere Emigration zu gehen und jeden Tag ein Buch zu lesen und dar\u00fcber zu schreiben.<\/p>\n<p>Von Oktober 2008 bis Oktober 2009 hat sie das getan, im Anhang sind die B\u00fccher aufgelistet, die sie gelesen hat,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/05\/17\/eheliche-liebe\/\"> ein <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/20\/die-kraft-und-die-herrlichkeit\/\">paar <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/17\/all-you-can-read\/\">habe<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/18\/das-vermachtnis-der-eszter\/\"> ich<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/15\/gluckliche-ehe\/\">gelesen<\/a>, ein paar andere stehen auf meiner <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste<\/a> und interessant ist auch, da\u00df ich ja seit Juli 2008 blogge und sich mein exzessives Lesen, wie man an meiner Liste sieht,\u00a0 nach und nach gesteigert hat.<\/p>\n<p>Nina Sankovitch holte sich f\u00fcr ihren Plan einen lila Sessel, auf den fr\u00fcher die Katze psste und nahm sich vor, da\u00df keines der B\u00fccher dicker als zweieinhalb Zentimeter sein d\u00fcrfe, teilte die Kinder mehr zum Mithelfen ein und beschlo\u00df ihren Plan wieder berufst\u00e4tig zu werden, noch um ein Jahr zu verschieben, bzw. begann sie ihr Lesen als ihre Arbeit zu betrachten.<\/p>\n<p>In dem Buch, das sie dar\u00fcber geschrieben hat, gleitet sie durch das Jahr und ich denke, das Buch ist als eine Art Bibliotherapie zu verstehen, sie schreibt am Ende auch von einem &#8220;B\u00fcchersanatorium&#8221; in dem sie ein Jahr gewesen ist und es l\u00e4\u00dft sich \u00e4hnlich, wie die &#8220;Romantherapie&#8221;, die ich erst finden mu\u00df, sicher als solche verwenden.<\/p>\n<p>Denn Nina Sankovitch plaudert an Hand der von ihr gelesen B\u00fccher locker durch ihr Leben, erz\u00e4hlt von der Liebe, vom Sex, vom Tod, ihrer Familie und deren Herkunft. Der Vater ist Wei\u00dfru\u00dfe und als die Schwester starb, hat er &#8220;Drei an einem Tag&#8221; mehrmals vor sich hingemurmelt, was Nina Sankovitch lange nicht verstanden hat. In dem Jahr kommt sie darauf, da\u00df er an einem Tag drei seiner Geschwister verloren hat, als sie von Partisanen erschossen wurden. Er ging dann nach Belgien, um Medizin zu studieren, war aber auch zwei Jahre Lungenkrank und mu\u00dfte sein Studium, um zwei Jahre unterbrechen und sie in einem Sanatorium verbringen.<\/p>\n<p>Nur z\u00f6gernd hat sich Nina Sankovitch an Harri Mullischs &#8220;Das Attentat&#8221; herangemacht, das die Zeit des Holocaust schildert, nachher hat sie ihre Familie besser verstanden und\u00a0 meint, da\u00df es der Sinn des Lesens ist, aus den B\u00fccher zu lernen, wie man sein Leben leben soll.<\/p>\n<p>Das sehe ich ein bi\u00dfchen anders, mich interessieren glaube ich, auch mehr die Schriftsteller und ich nehme mir die B\u00fccher bevorzugt nach den Namen, die ich kenne und ich will, glaube ich, herausbekommen, was die anderen besser, als ich k\u00f6nnen, habe aber schon vorher, als ich noch glaubte, es auch so zu schaffen, sehr viel gelesen.<\/p>\n<p>Nina Sankovitch und das ist sehr interessant, liest auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/23\/zum-krimischreiben\/\">Krimis,<\/a> weil man sonst ja immer h\u00f6rt, da\u00df man soetwas nicht lesen soll und darf oder es zumindestens nicht \u00f6ffentlich zugibt.<\/p>\n<p>Sie erlaubt sich die am Wochenende und hat sie auch ihrer Schwester ins Hospiz gebracht, da hat sie aber die B\u00fccher danach ausgew\u00e4hlt, da\u00df sie die Schwester erfreuen und erheitern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sie ger\u00e4t auch, was ich ebenfalls sehr interessant finde, mit einem Kritiker in Clinch, der etwa schreibt, da\u00df die Leser nichts verstehen und daher \u00fcber B\u00fccher nicht schreiben sollen, eine Diskussion, die ich ja auch schon <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/07\/22\/sommerlocher\/\">\u00f6fters<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/05\/27\/sind-blogger-dilettanten\/\">f\u00fchrte<\/a>, sie schreibt ihm einen Leserbrief, der wird ver\u00f6ffentlicht, als sie ihm dann aber bei einer Ergotherapeutin trifft, spricht er nicht viel mit ihr.<\/p>\n<p>Das Buch ist also ein Lobpreis auf das Lesen, Nina Sankowitch scheint irgendwie zu glauben, da\u00df es die Probleme l\u00f6sen oder einem weiterhelfen kann, sich zu ver\u00e4ndern und die Dinge anders zu sehen. Sie kann dann auch ihren Sessel nach einem Jahr verlassen und die Schwester sozusagen zur\u00fccklassen, bzw. sich an die vielen sch\u00f6nen Dinge erinnern, die sie mit ihr erlebte.<\/p>\n<p>Freunde haben gemeint, da\u00df sie danach nie wieder lesen w\u00fcrde, das war nicht so und das kann ich mir auch bei meinen hundertsiebzig B\u00fcchern im Jahr nicht vorstellen. Aber ich will ja auch keine Bibliotherapie betreiben, kann mir aber vorstellen, da\u00df man, wie schon geschrieben, das Sankovitch Buch dazu verwenden kann.<\/p>\n<p>Das ist ja, glaube ich, sehr ber\u00fchmt geworden, vorher hat es einen Blog gegeben und die Leser haben ihr auch B\u00fccher empfohlen und in den Blogs, die ich lese, hat das Buch vor einem Jahr auch gro\u00dfen Anklang gefunden und Mara Giese hat es bei ihrem <a href=\"http:\/\/buzzaldrins.de\/2014\/12\/21\/ein-jahr-buchern\/\">Jahresabschlu\u00df <\/a>als eines ihrer Lieblingsb\u00fccher erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Ein bi\u00dfchen ist ja die Gefahr dabei, da\u00df B\u00fccher, die man kaufen kann und Nina Sankovich erw\u00e4hnt ja mehrmals &#8220;das gute Buch&#8221; ausgew\u00e4hlt und von den Lekoren wahrscheinlich auf ihre \u00dcberh\u00f6hbarkeit \u00fcberpr\u00fcft wuden. Also dem wirklichen Leben immer etwas voraus an Tempo Spannung, Wahrscheinlichkeit, etc sind.<\/p>\n<p>Wenn ich mich also, um zu trauern oder, um gesund zu werden, \u00fcber sie setze, komme ich vielleicht nicht so zur Ruhe, wie Nina Sankovtsch sich das eigentlich w\u00fcnschte, bei ihr hat es aber geklappt.<\/p>\n<p>Und obwohl ich ja selber sehr viel lese und mir auch vorstellen kann, das irgendwann in der Zukunft, wenn ich das Schreiben aufgegeben habe, was ich nicht hoffe, auch zu tun, glaube ich nicht, da\u00df das Lesen das Leben ersetzen kann und es ist auch immer das Leben oder das Empfinden anderer, das auf den Seiten steht, mit dem man, wie ja manche Ideologien beweisen, auch Mi\u00dfbrauch betreiben kann.<\/p>\n<p>Ich\u00a0 kann f\u00fcr mich das Wichtige aber herausnehmen und das ist wahrscheinlich auch der Sinn der Bibliotherapie und jetzt werde ich, nachdem der Alfred derzeit statt zu lesen, in Mexiko ist, das Buch weglegen, mich wieder an das eigene Schreiben machen und versuchen das Auflesen einer riesigen Bibliothek und das Leben einer Libriomanin literarisch zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber das &#8220;Ein Buch pro Jahr Projekt&#8221;, der Amerikanerin Nina Sankovitch, habe ich ja hier schon viel geschrieben, als es Mara\u00a0 vor ungef\u00e4hr einem Jahr auf ihren Blog vorstellte. 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