{"id":34058,"date":"2015-02-15T00:55:58","date_gmt":"2015-02-14T23:55:58","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=34058"},"modified":"2015-02-15T00:55:58","modified_gmt":"2015-02-14T23:55:58","slug":"legenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=34058","title":{"rendered":"Legenden"},"content":{"rendered":"<p>Wie schreibt man \u00fcber den Holocaust? Die Betroffenen haben es in\u00a0 Vierziger und F\u00fcnfzigerjahren anders getan, als ihre Kinder, die dann vielleicht auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/07\/theodor-kramer-verlagsfest\/\">literarische Gesellschaften<\/a> oder andere Vereine gr\u00fcndeten, um \u00fcber die damaligen Ereignisse zu forschen. Dann kamen die jungen M\u00e4nner, wie Jonathan Safran Foer, die schon in Amerika geboren wurden und jetzt die jungn Frauen, Enkel oder Urenkelkinder der Holocaustopfer.<\/p>\n<p>Katja Petrowjskaja hat damit vor zwei\u00a0 Jahren den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/07\/letztes-bachmannpreiskolloquium\/\">Bachmannpreis <\/a>gewonnen, bei dem, wie man im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/06\/klagenfurter-wettlesen\/\">letzten Jahr<\/a> h\u00f6ren konnte, immer mehr Autoren mit nicht deutscher Muttersprache gewinnen und jetzt hat die 1980 geborene Gesa Olkusz, die in Berlin lebt und dort und in Amsterdam Philosophie sowie interkulturelle Fachkommunikation studierte, bei <a href=\"http:\/\/www.residenzverlag.at\/print.php?m=30&amp;o=2&amp;id_title=1747\">&#8220;Residenz&#8221; <\/a>ihren Debutroman\u00a0 &#8220;Legenden&#8221; vorgelegt, mehr ist \u00fcber ihre Herkunft am Klappentext und im Netz nicht zu erfahren, der durch seinen frischen frechen Ton aufhorchen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>&#8220;Der Mann will sich t\u00f6ten!&#8221;, lautet der erste Satz eines kleines M\u00e4dchens, auf oder in der N\u00e4he einer Br\u00fccke, das dessen Eltern in Aufregung bzw. Hilflosigkeit versetzt. Dabei geht es Filbert nur um die Stiefelchen, die da an einem Laternenpfahl h\u00e4ngen. Er holt sie herunter und bringt sie noch in der Nacht seinem Tantchen, das dar\u00fcber gar nicht so erfreut ist, dann setzt er sich\u00a0 auf eine Bank in einem Park, wird da fast eingeschneit, bzw. von Mae gefunden und zu sich nach Haus geholt.<\/p>\n<p>Das passiert in Berlin und Filbert, der da laut Klappentext so ruhelos durch die Stadt streift, ist von Beruf \u00dcbersetzer, hat einen Freund, der sich um ihm k\u00fcmmert und dem er vom Geld seines verstorbenen Vaters, eine Galerie eingerichtet hat, denn um die Familiengeschichte gibt es Legenden, die Filbert offenbar nicht zur Ruhe kommen lassen, weil sie\u00a0 jeder anders erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Da ist der Gro\u00dfvater Stanis, der damals, im Krieg wahrscheinlich, das wird nur sehr sehr vorsichtig angedeutet, einen Lastwagen angehalten hat, um Deportierte zu retten oder Brot f\u00fcr seine Familie zu stehlen, er ger\u00e4t in Verdacht und verschwindet. Nach Kanada, wie Filbert von seinem Tantchen, dem T\u00f6chterlein Klara, das mit seinem Vater damals nach Berlin gekommen ist, erf\u00e4hrt, dort soll er bei einem Unfall mit einem Elch umgekommen sein oder auch nicht, es gibt Briefe des &#8220;Roten Kreuzes&#8221;, in dem er bittet, niemand seinem Aufenthalt zu verraten.<\/p>\n<p>Dann gibt es Aureliusz, das ist ein sechzehnj\u00e4hriger harmlos aussehender Junge, doch sein Urgro\u00dfvater Erich war es, der Stanis damals verraten hat und einen deutschen Sch\u00e4ferhund namens Ferdinand gibt es auch, der die kleine Klara offenbar so faszinierte, da\u00df ihre Wohnung heute noch nach Hunden riecht, obwohl sie gar keine solchen besitzt.<\/p>\n<p>Aureliusz macht sich jedenfalls auf nach Kanada, Stanis zu suchen und schw\u00e4rmt von einem Projekt, womit er alles wieder gut machen will.<\/p>\n<p>&#8220;Ich f\u00fchle mich der Wahrheit verpflichtet, nic<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/18\/der-russe-ist-einer-der-birken-liebt\/\">ht der Schuld meiner Ahnen&#8221;, steht irgendwo in der Mitte des Buches.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/18\/der-russe-ist-einer-der-birken-liebt\/\">Filbert kommt auch nach Kanada, um den Gro\u00dfvater zu suchen, wird von Aureliusz und seinem Kumpanen, Adam Szymborski daran gehinder<\/a>t, er mu\u00df erst einen Schlitten schnitzen, damit Aureliusz das Geschehen von damals nachstellen kann.<\/p>\n<p>Befreit sich aber, f\u00e4hrt mit dem Gro\u00dfvater \u00fcber die Stra\u00dfen von Kanada, der dann in einem Motel stibt und kommt wieder nach Berlin zur\u00fcck, um mit dem Tantchen und Mae, die inzwischen die Stiefelchen tr\u00e4gt, in das Heimatdorf zu reisen und mit dem Cousin, der jetzt dort wohnt, alles zu besprechen, was sich damals ereignet hat.<\/p>\n<p>Dann ist das vielleicht aufgearbeitet und Filbert frei f\u00fcr ein Leben mit Mae, f\u00fcr die er, wie der Schlu\u00dfsatz lautet,\u00a0 eigentlich die Stiefelchen vom der Laterne geholt hat.<\/p>\n<p>Ein interessantes Buch &#8220;\u00fcber die Gespenster der Vergangenheit und der Liebe der Gegenwart, von einer jungen Frau, die in Berlin lebt, in neuen frischen T\u00f6nen erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Katja Petrowskaja, deren Buch ich demn\u00e4chst lesen werde, hat es, wie erw\u00e4hnt, ebenso versucht,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/18\/der-russe-ist-einer-der-birken-liebt\/\"> Olga Grjasnowa<\/a>, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/08\/24\/berlin-liegt-im-osten\/\">Nellja Veremej<\/a> und und..<\/p>\n<p>Und ich bin jetzt gespannt, was ich von dem soeben erschienenen Buch und der Autorin noch h\u00f6ren werde.<\/p>\n<p>Wird sie vielleicht beim n\u00e4chsten Bachmannpreis lesen oder auf der Longlist des dBps stehen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie schreibt man \u00fcber den Holocaust? Die Betroffenen haben es in\u00a0 Vierziger und F\u00fcnfzigerjahren anders getan, als ihre Kinder, die dann vielleicht auch literarische Gesellschaften oder andere Vereine gr\u00fcndeten, um \u00fcber die damaligen Ereignisse zu forschen. 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