{"id":33998,"date":"2015-02-08T00:53:46","date_gmt":"2015-02-07T23:53:46","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=33998"},"modified":"2015-02-08T00:53:46","modified_gmt":"2015-02-07T23:53:46","slug":"briefe-zwischen-vater-und-sohn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=33998","title":{"rendered":"Briefe zwischen Vater und Sohn"},"content":{"rendered":"<p>Den Briefwechsel, den der Nobelpreistr\u00e4ger von 2001 V. S. Naipaul in den F\u00fcnfzigerjahren an seine Familie aus Oxford, wo er studierte, in Trinidad geschrieben hat, habe mir ich vor zwei Jahren\u00a0 in St. P\u00f6lten gekauft, als dort die &#8220;A.u.M Buchhandlung&#8221; geschlossen wurde.<\/p>\n<p>Es waren einige B\u00fccher bei dem Abverkauf dabei, darunter die von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/19\/mangelexemplar\/?preview=true\">Sarah<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/09\/wachstumsschwerz\/\">Kuttner<\/a>, die glaube ich ein paar Euro kostete, das von Naipaul, bei &#8220;Claasen&#8221; 2002 erschienen, hat, glaube ich, einen Euro gekostet und war dann noch einmal auf siebzig Prozent verbilligt, jedenfalls kann ich mich erinnern, da\u00df die Verk\u00e4uferin beim Eintippen mit Erstaunen sagte, da\u00df es nur noch drei\u00dfig Cent kosten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Das ist sehr spannend, sind die Briefe, es sind nicht nur die des Vaters an den Sohn, wie der Titel glauben macht, sondern auch einige, der um zwei Jahre \u00e4lteren Schwester Kamla, die damals in Benares studierte, der Mutter, der anderen Schwestern, des kleinen Bruders, etc dabei,\u00a0 interessant, geben\u00a0 Einblick in die Jugend des Nobelpreistr\u00e4gers und seine Lebensumst\u00e4nde und ich mu\u00df gestehen, da\u00df ich bisher kaum etwas \u00fcber den 1932 in Trinidad geborenen, der seit den F\u00fcnzigerjahren in England lebt, wu\u00dfte.<\/p>\n<p>Der Vater, in den Briefen haupts\u00e4chlich Pa genannt, war Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen und ebenfalls Schriftsteller, ein Roman ist von ihm, glaube ich, erschienen und wahrscheinlich auch Erz\u00e4hlungen.<\/p>\n<p>Es gab\u00a0 sechs Geschwister, zu Beginn des Briefwechsel waren f\u00fcnf geboren, Kamla 1930, Vidia, wie er genannt wird, 1932, die Schwestern Sati, Mira und Savi immer jeweils zwei Jahre sp\u00e4ter, der Bruder Shiva 1945, 1952\u00a0 wird dann noch Nalini kommen und Vidia sowohl von Kamla als auch vom Vater angek\u00fcndigt werden.<\/p>\n<p>Die Familie lebte offenbar in st\u00e4ndigen Geldn\u00f6ten und so drehen sich die Briefe sehr oft darum, wer wem ein paar Pfund schickt oder das gerade nicht kann.<\/p>\n<p>Zeitungen und B\u00fccher werden angefragt. Der Achtzehnj\u00e4hrige w\u00fcnscht sich auch mehrmals Zigaretten, die Familie versichert, da\u00df es verboten ist sie auszuf\u00fchren, die Zolls\u00e4tze sind auch sehr hoch. Sie versuchen sie dann in den Zuckerp\u00e4ckchen zu schmuggeln, was der Sohn dann wieder bem\u00e4ngelt, die Zigaretten aber braucht, um seine Kommilitonen einzuladen, was in Oxford offenbar \u00fcblich ist.<\/p>\n<p>Sonst geht es in den Briefen auch sehr viel um das Schreiben, was sowohl der Vater, als auch der Sohn intensiv betreiben.<\/p>\n<p>Vidia Naipaul schreibt schom mit Neunzehn seinen ersten Roman, der wird aber abgelehnt.<\/p>\n<p>Er arbeitet auch als Redakteur und versucht trotz seiner Geldn\u00f6te in den Ferien herumzureisen, w\u00e4hrend der Vater, der bedauert seiner Frau keine Waschmaschine kaufen zu k\u00f6nnen, sich f\u00fcr verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel Geld malen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Vater und Sohn versichern sich gegenseitig sehr talentiert zu sein und der Vater gibt auch viele Ratschl\u00e4ge, wie man ein guter Schriftsteller wird: ehrlich, authentisch und auch fl\u00fc\u00dfig soll man schreiben und Skizzen machen.<\/p>\n<p>Ein Schreibbuch wird erw\u00e4hnt, w\u00e4hrend der Sohn, dem Vater\u00a0 die Wortmengen empfiehlt, die er t\u00e4glich schreiben soll.<\/p>\n<p>Die Schwester schreibt dem Bruder von ihrem Studium, in dem es mehr, um das Auswendiglernen, als um die Kreativit\u00e4t geht, ist dann auf den Vater beleidigt, schreibt dem l\u00e4nger nicht, wor\u00fcber der sich dann bei Vidia beklagt, der das wieder an Kamla weitergibt.<\/p>\n<p>Der Vater ist auch um seine anderen T\u00f6chter besorgt, will wissen, ob sie den Schulabschlu\u00df schaffen und \u00e4rgert sich \u00fcber zwei liderliche Cousinen, die bei der Familie wohnen, sich aber mit andersrassigen M\u00e4nnern herumtreiben und nie zu Hause sind.<\/p>\n<p>Die Mutter fleht den Sohn auch an, sich nie f\u00fcr ein wei\u00dfes M\u00e4dchen zu entscheiden, dem Vater ist das egal, schreibt aber auch von den Schwierigkeiten un Vorurteilen an denen Mischehen oft scheitern.<\/p>\n<p>Vidia oder Vida hat sich dann f\u00fcr eine Patricia Hale entschieden, die ihm w\u00e4hrend einer Nervenkrise unterst\u00fctzte, denn Naipaul litt auch unter Depressionen, die, wie ihm ein Psychologe erkl\u00e4rte, entstanden waren,\u00a0 weil er sich als Versager f\u00fchlte.<\/p>\n<p>Der Leistungsdruck scheint in seinem Leben und in den Briefen auch eine gro\u00dfe Rolle zu haben, denn der Vater mahnt, sowohl zu Selbstvertrauen und Gelassenheit, als auch, da\u00df es wichtig ist, immer der Beste zu sein oder sein Bestes zu geben und\u00a0 \u00e4rgert sich auch sehr, als ihm ein anderer Schriftsteller die Idee wegnimmt, der Sohn schreibt dann zur\u00fcck, da\u00df der Vater ein besserer Schriftsteller, als er ist und der verspricht ihm, ihn nach Abschlu\u00df seines Studiums zu erm\u00f6glichen fortan als freier Schriftsteller seinen Weg zu gehen.<\/p>\n<p>Sehr interessant von den Anfangsjahren eines sp\u00e4teren Nobelpreistr\u00e4gers zu erfahren, ich k\u00f6nnte da ja\u00a0 wieder spekulieren, da\u00df es mit meiner Karriere deshalb nichts wurde, weil sich niemand f\u00fcr mich interessierte. Die Mutter nach ihrer Arbeit zu m\u00fcde war, um mir 1973, als ich meine erste Erz\u00e4hlung als &#8220;Schriftstellerin&#8221; schrieb, zuzuh\u00f6ren, Gerhard K. und Monika Jensen, 1978, \u00fcber die &#8220;Einladung zum Tee&#8221; ein vernichtendes Urteil abgaben, etc.<\/p>\n<p>Jedenfalls sehr interessant zu verfolgen, wie es Vidiadhar Surajprasd\u00a0 schaffte,\u00a0 Seepersad Naipaul ist jedenfalls 1953 gestorben, die Briefe enden nach der Familientrag\u00f6die, 1957, da ist das Kapitel dann schon mit dem Zusatz &#8220;Schriftsteller&#8221; bezeichnet, die \u00e4lteste Schwester ist Lehrerin und mu\u00df gemeinsam mit dem Bruder die Mutter und die j\u00fcngeren Geschwister, von denen ihnen vor allem der Bruder Shiva Sorgen macht unterst\u00fctzen, der Vater hat Vido noch angefleht nach Trinidad zu kommen, der das aber wegen der engstirnigen Verh\u00e4ltnisse, die er dort zu erwarten glaubte, ablehnte, er schreibt dagegen von einer Stelle in Westindien, die er anzunehmen plante, aber nicht bekommen hat. Dann erschienen die ersten Romane und Erz\u00e4hltb\u00e4nde und wahrscheinlich die Karriere, die dann zu der h\u00f6chsten Auszeichnung f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Einen Anhang und einen Stammbaum um die Familienbeziehungen zu verstehen gibt es auch und einen Roman auf meinen Regal bzw. Leseliste, so da\u00df ich den Nobelpreistr\u00e4ger auch literarisch lesen kann, habe ich jetzt auch entdeckt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Briefwechsel, den der Nobelpreistr\u00e4ger von 2001 V. S. Naipaul in den F\u00fcnfzigerjahren an seine Familie aus Oxford, wo er studierte, in Trinidad geschrieben hat, habe mir ich vor zwei Jahren\u00a0 in St. P\u00f6lten gekauft, als dort die &#8220;A.u.M Buchhandlung&#8221; &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=33998\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-33998","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33998","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33998"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33998\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33998"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33998"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33998"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}