{"id":33967,"date":"2015-02-01T00:26:59","date_gmt":"2015-01-31T23:26:59","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=33967"},"modified":"2015-02-01T00:26:59","modified_gmt":"2015-01-31T23:26:59","slug":"die-reinheit-des-morders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=33967","title":{"rendered":"Die Reinheit des M\u00f6rders"},"content":{"rendered":"<p>Von der 1966 in Belgien geborenen Autorin\u00a0 Amelie Nothomb findet man \u00f6fter B\u00fccher im B\u00fccherschrank.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/01\/26\/im-nymen-des-lexikon\/\">&#8220;Im Namen des Lexikons&#8221;<\/a> habe ich vor einem Jahr gelesen, jetzt stand &#8220;Die Reinheit des M\u00f6rders&#8221;, Nothombs Erstlingswerk, 1992 erschienen, auf meiner Leseliste, mit dem sie ihren Ruhm begr\u00fcndet hat und es ist, wie man in den Rezensionen lesen kann, kein \u00fcblicher Krimi, sondern eine sehr \u00fcberh\u00f6hte Satire auf den Literaturbetrieb.<\/p>\n<p>Da gibt es einen \u00fcber achtzigj\u00e4hrigen, fettleibigen und \u00e4u\u00dferst unsympathischen Nobelpreistr\u00e4ger, Pretexat Tach mit Namen, der nur mehr ein paar Monate zu Leben hat, weil er an einem seltsamen Krebs leidet, den au\u00dfer ihm nur Str\u00e4flinge auf einer Insel hatten und der beschlie\u00dft, in seinen letzten Tagen ein paar Interviews an ausgew\u00e4hlten Journalisten zu geben.<\/p>\n<p>Sein Sekret\u00e4r sucht die aus und so erscheinen an vier Tagen, im J\u00e4nner 1991, als gerade der Golfkrieg beginnt, ein paar solche bei ihm und blitzen ab.<\/p>\n<p>Der Erste betrinkt sich beim Interview, dem Zweiten kommt das Kotzen, ob der Schilderung, des vielen Fetts, das der Fettleibige, der im Rollstuhl sitzt und von einer Pflegerin einmal am Tag gebadet wird, t\u00e4glich verzehrt, der Dritte bekommt daraus, da\u00df die zweiundzwanzig B\u00fccher des Nobelpreistr\u00e4gers, der schon vor einigen Jahren zu schreiben aufgeh\u00f6rt hat, ohnehin nicht gelesen werden, beziehungsweisen haben das die Journalisten nicht, die ihn besuchen, der vierte, da\u00df er noch Jungfrau oder eigentlich Jungmann, wie es meiner Meinung nach, korrekter hei\u00dften sollte, ist oder vielleicht war es umgekehrt.<\/p>\n<p>Die Journalisten treffen sich jedenfalls nach den Interviews immer in einem Cafe und spielen sich gegenseitig die Tonb\u00e4nder vor.<\/p>\n<p>Am f\u00fcnften Tag erscheint eine junge Frau und o Gott, Pretexat Tach, ist doch ein Frauenfeind und so schmei\u00dft er sie zuerst hinaus, sie geht aber nicht, sondern bringt ihn dazu, da\u00df er sich bei ihr entschuldigt &#8220;Ich bitte um Verzeihiung, Mademoiselle!&#8221;, mu\u00df er sogar im richtigen Tonfall sagen. Dann bekenn sie ihm, da\u00df sie alle seine B\u00fccher Zeile f\u00fcr Zeile gelesen hat, sie z\u00e4hlt sie ihm und die Frauenfiguren, die darin vorkommen, auch auf.<\/p>\n<p>Ein Buch fehlt dabei und das ist das, um das es geht, denn die Journalistin, Nina mit Namen hat auch, \u00fcber was man nichts wei\u00df, seine Kindheit recherchiert. Er war bis siebzehn ein schlanker sch\u00f6ner J\u00fcngling, ist in einem Schlo\u00df aufgewachsen, bei den Gro\u00dfeltern, nachdem seine Eltern gestorben sind und hatte mit seiner sch\u00f6nen Cousine Leopoldine, ein Liebesverh\u00e4ltnis und ihr den Schwur abgenommen, da\u00df sie nie erwachsen werden, sondern sich umbringen, wenn es soweit ist.<\/p>\n<p>Das tut er dann bei ihr, als die Regel das Wasser, in dem sie baden, f\u00e4rbt. Er erw\u00fcrgt sie, z\u00fcndet das Schlo\u00df an und beginnt zu fre\u00dfen, schreibt seine zweiundzwanzig B\u00fccher, das letzte &#8220;Die Reinheit des M\u00e4rders&#8221; bleibt unvollendet, aber jetzt kann Tach es ja weiterschreiben, ihm ein Ende geben und ist auch entsetzt, da\u00df es zwischen ihm und Nina keine pers\u00f6nliche Verbindung gibt, die sie recherchieren lie\u00df, wie ja sonst in den Romanen \u00fcblich.<\/p>\n<p>Sie ist nicht die Enkeltochter des Hausm\u00e4dchens oder des Verwalters, sondern offensichtlich nur an Literatur interessiert und hat mit ihm auch eine Wette abgeschlossen, da\u00df er vor ihr kriechen mu\u00df, wenn er sie verliert.<\/p>\n<p>Das hat er getan, so st\u00f6\u00dft sie ihn auf den Boden, er sp\u00fcrt Erstickungsgef\u00fchle und hat, als er wieder am R\u00fccken liegt oder sitzt, nur mehr das unb\u00e4ndige Verlangen, das Nina, zu der er nun in Liebe verfallen ist, dasselbe an ihm vollzieht, wie damals er an Leopoldine.<\/p>\n<p>Sie tut es, bespricht ihr Tonband danach mit sachlich ruhigen Worten und &#8220;Die Wege, die zu Gott f\u00fchren, sind unerforschlich. Noch unerforschlicher sind die Wege, die zum Erfolg f\u00fchren. Im Anschlu\u00df an diesen Vorfall ri\u00df man sich um die Werke von Pretexat Tach. Zehn Jahre sp\u00e4ter war er ein Klassiker&#8221;, lauten die letzten S\u00e4tze.<\/p>\n<p>Ob dieser dann auch gelesen wurde, steht nicht mehr in dem Buch, wir k\u00f6nnen dar\u00fcber r\u00e4tseln und auch, was es wirklich ist, da\u00df die B\u00fccher der widerlichsten Menschen, die nur das Negative und Entsetzliche schreiben, so erfolgreich werden und warum wir uns am B\u00f6sen erg\u00f6tzen, Krimis lesen und die Autoren alles so erh\u00f6hen m\u00fcssen, damit es uns als Literatur und Lesenswert erscheint, wenn wir das wirklich tun.<\/p>\n<p>Ich mu\u00df mich da auch an meiner eigenen Nase nehmen, denn ich lese und sammle ja all die B\u00fccher, obwohl ich\u00a0 eigentlich gegen Gewalt und gegen den Negativismus beispielsweise eines <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/01\/19\/ein-kind\/\">Thomas Bernhards<\/a> bin, selbst ganz<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/20\/indie-bucher\/\"> anders<\/a> und viel <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/07\/augustin-schreibwerkstatt\/\">weniger erfolgreich<\/a> schreibe, aber das offenbar immer noch ergr\u00fcnden und herausfinden m\u00f6chte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der 1966 in Belgien geborenen Autorin\u00a0 Amelie Nothomb findet man \u00f6fter B\u00fccher im B\u00fccherschrank. &#8220;Im Namen des Lexikons&#8221; habe ich vor einem Jahr gelesen, jetzt stand &#8220;Die Reinheit des M\u00f6rders&#8221;, Nothombs Erstlingswerk, 1992 erschienen, auf meiner Leseliste, mit dem &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=33967\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-33967","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33967","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33967"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33967\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33967"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33967"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33967"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}