{"id":33761,"date":"2015-01-23T00:18:24","date_gmt":"2015-01-22T23:18:24","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=33761"},"modified":"2015-01-23T00:18:24","modified_gmt":"2015-01-22T23:18:24","slug":"segel-aus-stein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=33761","title":{"rendered":"Segel aus Stein"},"content":{"rendered":"<p>Kann man auf f\u00fcnfhundertzehn Seiten und in dreiundf\u00fcnfzig Kapitel einen Krimi schreiben, in dem eigentlich nichts passiert, als da\u00df eine Frau gesucht wird, ein Mann auf ca Seite zweihundert tot aufgefunden wird und es dann ganz am Schlu\u00df noch einen Schu\u00dfwechsel gibt?<\/p>\n<p>Wenn man den Schreibeschulen glaubt, kann und darf man es nicht und kein Verlag wird solches jemals drucken. Aber der 1953 geborene Ake Edwardson gilt als einer der bekanntesten schwedischen Krimiautoren und sein sechster Erich Winter Krimi, ein Fund aus dem B\u00fccherschrank, ist bei &#8220;List&#8221; erschienen.<\/p>\n<p>In der Buch-Beschreibung steht auch etwas von &#8220;fesselnd, tiefsinnig, detailgetreu&#8221; und &#8220;gewohnt solide und tiefsinnige Kost von einem der Gro\u00dfmeister des schwedischen Krimis&#8221;.<\/p>\n<p>Wenn man zu &#8220;Amazon&#8221; geht, liest es sich ein bi\u00dfchen anders. Da gibt es mehr Ein als F\u00fcnfstern-Rezensionen und die Leser meinen, dieser Edwardson w\u00e4re am wenigsten lesenswert und schreiben sogar, da\u00df die, die damit begonnen haben, nie wieder nach Edwardson greifen werden.<\/p>\n<p>Das trifft zumindestens bei mir nicht zu, denn ich habe &#8220;Den Himmel auf Erden&#8221;, schon demn\u00e4chst auf meiner Leseliste und da steht in der Beschreibung &#8220;Dieses Buch kann s\u00fcchtig machen&#8221;.<\/p>\n<p>Nun ich bin gespannt und werde dar\u00fcber berichten, jetzt war ich, da ich ja immer auf der Suche bin, die Regeln des Schreibens und des Literaturbetriebs zu verstehen, einmal erstaunt, da\u00df da ein schwedischer Gro\u00dfmeister kommt und auf f\u00fcnfhundert Seiten, wohl die Polizeiarbeit schildert, wie sie wirklich in der Realit\u00e4t passiert.<\/p>\n<p>Denn seien wir uns ehrlich, die realen Kriminalgeschichten gehorchen wohl keinen spannenden Plot, wo auf Seite eins der Schu\u00df passiert und es dann rasant und spannend mit einigen\u00a0 Drehungen und Wendungen\u00a0 zur Aufkl\u00e4rung geht.<\/p>\n<p>Da wird ermittelt, dabei gelebt und gedacht, die Polizeibeamten haben ja auch Familie und Jungendlieben, sie kommen manchmal aus migrantischen Verh\u00e4ltnissen und sehr viel Psychologie ist auch dabei und das hat mir nat\u00fcrlich sehr gefallen, obwohl ich, den Spannungsbogen im Hinterkopf suchend, wohl auch ein wenig ratlos war und bei den unz\u00e4hligen Details auch meine Schwierigkeiten hatte, das Ganze zu verstehen.<\/p>\n<p>Denn eigentlich passiert nicht sehr viel oder doch nat\u00fcrlich, es passiert sehr viel, die eigentliche Handlung der f\u00fcnfhundert Seiten l\u00e4\u00dft sich aber in wenigen S\u00e4tzen zusammenfassen und da steht man dann noch vor einigen R\u00e4tseln und Mutma\u00dfungen, wie es gewesen sein k\u00f6nnte und dann gibt es auch zwei Handlungen, die gar nichts miteinander zu tun haben.<\/p>\n<p>Der Klappentext spricht von anonymen Briefen und Schatten der Vergangenheit und von der Jugendliebe des Kommissar Erich Winters, Johanna Osvald, die auftaucht und von ihrem Gro\u00dfvater erz\u00e4hlt, der im zweiten Weltkrieg verschwunden ist. Jetzt ist aber ein Brief aufgetaucht &#8220;THINGS ARE NOT WHAT THEY LOOK LIKE. JOHN OSWALD IS NOT WHAT HE SEEMS TO BE&#8221;, worauf sich Axel Osvald, der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/01\/18\/harlander-wochenene\/?preview=true\">Rechtschreibfehler <\/a>ist nicht von mir, liebe Kritiker, so steht es im Brief geschrieben und geh\u00f6rt zu den Spannungselementen, nach Schottland aufmacht, seinen Vater zu suchen und auf Seite zweihundertdrei\u00dfig, glaube ich, dort tot gefunden wird, worauf Erich Winter mit seiner Frau Angela hinf\u00e4hrt um\u00a0 mit Steve Mcdonald, einem Polizisten, den man schon aus einem vorangegangenen Krimi kennt, den Fall aufzukl\u00e4ren versucht.<\/p>\n<p>Tochter Johanna ist schon vorher hingeflogen.<\/p>\n<p>In dem Buch liest man sich aber zun\u00e4chst sehr lange durch anderes. Da gibt es eine farbige Polistin, in G\u00f6teborg geborenen, aber Tochter von Einwanderern aus Obervolta, die inzwischen schon zur\u00fcckgegangen sind, die Tochter, Aneta Djanali ist geblieben und einer Frau auf der Spur, aus deren Wohnungen Hilferufe kommen, Nachbarn haben Mi\u00dfhandlung angezeigt. Anette Lindsten macht aber nicht aus und als Aneta sp\u00e4ter wiederkommt, wird die Wohnung angeblich vom Vater und vom Bruder ausger\u00e4umt.<\/p>\n<p>Anette Lindsten hat aber gar keinen Bruder und der Vater sieht anders aus, vermietet die Wohnung dann an eine Tochter eines Polizisten, ist offenbar in einen Diebszug verwickelt, will die Wohnung nochmals ausr\u00e4umen und Anette Lindsten kommt man eigentlich bis am Schlu\u00df des Buches nicht auf die Spur.<\/p>\n<p>Aber darum geht es\u00a0 eigentlich gar nicht, im Klappentext wird kein Wort von diesem Handlungsfanden erw\u00e4hnt, sondern von John Osvald geschrieben, der im zweiten Weltkrieg mit einem Schiff untergegangen ist und in den dreiundf\u00fcnfzig Kapiteln irrt auch ein verwirrter Mann herum, der von Gott und Jesus spricht und sich immer wieder auf die Ereignisse von damals bezieht.<\/p>\n<p>Der Sohn Axel, ein inzwischen in Pension gegangener Fischer, reist auf Grund der Briefe nach Schottland und wird dort eben nackt und tot aufgefunden. Offenbar erfroren oder am Herzschlag erlegen, wahrscheinlich war es ein Selbstmord.<\/p>\n<p>Aber als Erich Winter mit dem schottischen Polizisten sich auf die Aufkl\u00e4rung macht, sie essen auch Fish und Chips dabei und besuchen alte Pensionen, in denen Erich Winter drei\u00dfig Jahre fr\u00fcher selbst abgestiegen ist, kommen sie einen alten Mann auf die Spur, der einen Brief nach D\u00e4nemark aufgegeben hat, den sehen sie dann noch vor einer Telefonzelle. Dann taucht noch eine in Schottland lebende Tochter von John Osvald auf, die den Brief geschrieben hat, weil sie der Lebensl\u00fcge ihres Vaters ein Ende machen wollte.<\/p>\n<p>John Osvald ist mit dem Schmugglerschiff vor vielen Jahren also offenbar nicht untergegangen, die anderen aber schon, jetzt hat er Schuldgef\u00fchle, die ihn vor sich herjagen lassen. Wie er seinen Sohn Axel in den Selbstmord getrieben hat, ist mir nicht so ganz klar geworden. Am Schlu\u00df schie\u00dft er aber auf den schottischen Polizisten und Anette Lindsten, um wieder auf den anderen Handlungsstrang zur\u00fcckzukommen, wird offenbar von ihrem gewaltt\u00e4tigen Ehemann ins Meer getrieben, aber eigentlich ist auch das, wie so vieles anderes, nicht so klar und ich finde es sehr spannend, mich so nach und nach durch die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/01\/14\/das-vierte-opfer\/\">ber\u00fchmten schwedischen Kriminalromane<\/a> durchzulesen. Sie haben sehr viel Psychologie dabei und sie erlauben sich offenbar sehr viel, was der Eva Normalverbraucherin in einem Seminar, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/26\/dialog-schreiben\/\">der Schule des Schreibens h\u00f6chstwahrscheinlich nicht durchgehen w\u00fcrde<\/a>.<\/p>\n<p>Aber das ist jetzt nur eine Vermutung, denn ich habe kein solches wirklich besucht und mir hat das Buch, um Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse auszuschlie\u00dfen, gefallen, denn ich bin eine sehr tolerante Leserin, die ein Buch nicht gleich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/29\/lesarten-der-sprachkust-studentenlesung\/#comments\">wegschmei\u00dft<\/a>, wenn der der erste Schu\u00df nicht schon auf Seite eins f\u00e4llt und es eigentlich keinen wirklichen Mord gibt, bin ich ja bez\u00fcglich Gewalt sowieso sehr ambivalent eingestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kann man auf f\u00fcnfhundertzehn Seiten und in dreiundf\u00fcnfzig Kapitel einen Krimi schreiben, in dem eigentlich nichts passiert, als da\u00df eine Frau gesucht wird, ein Mann auf ca Seite zweihundert tot aufgefunden wird und es dann ganz am Schlu\u00df noch einen &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=33761\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-33761","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33761","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33761"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33761\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33761"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}