{"id":33717,"date":"2015-01-17T00:30:57","date_gmt":"2015-01-16T23:30:57","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=33717"},"modified":"2015-01-17T00:30:57","modified_gmt":"2015-01-16T23:30:57","slug":"die-romerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=33717","title":{"rendered":"Die R\u00f6merin"},"content":{"rendered":"<p>Alberto Moravias 1947 geschriebene &#8220;Die R\u00f6merin&#8221;, die, glaube ich, auf dem Pornographieindex stand, ist einerseits der beeindruckenste\u00a0 Roman Moravias, den ich gelesen habe, andererseits hat er eine wirklich an den Haaren herbeigezogene Handlung, das Denken der Heldin ist sehr widerspr\u00fcchig und zu lang ist das Ganze, glaube ich, auch.<\/p>\n<p>Also auch eine sich sehr widersprechende Aussage, mit der ich darstellen will, da\u00df mir die Darstellung der Adriana, der r\u00f6mischen Unterschichtsfrau, im faschistischen Italien sehr gefallen hat, ist sie ja teilweise sehr selbstbewu\u00dft und\u00a0 durchaus nicht unterw\u00fcrfig und dadurch wird ein sehr klares Bild der Ausbeutung, der Armut, des Hungers, der Bigotterie des Vor-oder Nachkriegsrom gezeichnet, dann w\u00fcrde ich fast sagen, ist dem Moravia auch ein &#8220;Handlungsbuch&#8221; in die H\u00e4nde gefallen und er hat alle Register des Kitschs gezogen, um die Leser anzuziehen, teilweise liest es sich sehr packend, dann wieder eher unertr\u00e4glich und der Pornographiefalle ist er wohl auch erlegen, obwohl heute das wohl keinen mehr r\u00fchren w\u00fcrde, h\u00f6chstwahrscheinlich, aber der Roman ist\u00a0 auch, soviel ich wei\u00df vergriffen und ich habe ihn wieder aus dem B\u00fccherschrank gezogen.<\/p>\n<p>Da ist also die Ich-Erz\u00e4hlerin, Adriana, die von sich sagt &#8220;Mit sechzehn Jahren war ich wirklich eine Sch\u00f6nheit!&#8221;<\/p>\n<p>Sie ist die Tochter einer Eisenbahnwitwe, wohnt mit der Mutter, die den ganzen Tag lang Hemden n\u00e4ht und sich ihr Leben anders vorgestellt hat, in einem sch\u00e4bigen Haus in einem sch\u00e4bigen Viertel und h\u00f6rt von ihr den ganzen Tag, nichts anderes, als da\u00df sie sich gut verkaufen soll.<\/p>\n<p>Aber wie macht man das im r\u00f6mischen Unterschichtviertel eines faschistischen Landes. Die Mutter, die vor der Ehe Malern Modell gestanden ist, packt ihre Tochter und bringt sie auch in die Ateliers, damit sie etwas verdienen kann. Die Maler haben aber auch nicht sehr viel Geld und sind keine reichen Herren und eines Tages lernt Adriana, den Chauffeur Gino kennen, der bei einer reichen Familie angestellt ist.<\/p>\n<p>Sie befreundet sich mit ihm, denn sie will heiraten, einen Haushalt, Kinder haben, das Gegenteil von den Vorstellungen ihrer Mutter, die auch tobt, als Adriana ihn ihr vorstellt. Sie bringt sie auch zum Doktor, der feststellen soll, ob sie noch Jungfrau ist, sie ist es nicht, denn sie hat sich von selbst von ihm entjungfern lassen, als er sie einmal in das Haus seiner Herrschaft f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Er verspricht ihr trotzdem die Ehe und sie spart auch ihren Hausstand an, bestellt billige M\u00f6bel, beginnt zu n\u00e4hen und lernt bei den Malern eine Freundin kennen, die, wie die Mutter gegen Gino ist, denn die ist ein lockeres M\u00e4dchen, l\u00e4\u00dft sich von einem Herrn aushalten, will auch Adriana dazu verf\u00fchren und einmal nimmt sie sie auf eine Autofahrt mit und da wird sie von Herrn Astarita, einem Polizeibeamten, der sich in sie verliebt hat und ihr sp\u00e4ter h\u00f6rig wird zum Sex gezwungen, in dem er ihr droht, sie sonst Gino zu verraten, auch nicht sehr logisch kommt mir vor.<\/p>\n<p>Sie tut es also, geht beichten und stellt, weil der Priester das so will, ihre vorehelichen Beziehungen zu Gino ein. Die Hochzeit wird aber verschoben und schlie\u00dflich verr\u00e4t ihr Astarita, der sie dazu in sein B\u00fcro ins Ministerium bestellt, da\u00df er schon verheiratet ist und Kinder hat. Da geht sie dann wieder zu ihm in die Herrschaftsvilla, zwingt ihn mit ihm im Bett der Herrschaft zu schlafen, nimmt auch ein Bad und l\u00e4\u00dft dann einfach so, eine wertvolle Puderdose mitgehen.<\/p>\n<p>Dann geht sie zu ihrer Mutter und verk\u00fcndet ihr, da\u00df sie sich fortan prostituieren und Herren in das Zimmer, in dem sie eigentlich mit Gino leben wollte, nehmen will. Die Mutter sitzt inzwischen in der K\u00fcche und stellt ihr nachher das Essen auf den Tisch. Das Geld kommt in eine Schachtel, es ist aber nicht sehr viel, da Adriana sich nicht gut verkaufen kann.<\/p>\n<p>Das geht eine Weile gut, bis sie den Studenten Mino kennenlernt, in den sie sich verliebt, er zun\u00e4chst aber nichts von ihr\u00a0 wissen will.<\/p>\n<p>Gino ist inzwischen zu ihr genommen und hat ihr die Puderdose wieder abgenommen, er gibt sie aber nicht zur\u00fcck und sondern l\u00e4\u00dft sie von dem Gewaltt\u00e4ter Sonzogno verkaufen, der ist auch von Adriana begeistert und gesteht ihr in ihrem Zimmer, da\u00df er den Juweilier, dem er sie verkaufen wollte, ermordet hat und schenkt ihr die Puderdose. Adriana ist entsetzt, wurde doch inzwischen ein Zimmerm\u00e4dchen des Diebstahls verd\u00e4chtigt und verhaftet, sie bittet Astariita um Hilfe, der ihr r\u00e4t, die Dose durch ihren Beichtvater zur\u00fcckbringen zu lassen.<\/p>\n<p>Seltsamerweise verr\u00e4t sie Sonzogno, der recht rutal zu ihr ist, nicht, ist es Angst oder Liebe, logisch ist das nicht.<\/p>\n<p>Die Beziehung zu Gino hat sie inzwischen abgebrochen, Mino l\u00e4uft sie eine Weile nach und ist recht dem\u00fctig zu ihm, will ihm das Essen bezahlen und ein Taschentuch f\u00fcr ihre Mutter hat sie inzwischen auch gestohlen. Mino ist aber ohnehin reich und aus guten Haus und versucht sich politisch zu bet\u00e4tigen, wovon Adriana, die ungebildete nichts versteht.<\/p>\n<p>Er wird aber ausgerechnet an dem Tag verhaftet, als Sonzogno wieder in Adrianas Zimmer kommt und sie heiraten will, sie l\u00e4uft davon, erf\u00e4hrt von Minos Verhaftung, l\u00e4uft zu Astarita, der ihr erz\u00e4hlt, da\u00df Sonzogno in ihrem Zimmer verhaftet wurde, aber ent\u1e31am, weil er einen Polistinen an oder erscho\u00df. Sie verr\u00e4t ihn noch immer nicht, obwohl sie Todesangst hat, sie wird dann auch noch schwanger und ist sich sicher, da\u00df ihr Sohn, wie kann sie das wissen, das Kind von Sonzogno ist.<\/p>\n<p>Mino wird dank Astarita wieder freigelassen, hat sich bei den Verh\u00f6ren aber nicht sehr heldenhaft benommen, deshalb bringt er sich um, Astarita wird von Sonzogno ermordet und Adriana beschlie\u00dft wieder Hemden zu n\u00e4hen und ihr Kind von Minos Eltern gut versogen zu lassen.<\/p>\n<p>Eine wahrhafte R\u00e4ubersgeschichte, trotzdem spannender als die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/23\/die-gleichgultigen\/\">&#8220;Gleichg\u00fcltigen&#8221;<\/a>, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/05\/17\/eheliche-liebe\/\">&#8220;Eheliche Liebe&#8221;<\/a> und der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/26\/der-konformist\/\">&#8220;Konformist&#8221;<\/a>, verfilmt mit Gina Lolobrigida wurde es, glaube ich auch und ich habe am Schlu\u00df zwar \u00f6fter wegen der haarstr\u00e4ubenden Handlung den Kopf gesch\u00fcttelt, da\u00df die Adriana aber die F\u00e4den in der Hand h\u00e4lt, hat mir gefallen, auch wenn das nur die M\u00e4nnerphantasien des 1907 geborenen und 1990 gestorbenen Moravias, der eigentlich Alberto Pincherle hie\u00df, sein werden.<\/p>\n<p>Die Italiener des fr\u00fchen zwanzigsten Jahrhunderts haben es wahrscheinlich auch mit ihren Frauenbildern, die zwischen Heilige, Mutter und Hure, dahinschwanken.<\/p>\n<p>Habe ich auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/06\/02\/erica-und-ihre-geschwister\/\">&#8220;Erica und ihre Geschwister&#8221;<\/a> gelesen und kann mich erinnern, da\u00df ich die anderen Moravia-Frauen eher als farblos in Erinnerung habe, was die Adriana, auch wenn sie manchmal unlogisch wirkt, nicht ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alberto Moravias 1947 geschriebene &#8220;Die R\u00f6merin&#8221;, die, glaube ich, auf dem Pornographieindex stand, ist einerseits der beeindruckenste\u00a0 Roman Moravias, den ich gelesen habe, andererseits hat er eine wirklich an den Haaren herbeigezogene Handlung, das Denken der Heldin ist sehr widerspr\u00fcchig &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=33717\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-33717","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33717","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33717"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33717\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33717"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33717"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33717"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}