{"id":33648,"date":"2015-01-15T00:02:26","date_gmt":"2015-01-14T23:02:26","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=33648"},"modified":"2015-01-15T00:02:26","modified_gmt":"2015-01-14T23:02:26","slug":"die-beschissenheit-der-dinge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=33648","title":{"rendered":"Die Beschissenheit der Dinge"},"content":{"rendered":"<p>Den 1972 geborenen Belgier Dimitri Verhulst, habe ich durch den &#8220;Wortschatz&#8221; kennengelernt. Denn da lag einmal &#8220;Die Beschissenheit der Dinge&#8221;, inzwischen habe ich noch &#8220;Die letzte Liebe meiner Mutter&#8221; aus dem Thalia 3.99 Sto\u00df gezogen und mir vom Alfred kaufen lassen und auf meine Leseliste gesetzt.<\/p>\n<p>Als ich im Fr\u00fchjahr an der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/01\/06\/das-neue-buch-im-neuen-jahr\/\">&#8220;Anna&#8221;<\/a> gearbeitet habe, ist sein &#8220;Der Bibliothekar, der lieber dement war, als zu Hause bei seiner Frau&#8221;, bei &#8220;Luchterhand&#8221; erschienen. Ich habe es angefragt, aber nicht bekommen und so ist mir wahrscheinlich eine rotzfreche Abhandlung des Themas Alzheimer erspart geblieben und in &#8220;Der Beschie\u00dfenheit der Dinge&#8221;, 2006 erschienen, hat Dimitri Verhulst, wie ich am Klappentext lesen kann, sein Leben erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Roman steht auf dem Buch, es ist aber keiner, sondern wieder mal ein Memoir, ein Begriff, den es im Deutschen noch immer nicht wirklich zu geben scheint und das ist auch nicht in Romanform geschrieben, sondern in zw\u00f6lf Kapiteln, wo rotzfrech und manchmal politisch eher unkorrekt, das Leben in der Unterschicht im reichen Belgien erz\u00e4hlt wird.<\/p>\n<p>Frank Mc Courth hat das in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/14\/die-asche-meiner-mutter\/\">&#8220;Asche meiner Mutter&#8221;<\/a> in Romanform geschrieben und ist damit ber\u00fchmt geworden, Dimitri Verhulst wahrscheinlich auch, das Buch wird am Umschlag jedenfalls sehr gelobt, stand offenbar lang auf Platz 1 der niederl\u00e4ndischen Bestenliste, wurde auch verfilmt und ist wohl nicht ganz wirklich das Meine, obwohl der rotzfreche Ton, in dem da das Aufwachsen eines Kindes, bei seiner Gro\u00dfmutter, den besoffenen Onkeln, etc, erz\u00e4hlt wird, manchmal auch f\u00fcr mich \u00fcberraschend war, ansonsten war er mir\u00a0 zu rau und ganz so authentisch, wie den McCourth, habe ich es, auch nicht empfunden, aber vielleicht irre ich mich da.<\/p>\n<p>Verhulst springt mit der ersten Geschichte &#8220;Ein sch\u00f6nes Kind&#8221; jedenfalls gleich in Medias res, es wird das Aufwachsen in den belgischen Slums nicht chronologisch erz\u00e4hlt, sondern eben in zw\u00f6lf Geschichten und da kommt eines Tages Tante Rosie mit ihrer Tochter Sylvie zu Oma Marie, Pierre, Hermann, Potrel und wie die Onkel des dreizehnj\u00e4hrigen Dimmetrieken hei\u00dfen, um kurz bei ihnen zu wohnen.<\/p>\n<p>Sie kommt mit einem Luxusauto und Sylvie ist auch eine verzogene G\u00f6re, die in dem Wirtshaus, wo der Vater und die Onkel sie mitnehmen, zuerst ein Cola light verlangt, dann wird sie aber ausgespottet und kippt entschlossen ein Bier hinunter, verlangt ein zweitens, wird betrunken nach Hause geschleppt, mu\u00df mal pissen, etc&#8230;<\/p>\n<p>&#8220;Eine ebenso r\u00fchrende wie groteske, eine grausame und doch poetische Familiengeschichte&#8221;, steht am Buchr\u00fccken, wie schon geschrieben, bin ich mit den Saufgelagen der Onkel, die eine Radralley veranstalten, wo nicht ganz klar ist, ob da der Record im Radeln oder Saufen besteht und wo die Gro\u00dfmutter, die Polizisten, die ihr dann von den kritischen Zust\u00e4nden den Komas und den Delir tremens erz\u00e4hlen wollen, hinausschmei\u00dft, nicht ganz warm geworden, aber die Geschichte, wo eines Tages eine sch\u00f6ne geile Biene namens Nele Fockdey, auftaucht, f\u00fcr die Freundin des Vaters gehalten wird und sich dann als F\u00fcrsorgerin vom Sozial entpuppt, die nach dem Jungen sehen soll und ihn dann auf Anraten der Gro\u00dfmutter endlich ins Heim und zu Pflegefamilien bringt, was man erst sp\u00e4ter erf\u00e4hrt, hat auch mich zum Schmuzeln gebracht.<\/p>\n<p>Die, wo der Fernseher verpf\u00e4ndet wird und die Onkel, weil sie unbedingt eine Show sehen wollen, eine iranische Familie aufsuchen, die sie dann mit &#8220;Du Roy Orbinson kennen?&#8221;, begr\u00fc\u00dfen und zu der Hausfrau &#8220;We want Mehti for a streptease on the floor!&#8221;, sagen, finde ich wie ebenfalls schon erw\u00e4hnt, politisch inkorrekt, auch wenn sie ironisch gemeint ist.<\/p>\n<p>Dann erz\u00e4hlt Dimmetrieken, noch vom &#8220;Pinkelpa\u00df&#8221; seiner Mutter, die sich bei seiner Geburt eine Inkontenenz, wahrscheinlich, weil die \u00c4rzte pfuschten, zugezogen hat, was ich auch nicht so lustig fand.<\/p>\n<p>Dann kommen die Kapitel, wo der Vater in eine psychiatrische Klinik auf Entzug geht, nach drei Monaten, auf ein Probewochenende gut erholt nach Hause kommt, viel i\u00dft, seinem Kkleinen ein paar Sportschuhe kauft und ihm verspricht mit ihm am Sonntag zu trainieren, nur leider schleppen ihn die Onkels in die Kneipen ab und er kommt mit ihnen nicht zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Von den Leuten, die in den teuren Einfamilienh\u00e4uschen wohnen, wird die Familie Verhulst verachtet und der kleine Franky darf nicht mit Dimmetriken spielen. Jahre sp\u00e4ter trifft er ihn auf einen Flohmarkt wieder, kauft sich einen kleinen Schlumpf, erf\u00e4hrt, da\u00df Frankie inzwischen Judaika sammelt und gibt ihm wieder Willen seine Telefonnummer. Oh Triumph, da\u00df der ihn ein paar Wochen sp\u00e4ter anruft, denn seine Frau hat ihn wegen seines Onkel Zwaren verlassen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter besucht Dimmetrieken dann die dementkranke Oma im Altersheim und will sich von ihr verabschieden, was nicht geht, denn jetzt sind Wissenschaftler auf die Spur der Verhulst gekommen und wollen Sauflieder sammeln.<\/p>\n<p>Die Onkel k\u00f6nnen aber nur mehr die erste Strophe von &#8220;Ich mag so gerne Fl\u00e4umkes sehen, am St\u00e4ngel stecken ist so sch\u00f6n!&#8221;\u00a0 und kommen auf die Idee, das Fernsehteam in das Altersheim zu schleppen, denn das demenzkranke Mariechen lebt doch in der Vergangenheit. Sie setzten der Oma Kopfh\u00f6rer auf, unterschreiben, da\u00df sie auf die Rechte der Aufnahmen verzichten, betrinken sich auf Kosten der Aufnahmeleiter, denn ohne Bier kann man keine Sauflieder singen und nichts passiert, die Oma schweigt und erst als alle weg sind und es zum Abendessengeht, sagt sie mit klar verst\u00e4ndlicher Sprache &#8220;Doch wei\u00df der kleine Pullermann: Man Fl\u00e4umkes nicht nur essen kann!&#8221;<\/p>\n<p>Es wird ihm auch ein Sohn geboren, von der Frau die er nicht mag und so steht er rauchend vor dem Krankenhaus und will sein Kind nicht sehen. Sp\u00e4ter kommt der Sohn Jury dann zum Wochenende und Dimmetricken nimmt ihn in die Kneipe zu den noch lebenden Onkel mit. Wei\u00df aber, was sich geh\u00f6rt, kein Geld f\u00fcr den Spielautomaten, Onkel Hermann tut es dann und der Kleine gewinnt f\u00fcnfzehnhundert Euro, wie bringt man das nur der Mutter bei und, da\u00df er nach Rauch riecht?\u00a0 Bier mit Cola gemischt geben ihn die Onkels auch zu trinken: &#8220;Hab dich nicht so, Cola ist viel unges\u00fcnder als Alkohol und Krebs bekommt jeder!&#8221; und der Kleine steht dann selig am Tankstellenklo und singt, w\u00e4hrend er pisst, was er auch nicht sagen darf, fr\u00f6hlich das Lied vom Kleinen Entchen vor sich hin!<\/p>\n<p>Irgenwo steht, da\u00df es den Ich Erz\u00e4hler st\u00f6rt, wenn die Wissenschaftler zum Volk kommen um von ihnen die Sauflieder abzuh\u00f6ren und am Klappentext steht was, da\u00df &#8220;Literatur f\u00fcr den Autor die einzige M\u00e4glichkeit war, wieder festen Boden unter den F\u00fc\u00dfen zu bekommen.&#8221;<\/p>\n<p>Das scheint gelungen, mich w\u00fcrde das sich Erg\u00f6tzen am tats\u00e4chlichen oder vermeintlichen Elend der anderen trotzdem ein bi\u00dfchen st\u00f6ren, wei\u00df nicht, wie es wirklich in Verhulst Kindheit war, freue mich auf das Lesen seines anderen Buches und erinner mich an Ana Zidnar, die bei den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/09\/21\/kunst-und-handwerk-des-freien-schreibens\/\">offenen Tagen des Writersstudios<\/a> \u00f6fter sagte, da\u00df man an das Schlimmste was man erlebt hat, beim Schreiben denken, soll, weil es das ist, was die anderen interessieren wird, was mich auch ein bi\u00dfchen st\u00f6rte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den 1972 geborenen Belgier Dimitri Verhulst, habe ich durch den &#8220;Wortschatz&#8221; kennengelernt. 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