{"id":33547,"date":"2015-01-04T17:24:27","date_gmt":"2015-01-04T16:24:27","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=33547"},"modified":"2015-01-04T17:24:27","modified_gmt":"2015-01-04T16:24:27","slug":"der-letzte-kommunist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=33547","title":{"rendered":"Der letzte Kommunist"},"content":{"rendered":"<p>Ganz zuf\u00e4llig schlie\u00dft sich das zweite Buch des Jahres\u00a0 nahtlos an das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/01\/03\/adam-und-evelyn\/\">erste<\/a> an. Matthias Frings &#8220;Der letzte Kommunist-Das traumhafte Leben des Ronald M. Schernikau&#8221;, das 2009 f\u00fcr den Leipziger Buchpreis nominiert war. Das war das Jahr, wo ich nach der Lesung in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/03\/12\/textvorstellungen\/\">&#8220;Alten Schmiede&#8221;<\/a> mit Cornelia Travnicek et al, nach <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/03\/16\/leipzig-news\/\">Leipzig <\/a>gefahren bin, am Donnerstag, wo der der Preis vergeben wurde, die Lesung bzw. die &#8220;Blaue Sofa Pr\u00e4sentation&#8221; des 1953 geborenen Journalisten und Sachbuchautors Matthias Frings habe ich geh\u00f6rt und dann lag das Buch 2012 auf dem Thalia Abverkauffstapel, ich habe danach gegriffen und die ersten Tage des Jahres damit verbracht, nach der gro\u00dfen Ausreisefarce von Ingo Schulze, wo ist jetzt das Paradies, innerhalb oder au\u00dferhalb der DDR, von einem zu lesen, der am 1. September 1989 als alles gegen Westen zog, Staatsb\u00fcrger der DDR wurde, ein Traum, den er nicht lange lebte, denn die DDR ist ja dann bald gestorben und der 1960 geborene homosexuelle Dichter folgte ihm bald als eines der fr\u00fchen Aids-Opfer nach.<\/p>\n<p>Ich war zweimal in der DDR, 1985 mit dem Alfred und der kleinen Anna, wo einem alle noch sehr b\u00f6se anschauten und die Verwandten sich wohl tagelang anstellten, um den G\u00e4sten aus dem Westen ein tadelloses Menu zu servieren und der kleinen Anna Stofftiere in die Hand dr\u00fcckten und 1990, als es das Land der Form nach noch gab, aber man schon durch die Mauer vom Osten problemlos in den Westen fahren konnten und umgekehrt, was wir auch regelm\u00e4\u00dfig machten.<\/p>\n<p>Und die DDR ist ein Land, das mich sehr interessiert und ich schon viel dar\u00fcber gelesen habe, fr\u00fcher habe ich mir die B\u00fccher in der Zentralbuchhandlung bzw. in Ungarn besorgt, jetzt lese die die<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/10\/in-zeiten-des-abnehmenden-lichts\/\"> dBP<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/13\/der-hals-der-giraffe\/\">B\u00fccher<\/a> und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/22\/ausharren-im-paradies\/\">das andere was ich so<\/a> finde und in den Schr\u00e4nken findet man manchmal immer noch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/01\/26\/das-gesprengte-grab\/?preview=true\">ganz besondere Gustost\u00fcckerln<\/a>, die mich dann auch zu dem einen oder<a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_dreizehn.html\"> anderen Kapitel <\/a>inspirieren.<\/p>\n<p>Das Buch ist im &#8220;Aufbau Taschenbuchverlag&#8221; erschienen, ein ber\u00fchmter DDR Verlag, wo ich noch von den Volksstimmefesten fr\u00fcher, sehr sch\u00f6ne alte Gustost\u00fcckerln in meinen Regalen liegen habe, der sich inzwischen total wandelte, den Eigent\u00fcmer wechselte, die Stilrichtung, etc und als wir 2005 im J\u00e4nner in Leipzig waren, um Utes f\u00fcnfzigsten Geburtstag zu feiern, fiel ich \u00fcber die gro\u00dfe Abverkaufskiste bei &#8220;Hugendubl&#8221;, wo ein ATB Taschenb\u00fcchlein lag &#8220;Und leiser Jubel z\u00f6ge ein -Autoren und Verlegerbriefe 1959-1959&#8221;, unter anderem von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=Kurz+nach+4\">Ulrich Becher,<\/a> von dem ich damals noch nicht sehr viel wu\u00dfte.<\/p>\n<p>Das Buch des letzten Kommunisten, also des &#8220;Spinners, der freiwillig in ein Land ging&#8221;, aus dem alle wollten und das es dann bald nicht mehr gab, ist auch sehr interessant und f\u00fcr ein Sachbuch ungew\u00f6hnlich, beginnt es doch mit &#8220;Mein Name ist Helmut Frings&#8221;, inzwischen hat der Autor seinen Vornamen gewechselt und den zweiten, dem ersten vorgezogen und erz\u00e4hlt, wie er als junger Studienabsolvent von Aachen nach Berlin kam, Regisseur werden wollte, kellnerte, dann als Schauspieler arbeitete und ein Buch \u00fcber schwule M\u00e4nner mit einem zweiten zu schreiben begann.<\/p>\n<p>1980 war das, in den wilden Jahren, im Zuge der Recherche lernte er Ronald M. Schernikau kennen, der 1960 in Magdeburg geboren wurden und die fast f\u00fcnfhundert Seiten erz\u00e4hlen abwechselnd, von dessenMutter Ellen, einer Krankenschwester und Regimetreu, die ein Verh\u00e4ltnbis zu einem verheirateten Mann hat, der sich nicht und nicht scheiden lie\u00df, und wegen dem sie mit dem kleinen Ronald 1970 in den Westen ging, nicht weil sie mit dem Land unzufrieden war, wie sie bei den Einreiseverh\u00f6ren nicht m\u00fcde wurde, zu betonen.<\/p>\n<p>Ihr Pech war, da\u00df der im Westen auch schon wieder verheiratet war und sie sich vor Heimweh die Augen ausweinte, zur\u00fcckwollte und nicht konnte und mit dieser Sehnsucht ihren Sohn wohl auch ansteckte.<\/p>\n<p>Der ist 1980 ein sch\u00f6ner junger Mann, mit B\u00e4rtchen und gepflegten roten Haaren, immer schwarz gekleidet, am Titelbild tr\u00e4gt er wei\u00df und sieht Conchita Wurst \u00e4hnlich und der hatte zwei Lieben, die Literatur, die M\u00e4nner und den Kommunismus, also drei, jedenfalls hat er schon vor der Matura eine &#8220;kleinstadtnovelle&#8221; im &#8220;Rotbuchverlag&#8221; ver\u00f6ffentlicht und war damit in den Achtizgerjahren im &#8220;Club zwei&#8221; bei Peter Huemer, das kann man sich bei You Tube ansehen. Er hatte einen Freund, den Schauspieler Thomas Keck, der wiederum mit einem anderen liiert war, so da\u00df es Eifersuchtsdramen gab und er fand nach dem ersten Buch, nur mehr schwer einen Verlag f\u00fcr seine andere Sachen.<\/p>\n<p>Er war ein Verfechter der Kleinschreibung und auch sonst sehr experimentell, hatte Kontakt zu Elfriede Jelinek, Peter Hacks, Ulrich Berkes, und es zog ihm sehr nach Ostberlin, er suchte auch Kontakt zu DDR Verlagen und studierte dann am Leipziger Literaturinstiut, bis er das Einreisevisum bzw. die Staatsb\u00fcrgerschaft bekam, (die Mutter ist auch zur\u00fcckgegangen) und\u00a0 sehr fr\u00fch verstorben ist und daher vielleicht zu einer linken Legende wurde.<\/p>\n<p>Der dritte Teil sind Geschichten des Autors selbst, er schildert sein Leben im wilden Berlin der Achtzigerjahre, seine Freunde, die\u00a0 auch an Aids erkrankenten, seine weiteren B\u00fccher, seine Erlebnisse mit Alice Schwarzer und auch einen Weihnachtsabend, den er mit einem Freund in einer wilden Drogienorgie verlebt und von allen zu Sekt eingeladen wird.<\/p>\n<p>Spannend, spannend, diese&#8221; rasante Zeit und Sittengeschichte&#8221;, wie am Buchr\u00fccken steht. Ih habe sie mit meinen eigenen Erlebnissen in dieser Zeit verglichen und bin,\u00a0 weil ich ja jetzt auf der &#8220;You Tube Schiene&#8221; bin, auch wieder dorthin gegangen und habe mir eine DDR-Serie angeschaut, die zwischen 1988 und 1990 in vierzehn Folgen im DDR-Fernsehen lief und war erstaunt \u00fcber die b\u00fcrgerliche Idylle, die da berichtet wird.<\/p>\n<p>Handelt die Geschichte ja von einem Oberarzt und seiner Familie, seinen Affairen und seinen Kindern und man sieht ihn mit dem Trabi durch das Bild huschen aber vom realen Sozialismus, den Republikfluchten und der Wende, au\u00dfer da\u00df alle lieb und gl\u00fccklich sind und ihre Familienprobleme l\u00f6sen wollen, ist nicht viel zu h\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganz zuf\u00e4llig schlie\u00dft sich das zweite Buch des Jahres\u00a0 nahtlos an das erste an. Matthias Frings &#8220;Der letzte Kommunist-Das traumhafte Leben des Ronald M. 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