{"id":32976,"date":"2014-12-17T00:33:38","date_gmt":"2014-12-16T23:33:38","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=32976"},"modified":"2014-12-17T00:33:38","modified_gmt":"2014-12-16T23:33:38","slug":"mittelstadtrauschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=32976","title":{"rendered":"Mittelstadtrauschen"},"content":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/08\/sechzig-minuten-aus-dreisig-buchern\/\">Geburtstagsb\u00fcchern<\/a> des <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/01\/die-sonnenposition\/\">vergangenen<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/12\/13\/die-welt-die-ratsel-bleibt\/?preview=true\">Jahres.<\/a> Margarita Kinstners &#8220;Mittelstadtrauschen&#8221; vor einem Jahr bei &#8220;Deuticke&#8221; als Deburoman, der 1976 in Wien geborenen, die ich auf <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/18\/die-archaologin\/\">Thomas Wollingers <\/a>Blog als Namen und pers\u00f6nlich bei der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/24\/texthobelspane\/\">&#8220;Texthobellesung&#8221;<\/a> im Cafe Anno kennenlernte und der von der Wiener Kritik hochgelobt und als Ereignis des Literaturjahres gefeiert wurde.<\/p>\n<p>In <a href=\"http:\/\/buzzaldrins.de\/2014\/01\/21\/mittelstadtrauschen-margarita-kinstner\/\">Deutschland <\/a>sieht das dann\u00a0 anders aus, da wirkt das &#8220;Wienerische&#8221; dann leicht morbide oder langweilig und man kennt sich mit dem Reigen, der die Marie von Joe zu Jakob und dann zuletzt noch zum Gery bringt nicht aus und es passiert\u00a0 auch noch soviel anderes in dieser Stadt und dann noch in der kleineren Schwester Graz dazu, da\u00df man schon ordentlich mitdenken mu\u00df, um den Faden nicht zu verlieren und dann wird das den heutigen Leser, der vielleicht nicht mehr so geduldig ist, bald zu viel und vielleicht mu\u00df man auch die Wiener Sprache und die Orte, wo das alles spielt, kennen, um sich nicht verwirren zu lassen und dann ist das Ganze noch so herrlich sch\u00f6n kitschig, da\u00df einer die Tr\u00e4nen hinunterrinen und sie sich denkt, &#8220;Wow, das h\u00e4tte ich auch gern geschrieben und es auch versucht, aber soviel pathetische Sch\u00f6nheit zuzulassen, das h\u00e4tte ich mich nicht getraut!&#8221;<\/p>\n<p>Man sieht, ich bin restlos begeistert von einem Buch, was mir, die ich schon sehr viel gelesen habe und sehr viel <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/\">schreibe<\/a>, nicht so leicht passiert und dabei war ich als ich das Anfangsfilmchen gesehehen habe, auch nicht so begeistert und habe mir vielleicht auch gedacht, das ist mir\u00a0 zu viel.<\/p>\n<p>Jedenfalls habe ich das Buch nicht gleich gelesen, sondern auf meine Leseliste gesetzt und komme erst\u00a0 Ende 2014 dazu, wo es schon auf der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/09\/11\/kunstplatz-sva\/\">&#8220;Shortlist des Alphas&#8221;<\/a> stand, Margarita Kinstner l\u00e4ngst am zweiten Roman schreibt und der Literaturbetrieb das Buch vielleicheicht auch schon vergessen hat oder es in seine Abverkaufskisten legt.<\/p>\n<p>Da gibt es also Marie, eine neunundzwanzigj\u00e4hrige Lehrerin und die trifft in einem Cafe, Jakob, das ist ein Physiker der an seiner Dissertation oder Diplomarbeit schreibt und so steht es auch im Klappentext und wird von den Bloggern gern zitiert, aber das ist nur der Anfang, denn wie schon gesagt, hat das Buch einen Schwung und ein Treiben von Ort zu Ort, ein &#8220;Mittelstadtrauschen&#8221; eben, wie Joe das gern so nannte.<\/p>\n<p>Joe, wer ist Joe? Das ist ein junger Mann, der an der Schmelzbr\u00fccke stand, nichts recht Ordentliches aus seinem Leben machte, sondern auf Gl\u00e4sern den Donauwalzer und mit Marionetten spielte, der springt im Sommer von der Br\u00fccke und sein bester Freund Gery, ein Filmer denkt sich nichts dabei, denn das tat der gute Joe immer und hie\u00df ihn ihn dabei auch noch filmen. Nur diesmal erwischt es ihn und er wird tot aus dem Wasser gefischt.<\/p>\n<p>Joe war auch der Freund von Marie, konnte ihr aber seine Liebe nicht zeigen, so geht sie zu seinem Begr\u00e4bnis und freundet sich aus halben Herzen, w\u00fcrde ich mal sagen, mit Jakob an, denn Marie, die eigentlich Laetitia hei\u00dft, hat andere Sorgen, ihren Vater und ihre Mutter, die war Sizilianerin und ihr Vater, damals schon Professor, holte sie von dort als Dreizehnh\u00e4hrige nach Graz, es war die gro\u00dfe Liebe &#8220;Sechs Wochen zuvor war er allein nach Sizilien aufgebrochen, jetzt kam er mit einem Engel nach Graz zur\u00fcck. Doch die Zollbeamten beschlagnahmten Sofias Lachen, lie\u00dfen es nicht einreisen.&#8221;<\/p>\n<p>Das kommt auch noch bei dem Buch hinzu. Margarita Kinstners poetische Sprache und S\u00e4tze die man vielleicht zweimal lesen mu\u00df um sie zu verstehen, dann schlagen sie eine aber in Bann und nehmen sogar kurz das Atmen weg.<\/p>\n<p>Denn das Heimweh l\u00e4\u00dft Sofia ein paar Jahre sp\u00e4ter aus dem Fenster springen,\u00a0 der Vater kauft sich eine Plastikpuppe, zieht ihr ihr Kleid an, rennt damit in eine Stra\u00dfebahn, f\u00e4llt ins Wachkoma und sitzt fortan in einem Pflegeheim und tr\u00e4umt sich nach Sizilien zu seiner Sofia, dabei l\u00e4\u00dft er die Tochter zur\u00fcck, die ihn fortan alle zwei Wochen in dem Heim besucht, was Jakob nicht verstehen kann und sich weigert sie zu begleiten.<\/p>\n<p>Die interessanteste Figur ist f\u00fcr mich, die \u00fcber Sechzigj\u00e4hrige, aber die achtzgj\u00e4hrige Hedwig Brunner, Jakobs Gro\u00dfmutter, denn die ist eine ungew\u00f6hnliche Frau, hat wahrscheinlich Magenkrebs, denn sie kann nichts mehr essen, verr\u00e4t das aber keinen, sondern freundet sich mit Gerys, dem Filmer, der als Austr\u00e4ger bei der Caritas arbeitet und ihr das &#8220;Essen auf R\u00e4dern&#8221; bringt, an.<\/p>\n<p>Das landet zwar im M\u00fcllk\u00fcbel und das Klo ist von Hedys Stuhl, verschmiert, die Tochter Traude, die das putzt st\u00f6hnt dar\u00fcber, aber Hedi hat ein schlechtes Verh\u00e4ltnis zu ihren T\u00f6chtern oder Schuldgef\u00fchle, hat sie doch ihr erstes Kind Wassily, Sohn eines russischen Besatzers, weggegeben, und der taucht als Jakobs Doktorvater und Joes Onkel wieder auf, hat sexuelle Probleme und auch einen Inzest begangen, so ist er erpressbar, denn Joe hat ein Testament hinterlassen, der Palatschinkenkoch Palicini soll das im Prater ein Jahr nach Joes Tod vollstrecken.<\/p>\n<p>Gery und Marie sind dazu eingeladen, fahren mit der Geisterbahn, essen Sachertorte im Riesenrad und bekommen beim Kasperl ein St\u00fcck aufgef\u00fchrt, wo das kleine Gespenst mit Joes M\u00fctze in den Himmel zieht und ein Jahr lang auf die Erde hinuntersieht, dann mu\u00df es los- und die anderen weiterleben lassen.<\/p>\n<p>So bekommen Gery und Marie Joes Wohnung und den Schl\u00fc\u00dfel dazu \u00fcberreicht und Hedi Brunner, \u00fcber die Gery inzwischen einen Film drehte, legt ihm siebentausend Euro in ein Kuvert, dazu\u00a0 eine Windel und das Foto eines russischen Soldaten, die er bei der toten Hedy findet und ihr die zwei letzteren Sachen ins Grab hineinlegt.<\/p>\n<p>Dann kommt das Finale, ein junger Mann auf der Schmelzbr\u00fccke zieht endg\u00fcltig davon, ein Stronmausfall legt Wien und Graz eine halbe Stunde lang ins Dunkle und in dem Grazer Pflegeheim, vergessen die Pfleger einen Komapatienten im Garten und den treibt es dann mit dem Stein in der Hand, den er damals von Sizilien mitnahm und den ihm Marie bei ihrem letzten Besuch in die Hand legte, \u00fcber Mur und Donau in die Adria zur\u00fcck nach Sizilien, wo er ohnehin schon die letzten Jahre war.<\/p>\n<p>In der Danksagung treffe ich dann auf Bekannte, auf Thomas Wollinger, der Margarita Kinstners durch seine &#8220;schonungslose Kritik&#8221;, die erste Fassnung hat sie, glaube ich weggeworfen, sehr half. Auch dem Verlagsteam wird gedankt und der Praktikantin, die das Manuskript aus dem Sto\u00df unverlangt zugesandter fischte und auf den Lektorentisch legte und ich bin sehr froh, das Buchendlich gelesen zu haben, wei\u00df nat\u00fcrlich nicht, was ich in einem Jahr wenn ich Eva Menasse &#8220;Quasikristalle&#8221;, dienicht ganz unerwartet, den &#8220;<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/10\/der-funfte-alpha-literaturpreis\/\">Alpha- Preis&#8221;<\/a> gewonnen hat, Margarita Kinsntner war\u00a0 nicht bei den Finalisten, schreiben werde, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/05\/februar-musa\/\">Daniel Wissers Romanausschnitt <\/a>hat mir ja auch sehr gut gefallen und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/30\/familienaufstellung\/\">Theodora Bauers Lesung in der &#8220;Alten Schmiede&#8221;<\/a> aus ihrem Debutroman, der auch auf der Shortlist stand.<\/p>\n<p>Aber ich sage ja immer, es gibt mehr als einen guten Roman und man sollte sie eigentlich alle lesen und ich sollte auch schreiben, vielleicht schaffe ich es einmal dahin zu kommen, aber dazu braucht man auch Verlagskritik und Ermunterung und das ist wahrscheinlich das, was mir fehlt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit den Geburtstagsb\u00fcchern des vergangenen Jahres. Margarita Kinstners &#8220;Mittelstadtrauschen&#8221; vor einem Jahr bei &#8220;Deuticke&#8221; als Deburoman, der 1976 in Wien geborenen, die ich auf Thomas Wollingers Blog als Namen und pers\u00f6nlich bei der &#8220;Texthobellesung&#8221; im Cafe Anno &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=32976\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-32976","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32976","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32976"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32976\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32976"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32976"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32976"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}