{"id":32631,"date":"2014-12-23T00:36:38","date_gmt":"2014-12-22T23:36:38","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=32631"},"modified":"2014-12-23T00:36:38","modified_gmt":"2014-12-22T23:36:38","slug":"reise-in-den-siebenten-himmel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=32631","title":{"rendered":"Reise in den siebenten Himmel"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt geht es weiter mit den<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/13\/sommerlekture\/\"> &#8220;Sommerb\u00fcchern&#8221;<\/a>, das hei\u00dft die von meiner Leseliste, die ich im Juli nach Harland mitgenommen habe, um sie in der Sommerfrische zu lesen, dann ist es sich wegen den &#8220;Drava-B\u00fcchern&#8221; und denen die ich im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/14\/zuruck-aus-dem-elsas\/\">Elsa\u00df<\/a> gelesen habe,\u00a0 nicht ausgegangen, ich habe sie als die Sommerfrische beendet war, in Harland gelassen, die Rezensionsexemplare nahmen zu und die Zahl der B\u00fccher auf der Leseliste, die in diesem Jahr wohl <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/19\/lesestatus\/\">ungelesen<\/a> bleiben.<\/p>\n<p>Mit Ljjudmila Ulitzkajas &#8220;Reise in den siebenten Himmel&#8221;, ein Buch aus dem B\u00fccherschrank, das ich sogar doppelt gefunden habe, ist es sich aber noch ausgegangen und das ist ein Buch, wo ich mich schon auf das Lesen freute. Denn ich habe die Autorin einmal vor langer langer Zeit, als es die &#8220;Literatur im M\u00e4rz&#8221; noch gab,\u00a0 im Museumsquartier lesen geh\u00f6rt, Alexandra Milner hat da, glaube ich, kuratiert und jetzt hat die 1943 geborene Russin, die einige Jahre als Genetikerin gearbeitet, hat, bevor sie zu schreiben begann, einen \u00f6sterreichischen Staatspreis bekommen, im Sommer in Salzbug, als ich das Buch eigentlich lesen h\u00e4tte sollen, aber es ja nie zu sp\u00e4t zu lesen, solange man lebt jedenfalls.<\/p>\n<p>Hier wird das russische Jahrhundert gezeichnet, bis zur Wende jedenfalls, anhand der Familie des Arztes Pawel Kukotzkys, der aus einer \u00c4rztefamilie stammt und den &#8220;Innenblick&#8221; hat, das hei\u00dft er kann, wenn er eine Patientin untersucht, oft schon deren Metastasen erkennen, nur bei dem ihm nahestehenden Frauen geht das nicht und da lernt er 1942 in Sibirien, er ist gerade um die Vierzig, Jelena Georgijewna kennen, sie ist achtundzwanzig, Mutter der kleinen Tanja, ihr Mann Anton wird sp\u00e4ter an dem Tag fallen, als sie sich Pawel ergibt, was zu Schuldgef\u00fchlen und zur Zerr\u00fcttung der Ehe f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Es f\u00fchrt noch etwas anderes dazu, n\u00e4mlich, da\u00df Pawel, der Gyn\u00e4kologe, sich f\u00fcr die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruches einsetzt, hat er doch schon zu viele verpfuschte Frauen am Verbot sterben und die \u00c4rzte angeklagt gesehen, was aber an der frommen Einstellung von Jelena, die Schuldgef\u00fchle wegen ihres Antons hat und an der der Haush\u00e4lterin Wassilissa, die von Nonnen aufgezogen wurde, scheitert.<\/p>\n<p>Es kommt zum Streit des Paares, er wirft ihr vor, keine Frau zu haben, weil ihre Geb\u00e4rmutter entfent wurde, sie ihm nicht der Vater Tanjas zu sein, was die Tochter nicht wei\u00df.<\/p>\n<p>Die Beiden reden dann nicht mehr miteinander, Pawel f\u00e4ngt zu trinken an, bzw. tut er das, um sich den staatlichen Anordnungen zu entziehen. Als Stalin 1953 stirbt, wird es im Land scheinbar besser, die Schwangerschaftsunterbrechung wird erlaubt, Tanja beginnt Biologie zu studieren und in einem Labor zu arbeiten, wo sie Ratten t\u00f6ten mu\u00df, w\u00e4hrend die Hausmeistertochter Toma, die Pawel ins Haus genommen hat, als deren Mutter an einer Auskratzung verstarb, eine G\u00e4rtnerlehre macht und mit ihren Pflanzen spricht.<\/p>\n<p>Der zweite Teil ist eine Traumsequenz auf \u00fcber hundert Seite, wo alle, die Neue, die sich sp\u00e4ter als Jelena entpuppt und ihren Mann nicht erkennt, der kahlgeschorene Pavel, die Nonne, der Rohling, den alle mit ihren Blutspenden retten wollen, der Professor mit den Leninorden, Leo Tolstoi, etc, den neuen Ufern und einem Leben nach dem Tod, den siebenten Himmel wahrscheinlich, entgegenschweben.<\/p>\n<p>Dann wird es wieder realistischer und geht zu der Familie, beziehungsweise in die Sechzigerjahre zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Jelena hat Ged\u00e4chtnisausf\u00e4lle, die sich offensichtlich in eine Demenz bzw. eine Pfelgebed\u00fcrftrigkeit auswachsen. Tanja zieht eine Zeit lang in der Nacht durch die Stra\u00dfen Moskaus, l\u00e4\u00dft sich dort entjungfern, macht dann bei einer Freundin eine Goldschmiedlehre und bekommt von einem der Goldberg-Zwillinge, den S\u00f6hnen eines Freund Pawels und Genetikers, der immer Schwierigkeiten mit der Obrigkeit hat und in die Lager mu\u00df, ein Kind.<\/p>\n<p>Ein T\u00f6chterlein, sie w\u00fcnscht sich eigentlich einen Sohn und freundet sich, noch schwanger mit einem Jazzmusiker an, mit dem sie dann eine gro\u00dfe Familie will.<\/p>\n<p>An der zweiten Schwangerschaft verstirbt sie und im k\u00fcrzeren, vierten Teil sind wieder einige Jahrzehnte vergangen. Jetzt geht Shenja, selber schwanger, Tanjas Tochter, einmal in der Woche zur Wohnung der Familie, um Jelena zu baden. Der Professor ist gestorben, Wassilissa auch und weil Tomas Mann, das gro\u00dfe Zimmer braucht, hat man Jelena in das Zimmerchen der Haush\u00e4lterin einquartiert.<\/p>\n<p>Das war die Reise in den siebenten Himmel oder der Gang durch ein Jahrhundert russischer Geschichte, eine Frage von Schuld und S\u00fchne, wie in der Breschreibung steht, mal realistisch, mal traumhaft erz\u00e4hlt und ein interessantes Buch, von einer interessanten Autorin, von der ich gern mehr lesen m\u00f6chte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt geht es weiter mit den &#8220;Sommerb\u00fcchern&#8221;, das hei\u00dft die von meiner Leseliste, die ich im Juli nach Harland mitgenommen habe, um sie in der Sommerfrische zu lesen, dann ist es sich wegen den &#8220;Drava-B\u00fcchern&#8221; und denen die ich im &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=32631\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-32631","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32631","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32631"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32631\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}