{"id":32346,"date":"2014-11-19T14:34:05","date_gmt":"2014-11-19T13:34:05","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=32346"},"modified":"2014-11-19T14:34:05","modified_gmt":"2014-11-19T13:34:05","slug":"die-englische-flagge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=32346","title":{"rendered":"Die englische Flagge"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich habe ich ja ein Jungendbuch von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/27\/die-andere-esther\/\">Magda Szabo<\/a> nach B\u00fck mitnehmen wollen, dann habe ich das in der Schnelligkeit in meinen B\u00fccherst\u00f6\u00dfen, die im Schlafzimmer an der Wand aufgereiht sind, nicht gefunden und bin stattdessen auf die &#8220;Englische Flagge&#8221;, Erz\u00e4hlungen des Nobelpreistr\u00e4gers von 2002, Imre Kertesz gesto\u00dfen und damit einen guten Griff getan, denn die drei Geschichten sind sehr politisch und dadurch f\u00fcr mich \u00e4u\u00dferst interessant. Bei der &#8220;Eine Stadt- ein Buch Aktion&#8221; hat es einmal eine Drehbuchfassung des &#8220;Roman eines Schicksallosen&#8221; gegeben, die mich nicht so begeistern konnte.<\/p>\n<p>Jetzt bin ich sehr interessiert in der Badewanne gelegen und habe erfahren, wie ein wahrscheinlich Traumatisierter, aus Auschwitz zur\u00fcckgekommener junger Mann, das Nachkriegs-Budapest erlebt. Der Ich-Erz\u00e4hler, nun ein \u00e4lterer Mann, wird von seinen Sch\u00fclern gedr\u00e4ngt, doch von\u00a0 der &#8220;Englischen Flagge&#8221; zu erz\u00e4hlen und tut das auch mit vielen Drehungen und Wendungen. Wei\u00df er doch nicht, wo er damit anfangen soll? Bei Richard Wagner oder seinem eigenen Leben, aber ein ganzes Leben nachzuerz\u00e4hlen ist\u00a0 unm\u00f6glich. Nicht nur aus Platzgr\u00fcnden, sondern, weil man es selber wahrscheinlich nicht so gut kennt. So beginnt er, als er zwanzig war. Ein Jungjournalist und sich das Budapest, das er aus seinen Kindertagen kannte, sehr ver\u00e4ndert hat. Die Redaktion in der er arbeitet, hat das auch, es gibt Fleischmarken in der Stadt, kein Fleisch dazu. Aber ein Hotel, das den Besatzern geh\u00f6rte, da gibt es Fleisch zum doppelten Preis. So i\u00dft der Jungjournalist, der schon nicht mehr viel von den Menschen und vom Leben h\u00e4lt, manchmal dort ein Schnitzel auf Vorschu\u00df, bevor er in seine Redaktion geht. Die Jungjournalisten m\u00fc\u00dfen dort zur politischen Schulung. Die wird von einem wichtigen Redakteur gehalten und es ist wahrhaft brillant, wie der Nobelpreistr\u00e4ger das &#8220;Show not tell!&#8221;, versteht, so als h\u00e4tte er diese amerikanischen Writingseminare besucht.<\/p>\n<p>Hat er wahrscheinlich nicht, aber der Redakteur schwitzt bei seinem Vortrag, hat einen roten Kopf und tritt immer wieder auf den Balkon hinaus, um auf die Stra\u00dfe hinauszusehen. Nachher l\u00e4\u00dft er sich viel Zeit mit der Verabschiedung, h\u00f6rt gar nicht zu reden auf und als der Jungjournalist schlie\u00dflich auch auf den Balkon hinausgeht, sieht er den Wichtigen gerade auf die Stra\u00dfe hinauskommen. Dort steht ein schwarzes Auto und zwei schwarzgekleidete Herren geleiten ihn h\u00f6flich hinein. Das ist der Anfang vom Schrecken, vielleicht schon das Ende oder sind wir mittendrin? Der Jungjournalist hat wahrscheinlich schon viel erlebt und beschreibt die Typen in seiner Redaktion auch gro\u00dfartig. Da gibt es ein siebzigj\u00e4hriges M\u00e4nnchen, einen Stenographen, der versucht seine Schwerh\u00f6rigkeit zu verbergen, damit er nicht in Pension geschickt wird, als ob es nicht andere Probleme geben w\u00fcrde, der fragt den Jungredakteur f\u00fcr welches Theater er Freikarten haben will?\u00a0 Der entscheidet sich f\u00fcr die &#8220;Walk\u00fcre&#8221;, obwohl\u00a0 Wagner gerade in Ungnade gefallen war und die Panzer r\u00fccken in Budapest auch gerade an.<\/p>\n<p>Vorher f\u00e4hrt aber ein Auto mit der englischen Flagge vorbei und so ist diese Geschichte, zur Mahnung f\u00fcr die J\u00fcngeren, die Nachwelt, am Geburtstag des \u00c4lteren, endlich erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Vorher gibt es aber noch eine Stelle wo dem Jungjournalisten ein Buch von einem Schriftsteller bzw. Journalisten in die H\u00e4nde kommt, der einen Roman geschrieben hat, wo der Protagonist sowohl eine Beziehung zu einer feinen reichen Dame als auch zu einer armen Parfumverk\u00e4uferin hat und ich dachte, das kenne ich, das habe ich schon bei meinem vorvorigen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/14\/nach-buk-ins-bad\/\">Ungarnaufenthalt <\/a><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/15\/die-liebe-am-nachmittag\/\">gelesen<\/a>. Dann f\u00e4llt ein paar Seiten weiter der Name Ern\u00f6 Szep, der erw\u00e4hnte Roman scheint zwar &#8220;Adamsapfel zu hei\u00dfen, aber Szerb schreibt Kertesz, h\u00e4tte sich damals immer nur mit &#8220;Ich war Ern\u00f6 Szep!&#8221;, vorgestellt.<\/p>\n<p>In der zweiten, dem &#8220;Spurensucher&#8221; wird es dann kafkaesk und surreal, tritt da ja auf fast hundert Seiten, ein Abgesandter auf, der sich in eine Stadt aufmacht und dort die verschiedensten Erfahrungen und Begegnungen hat.<\/p>\n<p>Auch surreal aber trotzdem realistischer ist dann die dritte, das &#8220;Protokoll&#8221;, denn da scheint imre Kertesz von sich und seinen Erfahrungen von 1991, also nach der Wende zu erz\u00e4hlen, wo er f\u00fcr ein paar Tage nach Wien fahren will, um f\u00fcr eine \u00dcbersetzung, bzw. ein Stipendium alles zu ordnen. Er hat einen Termin beim Ministerialrat U(ngar) im Ministerium, eine Platzkarte f\u00fcr den internationalen Zug und Viertausendschillig, weil er die aber nicht richtig deklariert, mu\u00df er sie abgeben, an der Grenze aussteigen und darf nur mit einer Sondergenehmigung der grauen Herrn,\u00a0 den internationalen R\u00fcckzug nehmen, aufzahlen mu\u00df er daf\u00fcr auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich habe ich ja ein Jungendbuch von Magda Szabo nach B\u00fck mitnehmen wollen, dann habe ich das in der Schnelligkeit in meinen B\u00fccherst\u00f6\u00dfen, die im Schlafzimmer an der Wand aufgereiht sind, nicht gefunden und bin stattdessen auf die &#8220;Englische Flagge&#8221;, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=32346\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-32346","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32346","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32346"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32346\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32346"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32346"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32346"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}