{"id":32156,"date":"2014-11-16T00:59:08","date_gmt":"2014-11-15T23:59:08","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=32156"},"modified":"2014-11-16T00:59:08","modified_gmt":"2014-11-15T23:59:08","slug":"am-zug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=32156","title":{"rendered":"Am Zug"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der<a title=\"Buch-Wien und rundherum\" href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/15\/buch-wien-und-rundherum\/\"> &#8220;Buch-Wien&#8221;<\/a> kann man Zug fahren, das hei\u00dft, sich in einen solchen setzten von sich von den Autoren der gleichnahmigen soeben bei &#8220;Residenz&#8221; erschienenen Anthologige &#8220;Geschichten \u00fcbers Bahnfahren&#8221; vorlesen lassen.<br \/>\nHerr Blaha wird das vielleicht tun, wie er mir auf <a title=\"Geburtstagsliteratur\" href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/08\/literarisches-geburtstagsfest-3\/\">meinen Geburtstagsfest<\/a> erz\u00e4hlte, ich bin in den Messenhallen verblieben, denn der Verlag hat mir das Buch freundlicherweise nach Hause geschickt, in dem sich unver\u00f6ffentlichte, wie ver\u00f6ffentlichte Geschichten in alter und in neuer Rechtschreibung von mehr oder weniger Bekannten befinden und das Thema Zugfahren ist f\u00fcr mich auch ein bewegendes.<br \/>\nJetzt fahre ich ja kaum mehr mit einem und kenne mich mit den Unterschieden zwischen &#8220;Westbahn&#8221; und \u00d6BB&#8221; auch nicht so aus. Gibt es das Bahnmonopol ja nicht und auch keinen S\u00fcdbahnhof mehr und fr\u00fcher bin ich manchmal zu Weihnachten oder anderen Festtagen, meist vom Westbahnhof nach Amsterdam, Hamburg etc gefahren, einmal sogar nach Kopenhagen und kann mich noch gut an die etwas f\u00fcllige Rum\u00e4nin erinnern, die mir erz\u00e4hlte, wie sch\u00f6n das Leben unter Ceaucescau sei.<br \/>\nDas gibt es auch nicht mehr und zwischen 1992 und 1998 wahrscheinlich, bin ich von St. P\u00f6lten nach Wien gependelt und von dort wieder zur\u00fcck, gearbeitet, meinen Vater betreut und dazwischen was \u00fcbers Bahnfahren geschrieben.<br \/>\n&#8220;Ich reise jeden Tag&#8221;, das in der Zeitschrift &#8220;Morgen&#8221; ver\u00f6ffentlicht wurde. In den neuen Zuggeschichten ver\u00f6ffentlichen andere.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/21\/die-versprengten-deutschen\/\">Karl-Markus Gau\u00df<\/a> zum Beispiel, der ein gro\u00dfer Reisender ist und &#8220;Bartok-Bela-Express, Ungarn&#8221; schon in den &#8220;Wirtshausgespr\u00e4chen&#8221; bei &#8220;Otto M\u00fcller&#8221; ver\u00f6ffentlicht hat.<br \/>\nDa berichtet er von einem Gyula, der in Wirklichkeit anders hei\u00dft, aber sonst schw\u00f6rt Gau\u00df, ist alles wahr, der einmal in der Woche von M\u00fcnchen, seiner neuen Heimat, zur\u00fcck nach Budapest zu seiner inzwischen geschiedenen Frau und seinen Kinder f\u00e4hrt und sich sch\u00e4mt, wenn die deutschen Fu\u00dfballfans im Speisewagen Radaux machen und alle Kellner &#8220;Imre&#8221; nennen.<br \/>\nDer heurige <a title=\"Klagenfurter Wettlesen\" href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/06\/klagenfurter-wettlesen\/\">Bachmannpreistr\u00e4ger Tex Rubinowitz<\/a>, ist am 24. Dezember 1984 mit seiner Freundin mit der Transib gefahren. Das hei\u00dft, er hat am Westbahnhof den Zug bestiegen, wurde von einem russischen Schaffner mit Goldz\u00e4hnen begr\u00fc\u00dft. Das Ganze war spottbillig, ein dreistelliger Eurobetrag und ich kann mich erinnern, da\u00df mir in den Siebzigerjahren Adi Pfaffinger, der inzwischen lange schon gestorben ist, erz\u00e4hlte, man k\u00f6nne um sech- oder achthundert Schilling nach Peking fahren.<br \/>\nDas h\u00e4tte ich damals gerne, mich aber nicht getraut. War wahrscheinlich auch nicht so einfach, mu\u00dfte man sich doch Visen besorgen. In Moskau mu\u00dfte man aussteigen, im Hotel Kosmos \u00fcbernachten, dann in einen anderen Zug, wo einen eine andere Schaffnerin erwartete, einem st\u00e4ndig Tee aus ihrem Samowar nachgo\u00df und dazu &#8220;Wollen Sie ein Buskuit?&#8221;, fragte, auch wenn Tex in seinem Abteil Disco machte oder seine Freundin k\u00fc\u00dfte. Die Beziehung \u00fcberstand auch nicht den Peking Aufenthalt, China war eben viel zu fremd und Tex fuhr \u00fcber Shanghai mit einer F\u00e4hre ohne sie wieder zur\u00fcck.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/19\/f\/\">Daniel Kehlmann<\/a>, der ber\u00fchmte hat, kann ich mich erinnern, 2003 &#8220;Ich und Kaminski&#8221; geschrieben, da war ich bei einigen Lesungen. Einen Auszug gibt es in dem Buch. Da f\u00e4hrt der Erz\u00e4hler ein Unsympathler, der eine Biografie \u00fcber den Maler Kaminski schreiben will, mit mehreren Z\u00fcgen in das kleine \u00d6rtchen, wo der lebt, beleidigt dabei die Menschen, die er in den Z\u00fcgen trifft und \u00e4rgert sich, da\u00df er sich auf den Toiletten nicht rasieren kann.<br \/>\n&#8220;Mein Leben in vollen Z\u00fcgen und die Wandlung der Grenze&#8221; von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/31\/zeitgeschichte-am-volksstimmefest\/\">Julya Rabinowich<\/a> ist eine Geschichte, die wahrscheinlich nicht aus &#8220;Spaltkopf&#8221; kommt, aber einen \u00e4hnlichen Inhalt hat. <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/09\/02\/mannerfallen\/\">Eva Rossmann hat keinen Krimi<\/a> geschrieben, sondern ein Gespr\u00e4ch zwischen zwei Bahnreisenden, wo es um einen Affen geht, den der eine gesehen hat.<br \/>\nIn &#8220;Wohin die Reise geht&#8221; erinnert sich der <a title=\"Die Globalisten\" href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/09\/13\/die-globalisten\/\">&#8220;Residenz Autor&#8221;<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/20\/geld\/\">Peter<\/a><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/25\/madame-stern\/\"> Rosei<\/a> an seine Reisen, er ist ein Vielreisender und mit <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/12\/2-tage-reden-uber-h-c-artmann\/\">H. C<\/a>. einmal von Berlin irgendwohin gefahren und erinntert sich, da\u00df der Schaffner zu ihm sagte &#8220;Nehmen Sie die Beine von der Bank herunter!&#8221;, worauf H.C. antwortete &#8220;Ich bin kriegsgesch\u00e4digt.&#8221;<br \/>\nDazu habe ich auch eine Erinnerung aus meinen Pendlerleben, an die Zeit, wo die Fl\u00fcchtlinge aus dem Krieg in Ex-Jugolsawien nach \u00d6sterreich kamen, traumatisiert und empfindlich waren und ein Bosnier empfand es als pers\u00f6nliche Beleidigung, als ich meine F\u00fc\u00dfe auf die Sitzreihe gegen\u00fcber legte, obwohl ich das fast immer tat und sich niemand dar\u00fcber aufregte.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/01\/der-uberflussige-mensch\/\">Ilija Trojanow<\/a>, ebenfalls ein Vielreisender hat einen Auszug aus einem &#8220;Afrika-Buch&#8221; in dem er \u00fcber das Bahnfahren dort berichtet, das noch einmal ganz anders ist und Anna Weidenholzer, die junge <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/13\/der-winter-tut-den-fischen-gut\/\">Star-Autorin<\/a> des Verlags berichtet von &#8220;Franz&#8221; beziehungsweise einem Lokal am Bahnhof Linz, das es nicht mehr gibt, was viele Erinnerungen und Assoziationen ausl\u00f6st.<br \/>\nMichael <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/02\/dein-zimmer-fur-mich-allein\/\">K\u00f6hlmeiers Text<\/a> hatte ich schon gelesen und <a title=\"Emma schweigt\" href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/08\/emma-schweigt\/\">Susanne Scholls<\/a> &#8220;Leere Worte&#8221; waren sehr beeindruckend. Da f\u00e4hrt ein frustriertes graues M\u00e4uschen von Bozen nach Wien zur\u00fcck, \u00e4rgert sich \u00fcber die M\u00e4nner und dar\u00fcber, da\u00df eine alte Emanze mit zwei Teenagern an ihrem Tisch im Speisewagen Platz nimmt. Die erz\u00e4hlt etwas von den Demonstrationen ihres Lebens. Dann kommt pl\u00f6tzlich Grenzkontroole. Haben wir nicht Schengen? F\u00fcr die Illegallen, die nach Deutschland zu ihren Onkeln wollen gilt das nicht.<br \/>\n&#8220;Nix Deutschland, zur\u00fcck, du nicht weiterfahren!&#8221; und sie f\u00e4ngt zu schreien an.<br \/>\nAm Naschmarkt ist mir vor kurzem <a title=\"Krieg und Hunger oder 175 Jahre Marktamt\" href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/09\/06\/krieg-und-hunger-oder-175-jahre-marktamt\/\">etwas \u00c4hnliches<\/a> passiert.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/08\/28\/kummer-ade\/\">Alois Brandtstetter<\/a> und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/08\/15\/blickrichtungen\/\">Julian Schutting<\/a> sind zwei &#8220;Residenz Autoren&#8221; deren letzte B\u00fccher ich, wie &#8220;Emmas Schweigen&#8221; lesen durfte. Von der ehemaligen Burg-Schauspielerin Erika Pluhar, die eine Begegnung im Speisewagen von zwei nicht mehr jungen Menschen, schildert, kenne ich auch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/16\/am-ende-des-gartens\/\">schon<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/12\/spates-tagebuch\/\">einiges<\/a>.<br \/>\nVon Gerhard Roth gibts einen Auszug aus der &#8220;Winterreise&#8221;. Da f\u00e4hrt einer mit seiner Frau im Schlafwagen nach Italien, l\u00e4\u00dft sein Leben Reuvue passieren, dann besucht ihn auch noch der Tod&#8230;<br \/>\n&#8220;Das Leben in vollen Z\u00fcgen geniessen&#8221; r\u00e4t uns <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/06\/die-besucher\/\">Kurt Palm<\/a>, auch ein &#8220;Residenz Autor&#8221;, was den Vorteil hat, da\u00df ich die meisten B\u00fccher kenne und er hat, als Kind in Bahnn\u00e4he aufgewachsen, schon einiges mit und in den Z\u00fcgen erlebt, \u00e4rgert sich nicht \u00fcber die bei &#8220;Mc Donald&#8221; essen, denn die Bahn ist eine demokratische Angelegenheit, da d\u00fcrfen auch die &#8220;Fastfoodfresser&#8221; fahren und auch nicht \u00fcber die schlechten Englischkenntnisse der Durchsagensprecher, sondern findet es einen Traum, da\u00df es einmal einen Zug mit Namen &#8220;6O Jahre Katholische Frauenbewegung gab und findet, da\u00df man &#8220;Z\u00fcge mit solchen Namen unter Denkmalschutz stellen sollte.&#8221;<br \/>\nDas mit dieser Anthologie zu tun, w\u00e4re wohl zu \u00fcberh\u00f6ht. Man sollte sie aber lesen, weil man dann einen guten Eindruck der \u00f6sterreichischen Gegenwartsliteratur erh\u00e4lt, da diese aber, wie ich immer schreibe, sehr reichhaltig ist, kann man, wenn man au\u00dferhalb Wiens wohnt, im November noch etwas anderes tun, n\u00e4mlich mit dem Zug dorthinfahren und dann im <a title=\"Rundgang durch das KHM\" href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/08\/rundgang-durch-das-khm\/\">KHM spazierengehen<\/a>, wenn man sich nicht, die Texte, wie schon erw\u00e4hnt in Zug anh\u00f6ren will. Vielleicht l\u00e4\u00dft sich beides auch verbinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend der &#8220;Buch-Wien&#8221; kann man Zug fahren, das hei\u00dft, sich in einen solchen setzten von sich von den Autoren der gleichnahmigen soeben bei &#8220;Residenz&#8221; erschienenen Anthologige &#8220;Geschichten \u00fcbers Bahnfahren&#8221; vorlesen lassen. 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