{"id":31852,"date":"2014-11-07T00:06:49","date_gmt":"2014-11-06T23:06:49","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=31852"},"modified":"2014-11-07T00:06:49","modified_gmt":"2014-11-06T23:06:49","slug":"lotti-die-uhrmacherin-unsuhnbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=31852","title":{"rendered":"Lotti, die Uhrmacherin, Uns\u00fchnbar"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt die Besprechung von Band II, der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/22\/marie-ebner-von-eschenbacht-entstaubt\/\" title=\"Marie Ebner von Eschenbacht entstaubt\">Leseausgabe der entstaubten Werke der Baronin von Ebner-Eschenbach<\/a>, vor fast hundert Jahren gestorben, zu ihrer Zeit als Schriftstellerin sehr ber\u00fchmt, jetzt noch in den Schulb\u00fcchern, Uhrensammlerin, Technik besessen und was wohl zu r\u00fchmen ist, eine sozialkritische Autorin, zwar nicht besonders frauenbewegt wie ich h\u00f6rte, die aber dennoch auf die sozialen Unrechtsst\u00e4nde aufmerksam und sich in &#8220;Franzensbad&#8221; auch \u00fcber den Adel geh\u00f6rig lustig machte.<br \/>\nEin ber\u00fchmtes mit einem nicht so ber\u00fchmten Werk, soll in der vierb\u00e4ndigen Leseausgabe, mit einem Kommentar der drei Herausgeberinnen versehen, vorgestellt werden.<br \/>\nBand II hat Evelyne Polt-Heinzl herausgegeben und die &#8220;Lotti&#8221; ist wohl das ber\u00fchmte Werk.<br \/>\nEs gibt davon auch eine Reclamausgabe, wie ich gerade auf der &#8220;Amazon-Seite&#8221; gesehen habe. Und die Lotti ist, eine sehr selbstbewu\u00dfte, b\u00fcrgerliche Frau, wenn ich mich nicht irre, haben die Herausgeberinnen bei der Pr\u00e4sentation erw\u00e4hnt, die Ebner-Eschenbach w\u00e4re nicht so frauenbewegt gewesen, es gibt aber das Zitat von ihr mit dem der Verlag wirbt:<br \/>\n&#8220;Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde: alle dummen M\u00e4nner&#8221; und die Polt Heizl erw\u00e4hnt in ihrem Vorwort noch, da\u00df sie nicht, wie die Lotti, allein auf den Stra\u00dfen Wiens herumspaziert sei und sich auf ihren Reisen auch immer von Verwandten begleiten hat lassen.<br \/>\nDie Geschichte spielt um 1880 und da\u00df da eine Frau, das Fr\u00e4ulein Lotti, eine f\u00fcnfunddrei\u00dfigj\u00e4hrige &#8220;alte Jungfer&#8221;, sprich unverheiratete Frau, mit der Berufsbezeichnung angegeben wird, ist, glaube ich, schon ungew\u00f6hnlich, waren die Frauen ja damals Ehefrauen oder Dienstm\u00e4dchen und sonst nicht viel. Ein paar Huren wird es auch gegeben haben.<br \/>\nDas Fr\u00e4ulein Lotti ist aber die Tochter eines Uhrmachermeisters und wohnt tausend Schritte von der Stephanskirche entfernt, der Vater ist gestorben und hat ihr eine ber\u00fchmte Uhrensammlung hinterlassen, die Namen der Uhren werden alle angegeben, sagen einen heute wohl nicht mehr viel und die Ebner-Eschenbach, h\u00f6rte ich, war ebenfalls eine Uhrensammlerin, die solch sch\u00f6ne St\u00fccke hatte.<br \/>\nAm Totenbett machte sich der Vater Sorgen, seine Tochter vielleicht unversorgt zur\u00fcckzulassen und beschw\u00f6rt den Ziehson Gottfried, die Uhrensammlung f\u00fcr sie zu verkaufen. Lotti will das aber nicht und scheint in ihrer Wohnung f\u00fcr einen Uhrmachermeister zu arbeiten.<br \/>\nGottfried, auch Uhrmacher, arbeitet f\u00fcr einen anderen und zu Beginn des Buches, er\u00f6ffnet ihr Gottfried, da\u00df er ein Gesch\u00e4ft aufgemacht hat, wo am Firmenschild &#8220;G. u. L. Fe\u00dfler&#8221;, auch sehr selbstbewu\u00dft steht.<br \/>\nEs passiert an dem Tag aber noch etwas anderes, Lotti soll eine Uhr, so ein wertvolles Unikat \u00fcberpr\u00fcfen und erstarrt, denn es ist die, ihres Ex-Verlobten und geht kurz in die Vergangenheit zur\u00fcck.<br \/>\nVor f\u00fcnfzehn Jahren, da war sie zwanzig, kam der mit der Uhr zu ihrem Vater und lie\u00df sie sch\u00e4tzen, der rief seine Tochter herbei, die sch\u00e4tze richtig und die Liebe zwischen ihr und Hermann von Halwig begann, einem Beamten und Poeten, dessen erstes Buch, es d\u00fcrfte sich um einen Kolportageroman gehandelt haben, soeben erschienen ist.<br \/>\nEs hat mit der Liebe aber nicht so ganz geklappt oder Lotti f\u00fchlte sich von ihrem Verlobten nicht gut genug behandelt. Sie l\u00f6ste jedenfalls die Verlobung auf und wurde, da sie, wie die Ebner-Eschenbach betonte, keine sehr sch\u00f6ne Erscheinung war, eine alte Jungfrau.<br \/>\nJetzt beginnt sich aber alles zu bewegen, Lotti trifft bei dem Uhrmacher, den ehemaligen Verlobten wieder, der vor drei Jahren eine sehr sch\u00f6ne junge Frau geheiratet hat und der bewegt sie, seine Agathe zu besuchen.<br \/>\nDie ist nervenleidend, ans Bett gefesselt und \u00fcberf\u00e4llt Lotti gleich mit einer Aufgabe, sie soll ihren Mann bewegen, einen Vertrag mit einem Agenten zu unterschreiben, in den n\u00e4chsten zehn Jahren drei B\u00fccher j\u00e4hrlich zu schreiben, weil sie das Geld f\u00fcr ihre Eltern brauchen. Halwig hat ihr aber schon gestanden, da\u00df ihm das zuviel ist und es wird auch gleich Besuch gemeldet, der Advokat des Hauses, den Lotti statt der Hausfrau, die sich erst ankleiden mu\u00df, empfangen soll. Der nimmt sie anderwerttig in Beschlag, denn wenn Halwig das macht, ist das sein Untergang und &#8220;seine Seele verkauft man ja nur selbst, nie die eines anderes!&#8221;<br \/>\nEein abgekatetes Spiel w\u00fcrde man heute meinen, in den Rezensionen habe ich etwas von selbstloser Liebe gelesen und ich habe an dieser Stelle gedacht <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/12\/grosses-finale-fur-novak\/\">&#8220;Um Gotteswillen, hoffentlich nicht!&#8221;<\/a>, habe aber aus den Vorbemerkungen schon gewu\u00dft, da\u00df die Uhren verkauft werden.<br \/>\nEveline Polt-Heinzl betonte hier, da\u00df das die einzige Stelle sei, wo Lotti, als Fr\u00e4ulein Charlotte Fe\u00dfler beschrieben wird.<br \/>\nDer Ziehbruder Gottfried ist dabei und schlie\u00dflich mit dem Gesch\u00e4ft auch einverstanden. Lotti besucht die Beiden auf dem Gut, das sie f\u00fcr sie kaufte, auch einmal. Sie haben sie ja auch eingeladen, gehen aber in ihr Gl\u00fcck versunken an ihr vorbei, so da\u00df sie heimf\u00e4hrt und sich mit Gottfried verlobt, um ihre Jungfrauschaft nun doch zu beenden.<br \/>\nEvelyne Polt-Heinzl hat in ihrem Vorwort noch geschrieben, da\u00df es eine Urfassung gab, in dem es kein solches Ende, die Leser scheinen es gewollt zu haben, gibt und ich bleibe ein wenig ratlos zur\u00fcck, da mir die &#8220;aufopfernden&#8221; Handlungen der Courths-Mahler Frauen ein wenig logischer, als die der Lotti erscheinen.<br \/>\nDenn der Halwig wird ja als ein eher wankelm\u00fctiger Charakter beschrieben, deshalb hat sie ihre Verlobung  auch aufgel\u00f6st und Gl\u00fcck scheint ihr Opfer den Beiden auch nicht begbracht zu haben, denn die Ehe ging ja schief und der Poet begann auch wieder zu schreiben, etc.<br \/>\nSpannend aber, was \u00fcber das Schreiben berichtet wird und auch, da\u00df die Lotti eher als altmodische Frau geschildert wird, die nur weite schwarze Kleider tr\u00e4gt, w\u00e4hrend die Schneidermeistertochter im Nachbarhaus sich viel modischer kleidet, die ist vielleicht auch frauenbewegter.<br \/>\nLotti liest auch keine modernen B\u00fccher, also nicht die, f\u00fcr die sie sich opferte, sondern nur die alten ihres Vaters, die sie neben ihren Uhren, ebenfalls als gro\u00dfen Schatz betrachtete.<br \/>\n&#8220;Uns\u00fchnbar&#8221;, die unbekanntere Geschichte, die Ebner-Eschenbach hat ihre Texte statt Romane, bescheiden Erz\u00e4hlungen genannt, die nur in einem Literaturlexikon der DDR erw\u00e4hnt wurde, war f\u00fcr mich, trotz der vordergr\u00fcndig triefenden und heute nicht mehr ganz nachzuvollziehenden Handlung, wegen des sozialen Hintergrunds, der daraus zu entnehmen sind, die spannendere.<br \/>\nEs geht wie Evelyne Polt-Heinzl erkl\u00e4rte, um den &#8220;T\u00f6chterschacher&#8221;, die standesgem\u00e4\u00dfe Verheiratung der M\u00e4dchen oder S\u00f6hne aus adeligen Kreisen, ohne nach Lust und Neigung zu fragen und um den Ehebruch der Frau und wie auch bei der &#8220;Lotti&#8221; ist die Handlung ein wenig umst\u00e4ndlich.<br \/>\nDa ist Maria, eine sch\u00f6ne Komtesse, die in die Oper geht, sich f\u00fcr Kunstgeschichte interessiert, Klavier spielt, die \u00fcbliche &#8220;Komtessenerziehung&#8221;, die die Ebner-Eschenbach verabscheute, halt. Sie hat eine Neigung zum Herrn von Tessin, wird aber vom Vater mit dem Grafen Dornach verheiratet, aber der Vater ist ohnehin nicht so untadelig, hat er doch ein illegitimes Kind, den b\u00f6sen Wolfi, weshalb die Mutter auch an einer Gem\u00fctskrankheit verstarb.<br \/>\nDer Graf von Dornach ist aber ein edler und liebt Maria aufrichtig, sie hat auch schon erkannt, da\u00df der Felix Tessin, gar nicht so edel ist, trotzdem verf\u00fchrt er sie mit Hilfe des Wolfis, es kommt zum Ehebruch und das zweite Kind, schaut ihm dann sehr \u00e4hnlich, das bemerkt zwar nur Maria, nicht die anderen. Aber die s\u00fchnt, geht beichten, wird nicht verstanden, versucht sich umzubringen, aber dann w\u00e4re sie eine M\u00f6rderin am ersten Kind, will es dem lieben Hermann sagen, kann es ihm aber auch nicht antun, etc.<br \/>\nSo s\u00fchnt sie indem sie sich f\u00fcr die Armen aufopfert, was aber auch nicht so einfach ist, denn die danken es ihr vielleicht nicht richtig, n\u00fctzen sie aus, machen sich \u00fcber sie lustig, etc.<br \/>\nDann springt der kleine Hermann noch \u00fcber einen Steg, den die Holzf\u00e4ller immer leichtsinnigerweise anlegen, um weniger Arbeit zu haben, st\u00fcrzt ins Wasser, er und der Vater, der ihn retten will, kommen dabei um und als nun der kleine Erich zum legitimen Nachfolger erkl\u00e4rt werden soll, bekennt Maria den Ehebruch, wird von der Stiefmutter versto\u00dfen und die Leute in dem Dorf, wo das Schlo\u00df ihres Vaters steht, in das sie sich zur\u00fcckzieht, machen sich  \u00fcber sie lustig, bzw. verspotten sie das Kind.<br \/>\nNun ein bi\u00dfchen schwierig oder r\u00fchrselig und der Josef Breuer, Mitautor Freuds, mit der Ebner-Eschenbach befreundet, soll ihr gesagt haben, da\u00df sie den &#8220;Stoff nicht erotisch genug angepackt hat&#8221;, denn &#8220;so gen\u00fcgsam ist kein Mann!&#8221;<br \/>\nDie Frauen aber schon, mu\u00dften es sein, obwohl in der alten Jungfer, Amme oder Kammerzofe Marias, Lisette, die sich in den Hausarzt, der wie die Land\u00e4rzte mit aristrokratischer Kundschaft, immer gern Fremdw\u00f6rter verwendet, verliebt und ihn heiraten will, eine erstaunlich moderne Figur gezeichnet wird.<br \/>\nDie Jagd, das sinnlose Hinschlachten von Hasen und Rehen wird ger\u00fcgt und die Treiber, die dabei angescho\u00dfen werden, bekamen vom Gutsherrn, eine Entsch\u00e4digung daf\u00fcr, so da\u00df es passierte, da\u00df sich diese absichtlich verlezen lie\u00dfen, um das Geld zu kassieren.<br \/>\nSpannend, sich in die Moralvorstellungen des vorvorigen Jahrhunderts einzulesen und in eine Gesellschaft, die es so nicht mehr gibt, wenn das auch Anfang nicht so einfach war, denn im vorvorigen Jahrhundert schrieb man auch ein wenig umst\u00e4ndlich und langatmig, was wir heute nicht mehr so gewohnt sind, dank der Herausgeberinnen gibt es aber viele Anmerkungen, so da\u00df man einiges nachlesen und sich informieren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt die Besprechung von Band II, der Leseausgabe der entstaubten Werke der Baronin von Ebner-Eschenbach, vor fast hundert Jahren gestorben, zu ihrer Zeit als Schriftstellerin sehr ber\u00fchmt, jetzt noch in den Schulb\u00fcchern, Uhrensammlerin, Technik besessen und was wohl zu &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=31852\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-31852","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31852","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=31852"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31852\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=31852"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=31852"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=31852"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}