{"id":31827,"date":"2014-11-02T00:03:52","date_gmt":"2014-11-01T23:03:52","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=31827"},"modified":"2014-11-02T00:03:52","modified_gmt":"2014-11-01T23:03:52","slug":"mesmers-gedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=31827","title":{"rendered":"Me\u00dfmers Gedanken"},"content":{"rendered":"<p>Ein kleines feines B\u00fcchlein des gro\u00dfen Meisters Martin Walser &#8220;Me\u00dfmers Gedanken&#8221;, 1985 bei Suhrkamp erschienen, ausgeschieden aus einer st\u00e4dtischen B\u00fcchereifiliale, gefunden wahrscheinlich im Gr\u00fcnraum, anl\u00e4\u00dflich des <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/04\/06\/osterspaziergang-des-ersten-wiener-lesetheaters\/\">Osterspazierganges des ersten Wiener Lesetheaters durch den Bezirk Wieden<\/a>. Und jetzt erst gelesen, wo es ja schon &#8220;Me\u00dfmers Reisen&#8221;, &#8220;Me\u00dfmers Momente&#8221; und sehr sehr viel anderes von dem 1927 in Wasserburg am Bodensee geborenen deutschen Schriftstellers gibt.<br \/>\nJetzt wo Sigrid Lenz gestorben ist, ist er wohl der gr\u00f6\u00dfte und bedeutenste neben G\u00fcnther Grass und einer der mit seinen scharfen Gedanken, das ganze Jahrhundert durchfasste.<br \/>\nIch h\u00f6re meistens beim <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/12\/von-der-frankfurter-buchmesse\/\">Buchmessen Surfing<\/a> von ihm, wo er auf <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/13\/aus-frankfurt\/\">dem blauen Sofa <\/a>sitzt. Da habe ich auch von einem der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/17\/leipzig-im-zimmer\/\">Me\u00dfner Nachfahren<\/a> geh\u00f6rt und zuletzt vor ein paar Wochen hat mich der siebenundachtzigj\u00e4hrige Mann, der da seine Tageb\u00fccher vorstellte, wieder mit seinen scharfen Gedanken und, wie er den Kritikern kontern konnte, beeindruckt.<br \/>\nEr ist ja nicht unumstritten der Dojen der deutschen Literatur. Seine Rede zum <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/16\/erfahrungen-beim-verfassen-einer-sonntagsrede\/\">deutschen Friedenspreis<\/a> hat, h\u00f6rte ich die Gem\u00fcter erregt und sein Buch &#8220;Tod eines Kritikers&#8221;, wo er sich \u00fcber MRR mokierte und dann die Antisemitismuskeule geschwungen wurde, tat das auch.<br \/>\nIch habe das Buch und einige andere auch gelesen.<br \/>\n&#8220;Ein fliehendes Pferd&#8221; &#8220;Ein springender Brunnen&#8221;, etc, andere stehen noch auf meiner Leseliste und \u00fcber &#8220;Me\u00dfmers Gedanken&#8221; habe ich etwas von einer vierten Dimensios des autobiografischen Schreiben gelesen. Es sind Aphorismen und sie haben mich ein bi\u00dfchen wegen ihrer Widerspr\u00fcchigkeit und ihres Lebens\u00fcberdru\u00dfes, man k\u00f6nnte auch Kommunikationsschwierigkeiten sagen, verwirrt oder verwundert und manches konnte ich nicht nachvollziehen, auch wenn es sch\u00f6n und geschliffen klingt.<br \/>\nAuf etwas \u00fcber hundert Seiten viele sch\u00f6ne kurze oder auch l\u00e4ngere S\u00e4tze bzw. Abschnitte \u00fcber das Leben. &#8220;Tassilio Herbert Messner, der von seinem 54. bis 63 Lebensjahr ruhig in seinem Zimmer sitzt&#8221;, etwas das ich schon nicht nachvollziehen kann, das Alter Ego des gro\u00dfen Meisters?<br \/>\nDie S\u00e4tze, Abschnitte werden in drei Abteilungen gegliedert, kommentarlos hingeworfen, manchmal steht noch  &#8220;denkt Messmer dabei.<br \/>\nManches scheint Banal, wie &#8220;Wenn sie vernichten k\u00f6nnen, vernichten sie&#8221; oder &#8220;Ich bin gesund bzw. krank&#8221;,  vieles sehr erh\u00f6ht und einiges widerspr\u00fcchlich.<br \/>\nUm den Tod und das Sterben geht es nat\u00fcrlich auch und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/04\/20\/scardanelli\/\">Scardanlelli<\/a>, wie sich H\u00f6lerlin ja nannte, kommt vor und Rilke und dann die Widerspr\u00fcchlichkeiten, die Weisheiten aber auch nur Spr\u00f6digkeiten sein k\u00f6nnten, die mehrmals kommen.<br \/>\nAuf Seite sechs die Stelle, wo einer, Me\u00dfmer, Walser, keinen Besuch haben, m\u00f6chte, wenn der dann kommt, l\u00e4\u00dft er ihn bis drei Uhr morgens nicht weg und weint vor Freude, wenn er  geht, k\u00f6nnte man das nicht einfacher haben?<br \/>\nDie gro\u00dfen Dichter wahrscheinlich nicht und die Leser erwarten wohl auch diese Widerspr\u00fcchigkeit, denn &#8220;Me\u00dfmers Gedanken sind die Gedanken einer dicken Frau. Das wei\u00df er so sicher, da\u00df ihn an Beweisen nichts liegt!&#8221;<br \/>\nDie Widerspr\u00fcchlichkeiten kommen noch \u00f6fter, man k\u00f6nnte es wahrscheinlich auch Kommunikationsprobleme nenne, wenn Me\u00dfmer, in einem Hotel eigentlich mit Dr. N. fr\u00fchst\u00fccken will, ihm das aber nicht sagt, sondern ihn stattdessen beleidigt und dann alleine am Fr\u00fchst\u00fcckstisch verharrt, w\u00e4hrend sich der N. mit den anderen vergn\u00fcgt. Geht es nicht einfacher? Nat\u00fcrlich. Aber das Leben ist widerspr\u00fcchig und kompliziert, wer wei\u00df das besser, als eine Psychologin?<br \/>\nDen Kampf des Menschen gegen sich selbst k\u00f6nnte man interpretieren, des Misantrophen, der vom Leben und den anderen schon l\u00e4ngst genug hat, das aber dennoch wie besessen in vielen sch\u00f6nen S\u00e4tze beschreibt.<br \/>\n&#8220;Er kann nicht so gut k\u00e4mpfen, wie sein Gegner, weil er gegen das Gute k\u00e4mpft, sein Gegner aber gegen ihn&#8221; oder &#8220;Ich n\u00fctze euch nichts. Ich erwartet euren Bescheid!&#8221; und dann kommt die Erkenntnis &#8220;Wahrscheinlich mu\u00df man, will man geliebt werden, lieben.&#8221;<br \/>\nJa, nat\u00fcrlich aber das Leben ist kompliziert und widerspr\u00fcchig, endet mit dem Tod und dem Sterben und vorher kommt der Schmerz mit dem sich Me\u00dfner bzw. Martin Walser auch sehr intensiv besch\u00e4ftigt.<br \/>\n&#8220;Ich wohne g\u00fcnstig. Bei kleinen Schmerz.&#8221; &#8220;Von meinem Schmerz kann ich nicht reden, er ist zu klein. Aber schweigen kann ich von ihm.&#8221; &#8220;Wenn der Schmerz nachlie\u00dfe, w\u00fcrdest du dann gef\u00e4lligst gl\u00fccklich sein? Ja&#8221;<br \/>\nEs ist zu bezweifeln, ob das dem Skeptiker gelingt, aber einige wundersch\u00f6ne Aphorismen, die in einem nachklingen, die man mitnehmen m\u00f6chte, auch wenn sie nicht sofort eins zu ein logisch scheinen, gibt es nat\u00fcrlich auch.<br \/>\n&#8220;Wenn er das n\u00e4chste Mal stirbt, wird er Kopfh\u00f6rer aufsetzen und die 3. Symphonie Bruckners laufen lassen. Dadurch k\u00f6nnte sein eigener Tod ein bi\u00dfchen gr\u00f6\u00dfer werden, er w\u00fcrde nicht nur mehr ihn angehen. Einem allgemeinen Tod zuh\u00f6rend, w\u00fcrde er in den eingehen.&#8221; oder &#8220;Als er soweit war, da\u00df er nur noch die Ger\u00e4uschfolge beschreiben konnte. Jede andere Erlebnisf\u00e4higkeit hatte er eingeb\u00fc\u00dft&#8221;<br \/>\nEigentlich sehr traurig diese S\u00e4tze und weder Me\u00dfmer, noch Martin Walser, dem Schreibbesessenen und vielleicht Gedankengeplagten zu w\u00fcnschen, aber er wird und hat weitergeschrieben. Romane, Tageb\u00fccher, Aphorismen, die wir lesen und ein bi\u00dfchen dar\u00fcber nachdenken k\u00f6nnen, was wir mitnehmen oder stehenlassen wollen.<br \/>\n&#8220;Wenn ich meine M\u00fctze aufsetze bin ich, denkt Messmer&#8221;<br \/>\nVielleicht sind wir das auch ohne Kopfbedeckung und vielleicht ist das Leben nicht so kompliziert, wie es Me\u00dfmer oder Walser scheint, der ja auch geschrieben hat &#8220;Ich bin ein S\u00e4ufer, der nicht trinkt&#8221;<br \/>\nWie bitte soll das gehen?, fragt die Realistin, aber man kann nat\u00fcrlich auch Gedanken trinken und sich an Ideen berauschen und um die M\u00f6glichkeit oder Unm\u00f6glichkeit Gedichte zu schreiben, geht es irgendwo auch&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kleines feines B\u00fcchlein des gro\u00dfen Meisters Martin Walser &#8220;Me\u00dfmers Gedanken&#8221;, 1985 bei Suhrkamp erschienen, ausgeschieden aus einer st\u00e4dtischen B\u00fcchereifiliale, gefunden wahrscheinlich im Gr\u00fcnraum, anl\u00e4\u00dflich des Osterspazierganges des ersten Wiener Lesetheaters durch den Bezirk Wieden. 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