{"id":31789,"date":"2014-10-23T22:39:24","date_gmt":"2014-10-23T20:39:24","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=31789"},"modified":"2014-10-23T22:39:24","modified_gmt":"2014-10-23T20:39:24","slug":"robert-menasses-faust-und-namensprobleme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=31789","title":{"rendered":"Robert Menasses Faust und Namensprobleme"},"content":{"rendered":"<p>Gestern gab es in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; w\u00e4hrend ich mich in der Wien-Bibliothek um die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/22\/marie-ebner-von-eschenbacht-entstaubt\/\" title=\"Marie Ebner von Eschenbacht entstaubt\">Ebner-Eschenbach Leseausgabe<\/a> k\u00fcmmerte, deren zweiter Teil heute zu mir gekommen ist, eine Wiener Vorlesung zur Literatur von Robert Menasse zum Thema &#8220;Verweilen &#8211; Eine Gesch\u00e4ftsst\u00f6rung. Doktor Faust lernt Geschichte&#8221; und heute eine Leseauff\u00fchrung von &#8220;Doktor Hoechst&#8221; Robert Menasses &#8220;Faustspiel&#8221;, das als Buch 2013, bei Zsolnay herausgekommen ist und 2009 in Darmstadt uraufgef\u00fchrt wurde.<br \/>\nOffenbar eine Protestveranstaltung, weil sich die Wiener Theater weigern das St\u00fcck aufzuf\u00fchren, wie sowohl im Programm steht, als auch von Kurt Neumann angedeutet wurde.<br \/>\nUnd ich bin wieder mal vom Regen in die Traufe gekommen, beziehungsweise ins kalte Wasser gesprungen, weil mir jetzt die Grundlagen fehlen und Robert Menasse zu verstehen ist h\u00f6chstwahrscheinlich sowieso ein sehr intellektueller Akt.<br \/>\nIch bin aber blau\u00e4ugig in die &#8220;Alte Schmiede&#8221; gegangen, wo nicht sehr viele Leute waren, aber Gerhard Jaschke, Lukas Cejpek, Thomas Northoff und nat\u00fcrlich der Autor selbst, der sich in die hinteren Reihen setzte und von dort wohl &#8220;faustisch&#8221; l\u00e4chelnd das Geschehen verfolgte.<br \/>\nDie Leseauff\u00fchrung wurde, wie Kurt Neumann einleitete von Susanne  Zobl, offenbar f\u00fcr die Gmundener Festspiele zusammengestellt, Hermann Schmid hat alle Rollen in gek\u00fcrzter Form gelesen und weil ich fr\u00fch dran war, habe ich auch ein bi\u00dfchen in das Buch hineingebl\u00e4ttert, bzw. mir das Personenverzeichnis eingepr\u00e4gt. Da gibt es Dr. Hoechst, genannt der alte Faust, ein Konzernchef, seinen Sohn Raphael, Philosophiestudent, die Exfrau Gr\u00e4ten, den Freund und Laborchef.<br \/>\nMephisto, das ist vielleicht interessant, gibt es nicht und ich kann, was &#8220;Faust&#8221; betrifft anmerken, da\u00df wir den in der Stra\u00dfergasse bei der Frau Professor Friedl im dritten oder vierten Jahrgang, ein ganzes Jahr behandelt haben, was ich zuerst f\u00fcr einen Witz hielt, mich sp\u00e4ter aber noch einige Male mit dem Werk besch\u00e4ftigt habe, so da\u00df ich mich ein bi\u00dfchen auskenne.<br \/>\nRobert Menasse hat offenbar 2006 oder 2007 den Auftrag vom Theater Darmstadt f\u00fcr das St\u00fcck bekommen, seine theoretischen Grundlagen fehlen mir komplett oder doch nicht so ganz, denn ein bi\u00dfchen hat sie Susanne Zobel in ihrer Einleitung angedeutet und dann ist Hermann Schmid mit Bravour durch das St\u00fcck gezogen, das mit einem Prolog im Theater beginnt, dann in ein Labor oder Operationssaal geht, wo die Ex-Frau Gr\u00e4ten, als Krankenschwester aus der Karenz zur\u00fcckkommt, der Sohn Raphael soll auch noch einmal gezeugt werden, weil der Vater, der die Beschleunigung, das Wachstum in dieser Welt mit begrenzten Resourcen will, seinem Sohn nicht traut und von dem Goethe Grundsatz &#8220;Verweile doch, du bist so sch\u00f6n!&#8221;, h\u00e4lt er auch nichts. Er ist Konzernchef eines Pharmabetriebs, wie schon der Name sagt, macht Gesch\u00e4fte mit Japan und der ganzen Welt, steht aber gerne mit wei\u00dfer Sch\u00fcrze in der K\u00fcche, trinkt Wein und macht ein Lammragout, w\u00e4hrend er mit seinen Konzernen telefoniert.<br \/>\nDazwischen kommt der Sohn, der Probleme mit der \u00dcbersetzung der Genesis und dem &#8220;Am Anfang war das Wort oder doch die Idee, der Vorschlag&#8221; etc, hat. Dann geht es in das neunzehnte Jahrhundert zur\u00fcck, nach Nagasaki und zur Atombombe, das wurde bei der Lesung ausgelassen, aber nach Auschwitz dem Ur-KZ, wo auch die Firma Hoechst ihre Gesch\u00e4fte machte.<br \/>\nDa empf\u00e4ngt Raphael seinen Vater als KZ-ler mit einem Plastikhund, den er spazierenf\u00fchrt, das ist offenbar der Ersatz f\u00fcr den Pudel und lehrt dem Vater das Grauen.<br \/>\nDann geht es aber ins Parlament oder ins Bundeskanzleramt und da ber\u00e4t Hoechst den Kanzler, in dem er ihm den Staatsbankrott empfiehlt. Den Osterspaziergang h\u00e4tte ich jetzt fast ausgelassen, da begr\u00fc\u00dfen die B\u00fcrger freundlich den alten Herrn und fragen ihn, warum er nicht in die Politik geht, aber wenn man einen Konzern f\u00fchrt, soll man das nicht mit einem Staat tun, ist die Antworte und am Schlu\u00df sprudelt rotes Wasser in der gl\u00e4sernen Badewanne, alle klatschten und waren begeistert.<br \/>\nVielleicht auch ein wenig ratlos, als sie Fragen stellen sollten. Kurt Neumann tat es dann doch und erntete einen Rundumantwort von Robert Menasse, der auf die Kompliziertheit unserer Gesellschaft und die Schwierigkeit mit der Demokratie und den m\u00fcndigen B\u00fcrgern hinwies.<br \/>\nDrei\u00dfig Prozent w\u00e4hlen den Herrn Strache, obwohl sie am Karmeliterplatz so aufgeschlossen tun, das kann es doch auch nicht sein und ich habe mir bei der KZ-Szene gedacht, da\u00df es wahrscheinlich schwer ist, den Faust nach dem Holocaust zu interpretieren, bzw. mu\u00df man das ganz anders tun.<br \/>\nUnd der Johann Faust vom Goethe war ja auch ein Intellektueller, der an seinem Wissensdurst bzw. an den Grenzen, an die er stie\u00df, gescheitert ist.<br \/>\nDie Frage, warum es das B\u00f6se bei Menasse nicht gibt, was ja eigentlich auch zynisch w\u00e4re, wurde im St\u00fcck damit beantwortet, da\u00df keiner mehr seine Seele dem Teufel verkaufen wird, wenn er als Gotteskrieger viel mehr daf\u00fcr bekommen kann.<br \/>\nSehr kompliziert und wahrscheinlich h\u00e4tte ich auch mit Vorlesung nicht alles verstanden, obwohl ich schon einige B\u00fccher von Menasse gelesen habe, ihn bei einigen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/01\/07\/menasse-lesung\/\">Lesungen<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/04\/13\/literatur-in-gottweig-und-krems\/\">h\u00f6rte<\/a> und mit seinem intellektuellen Rundumschl\u00e4gen bzw. Skeptizismus ein bi\u00dfchen vertraut bin.<br \/>\nTrotzdem war es interessant, ich denke auch viel \u00fcber den Sinn des Lebens nach und befinde mich manchmal in recht depressiven Phasen. Die letzten zwei Tage war ich aber in eigener Sache unterwegs, das hei\u00dft ich habe das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/09\/02\/dreiunddreisig-szenen-oder-herbstbeginn\/\" title=\"Dreiunddrei\u00dfig Szenen oder Herbstbeginn\">&#8220;Schutzengelchen&#8221;<\/a>, das ja vielleicht ein \u00e4hnlicher Rundumschlag durch die Weltgeschichte ist, da es darin sowohl in den Himmel, als auch in die Ukraine geht und auch eine vor hundert Jahren gestorbene Frau wiederauferstehen l\u00e4\u00dft, gestern einmal, heute zweimal durchkorrigiert und habe da noch immer Schwierigkeiten, weil ja erstens etwas ganz anderes herausgekommen ist, als ich eigentlich wollte und dann wu\u00dfte ich nicht, ob ich mit dem Verlauf der Handlung, bzw. den letzten zehn bis f\u00fcnfzehn Seiten, die ich auch nach dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/14\/zuruck-aus-dem-elsas\/\" title=\"Zur\u00fcck aus dem Elsa\u00df\">Elsa\u00df-Urlaub<\/a> geschrieben habe, zufrieden sein soll. Da habe ich inzwischen  viel gek\u00fcrzt bzw. gegl\u00e4ttet, habe die Marijana in eine Katharina umgewandelt, das ist die Studentin, die die Miranda in der U-Bahn trifft, nach dem sie ihre Ururgro\u00dfmutter wieder verlassen hat. Da war ich aber nicht sicher, ob das nicht zu eindimensional ist?<br \/>\nSo dachte ich am Heimweg zuerst, ob ich die Katharina vielleicht doch wieder in die Mirjana umbenennen soll? Ist es halt so eins zu eins, aber dann habe ich mich, glaube ich, entschlo\u00dfen, bei der Katharina, die Bertha von Suttner Diplomarbeit wegzustreichen und lasse sie auch nicht sagen, da\u00df sie die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/19\/die-waffen-nieder\/\" title=\"Die Waffen nieder\">&#8220;Waffen nieder&#8221;<\/a> in den B\u00fccherschrank gelegt hat. Sie studiert Germanistik, aus. Alles andere bleibt gleich. Bruno Leitners Begegnung am B\u00fccherschrank und auch die Schlu\u00dfszene, wo sich Magdalena Himmelbauer von ihrer Ururenkeltochter verabschiedet und danach mit Bertha von Suttner Tee trinken geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern gab es in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; w\u00e4hrend ich mich in der Wien-Bibliothek um die Ebner-Eschenbach Leseausgabe k\u00fcmmerte, deren zweiter Teil heute zu mir gekommen ist, eine Wiener Vorlesung zur Literatur von Robert Menasse zum Thema &#8220;Verweilen &#8211; Eine Gesch\u00e4ftsst\u00f6rung. &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=31789\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-31789","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31789","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=31789"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31789\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=31789"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=31789"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=31789"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}