{"id":31749,"date":"2014-10-26T00:41:22","date_gmt":"2014-10-25T22:41:22","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=31749"},"modified":"2014-10-26T00:41:22","modified_gmt":"2014-10-25T22:41:22","slug":"die-glasglocke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=31749","title":{"rendered":"Die Glasglocke"},"content":{"rendered":"<p>Eine Geschichte einer Depression, Psychose aus dem Jahr 1953, dem Sommer wo ich geboren wurde, wahrscheinlich auch die Geschichte, der 1932 geborenen amerikanischen Lyrikerin Sylvia Plath, die den halbautobiografischen Roman, 1963 unter dem Pseudonym Victoria Lucas ver\u00f6ffentlichte und sich kurz darauf das Leben nahm.<br \/>\nMit dem Roman hat sie die Frauenbewegung  posthum ber\u00fchmt gemacht, ich habe ihn vor einem Jahr im Schrank gefunden, da gab es auch eine Neu\u00fcbersetzung. Ich habe die &#8220;Suhrkamp Ausgabe&#8221; von von 1997 gelesen und bin wieder in das Amerika der F\u00fcnfzigerjahre hineingekippt.<br \/>\nRichard Ford hat in &#8220;Kanada&#8221; von dem Kleinstadtleben um 1960 geschrieben.<br \/>\nDie bislang sehr erfolgreiche College Studentin Esther Greenwood, gewinnt 1953 zusammen mit elf anderen Studentinnen ein Stipendium einer Modezeitschrift, wo sie ein Monat lang dort, in New York hospitieren, in einem Frauenhotel wohnen darf und von Party zu Party, Empfang zu Empfang herumgereicht wird.<br \/>\nSo beginnt die Ich-Erz\u00e4hlung und Sylvia Plath ist, kann man in &#8220;Wikipedia&#8221; nachlesen, etwas \u00c4hnliches passiert.<br \/>\nIm Klappentext steht von einem Mi\u00dfgeschick nach dem anderen, das dann sehr komisch w\u00e4re und als schwarzer Humor interpretiert werden k\u00f6nnte.<br \/>\nDas habe ich, glaube ich, anders gelesen. Die Neunzehnj\u00e4hrige ist noch sehr unsicher, m\u00fcht sich ab mit ihrer Sexualit\u00e4t, bem\u00fcht sich, sich entjunfgern zu lassen. Das ist aber nicht ganz so einfach in einer Zeit, wo es keine Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung gibt und man wahrscheinlich auch nicht so genau wei\u00df, wie und wann man jetzt schwanger werden kann, man aber nachher sicher als gefallenes M\u00e4dchen gilt.<br \/>\nEs gibt aber auch einen fast Verlobten einen Buddy, einen an TBC erkrankten Medizinstudentin, aber den mag Ester nicht mehr, seit sie erfahren, hat, da\u00df er kein &#8220;Jungmann&#8221; mehr ist, M\u00e4nner d\u00fcrfen das zwar eher als die M\u00e4dchen, sie will aber keinen Heuchler.<br \/>\nIn New York werden die begabten jungen M\u00e4dchen von Empfang zu Empfang herumchauffiert, posieren dort zwischen den Buffets und als sie dann die Avocados mit den Krabbensalat essen, erleiden sie eine Lebensmittelvergiftung, m\u00fcssen am Klo kotzend von der Hotelkrankenschwester eingesammelt werden und bekommen vom Verlag als Entsch\u00e4digung, damit sie nicht klagen, einen Band der besten amerikanischen Kurzgeschichten geschenkt.<br \/>\nDas ist vielleicht komisch. Esther f\u00fcllt sich aber sicher nicht so, sondern wird immer verwirrter, gleitet in eine Depression oder Psychose ab, wei\u00df, als man sie beim Abschiedsfoto fragt, was sie werden will, das nicht mehr so genau, obwohl sie ja Dichterin oder Lektorin oder Universit\u00e4tsprofessorin werden wollte und wenn sie heimkommt in ihr Nest schon ein Schreibworkshop auf sie wartet.<br \/>\nSo wirft sie all ihre sch\u00f6ne New-York Garderobe, die Abendkleider, die Handtaschen und die Sch\u00fchchen aus dem Fenster und f\u00e4hrt mit einem geborgten Dirndlrock und einer wei\u00dfer Bluse einer Freundin heim, die Mutter, eine Stenografielehrerin, erwartet sie am Bahnhof und sagt &#8220;Leider ist es mit dem Workshop nichts geworden!&#8221;<br \/>\nDas ist offenbar das amerikanische System, wo die Studenten im Sommer Sommerkurse machten oder Ferienjobs, damit sie f\u00fcrs n\u00e4chste Jahr ein Stipenddium bekommen. Ester hat auch eine prominente F\u00f6rderin, eine bekannte Dichterin, die ihr das Studium bezahlt. Sie sitzt aber die n\u00e4chste Zeit zu Hause, will nicht Deutsch oder Steno lernen und auch nicht in einen anderen Kurs. Sie will zwar einen Roman schreiben, aber da f\u00e4llt ihr nichts ein, und so verbringt sie die n\u00e4chste Zeit, ohne sich anzuziehen und sich zu waschen, weil das ja sinnlos ist und schlafen kann sie ebenfalls nicht, bis sie die Mutter zu einer verwandten \u00c4rztin und die sie zu einem Psychiater schickt.<br \/>\nDer macht nat\u00fcrlich Elektroschocks, Ester ist entsetzt und flieht und so geht es noch einige Zeit dahin, bis sie sich versucht sich umzubringen und dann zuerst auf die normale st\u00e4ditische Psychiatrie kommt, danach auf Vermittlung ihrer Mentorin in eine bessere Privatklinik. Dort hat sie zwar eine verst\u00e4ndisvolle \u00c4rztin, bekommt aber auch Schocks und wird dann entlassen.<br \/>\nSo endet das Buch, Sylvia Plath ist das 1953 ebenfalls passiert, dann hat sie einen Schriftsteller geheiratet, zwei Kinder bekommen, war dann noch noch einmal in der Psychiatrie, bevor sie die &#8220;Glasglocke&#8221;, der Titel kommt vom sich abkapseln von der Umwelt und das sich zur\u00fcckziehen in sein Kokon, schrieb und sich  im Februar 1963 mit Schlaftabletten unter den Gashahn legte, w\u00e4hrend die Kinder im Nebenzimmer schliefen.<br \/>\nDas Buch ist jetzt ein Kultbuch, an dem ich bisher ehrf\u00fcrchtig vorbeigegangen bin und wohl auch falsche Vorstellungen von abgehobenen Experimentalstil ala Joyce oder so hatte, jetzt hat es mich sehr beeindruckt, denn so habe ich auch die Psychosen meiner Freundinnen und Bekannten in den Siebzigerjahren erlebt,  bzw. war ich da auch \u00f6fter bei den Psychiatrievorlesungen der Klinik, wo Patienten vorgestellt wurden.<br \/>\nEs erinnert mich ein wenig an <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/29\/die-leute-von-peyton-plaece\/\">Grace Metalious<\/a> die ja vielleicht eine \u00e4hnliche Karriere hatte und die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/02\/mythos-bachmann\/\">Bachmann<\/a> f\u00e4llt mir ein, ist ja 1953 auch am Titelbild des &#8220;Spiegels&#8221; gestanden und als Fr\u00e4uleinwunder ber\u00fchmt geworden. Sie wurde 1973 ein Opfer des \u00f6ffentlichen Druck oder ihres Medikamentenkonsums, wenn man das so sagen will, Grace Metalious hat ihren Erfolg auch nicht ausgehalten und Sylvia PlatH hat von ihren, \u00e4hnlich wie <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/09\/19\/franz-kafka-tagebucher-1910-1923\/\">Kafka<\/a> wohl nicht mitbekommen. <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/21\/die-verfehlte-wirklichkeit\/\">Hertha Kr\u00e4ftner<\/a> k\u00f6nnte man als \u00f6sterreichisches Vergleichschicksal, einer jugendlichen Begabung mit fr\u00fchen Selbstmord, auch noch anf\u00fchren.<br \/>\nEin interessanter Roman auf jeden Fall, den ich empfehlen kann und bez\u00fcglich der Neu\u00fcbersetzung, zu der jetzt wahrscheinlich alle greifen und die alte Ausgabe in den Mistk\u00fcbel oder <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/15\/ungelesen\/\">B\u00fccherschrank<\/a> werfen ist zu sagen, da\u00df ich einmal \u00fcber die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/09\/26\/tod-des-autors-und-fm4-preis\/\" title=\"Tod des Autors und FM4-Preis\">Ver\u00e4nderungen<\/a> diskutierte.<br \/>\nDie englische Ausgabe bleibt immer gleich, nur in den anderen Sprachen lesen wir alle zwanzig Jahre etwas anderes, was  irgendwie auch ein wenig seltsam ist und ich bin sicher, da\u00df das Wort &#8220;Neger&#8221; dem Ester auf der Klinik begegnet, inzwischen durch Afro-oder Schwarzafrikaner ersetzt wurde, weil man so etwas nicht mehr sagen darf, in Sylvia Plaths Sprachgebrauch war es aber v\u00f6llig normal.<br \/>\nDaf\u00fcr d\u00fcrfte nicht mehr soviel mit Elektroschocks behandelt werden und wie man die Empf\u00e4ngnis verh\u00fctet ist wahrscheinlich auch allgemeiner bekannt, daf\u00fcr haben die amerikanische Jugendlichen, wie ich k\u00fcrzlich gelesen habe, andere Probleme. Sie d\u00fcrfen nicht mehr auf die Stra\u00dfe und m\u00fc\u00dfen sich mit ihren Freunden \u00fcber Tweets und Twitter austauschen. Schreibakademien wird es aber geben. Die begabtesten Studenten und Studentinnen werden Stipendien bekommen, und die anderen so beim <a href=\"http:\/\/nanowrimo.org\/participants\/eva-jancak\/novels\/verbruderung\/stats\">Nanowrimo<\/a> mitmachen und ihre Romae, Gedichte, etc bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/01\/07\/neues-von-der-indie-front\/\">&#8220;Amazon&#8221;<\/a> verlegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Geschichte einer Depression, Psychose aus dem Jahr 1953, dem Sommer wo ich geboren wurde, wahrscheinlich auch die Geschichte, der 1932 geborenen amerikanischen Lyrikerin Sylvia Plath, die den halbautobiografischen Roman, 1963 unter dem Pseudonym Victoria Lucas ver\u00f6ffentlichte und sich kurz &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=31749\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-31749","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31749","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=31749"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31749\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=31749"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=31749"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=31749"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}