{"id":31719,"date":"2014-10-25T00:55:15","date_gmt":"2014-10-24T22:55:15","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=31719"},"modified":"2014-10-25T00:55:15","modified_gmt":"2014-10-24T22:55:15","slug":"es-ist-kompliziert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=31719","title":{"rendered":"Es ist kompliziert"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Das Leben der Teenager in sozialen Netzwerken&#8221;, wie der Titel der bei <a href=\"https:\/\/www.m-vg.de\/redline\/shop\/article\/3364-es-ist-kompliziert\/\">&#8220;Redline&#8221;<\/a> erschienenen Buchs von Danah Boyd, die als Forscherin f\u00fcr &#8220;Microsoft Research&#8221; arbeitet und amerikanische Jugendliche zu ihrem Internetverhalten befragte, lautet.<br \/>\n&#8220;Ein interessantes Buch!&#8221;, habe ich gedacht, denn als \u00fcber Sechzigj\u00e4hrige &#8220;Digital Naive&#8221;, die um sich herum st\u00e4ndig \u00fcber den Gefahren der Internet\u00fcberwachung h\u00f6rt und mit den Warnungen umgehen mu\u00df, ob und wie weit man mit seine Daten in das Netz gehen soll?, ist es sicherlich interessant, statistisches Wissen zu erhalten und wurde insofern entt\u00e4uscht, weil es in dem Buch um den amerikanischen Way of live von Jugendlichen geht und das ist sehr interessant, weil der offenbar sehr anders als, der unsere ist und ich einiges erfahren habe, was ich noch nicht wu\u00dfte.<br \/>\nDas Buch ist mit einem ausf\u00fchrlichen Anhang in acht Kapitel gegliedert, wie &#8220;Warum wirken Jugendliche online so merkw\u00fcrdig&#8221;, &#8220;Warum teilen Jugendliche alles der \u00d6ffentlichkeit mit&#8221;, &#8220;Internetsucht&#8221;, &#8220;Gefahrenquellen&#8221;, &#8220;Cybermobbing&#8221; &#8220;Ungleichheit&#8221; und &#8220;Internetkompetenz&#8221; und Danah Boyd, eine junge h\u00fcbsche Frau, wie man auf ihrem Foto am Klappentext sieht, springt auch gleich hinein in das Medias Res oder in das amerikanische Leben und erkl\u00e4rt scheinbar nebenbei, wenn sie die Ansichten ihrer Interviewpartner zitiert, einiges von den Unterschieden des amerikanischen Lebens, bei dem f\u00fcr mich sehr \u00fcberraschend war, da\u00df es ein Klima der Angst sein d\u00fcrfte.<br \/>\nEltern, Staat und Gesetze wollen die Jugendlichen vor m\u00f6glichen Gefahren, wie Entf\u00fchrung und Vergewaltigung besch\u00fctzen und so haben sie sie vom \u00d6ffentlichen Leben weitegehend verdr\u00e4ngt, etwas, das ich so nicht wu\u00dfte, weil es bei uns (noch) weitgehend anders ist.<br \/>\nEs gibt Ausgangsbeschr\u00e4nkungen und Sperrzonen, Jugendlichen d\u00fcrfen sich auch nicht in Einkaufszentren aufhalten, weil das private Zonen sind und nicht in Parks, weil so gef\u00e4hrlich und weil die Schulen von den Wohnorten sehr weit auseinanderliegen, kennen sie auch keinen in ihren Vierteln. Mit dem Rad kann man nicht fahren und nicht zu Fu\u00df zur Schule gehen, weil man zwei Stunden dazu braucht und so brauste Danah Boydt an einem Samstagnachmittag in einem wei\u00dfen b\u00fcrgerlichen Vorort auf der Suche nach zu befragenden Jugendlichen durch die Gegend und fand kaum Menschen auf der Stra\u00dfe und erst nach zwei Stunden einen Mann, der mit seinen Kindern im Garten spielten und einen anderen, der seinen Hund \u00e4u\u00dferlte.<br \/>\nDas f\u00fchrt zwangl\u00e4ufig dazu, meint Diana Boyd, das Jugendliche gezwungen sind, in ihren Zimmer \u00fcber &#8220;Facebook&#8221;, &#8220;My Space&#8221; oder &#8220;Twitter&#8221; mit ihren Freunden zu kommunizieren.<br \/>\nSie tun das nicht, weil sie, wie ihre Eltern glauben, internets\u00fcchtig sind, sondern w\u00fcrden ihre Freunde lieber direkt treffen und das Internet kommunizieren ist, wie die ersten Kapitel beschreiben auch nicht so einfach, wenn man in die \u00d6ffentlichkeit geht, um seine Freunde zu treffen.<br \/>\nDenn die Eltern, die vor den Internetgefahren gewarnt wurden und ihre Kinder sch\u00fctzen wollen, tun das auch und lesen dann in den Accounts ihrer Kinder mit und kommentieren und die wollen das nat\u00fcrlich nicht und ben\u00fctzen so Codeworte und interne Phrasen, die nur sie und ihre Freunde verstehen.<br \/>\nDann kommt das Beispiel von einem schwarzen Jugendlichen, der auf ein Elitecollege wollte und in seiner Bewerbung schrieb, er h\u00e4tte seine sozialen Schranken \u00fcberwunden, die Schule forschte nach und fand heraus, er ben\u00fctzt genau die Codes seiner Gang. Aber das mu\u00df er auch, weil ihn die sonst nicht akzeptieren.<br \/>\nEs ist also nicht ganz so einfach. Dann kommt das ber\u00fchmte Beispiel, das ich schon vor Jahren h\u00f6rte, einer stellt ein Foto in das Netz das seinen Freund oder seine Freundin mit einer Flasche Bier in der Hand zeigt, aber Alkohol ist in Amerika den Jugendlichen verboten. Sie machen sich also strafbar, bekommen keine Stelle, keinen Collageplatz, etc, und wissen vielleicht gar nicht warum, denn sie haben es ja nicht selbst gepostet.<br \/>\nDas f\u00fchrt dann zu dem sogenannten Cybermobbing, wovon ich schon in meiner Praxis h\u00f6rte, bzw. vor kurzem ein H\u00f6rbild im Radio, das vom Selbstmord eines Sch\u00fclers berichtete, nachdem seine Freunde ihn mit einer Schwulenseite in Verbindung brachten.<br \/>\nDanah Boyd spricht von &#8220;Drama&#8221;, wie das die Jugendlichen nennen, die dann ein Bild von ihrem Freund mit erigierten Penis, der die Schulb\u00fccher auf den Boden fegt ins Netz stellen und erkl\u00e4rt, wie Freunde zu Feinden werden.<br \/>\nDie Jugendlichen mobben sich auch manchmal selbst, um Aufmerksamkeit zu erregen, bzw. sagen nichts dagegen, weil sie glauben, sie m\u00fc\u00dften das aushalten und Danah Boyd berichtet auch vom Hilferuf eines M\u00e4dchen, der nicht geh\u00f6rt wurde, so da\u00df sie sich umbrachte und pl\u00e4ydiert daf\u00fcr, statt vor lauter Angst vor den Gefahren des Netzes, angeblich w\u00fcrde man da sehr leicht Opfer von Sexualstraft\u00e4tern werden, seinen Kindern zu verbieten, hineinzugehen, solche Botschaften ernster zu nehmen und mehr miteinander zu reden. Die Klassenkameraden des erw\u00e4hnten M\u00e4dchen sind beispielsweise zu den Lehrer gegangen, weil die sozialen Netzwerke in der Schule aber verboten waren, haben sie nicht geholfen.<br \/>\nInteressant ist auch das Kapitel &#8220;Rassentrennung&#8221;, die ja in Amerika sehr verbreitet ist. Zwar sagen alle sie h\u00e4tten keine Vorurteile und sind nicht rassistisch, dann spielen in einer Schule aber nur die schwarzen Kinder Baseball,  die wei\u00dfen und die Latinos etwas anderes und Danah Boyd interwiewte einen wei\u00dfen Jugendlichen der erkl\u00e4rte, er w\u00fcrde ja gern Baseball spielen, aber das ist ein &#8220;schwarzer Sport&#8221; und genauso ist das mit den sozialen Netzwerken. Bei &#8220;My Space&#8221; sind die schwarzen Jugendlichen, bei &#8220;Facebook&#8221; die wei\u00dfen, etc.<br \/>\nDanah Boyd widmet sich dann der Fragestellung, wie kompetent die Jugendliche, die &#8220;Digital Natives&#8221; wirklich mit der Technik sind und kommt zu dem Schlu\u00df, auch das ist ein Voruteil und zitiert etwas, was, glaube ich, auch nicht eins zu eins \u00fcbertragbar ist, n\u00e4mlich, da\u00df in Amerika &#8220;Wikipedia&#8221; als unzuverl\u00e4\u00dfiger als &#8220;Google&#8221; gilt und die Lehrer den Sch\u00fclern verbieten, solche Quellen zu ben\u00fctzen, die es dann trotzdem tun, aber falsch zitieren, weil die Lehrer das ohnehin nicht nachpr\u00fcfen, bzw. keine Ahnung haben, wieso man eigentlich zitieren soll?<br \/>\nEin interessantes Buch, wenn es mir auch andere Informationen brachte, als erwartet, hat mich die Beschr\u00e4nkung der Jugendlichen auf ihre Zimmer und ihr aufgezwungenes &#8220;merkw\u00fcrdiges Verhalten&#8221; nachdenklich gemacht und nat\u00fcrlich besch\u00e4ftigt auch mich die Frage, wie man mit den sozialen Netzen umgehen und, wie man sich in ihren verhalten soll?<br \/>\nIch bin ja eine &#8220;Digital Naive&#8221;, die nicht &#8220;twittert&#8221;, keinen &#8220;Facebook-Account&#8221; hat, aber sehr viel, wenn vielleicht aus anderen Gr\u00fcnden, als die amerikanischen Jugendlichen per Blog in die \u00d6ffentlichkeit geht und da sehr offen ist.<br \/>\nIch habe, wenn auch in sehr beschr\u00e4nkten Ma\u00df, auch schon Erfahrung mit dem &#8220;Cybermobbing&#8221; gemacht, beziehungseweise ein paar Mal geh\u00f6rt, das w\u00e4re jetzt das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/14\/schreibinteressen\/#comments\">&#8220;allerschlechteste&#8221;<\/a>, was ich da <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/29\/poesie-und-prosa-aus-karnten-triest-und-slowenien\/#comments\">geschrieben habe<\/a>, oder einer meiner Veranstaltungsberichte berichte w\u00e4re <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/28\/studentenlesung-ii\/#comments\">&#8220;trottelig&#8221;<\/a>, weil das Netz offenbar dazu auffordert.<br \/>\nIch habe mit meiner &#8220;Psychologenidentit\u00e4t&#8221; reagiert und jeden Kommentar, der nicht in der Spamkiste war, h\u00f6flich beantwortet und die Trolle sind verschwunden oder haben sich entschuldigt, was mich auch darin verst\u00e4rkte, da\u00df man \u00fcber alles reden kann oder soll!<br \/>\nWie das nun mit dem Internetverhalten der \u00f6sterreichischen Jugendlichen ist, wei\u00df ich immer noch nicht so genau, in \u00d61 gab es aber vor kurzem einen Bericht, \u00fcber die, die alles an sich vermessen und ihre Laufkurven, etc, ins Netz stellen, das tue ich nicht, aber \u00fcber mein <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/poesie_und_brotberuf.html\">literarisches Leben<\/a>, k\u00f6nnen die, die es interessiert, viel finden und das halte ich eigentlich f\u00fcr eine gute M\u00f6glichkeit, sich zu pr\u00e4sentieren, die ich auch intensiv n\u00fctze.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Das Leben der Teenager in sozialen Netzwerken&#8221;, wie der Titel der bei &#8220;Redline&#8221; 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