{"id":31623,"date":"2014-10-19T00:05:05","date_gmt":"2014-10-18T22:05:05","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=31623"},"modified":"2014-10-19T00:05:05","modified_gmt":"2014-10-18T22:05:05","slug":"die-grose-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=31623","title":{"rendered":"Die gro\u00dfe Liebe"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Roman von den gro\u00dfen \u00e4lteren Herren der deutschen Literatur, von denen ich in der Zeitschrift &#8220;Volltext&#8221; lese, die in Frankfurt und in Leipzig bei Dennis Scheck oder auf dem blauen Sofa auftreten, die in Hildesheim unterrichten und die Romane \u00fcber die gro\u00dfen Lieben der alten M\u00e4nner schreiben. <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/04\/14\/mittelmasiges-heimweh\/\">Wilhelm Genazino<\/a> ist ein solcher, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/01\/23\/tristanakkord\/\">Hans-Ulrich Treichl<\/a>, Hanns-Josef Ortheil, vom letzteren stammt der 2003 erschiene Roman &#8220;Die gro\u00dfe Liebe&#8221; und erz\u00e4hlt in einer sehr pr\u00e4zisen genauen Schilderung, langsam und bed\u00e4chtig eine wahrscheinlich ganz allt\u00e4gliche Geschichte, die jeden von uns passieren kann, die mal schiefgeht und mal klappt, hier scheint sie zu klappen und dar\u00fcber war ich mir, im Gegensatz zu anderen Rezensenten am Anfang gar nicht so sicher.<br \/>\nEiner der auf Italienisch Giovanni hei\u00dft, ein Fernsehjournalist, f\u00e4hrt mit dem Zug nach Italien &#8220;Pl\u00f6tzlich das Meer&#8221;, sind die ersten Worte des Buchs und die finden sich sp\u00e4ter wieder in dem schwarzen Notizbuch des Protagonisten, der Italienisch spricht und deshalb von den Leuten in San Benedetto auch sehr herzlich und gar nicht wie ein Tourist empfangen wird und das ist er auch nicht. Er soll f\u00fcr einen Film recherchieren, deshalb hat ihm sein Kameramann Rudolf seine Kamera mitgegeben und deshalb besucht er am n\u00e4chsten Tag auch das Meeresbiologische Intitut des St\u00e4dtchen, ger\u00e4t dort mit dem W\u00e4rter Antonio aneinander, der ihm nicht glaubt, da\u00df er angemeldet ist, holt dann aber doch die Dottoressa, die Direktorin des Instituts und die gro\u00dfe Liebe beginnt.<br \/>\nSie beginnt nicht gleich, die Dottoressa, eine wundersch\u00f6ne Frau in einem gr\u00fcnen Kleid, namens Franca f\u00fchrt ihm zuerst in dem Museum herum und empfiehlt ihm an Dottore Alberti, der ihm am n\u00e4chsten Tag das Weitere zeigen soll.<br \/>\nDie Dottoressa empfiehlt ihm auch  ein Restaurant, dort begegnen sich die beiden im Laufe des Tages, geraten aber nicht aneinander und der Vortrag von Dottore Alberti am n\u00e4chsten Morgen ist sehr langweilig. Die Dottoressa kommt dazu, geht mit ihm Essen und entf\u00fchrt ihn aufs Land und am n\u00e4chsten Tag ist der Hotelier Carlo, der seinen Gast schon mal auf Austern und Muscheln einl\u00e4dt, sehr besorgt und warnt, denn die Dottoressa ist mit Dottore Alberti verlobt und dringt man in Italien in eine solche Beziehung, hat man das ganze Dorf gegen sich.<br \/>\nDie Beziehung geht aber weiter, nimmt die sch\u00f6ne Franca doch sehr energisch die Z\u00fcgeln in die Hand, es kommt zu Sex in einer Badekabine und zu einer \u00dcbernachtung in einem l\u00e4ndlichen Hotel, auch hier wird der Held von einem freundlichen Wirt zu einem Festessen eingeladen. Ich bin in Italien \u00fcber das \u00fcbliche Touristengeschehen nie hinausgekommen, ich spreche aber nicht Italienisch.<br \/>\nUnd als der Held am n\u00e4chsten Tag am Markt filmt, kommt es zu einer grotesken Begegnung mit Gianni Alberti, der Held beginnt ihn wie wild zu filmen und der verfolgt ihn auch, mu\u00df aber nach Ascona, um dort die Leitung eines Instituts zu \u00fcbernehmen, wohin ihn Franca eigentlich folgen sollte.<br \/>\nDie f\u00e4hrt mit ihrem Giovanni aber noch einmal aufs Land und in ein Hotel, der Wirt Carlo schaltet sich ein, Alberto h\u00e4tte Giovanni im Hotel gesucht, wo schon die Feigen, die er am Markt kaufte, langsam vor sich hinfaulen. Eine sch\u00f6ne Metapher, in diesem metaphernreichen Stimmungsbild. Franca bestellt ihren Verlobten  zu sich, um ihm alles zu offenbaren, der Held geht inzwischen essen, bestellt dort Kutteln und als er bei der Nachspeise ist, ruft Franca an, Gianni will mit ihm sprechen und so kommt der in das Restaurant, teilt mit ihm die Nachspeise und fragt ihm was er von Franca will?<br \/>\n&#8220;Sie ist die gro\u00dfe Liebe!&#8221;, antwortet der schlicht und der Rivale schleicht von dannen, w\u00e4hrend der Held einkaufen geht, um der hungrigen Franca in ihrem Hotelzimmer essen zu bringen.<br \/>\nDie Bedrohung geht aber weiter, der Museumsw\u00e4rter Antonio hat auch noch gewarnt, Franca zu nahe zu kommen und als er wieder in San Benedetto ist und die Fischer filmen will, bedrohen ihn die auch und zerren ihn auf ein Boot, wo er gerade noch im letzten Moment fl\u00fcchten kann.<br \/>\nFranca hat aber schon einen Plan, wie es mit der gro\u00dfen Liebe weitergehen soll. Den verr\u00e4t sie erst ihren Vater, mit dem sie sich am Abend trifft und am n\u00e4chsten Tag, dem Tag der Abreise des Helden, in ihrer Wohnung.<br \/>\nSie wird n\u00e4chste Woche einen Monat Urlaub nehmen und ihm nach M\u00fcnchen folgen. So etwas hatte ich k\u00fcrzlich schon bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/07\/ein-bischen-sonne-im-kalten-wasser\/\" title=\"Ein bi\u00dfchen Sonne im kalten Wasser\">Francoise Sagan<\/a> gelesen und hier geht es schief, in der &#8220;Gro\u00dfen Liebe&#8221; von Hanns-Josef Ortheil scheint es zu klappen. Denn die beiden treffen sich tas\u00e4chlich am \u00fcbern\u00e4chsten Freitag in einer kleinen M\u00fcnchner Trattoria. Das hei\u00dft er ist schon ein Stunde vorher da und bestellt die Flasche Wein f\u00fcr sie.<br \/>\n&#8220;Sind Sie ganz sicher, oder wollen wir nicht lieber warten?&#8221;, fragt der Kellner.<br \/>\n&#8220;Nein!&#8221;, sagte ich, &#8220;ich bin ganz sicher&#8221; und dann bewegte sich der Kellner zum Eingang hin &#8220;Buona sera Signora! Sie werden bereits erwartet!&#8221;<br \/>\nEin kleiner Eindruck von dem schlichten lakonischen Ton in dem diese Liebesgeschichte erz\u00e4hlt wird. Irgendwo in den Rezensionen habe ich auch etwas von der &#8220;Toskana-Fraktion&#8221; gelesen, die befriedigt werden mu\u00df und, da\u00df es in dem Buch, um eindringliche Beschreibungen vom guten Essen und einer sch\u00f6nen Landschaft geht.<br \/>\nEin Buch f\u00fcr den Italien Urlaub vielleicht. Ich habe es an einigen warmen Oktobertagen in Wien gelesen und  vor ziemlich genau einem Jahr im B\u00fccherschrank gefunden.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/07\/hecke\/\">&#8220;Hecke&#8221;<\/a>, habe ich schon gelesen und der 1951 in K\u00f6ln geborene Schriftsteller ist in seiner Jugend, wie er Dennis Scheck einmal in Leipzig oder Frankfurt erz\u00e4hlte und auch in &#8220;Wikipedia&#8221; steht, f\u00fcr einige Jahre verstummt.<br \/>\nJetzt scheint er nicht nur wieder zu sprechen, sondern es auch zu verstehen, vielleicht ganz banale  Liebesgeschichten in einer sehr sehr eindrucksvollen Art und Weise zu erz\u00e4hlen.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Roman von den gro\u00dfen \u00e4lteren Herren der deutschen Literatur, von denen ich in der Zeitschrift &#8220;Volltext&#8221; lese, die in Frankfurt und in Leipzig bei Dennis Scheck oder auf dem blauen Sofa auftreten, die in Hildesheim unterrichten und &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=31623\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-31623","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31623","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=31623"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31623\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=31623"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=31623"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=31623"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}