{"id":31004,"date":"2014-09-15T00:56:50","date_gmt":"2014-09-14T22:56:50","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=31004"},"modified":"2014-09-15T00:56:50","modified_gmt":"2014-09-14T22:56:50","slug":"die-lebenspraktikanten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=31004","title":{"rendered":"Die Lebenspraktikanten"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Die Welt steht ihnen offen, sie sind beh\u00fctet aufgewachsen, gesund ern\u00e4hrt und bestens ausgebildet, mobil, mehrsprachig, ideologisch unverdorben und informationstechnisch auf dem neuesten Stand&#8221;, steht im Klappentext von Nikola Richters, 2006 bei &#8220;Fischer TB&#8221; erschienenen B\u00fcchlein &#8220;Die Lebenspraktikanten&#8221; und das ist ja ein Thema das mich sehr interessiert.<br \/>\nHabe ich ja, 2006 oder 2007 wird das gewesen sein im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/28\/literaturverhinderungshaus-priessnitzpreis\/\">Literaturhaus<\/a> eine Veranstaltung &#8220;Arm-reich-Grundeinkommen und prek\u00e4re Lebensverh\u00e4ltnisse&#8221; unter der Diskussion von Martin Potschka mit <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/02\/der-krieg-nach-dem-frieden\/\" title=\"Der Krieg nach dem Frieden\">Ruth Asp\u00f6ck<\/a> und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/21\/krisen-schatten-und-zyklamen\/\">Elfriede Haslehner<\/a> veranstalten wollen, die dann ohne Martin Potschka im Amerlinghaus stattfand und als ich 2007 bei Ruth Asp\u00f6cks Donau-Ratkarawane in Linz vorbeikam, habe ich mir beim dortigen &#8220;Thalia&#8221; Altonio Incorvaias und Alessandro Rimassas &#8220;Generation 2000 Euro&#8221; kaufen lassen, auf das, bzw. den entsprechenden Blog ich bei den Recherchen gesto\u00dfen bin und im <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_rosenwuchs.html\">&#8220;Wilden Rosenwuchs&#8221;<\/a> habe ich auch dar\u00fcber geschrieben und bei der Veranstaltung ein Kapitel vorgelesen.<br \/>\nZuerst wurden alle \u00fcber F\u00fcnfigj\u00e4hrigen als zu alt nicht mehr eingestellt, dann untersuchten Unternehmen wie MC Kinsay die Firmen auf ihre Rentabilit\u00e4t und entlie\u00dfen alle \u00fcberf\u00fc\u00dfigen Arbeitskr\u00e4fte und dann kamen die prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnisse und die lebenslangen Praktikanten, von  denen vielleicht auch die jungen Buchh\u00e4ndlerinnen, Literaturwissenschaftlerinnen,etc, die mit ihren Media-Kit-Sets auf den Buchmessen und Verlagen herumlaufen und deren Blogs ich gerne und regelm\u00e4\u00dfig lese dazu und Anna Lindner, eine Schulkollegin meiner Tochter Anna, die auch Literaturwissenschaften studierte, in Temesvar Lektorin ist und bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/09\/14\/wiener-literatur-schauplatze\/\">Metro<\/a> inzwischen schon ihr viertes Buch herausbrachte, von denen das letzte letzten Mittwoch bei &#8220;Thalia&#8221; auf der Mariahilferstra\u00dfe vorgestellt wurde, geh\u00f6rt vielleicht auch dazu.<br \/>\nAber zur\u00fcck zum Buch, das ich vor einiger Zeit im offenen B\u00fccherschrank fand und zu Nikola Richter, die 1976 in Bremen geboren wurde, Germanistik studierte, als Online-Redaktuerin t\u00e4tig war und jetzt einen Digital-Verlag hat und das vielleicht auch nicht mehr ganz aktuell ist, obwohl das, was sie da \u00fcber ihre Lebenspraktikanten Nils, Jasmin, Linn, Viktor, Anika, Chris und Guila in abwechselnden Kapiteln, die Namen, wie &#8220;Existenzminimum&#8221;, &#8220;Beziehungssp\u00fcnge&#8221;, &#8220;Netzwerke&#8221;, &#8220;Elterngespr\u00e4che&#8221; oder &#8220;D\u00f6nerkuchen&#8221; tragen, erz\u00e4hlt, die sich alle mehr oder weniger gut kennen und miteinander in Beziehungen oder befreundet sind und in WGs leben, was sie studiert haben, wird oft gar nicht so genau erz\u00e4hlt und auch ihr Alter, sie d\u00fcrften, etwa um die Drei\u00dfig sein, wird so genau nicht angegeben, sehr spannend ist. Sie erz\u00e4hlen von dem sch\u00f6nen neuen Arbeitsleben der neuen Zeit, wo man sich von Praktikum zu Praktikum hantelt und so ist Linn schon Expertin bez\u00fcglich Bewerbungsgespr\u00e4che und  gibt ihrer etwas sch\u00fcchternen Freundin Annika dazu auch Ratschl\u00e4ge, bzw. \u00fcbt sie mit ihr in Rollenspielen, da\u00df man nicht &#8220;Das kann ich nicht!&#8221;, sonder &#8220;Ich bin neugierig darauf, darin Erfahrungen zu machen!&#8221;, sagen soll.<br \/>\nLinn ist mit dem zielstrebigen Viktor befreundet, der ihr r\u00e4t sich Visitenkarten anzuschaffen, die sie dann den jeweiligen Vorgesetzten immer in die Hand dr\u00fccken kann. Weil sie nicht recht wei\u00df, was sie in der Spalte Beruf eintragen soll, l\u00e4\u00dft sie sich sechs verschiedene Varianten drucken und geht damit zu einem Aluminitreffen, spricht auch den Vortragenden an, der sie kurz abfertigt, ihr erkl\u00e4rt, alle Praktikantinnen w\u00fcrden Julia hei\u00dfen und ihr den Rat gibt am letzten Tag Kuchen und einen guten Schmampus mitzubringen.<br \/>\nLinn bekommt aber auch ein Praktikum, lernt da ihre Vorg\u00e4ngerin Guila kennen, die sich sogar gegen die schlechten Arbeitsbedingungen wehrt, das Arbeitsrecht studiert und zum Generaldirektor geht, um bei der Krankenkassa angemeldet zu werden, sie mag auch Kinder, obwohl die Generation Praktikum kaum in der Lage ist, solche zu bekommen, schw\u00e4rmt sie trotzdem davon, sie einmal als Tagemutter abwechselnd je einen Tag in der Woche mit den anderen jungen Eltern zu bertreuen, was aber daran scheitert, da\u00df sie eigentlich kein Geschrei vertr\u00e4gt.<br \/>\nSie kann aber trotzdem gleich \u00fcben weil ihr ein befreundetes englisches Ehepaar ihre f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Tochter in den Herbstferien schickt. Guila bem\u00fcht sich sehr, kommt aber mit der Pubertierenden nicht zurecht und hier wirkt das Kapitel auch ein wenig langatmig, denn wahrscheinlich w\u00fcrde keine Drei\u00dfigj\u00e4hrige eine F\u00fcnfzehnj\u00e4hrige erziehen wollen und vielleicht spricht Emily auch deshalb sowenig, weil sie noch nicht gut genug Deutsch versteht.<br \/>\nAuch das Kapitel mit Chris, der seine Praktika in Neurobi etc macht und dann mit Malaria zur\u00fcckkommt und die &#8220;www.\u00e4erztezeitung.de&#8221; braucht, wirkt vielleicht ein wenig \u00fcbertrieben, aber vielleicht kenne ich mich in der Generation Praktikum nicht genug aus, bin ich ja schon dar\u00fcber und entstamme eher der Generation von Guilas Eltern, die Achtundsechziger sind, es mit ihren Kindern gut meinen, sie mit selbstgemachten Marmeladen und alten M\u00f6beln unterst\u00fctzen, aber trotzdem der Meinung sind &#8220;Wenn man sich nur wirklich bem\u00fcht, findet man schon was&#8221;, weil sie, als in in der P\u00e4dagogischen Hochschule sa\u00dfen, gleich die Anstellung beim Stadtschulrat im H\u00f6rsaal mitgeliefert bekamen.<br \/>\nEs kommt aber trotzdem zu einer Schwangerschaft, Nils und Margarete trauen es sich zu den kleinen Konstantin in die Welt zu setzten und Nils, ein Immigrantenkind ist auch der Innovativste oder Lockerste in der Gruppe, der, obwohl er auch studierte, seine Dissertation sausen l\u00e4\u00dft, stattdessen Kuchen herstellt, sich einen Marktstand mietet und dort mit Hilfe seiner Freunde gro\u00dfe Er\u00f6ffnung feiert, zu der auch seine Professorin kommt, die ihn zuerst erstaunt ansieht &#8220;Was machen Sie denn hier?&#8221;, ruft sie erschrocken.<br \/>\n&#8220;Sie sollten doch an Ihrer Dissertation arbeiten!&#8221;, aber dann doch begeistert und befriedigt mit ein paar Kuchen abzieht.<br \/>\n&#8220;Sehr gut! Ich werde Ihre Stammkundin!&#8221;, sagt und Nils in seiner Begeisterung schon an den Partyservice denken l\u00e4\u00dft, den er sich aufbauen wird&#8230;<br \/>\nIn Zeiten, wie diesen, ein sehr interessantes Buch, obwohl es schon vor acht Jahren geschrieben wurde, das uns \u00fcber unsere Gesellschaft nachdenken l\u00e4\u00dft und ein bi\u00dfchen auch zu Peter Roseis soeben erschienenen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/09\/13\/die-globalisten\/?preview=true\">&#8220;Globalisten&#8221;<\/a> passt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Die Welt steht ihnen offen, sie sind beh\u00fctet aufgewachsen, gesund ern\u00e4hrt und bestens ausgebildet, mobil, mehrsprachig, ideologisch unverdorben und informationstechnisch auf dem neuesten Stand&#8221;, steht im Klappentext von Nikola Richters, 2006 bei &#8220;Fischer TB&#8221; erschienenen B\u00fcchlein &#8220;Die Lebenspraktikanten&#8221; und das &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=31004\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-31004","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31004","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=31004"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31004\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=31004"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=31004"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=31004"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}