{"id":30972,"date":"2014-09-13T00:30:40","date_gmt":"2014-09-12T22:30:40","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=30972"},"modified":"2014-09-13T00:30:40","modified_gmt":"2014-09-12T22:30:40","slug":"die-globalisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=30972","title":{"rendered":"Die Globalisten"},"content":{"rendered":"<p>Der 1946 geborene Jurist Peter Rosei, der seit 1972 schriftstellerisch t\u00e4tig ist und den ich einmal f\u00fcr einen experimentellen Autor gehalten habe, hat mit seinen k\u00fcrzlich bei &#8220;Residenz&#8221; erschienenen d\u00fcnnen Roman &#8220;Die Globalisten&#8221; seine Trilogie \u00fcber das Wirtschaftsleben beendet.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/20\/geld\/\">&#8220;Geld&#8221;<\/a> 2011 erschienen war der erste Band, voriges Jahr kam <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/25\/madame-stern\/\">&#8220;Madame Stern&#8221;<\/a> heraus, beide B\u00fccher habe ich gelesen und werden jetzt bei mir vermehrt abgefragt.<br \/>\nIn den &#8220;Globalisten&#8221; geht es um eine Satire um den Kunstbetrieb, habe ich kurz nach Erscheinen des Buches im Radio geh\u00f6rt. Auch, wahrscheinlich, aber nicht nur, denn Peter Rosei macht mit seiner Parabel, die er von einem allwissenden Erz\u00e4hler leicht und locker von oben dr\u00fcber erz\u00e4hlen l\u00e4\u00dft &#8220;Zu der in Rede stehenden Zeit lebte in der Wiener Vorstadt, in Ottakring drau\u00dfen&#8230;&#8221;, einen Rundumschlag \u00fcber die korrupte Gesellschaft. Macht sich dar\u00fcber lustig, deutet das an, was wir schon vom Fernsehen, &#8220;T\u00e4glich alles&#8221; und den &#8220;Seitenblicken&#8221; wissen und l\u00e4\u00dft, wie in dem Radiointerview ersichtlich wurde, am Ende alles offen.<br \/>\nDas Leben geht weiter und die Globalisten, die von Kocice bis St. Peterburg \u00fcber Wien und Z\u00fcrich leben, das hei\u00dft herumfliegen, Gesch\u00e4fte machen, saufen, mit den sch\u00f6nen blonden juwelenumh\u00e4ngten M\u00e4dchen ins Bett steigen, lassen sich nicht aufhalten&#8230;.<br \/>\n&#8220;Wer am Ende Strafe und Gerechtigkeit f\u00fcr moralisches Verfehlen erwartet, den werden die &#8220;Globalisten&#8221; entt\u00e4uschen&#8221;, lese ich auf der ORF-Seite.<br \/>\n&#8220;Auch wortreiches ausuferndes Erz\u00e4hlen ist Peter Roseis Sache nicht. Stattdessen reiht er auf vergn\u00fcgliche Art kurze Szenen und pointierte Kommentare aneinander. Ein kurzweiliges Erz\u00e4hlvergn\u00fcgen in z\u00fcgigen Tempo.&#8221;<br \/>\nDann steht noch etwas von schalen Nachgeschmack der \u00fcbrig bleibt, nat\u00fcrlich, das Ganze ist nicht lustig, sondern so korrupt, wie die Gesellschaft eben in der wir Leben und von den Verfehlungen, der gro\u00dfen reichen Mafiabosse im fernen Ru\u00dfland etwa, aus dem Fernsehen oder aus den Kolportageromanen wissen.<br \/>\nEs beginnt aber in Wien und weil Peter Rosei sch\u00f6n altmodisch ist, im Cafe Imperial, wo der geschw\u00e4tzige Schweizer Gesch\u00e4ftsmann Adolpe Weill einem anderen, im guten Anzug etwas von seiner Kindheit erz\u00e4hlt.<br \/>\nDann f\u00e4hrt er auf die Mariahilferstra\u00dfe, nimmt einen Anruf entgegen und erleidet dabei einen Unfall.<br \/>\nDer abgefrackte Dichter, Josef Maria Wassertheurer, der in der &#8220;Wiener Vorstadt&#8221;, beim Brunnenmarkt am Yppenplatz lebt und sich dort mit &#8220;Tippelbr\u00fcdern&#8221; umgibt, gibt es das wirklich noch, plant indessen ein gro\u00dfes weltumfassendes Werk zu schreiben, begibt sich dann in ein Cafe, wo seine Freundin, die Polin Eva arbeitet, die ihm einen Hunderter f\u00fcrs Einkaufen gibt, weil sie der Chef schon ausbezahlt hat.<br \/>\nDann geht es in die Sommerfrische in das sch\u00f6ne Salzkammergut, dort liegt eine sch\u00f6ne Frau in einer Villa nach einer feuchten Party im Bett und ihr Freund, der besoffene  Filmproduzent Alfred Wallauschek ist nach Wien gefahren,  rutscht beim Aussteigen aus dem Zug am Westbahnhof aus und kommt ins Spital, wo er den Schweizer trifft.<br \/>\nPl\u00e4ne werden geschmiedet, f\u00fcr ein gro\u00dfes Filmprojekt, Wassertheurer soll das Drehbuch schreiben und f\u00e4hrt dazu mit Eva in die Villa ins Salzkammergut und die Sch\u00f6ne im Bett, eine abgehalfterte Schauspielerin namens Olga soll die Hauptrolle spielen.<br \/>\nDas geht aber nicht ganz so leicht von dannen, hat Wassertheurer doch eine Schaffenskrise, die er nur mit Alkohol bew\u00e4ltigen kann, obwohl Eva nicht mag, wenn er trinkt und der sch\u00f6ne Alfred wirft sch\u00f6ne Blicke auf die sch\u00f6ne Eva&#8230;<br \/>\nIndessen steigen in St. Petersburg die Wolken auf, denn das Geld, das eigentlich zu dem Oligarchen Tschernomyrdin von den Deal mit Weill mit seinen Gesch\u00e4ftsmann im Cafe Imperial flie\u00dfen sollte, ist nicht gekommen, so schickt er seine rechte Hand nach Wien und f\u00e4hrt selbst nach Kosice, um die ungetreuen Gesch\u00e4ftspartner ein wenig zusammenzuschlagen.<br \/>\nWie das eben im Wirtschaftsleben so ist. Weill f\u00e4hrt unterdessen ins Salzkammergut und danach mit der Schauspielerin Olga nach Paris, Alfred Wallauschek hat die Villa mit Eva verlassen, die, er weil der Vorschu\u00df aus ist, auf den Strich schickt, indessen sitzt Wassertheuerer alleine in der Villa und schreibt und schreibt&#8230;.<br \/>\nSzenenwechsel oder weiter voran in die Zukunft der Globalisten n\u00e4mlich in den f\u00fcnften und sechsten Teil. Da ist Weill Minister geworden undWassertheurer ein Bestsellerautor, Wallauschkek ist aber ein bi\u00dfchen von der geraden Bahn abgekommen und hat seine Geliebte erdrosselt, weil sie nicht &#8220;spurte&#8221;, so wird er gerade aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen und geht mit einem Kumpanen in Wassertheurers Villa ein wenig einbrachen, denn er hat in der Gef\u00e4ngnisbibliothek von seinen Aufstieg erfahren.<br \/>\nMan sieht Peter Rosei scheut sich vor keinem Klischee uns die T\u00fccken eines gloablisierten Wirtschaftsleben, f\u00fcr das er keine L\u00f6sung und keinen moraralischen Zeigefinger hat, aufzuzeigen und wie man beim Lesen merkt, scheint ihm das auch Spa\u00df gemacht zu haben, den \u00fcberm\u00e4chtigen Erz\u00e4hler, der seine Figuren von St. Petersburg nach Bad Aussee, Wien und Z\u00fcrich und von dort wieder zur\u00fcck lenkt.<br \/>\nMir ist ja schon in den fr\u00fcheren Romanen, der leichte etwas altmodische Ton, der an die F\u00fcnfzigerjahre erinnern k\u00f6nnte, aufgefallen, spannend auf diese Weise eine Geschichte \u00fcber das moderne Wirtschaftsleben  zu erz\u00e4hlen. Aber die Villen im Salzkammergut, davon habe ich mich erst vor ein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/24\/abgebrochenes-wanderwochenende\/\" title=\"Abgebrochenes Wanderwochenende\">paar Wochen<\/a> \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, gibt es noch und sie sehen auch ein wenig altmodisch aus, obwohl sich in ihnen vielleicht die mond\u00e4nen Damen in den Betten r\u00e4keln und Peter Rosei, der selbst viel auf Reisen ist, erz\u00e4hlte in dem Interview auch, da\u00df man am Abend in den Hotels, die Globalisten bei einem Gl\u00e4schen in der Bar sehen kann und wahrscheinlich trifft man dort auch die Damen aus Kosice, Polen oder Wei\u00dfru\u00dfland, die sich der Einsamen bereitwillig erbarmen und mit ihnen in Bett steigen.<br \/>\nMan k\u00f6nnte sich auch ein wenig \u00fcber das konventionelle Frauenbild Roseis, wo die Frauen sch\u00f6n geschminkt und mit Juwelen, die von ihren jeweiligen Liebhabern stammen, herumlaufen, mokieren, aber vielleicht ist das in den gehobenen Globalistenkrieisen noch immer so, zumindest ist es das Bild, das man in den Fernsehfilmen sieht.<br \/>\nEs ist vielleicht auch etwas schwierig, einen Roman \u00fcber Korruption vergn\u00fcglich zu nennen, aber wir k\u00f6nnen die Welt wahrscheinlich genausowenig, wie Peter Rosei \u00e4ndern, h\u00f6chstens versuchen ein wenig weniger schwarz zu fahren, fairer einzukaufen, keine Steuern zu hinterziehen, etc und dann hat man vielleicht schon etwas getan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 1946 geborene Jurist Peter Rosei, der seit 1972 schriftstellerisch t\u00e4tig ist und den ich einmal f\u00fcr einen experimentellen Autor gehalten habe, hat mit seinen k\u00fcrzlich bei &#8220;Residenz&#8221; erschienenen d\u00fcnnen Roman &#8220;Die Globalisten&#8221; seine Trilogie \u00fcber das Wirtschaftsleben beendet. &#8220;Geld&#8221; &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=30972\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-30972","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30972","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=30972"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30972\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=30972"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=30972"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=30972"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}