{"id":30873,"date":"2014-09-06T00:10:48","date_gmt":"2014-09-05T22:10:48","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=30873"},"modified":"2014-09-06T00:10:48","modified_gmt":"2014-09-05T22:10:48","slug":"krieg-und-hunger-oder-175-jahre-marktamt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=30873","title":{"rendered":"Krieg und Hunger oder 175 Jahre Marktamt"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich am Mittwoch mit dem Rohkonzept des <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/09\/02\/dreiunddreisig-szenen-oder-herbstbeginn\/\" title=\"Dreiunddrei\u00dfig Szenen oder Herbstbeginn\">&#8220;Miranda Schutzengelchen&#8221;<\/a> fertiggeworden bin und dann auch gleich die Praxiswohnung und die Fenster putzte, habe ich mich am Donnerstag nach meiner elf Uhr Stunde aufgemacht und bin rund um den ersten Bezirk gegangen, obwohl der Text jetzt gar nicht mehr so hei\u00dft,beim &#8220;Leiner&#8221; auf der Dachterrasse einen verl\u00e4ngerten getrunken, mir den Buchhandlungen viele Leseproben, darunter die, von dem neuen Kohlmeier-Buch und das von der Judith W. Taschler besorgt und bin anschlie\u00dfend in die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/09\/05\/kaffee-in-wien\/\" title=\"Kaffee in Wien\">Kaffee-R\u00f6sterei Alt-Wien zur Buchpr\u00e4sentation von &#8220;Kaffee in Wien&#8221;<\/a> gegangen, mir dabei ein paar Notizen gemacht und ein paar Szenen beobachtet und f\u00fcr den Freitag, wo ich auch nur eine Stunde hatte, hatte ich ein besonderes Programm.<br \/>\nHat mir doch Angelika Herburger, die die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/05\/05\/im-textstand\/\">&#8220;Literatur am Naschmarkt&#8221;<\/a> organisiert, gemailt, es gebe um drei eine szenische Lesung mit Beppo Beyerl und Peter Glanninger zum Thema &#8220;Krieg und Hunger&#8221; und vorher gab es ein gro\u00dfes Fest, weil das Marktamt seinen hundertf\u00fcnfzigsten Geburtstag feiert und dort, dachte ich, kann ich auch meinen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/02\/vier-monate-zeit-furs-schreiben\/\" title=\"Vier Monate Zeit f\u00fcrs Schreiben\">Wien-Tag<\/a> verbringen und so habe ich mich in mein neues &#8220;chinesisches&#8221; Gewand geworfen, das ich mir gestern um je f\u00fcnf Euro, in dem neuen Gesch\u00e4ft in der Kettenbr\u00fcckegasse kaufte und bin zum Marktamtgeb\u00e4ude hinuntergegangen, wo es einen Stand mit Brosch\u00fcren und ein Gl\u00fccksrad gab und die &#8220;16er Buam&#8221; schon Wienerlieder sangen.<br \/>\nEinen Kochstand gab es auch und eine  Philippinin, neben deren Stand ich auf einem Mauersims Platz genommen hatte, holte st\u00e4ndig neue Sachen aus ihrem Auto, stellte sie in  ihren Stand auf und bot uns Tee und andere Gratisproben, wie Tee, Saft und einen F\u00e4cher an.<br \/>\nDanach erschien die Prominenz, der Stadtradt Mailath-Pokorny, der Stadtrat Ludwig, die Ulli Sima, die Stadtr\u00e4tin Frauenberger und und und, zogen sich gr\u00fcnen Marktamtsch\u00fctzen an und begannen f\u00fcr die Fotografen mit der Stark\u00f6chin Kim schauzukochen, deren sehr scharfes Curry mit H\u00fchnerfleisch und heimischen Gem\u00fcse man dann gleich verkosten konnte.<br \/>\nMan konnte auch das Buch gewinnen, wenn man am Gl\u00fcckrad drehte oder \u00c4pfel oder Mannerschnitten, aber leider galt das nicht f\u00fcr alle, denn als ich einen &#8220;MO-Verk\u00e4ufer&#8221;, diesen Tip geben wollte, hie\u00df es &#8220;Nur f\u00fcr Kunden oder das kostet was!&#8221;<br \/>\nDie Musik ging aber weiter und wurde um dreizehn Uhr vom &#8220;Wiener Gl\u00fchen&#8221; abgel\u00f6st, da kam ich dann mit der Mutter zwei der K\u00fcnstler ins Gespr\u00e4ch, die Fans der &#8220;16-er Buam&#8221; habe ich schon fr\u00fcher kennengelernt und als Peter Glanninger  mit seiner Lesung begann und einen Text vortrug, den Victor Adler&#8221; 1914 in der Arbeiterzeitung ver\u00f6ffentlicht hat &#8220;Genossinnen und Genossen!&#8221;, begann der Standler neben mir zu lachen und drehte laut die Musik in seinem Auto auf.<br \/>\nJa, die Literatur hat es schwer, das habe ich schon \u00f6fter gemerkt, die Texte aber, die Kriegsbegeisterung, die sich 1914 auch in der Arbeiterzeitung bemerkbar machten, wo dann etwas sp\u00e4ter \u00fcber die Rationalisierungen und den Hunger geschrieben wurde, waren sehr interessant und die &#8220;Edition Mokka&#8221; hat  auch vor kurzem Viktor Adlers Texte aus der Fr\u00fchzeit der Arbeiterbewegung herausgegeben.<br \/>\nPeppo Beyerl hatte dann noch Treffenderes, n\u00e4mlich Texte von Karl Kraus aus der &#8220;Fackel&#8221; und den &#8220;Letzten Tagen der Menschheit&#8221; und da las er vor allem die, wie die Wiener zu den Grei\u00dfler gingen und nichts bekamen, weil die Preise immer h\u00f6her wurden.<br \/>\nAngelika Herburger verteilte  Kopien der damaligen Lebensmittelmarken, wo es 70 Gramm Brot oder 50 Gramm Mehl zu holen gab und der Tisch war mit einer alten Waage, Kartoffeln und Sackerln dekoriert, gegen die man die Lebensmittelmarken eintauschen konnten, in denen sich ein paar Brosch\u00fcren mit Beppo Beyers Texten \u00fcber den &#8220;Naschmarkt&#8221; bew, eine Sozialreportage von Max Winter, sowie drei Sackerln mit ein paar Gramm Mehl, Zucker und Kaffee befanden und Beppo Beyerl, der das Einl\u00f6sen \u00fcbernahm, kontrollierte auch sehr genau, ob man die betreffenden Marken hatte.<br \/>\n&#8220;Das geht nicht, die sind f\u00fcr Nieder\u00f6sterreich!&#8221;, ect, fast so, als wenn man als Obdachloser, Asylwerber, etc, am Gl\u00fccksrad drehen will, dachte ich und diskutierte das auch mit dem Marktamtangestellten, der mir f\u00fcr die Brosch\u00fcren, die ich mir mitgenommen habe, noch ein Marktamtsackerl schenkte.<br \/>\nEine lehrreiche Veranstaltung und Krieg und Hunger gibt es, f\u00fcrchte ich,  vielleicht auch noch heute und wahrscheinlich nicht einmal so weit weg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich am Mittwoch mit dem Rohkonzept des &#8220;Miranda Schutzengelchen&#8221; 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