{"id":30789,"date":"2014-09-03T00:22:21","date_gmt":"2014-09-02T22:22:21","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=30789"},"modified":"2014-09-03T00:22:21","modified_gmt":"2014-09-02T22:22:21","slug":"immer-diesselben-witze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=30789","title":{"rendered":"Immer diesselben Witze"},"content":{"rendered":"<p>Sigmund Freud hat den Humor f\u00fcr einen sehr guten Abwehrmechanismus gehalten, das habe ich Prof. Strotzka in den Siebzigerjahren in seiner ber\u00fchmten Samstagvormittagvorlesung zwar nicht so ganz geglaubt, aber man kann ganze Romane dar\u00fcber schreiben, beziehungsweise solche, die nur daraus bestehen, eigentlich keine richtige Handlung haben und man ist trotzdem sehr betroffen und hat nachher die Welt verstanden, ohne sich erst durch die Holocaustliteratur durchlesen zu m\u00fcssen.<br \/>\nUnd da war Anfang der Zweitausenderjahre ein Buch bei den B\u00fcchert\u00fcrmen der &#8220;Literatur im M\u00e4rz&#8221; aus dem &#8220;Residenz-Verlag&#8221;, von einem Autor den ich nicht kannte, Steven Bloom &#8220;Immer dieselben Witze&#8221; mit zwei lachenden Witzk\u00f6pfen am Cover.<br \/>\nIch habs genommen und ins Regal gelegt, denn Witzb\u00fccher interessieren mich eigentlich nicht, dann bin ich Jahre sp\u00e4ter zum <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/02\/happy-birthday-writers-studio\/\">Sommerfest ins Writersstudio<\/a> gegangen und habe am Klo ein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/21\/stellt-mir-eine-frage\/?preview=true\">weiteres Witzbuch<\/a> gefunden, das von Juden in einer Bar in Manhatten handelt, die sich Witze erz\u00e4hlen und Anfang des Jahres habe ich beim &#8220;Morawa-Abverkauf&#8221; &#8220;Die menschliche Schw\u00e4che&#8221; gekauft.<br \/>\n&#8220;Immer dieselben Witze&#8221; habe ich schon vor zwei Jahren auf meine Leseliste gesetzt und \u00fcber den Autor nachgegooglet, bzw. die Klappentexte gelesen.<br \/>\nEr wurde 1942 in Brooklyn geboren und lebt oder lebte in Heidelberg.<br \/>\n&#8220;Immer diesselben Witze&#8221; ist sein erster Roman. Und da gehen Izzy, Jack Goldfarb, Benny Kubbleman und Meyer Woolf schon in Bald Sams kleines Lokal. Es ist 1949 kurz vor dem Koreakrieg, steht im Klappentext, wann &#8220;Stellt mir eine Frage&#8221; spielt, wei\u00df ich jetzt nicht so genau. Das Buch hat mich, glaube ich, auch nicht so beeindruckt, wie der Erstling und anfangs hat es auch nicht so ausgesehen.<br \/>\nDenn da treffen sich die Typen in der Bar, sehen Baseballspiele und erz\u00e4hlen sich Witze, die sie schon kennen, die meisten erz\u00e4hlen sie sich auch nur halb und man braucht ein bi\u00dfchen, um in die Handlung hineinzukommen, beziehungsweise eine solche herauszufinden.<br \/>\nDa  ist also Izzy, der Held sozusagen, er kommt aus Polen, aus Kelz, wo es einen Progrom gab, sein Vater war ein frommer gelehrter Mann, er war Boxer. Jetzt ist er arbeitslos und wird st\u00e4ndig danach gefragt, wieso man das im gelobten Land sein kann? Seine Schwester hat einen Drugstore, in dem hilft er manchmal aus und wird von den Jungs angep\u00f6belt und als Stra\u00dfenmusikant bet\u00e4tigt er sich auch.<br \/>\nMeyer Woolf will ihn mit seiner Nichte Celia verkuppeln und l\u00e4dt ihn am Sonntag zum Essen, zu gefilten Fisch und Kugel ein. Er lernt auch einige M\u00e4dchen kennen, die redselige Meg, die freche Kleine, die den Passanten auf der Stra\u00dfe, w\u00e4hrend er spielt, seinen Hut hinh\u00e4lt, als der voll ist, kommt ein Polizist und nimmt die Dollarscheine heraus, von dem Rest geht er mit dem M\u00e4dchen Kakao trinken. Sie stopft zwei Hotdogs in sich hinein und wird von der Kellnerin angest\u00e4nkert und Mary, die Bibliothekarin, gibt es auch. Die hat Schwierigkeiten mit ihrer Vorgesetzen, die sie f\u00fcr eine Kommunistin h\u00e4lt. Das buch spielt ja in der Mc Carthy \u00c4ra, wo Onkel Joe (Stalin) seinen siebzigsten Geburtstag hat, man vom Koreakrieg noch nicht viel wei\u00df, sich alle aber vor dem driten Weltkrieg f\u00fcrchten und sich Juden mit Juden in der Kneipe pr\u00fcgeln, was die gar nicht fromme Mary nicht versteht.<br \/>\nSo kommt man langsam in die Handlung und beginnt das Elend und die Traumatiserung zu verstehen und ich habe gelernt, was ich ohnehin schon ein bi\u00dfchen wu\u00dfte, da\u00df der Witz doch ein guter Abwehrmechanismus ist und einen interessanten Autor, von dem ich jetzt schon drei B\u00fccher habe, habe ich auch kennengelernt. Es ist auch immer interessant, auf welche Art und Weise die B\u00fccher zu mir kommen.<br \/>\nKennen Sie den?<br \/>\n&#8220;Trifft ein Chassid einen Litwak, sagte Meyer Woolf. Sagt der Chassid, unser Rebbe ist so heilig, da\u00df Gott mit ihm spricht. Sagt darauf der Litwak, und woher wei\u00dft du das? Unser Rebbe hat es uns erz\u00e4hlt, sagt der Chassid. Sagt darauf der Litwak, und woher wei\u00dft du, da\u00df euer Rebbe kein L\u00fcgner ist? W\u00fcrde Got mit einem L\u00fcgner sprechen? sagt der Chassid&#8221; oder &#8220;Steht ein Jude vor dem Erschie\u00dfungskommando Augenbinde um und alles, da f\u00e4ngt er an zu schreien: Nieder mit dem Zaren, nieder mit dem Zaren&#8221; Lang lebe die Revolution&#8221;<br \/>\n&#8220;Noch einer mit Bart, sagt Irvin Mandel.&#8221;<br \/>\nAlso ein Dritter &#8220;Sind zwei Juden in Berlin und sehen, da\u00df ein Mann von der Gestapo auf sie zukommt. Nur einer der Juden hat g\u00fcltige Papiere. Sagt der zu dem anderen, h\u00f6r zu, ich renne weg, dann l\u00e4uft er mir nach, und du kommst davon. Der Jude mit den g\u00fcltigen Papieren rennt also los und der Mann von der Gestapo l\u00e4uft ihm nach. Sie rennen bis zu n\u00e4chsten Kreuzung, sie rennen bis zur  \u00fcbern\u00e4chsten Kreuzung, und schlie\u00dflich holt der Mann von der Gestapo den Juden ein. Zeigen Sie mir Ihren Ausweis, sagt er, und der Jude zeigt ihm die Papiere. Warum sind Sie dann weggerannt? sagt der Mann von der Gestapo. Mein Arzt, sagt der Jude, hat mir geraten, ich soll nach jeder Mahlzeit zwei Kilometer laufen. Aber Sie haben doch gesehen, da\u00df ich Ihnen nachlaufe, sagt der Mann von der Gestapo, warum sind Sie nicht stehengeblieben. Ich dachte, sagte der Jude, vielleicht gehen Sie zum selben Arzt&#8221;<br \/>\nDen von Stalin und Zar Nikolaus in der H\u00f6lle, habe ich jetzt nicht gefunden. Also selber lesen, wenn man das Buch noch bekommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sigmund Freud hat den Humor f\u00fcr einen sehr guten Abwehrmechanismus gehalten, das habe ich Prof. Strotzka in den Siebzigerjahren in seiner ber\u00fchmten Samstagvormittagvorlesung zwar nicht so ganz geglaubt, aber man kann ganze Romane dar\u00fcber schreiben, beziehungsweise solche, die nur daraus &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=30789\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-30789","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30789","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=30789"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30789\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=30789"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=30789"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=30789"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}