{"id":3072,"date":"2010-03-27T00:08:16","date_gmt":"2010-03-26T23:08:16","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3072"},"modified":"2010-03-27T00:08:16","modified_gmt":"2010-03-26T23:08:16","slug":"plan-b","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=3072","title":{"rendered":"Plan B"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Plan B&#8221; ist der posthum erschienene Roman, des 1909 in Jefferson City geborenen, 1953 nach Frankreich emigrierten und 1984 in Spanien verstorbenen Chester Himes, der 1928 nach einem bewaffneten Raub\u00fcberfall ins Staatsgef\u00e4ngnis von Ohio  eingewiesen wurde. Dort hat er zu schreiben begonnen, wurde aber erst in Frankreich mit seinen Kriminalromanen, die Harlem als Schauplatz hatten und in denen zwei kompromi\u00dflose schwarze Detektive namens Coffin Ed Johnson und Grave Digger Jones die Hauptrolle spielten, ber\u00fchmt.<br \/>\n&#8220;Plan B&#8221; der letzte Roman dieser Serie ist aber mehr als ein schwarzer Kriminalroman sondern ein sartirisch sarkastisches Szenario, des Aufstandes der schwarzen Bev\u00f6lkerung Amerikas, das  in die Geschichte der USA zur\u00fcckgeht und in dem es von Morden, Vergewaltigungen und Schilderungen der brutalsten Szenen nur so strotzt und wie ich Wikipedia entnehme, zu einer Zeit geschrieben wurde, wo der Autor die Hoffnung aufgegeben hatte, da\u00df die Unterdr\u00fcckung der Schwarzen durch die Wei\u00dfen friedlich gel\u00f6st werden kann.<br \/>\nSo beginnt es auch ziemlich gewaltsam, da\u00df T-Bone Smith mit seiner Frau Tang in einer Slumwohnung in der 113. Stra\u00dfe in Harlem bei einem Fernseher, aber ohne essen sitzt. Es klopft und es kommt ein Bote mit einer Blumenschachtel in dem sich ein Gewehr versteckt. Die beiden verlieren kurz darauf das Leben. Die  Detektive treten auf und es wird noch das soziale Leben in Harlem geschildert, bevor es mit einer Reihe von Vergewaltigungen in die Sklavengeschichte hin\u00fcbergeht, um dann zu der von Tomsson Black des politischen Vision\u00e4r und Wunderwuzzis zu kommen, der von den Wei\u00dfen gef\u00f6rdert wird, obwohl es verboten ist, die kommunistischen Staaten bereist und dann wegen Vergewaltigung veruteilt wird, weil Chester Himes offenbar die Auffassung vertrat, da\u00df alle wei\u00dfen Frauen von schwarzen M\u00e4nnern gev\u00f6gelt werden wollten, die sie  nackt verf\u00fchrten, wof\u00fcr die M\u00e4nner  ins Gef\u00e4ngnis kamen. Tomsson Black war aber nur drei Jahre dort, dann setzten sich Mister und Missis Goodfeller, Barbara Goodfeller ist die Frau, die  von ihm vergewaltigt werden wollte, f\u00fcr seine Freilassung ein und Tomsson Black trifft sich als erstes mit Barbara, um sich von ihr Geld f\u00fcr seinen Plan B geben zu lassen.<br \/>\nDas hei\u00dft allen schwarzen M\u00e4nnern werden nun solche Blumenschachteln mit Gewehren f\u00fcr den Aufstand der Schwarzen zugestellt, was in weiterer Folge zu einer Reihe von Massakern und Unterdr\u00fcckung f\u00fchrt, w\u00e4hrenddessen Tomsson Black das &#8220;Black for Blacks, Inc.&#8221; gr\u00fcndet, dort die sch\u00f6nsten jungen schwarzen M\u00e4nner und Frauen einstellt und ein Sozialprojekt ausheckt, in dem mittellose Schwarze einen Arbeitsplatz bekommen sollten, damit sie nicht l\u00e4nger Sozialhilfe und wei\u00dfe Wohlfahrt in Anspruchnehmen m\u00fc\u00dften, wof\u00fcr er  von der Hull-Stiftung eine Million Dollar haben will und sie  nach mehreren Testgespr\u00e4chen auch bekommt. Inzwischen geht das Abschlachten zwischen den Wei\u00dfen und den Schwarzen lustig weiter, so da\u00df der Polizei nichts anderes einf\u00e4llt, als die beiden Detektive zur Aufkl\u00e4rung des Falles einzusetzen, was die auch tun und von der Polizei verhaftet werden, als sie Tomsson Black als Schuldigen angeben. Der schickt aber eine Kaution durch eine sch\u00f6ne schwarze Frau und l\u00e4\u00dft die beiden zu sich f\u00fchren, Coffin Ed will ihn daraufhin erschie\u00dfen, wird aber von Grave Digger daran gehindert und schlie\u00dflich von Tomsson Black erscho\u00dfen, weil das Risiko, wie er der sch\u00f6nen schwarzen Frau erkl\u00e4rt, zu gro\u00df gewesen w\u00e4re&#8230;<br \/>\nSo weit die bissige Satire eines Hoffnungslosen, die von ihm nicht zu Ende geschrieben werden konnte, sondern vom Herausgeber aus Entw\u00fcrfen rekonstruiert werden mu\u00dfte.<br \/>\nEin interessantes Buch, wenn auch f\u00fcr mich wegen der brutalen Szenen sehr schwer zu lesen, es wird aber in den Beschreibungen &#8220;Der Witz, die Tragik, die Sympathie, die Distanz und der fieberhafte Rhythmus des Gangsta Raps der 30er40er Jahre&#8221; sehr gelobt und Eberhard Falcke vom norddeutschen Rundfunk, meint, da\u00df es auch nach drei\u00dfig vierzig Jahren noch so beunruhigend und radikal wie am ersten Tag wirkt.<br \/>\nIch mu\u00df gestehen, da\u00df ich weder von Chester Himes noch von seinem im Unionsverlag erschienenen Harlem-Zyklus je etwas geh\u00f6rt habe. Das Buch lag in Leipzig zur freien Entnahme auf und hat mich in seiner brutalen H\u00e4rte und seinem makabren Witz an Hans Weigels &#8220;Gr\u00fcnen Stern&#8221; erinnert, der die Traumen des dritten Reiches auch auf eine sehr skurille Art verarbeitet hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Plan B&#8221; ist der posthum erschienene Roman, des 1909 in Jefferson City geborenen, 1953 nach Frankreich emigrierten und 1984 in Spanien verstorbenen Chester Himes, der 1928 nach einem bewaffneten Raub\u00fcberfall ins Staatsgef\u00e4ngnis von Ohio eingewiesen wurde. 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