{"id":30443,"date":"2014-08-19T08:55:31","date_gmt":"2014-08-19T06:55:31","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=30443"},"modified":"2014-08-19T08:55:31","modified_gmt":"2014-08-19T06:55:31","slug":"die-waffen-nieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=30443","title":{"rendered":"Die Waffen nieder"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein sehr alt aussehendes Buch, gr\u00fcnliches Leinencover mit dem Bild einer junger Frau im schwarzen Kleidansatz und hochgesteckten Haaren, das mir da Andrea Stift schickte, nachdem ich von der Streeruwitz Vorlesung im Rathaus berichtet habe, kein Wunder k\u00f6nnte man denken, ist die Autorin ja schon vor etwas mehr als hundert Jahren gestorben, dabei ist es erst 2006 erschienen, also ein Fake, das Buch selber ist aber sehr sehr interessant und ich mu\u00df gestehen, da\u00df ich die Friedensnobelpreistr\u00e4gerin von 1905, die auch auf einigen Geldscheinen zu sehen war, bisher f\u00fcr nicht besonders literarisch gehalten habe.<br \/>\nDa ist aber Anfang des Jahres mein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/01\/14\/von-berta-von-suttner-zu-tone-fink\/\" title=\"Von Berta von Suttner zu Tone Fink\">Psychologiekollege Wolfram Huber<\/a> auf mich zugekommen und hat mir erz\u00e4hlt, da\u00df er sich nun mit der Suttner besch\u00e4ftigt.<br \/>\n&#8220;Aha!&#8221;, habe ich gedacht und ihm einen Kaffee gekocht. Dann kamen aber die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/05\/es-ist-fruhling-und-ich-lebe-noch\/\" title=\"Es ist Fr\u00fchling und ich lebe noch\">&#8220;Ersten Weltkrieg-Feiern&#8221;<\/a> und der hunderte Todestag, das <a href=\"http:\/\/donaustaedterin.wordpress.com\/2014\/03\/10\/die-waffen-nieder\/\">&#8220;Radio-Augustin&#8221;<\/a> hat  das Buch gelesen und das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/25\/spaziergang-ins-bezirksmuseum\/\" title=\"Spaziergang ins Bezirksmuseum\">Lesetheater<\/a> das St\u00fcck aufgef\u00fchrt.<br \/>\nNun ist also auch das Buch auf mich zugekommen, das ich angesichts meiner \u00fcberlangen Leseliste, erst im n\u00e4chsten Jahr lesen wollte, dann ist mir aber auch die Idee gekommen, in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/27\/nach-donezk\/\" title=\"Nach Donezk\">&#8220;Inneren Stadt&#8221; den ersten Weltkrieg mit der Ukraine-Krise zu verbinden, beziehungsweise die Magdalena Himmelbauer, 1914 bei der Geburt ihrer Tochter gestorben, nachdem die vom Heldentod ihres Gatten erfuhr, nach Donetz<\/a> reisen zu lasen, wo ihr die Marija Marjatschuk erz\u00e4hlt, da\u00df sie sich mit Berta von Suttner besch\u00e4ftigt und da ist es vielleicht gut das Buch zu kennen und so habe ich es ins <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/14\/zuruck-aus-dem-elsas\/\" title=\"Zur\u00fcck aus dem Elsa\u00df\">Elsa\u00df <\/a>mitgenommen und es ist ein sehr interessantes Buch, das seltsamerweise erstaunlich aktuell klingt, als h\u00e4tte es die Autorin erst heute geschrieben, die Frauenfrage klingt an und die Martha, eine 1840 geborene Generalstochter, die am Ende ihres Lebens, im schwarzen Witwenkleid, nach der Taufe ihres Enkelsohns und der Verlobung ihrer Tochter vor ihren roten Tagebuchheften sitzt und ihre Memoiren schreibt, scheint eine durchaus moderne Person, obwohl sie streng adelig, mit den sechzehn Ahnen, die hoff\u00e4hig machen, die ihrer Autorin verwehrt blieben, versehen, ganz andere Einblicke in das Leben hat, als wir Nachgeborenen oder ihre Diener und Kammerzofen, mit denen sie umgeben war, aber nicht standesgem\u00e4\u00df reden durfte.<br \/>\nDer Roman ist in sechs B\u00fccher, von denen vier von Kriegen, zwei von den dazwischenliegenden Friedenszeiten handeln, gegliedert und mit einem ausf\u00fchrlichen Nachwort versehen, wo man auch einiges vom Leben der Berta von Suttner erfahren kann, von dem ich aber schon in meinen vorigen Artikeln geschrieben habe.<br \/>\nSo also gleich zum Inhalt, der sich ohne die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/17\/autorinnen-feiern-autorinnen\/\" title=\"Autorinnen feiern Autorinnen\">Streeruwitze F\u00e4rbung und Deutung<\/a> vielleicht ein wenig anders liest, die Martha Althaus ist aber ohne jeden Zweifel eine emanzipierte und auch sehr gescheite Frau.<br \/>\nOhne Mutter ist sie aufgewachsen, wie auch die Streeruwitz in ihrer Rede erw\u00e4hnte, von der bigotten Tante Marie aufgezogen und von ihrem sehr kriegsbegeisterten Vater, der schon unter Radetzky diente, so erz\u00e4hlen die ersten Seiten auch von der Erziehung, die damals den Kindern zuteil wurden, die S\u00f6hne f\u00fcr den Krieg, die adeligen auf jeden Fall, die allgemeine Wehrpflicht gab es noch nicht und als die eingef\u00fchrt werden sollte, regten sich die Leute auf, da\u00df dann ja jeder Schneider&#8230;, wie heute die \u00d6VP dar\u00fcber st\u00f6hnt, da\u00df es ja nicht ginge, da\u00df jeder Hausmeistersohn und jedes Immigrantenkind aufs Gymnasium gehen k\u00f6nne&#8230;.<br \/>\nDie M\u00e4dchen wurden dagegen zum  &#8220;Scharpie zupfen&#8221;, was das ist, konnte ich dem Anhang leider nicht entnehmen, ich vermute aber, da\u00df es sowas wie ein Verbandszeug ist, da\u00df den Verwundeten aufgelegt wurde, erzogen, was bei ihnen sowas, wie einen &#8220;Penisneid&#8221; gegen die Knaben, die doch mit Soldaten spielten durften, etc. ausl\u00f6ste.<br \/>\nMartha emanzipiert sich bald davon oder auch nicht, denn als sie siebzehn ist, nimmt sie die Tante nach Marienbad mit und da verliebt sie sich sehr heftig in den sch\u00f6nen Husarenlieutnant Arno und wird schon mit Achtzehn getraut.<br \/>\nDer erste Sohn Ruru oder Rudolf wird geboren, der von seinen Eltern gleich zum Gefreiten oder Korporal ernannt wird, er wird auch  mit dem T\u00f6chterlein von Marthas oberfl\u00e4chiger Freundin Lori, verlobt, das er dann sp\u00e4ter auch wirklich heiratet und der erste Krieg gegen Italien bricht an, zu dem sich Arno freiwillig meldet und auch f\u00e4llt, so da\u00df Martha schon sehr jung Witwe ist.<br \/>\nMit dreiundzwanzig Jahren beschlie\u00dft sie sich nochmals zu verheiraten und zwar den deutschen Friedrich von Tilling, der sich ihr bei einem Ball vorstellen l\u00e4\u00dft und ihr vom Tod ihres Gatten, bei dem er dabei war, berichtet.<br \/>\nSie verliebt sich gleich in ihm, er ist zur\u00fcckhaltender, bei einer Fu\u00dfwaschung am Gr\u00fcndonnerstag, zu der sich die Aristrokratie Billets besorgen und zusehen konnte, wie der Kaiser und die Kaiserin am Boden rutschten und scheinbar mit einem Tuch \u00fcber die F\u00fc\u00dfe von armen Pfr\u00fcndnern und Pfr\u00fcdnerinnen fuhren, begegnen sie sich wieder. Er schreibt ihr auch einen Brief vom Tod seiner Mutter und ist vom Krieg nicht so begeistert, wie Marthas Vater, so da\u00df der mit einer Trauung zuerst  nicht einverstanden ist.<br \/>\nSie heiraten aber doch, dann kommt der Krieg gegen die D\u00e4nen, Martha kommt gerade an dem Tag nieder, als er einberufen wird, das Kind stirbt und sie ist auch lange krank. Nach dem Krieg ist er bereit aus der Armee auszutreten, sie wollen sich ein Gut kaufen, das er bewirtschaften soll, leider aber f\u00e4llt das Bankhaus, wo Martha ihr Geld liegen hat, so da\u00df nichts daraus wird und Krieg drei, gegen die Preu\u00dfen ist noch brisanter, da Friedrich ja selbst ein solcher ist und so sozusagen gegen seinen Cousin in das Feld ziehen mu\u00df und die arme liebe Tante desselben weint sich die Augen aus&#8230;<br \/>\nMartha reist auch an das Feld, um dort die Soldaten beziehungsweise ihren Mann zu pflegen und erlebt  schreckliche Szene, der Mann kommt aber unverletzt nach Haus.In dem Ort Grumitz, wo der Sommersitz der Familie liegt und sie sich auch zur\u00fcckgezogen hat, bricht der Typhus aus, so da\u00df Marthas Vater, ihre zwei Schwestern, ihr Bruder Otto, der gerade mit der Milit\u00e4rakademie fertig wurde und noch einige Diener und Kammerzofen daran sterben.<br \/>\nDas Paar geht mit Marthas Sohn, der auch schon mal dabei ertappt wurde, da\u00df er an zwei Hunden das Kriegsspiel erprobte, worauf er von seinem Stiefvater aber gez\u00fcchtigt wurde, zuerst nach Berlin zu Friedrichs Verwandten, dann nach Paris, um sich dort ein Haus zu bauen. Jetzt hat Friedrich die Armee verlassen, aber leider bricht wieder ein Krieg aus, weil die &#8220;Franzosen ja nicht zulassen k\u00f6nnen, da\u00df ein Preu\u00dfe spanischer K\u00f6nig wird.<br \/>\nEs geht dabei auch um Elsa\u00df Lothringen und was das Schlimmste ist, Friedrich wird der Spionage verd\u00e4chtig und &#8220;am 1. Februar 1871&#8212;-standesrechtlich erschossen.&#8221;<br \/>\nSeither tr\u00e4gt Martha nur mehr schwarze Kleider, wollte sterben und hat sich erst wieder an das Leben erinnert, als der Sohn  verzweifelt &#8220;Mutter!&#8221;, rief. Eine Sylvia gibt es inzwischen auch, der Sohn, dem Krieg vielleicht durchaus auch aufgeschlossen, verheiratet sich, wird Vater und Martha schreibt ihre Erinnerungen auf.<br \/>\nBertha von Suttner ist damit ein Buch gelungen, das zum Bestseller wurde, obwohl es zuerst niemand drucken wollte, denn soetwas, nein das geht doch nicht!<br \/>\nEs gibt mehrere Fassungen, im Anhang kann man ganz genau die Unterschiede nachlesen und die Ironie der Geschichte ist wohl auch, da\u00df Bertha von Suttner nur wenige Tage <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/26\/doberdo\/\" title=\"Doberdo\">vor<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/12\/zeit-der-grossen-worte-und-besuch-der-hartmannswillerkopfgedenkstatte\/\" title=\"Zeit der grossen Worte und Besuch der Hartmannswillerkopf-Gedenkst\u00e4tte\">Ausbruch des ersten Weltkrieges <\/a>gestorben ist, wo ja, trotz ihres Bestsellers, des Nobelpreises, des Roten Kreuzes und anderer Friedensinitiativen, die Waffen erst wieder hoch gehoben wurden, obwohl, wenn man die vielen Kriege bedenkt, mit denen Martha alt geworden ist, es vielleicht tr\u00f6stlich ist, da\u00df es bei uns fast siebzig Jahren, die Kriege immer nur <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/15\/forellenschlachten\/\" title=\"Forellenschlachten\">nebenan<\/a> und woanders gegeben hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein sehr alt aussehendes Buch, gr\u00fcnliches Leinencover mit dem Bild einer junger Frau im schwarzen Kleidansatz und hochgesteckten Haaren, das mir da Andrea Stift schickte, nachdem ich von der Streeruwitz Vorlesung im Rathaus berichtet habe, kein Wunder k\u00f6nnte &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=30443\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-30443","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30443","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=30443"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30443\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=30443"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=30443"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=30443"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}