{"id":30345,"date":"2014-08-10T09:49:15","date_gmt":"2014-08-10T07:49:15","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=30345"},"modified":"2014-08-10T09:49:15","modified_gmt":"2014-08-10T07:49:15","slug":"der-veruntreute-himmel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=30345","title":{"rendered":"Der veruntreute Himmel"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt geht es wieder (fast) weiter mit der Leseliste und da kommt &#8220;Der veruntreute Himmel&#8221; von Franz Werfel mit einem Bild der Anni Rosar aus der Verfilmung von 1958, auf dem Cover, an die Reihe.<br \/>\nDas Buch habe ich im Schrank gefunden, den Film sicher einmal im Fernsehen gesehen und ihn mir jetzt sozusagen als Vorbereitung noch einmal angesehen und war etwas erstaunt und verwirrt. Denn es ist ein typischer Film mit Kost\u00fcmen und Ausstattung aus den F\u00fcnfzigerjahren und da passen die Andeutungen vom dem Unheil, was da auf die sch\u00f6ne heile Welt zukommen wird, die Verhaftung des Leopolds und das &#8220;Volksgenossin!&#8221;, des Herrn Bichlers nicht ganz dazu.<br \/>\nSo habe ich nachgegooglet, wann der Franz Werfel gestorben ist, am 26. August 1945 und den Roman hat er wahrscheinlich w\u00e4hrend der Emigration in Paris geschrieben, zumindest tut das sein erz\u00e4hlender Schriftsteller Theo so. Eine sch\u00f6ne heile Welt also, die F\u00fcnfzigerjahre und ein ergreifender Film bzw. Buch, die ein bi\u00dfchen voneinander abweichen.<br \/>\nDie Geschichte einer Magd, aber eigentlich ist die Teta Linek Herrschaftsk\u00f6chin und auch bei der Krankenkassa der Hausgehilfinnen versichert und diese Teta, nahe an den Siebzig, hat einen Lebenstraum, der von der sch\u00f6nen Livia Argan, bei der sie angestellt ist, bel\u00e4chel , beziehungsweise, Theo, dem Hausfreund, der in Grafenegg, wo sich der Sommersitz der Familie befindet, ein Wohnrecht hat,erz\u00e4hlt wird. Es ist der Sommer 1936, glaube ich, August, also auch ein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/30\/die-muhle-der-gerechtigkeit\/\" title=\"Die M\u00fchle der Gerechtigkeit\">Sommerbuch<\/a>, die Argans kommen gerade von den Festspielen aus Salzburg zur\u00fcck, Livias Geburtstag soll mit einem gro\u00dfen Fest gefeiert werden, zwei Kinder Doris und Philipp, alle hochbegabt und musikalisch, achtzehn und neunzehn Jahre alt, gibt es auch.<br \/>\nUnd die Teta ist eine b\u00f6hmische K\u00e4\u00f6chin, aber lange schon in Wien, zwanzig Jahre schon bei den Argans, vorher war sie bei einem Hofrat besch\u00e4ftigt und da hat sie einmal  Besuch von ihrer Schw\u00e4gerin und dem kleinen Mojmir bekommen und die Schw\u00e4gerin fragt an, ob Teta sie nicht bez\u00fcglich der Ausbildung des Kleinen unterst\u00fctzen k\u00f6nnte?<br \/>\nDer leiert ein Gedichtlein hinunter, i\u00dft ein paar St\u00fccke Gugelhupf dazu und Teta, die fromme, die Jungfrau, die jeden Morgen um sechs zur Fr\u00fchmesse geht und ihren Platz im Himmel haben will, beschlie\u00dft ihn Pfarrer werden zu lassen, damit ihr dieser Platz ganz ganz sicher ist.<br \/>\nSo schickt sie Jahr f\u00fcr Jahr Geld, Livia zweifelt l\u00e4ngst an der wahren Absicht des Neffen, der ein Bild von sich im Priesterkleid schickt und auch von dem Pfarrhaus in  Hustopec, wo Teta herkommt, spricht, das er \u00fcbernehmen will, aber vorher braucht er noch einmal f\u00fcnfhundert Schilling f\u00fcr die Renovierung und Teta schickt das Geld, gesehen hat sie den Neffen seit seinem Besuch damals nicht mehr, denn sie liebt ihn nicht, pflegt zu ihm, genau wie zu ihrer Schwester Kathi, die auch keine sehr angenehme Person ist, keine verwandtschaftlichen Behziehungen, sie will nur in den Himmel, so ist sie sparsam und geizig und verrechnet ihrer Familie auch mehr, als sie eigentlich sollte.<br \/>\nBei der ist aber das Ungl\u00fcck eingezogen, denn Philip\u00df will im \u00dcbermut nach der Geburtstagsfeier auf einen Berg, springt \u00fcber die Z\u00e4une, \u00fcberkugelt sich und bleibt mit einer Sch\u00e4delhirnverletzung liegen.<br \/>\nDie modernen  Eltern trauen sich nicht die Totenwache zu halten, Teta sitzt an seinem Bett mit dem Rosenkranz und sch\u00fcttelt den Kopf, weil die gn\u00e4 Herrschaften, keinen Pfarrer holen wollen.<br \/>\nSo herzlos kann sie also nicht sein, sie denkt ja auch an ihre behinderte Schwester, die von ihrer Schwester Kathi, der Frau Oberrevident, ausgen\u00fctzt wird.<br \/>\nDenn Teta wird von den Argans, nachdem sich Doris eine Gehirnhautentz\u00fcndung zugezogen hat, entlassen, bekommt aber zehntausend Schilling ausbezahlt, zehntausend weitere hat sie sich erspart, zieht damit  ein paar Tage zu ihrer Schwester, dann f\u00e4hrt sie nach Hustopec, denn der Neffe hat versprochen, er wird f\u00fcr das Tantchen sorgen.<br \/>\nDort findet sie zwar ein wei\u00dfgestrichenes Pfarrhaus, aber der Pfarrer hei\u00dft Ottokar Janku,  sch\u00fcttelt den Kopf, als sie ihm den Brief zu lesen gibt und begleitet sie zum Bahnhof, sie will jetzt nach Prag, denn dorthin hat sie das Geld geschickt.<br \/>\nDer Architekt Fasching entpuppt sich als Grei\u00dfler, bei dem der Neffe schulden hatte und der hat eine Frau bei sich, nennt sich Redakteur, entwirft Kreuzwortr\u00e4tsel und Horoskope.<br \/>\nEr lebt in einer miesen Wohnung, das Tantchen ist entsetzt, der Himmel scheint verloren, sie fragt sich auch, ob sie schuld an dem Versagen ist und so entschlie\u00dft sie sich zu einer Pilgerfahrt nach Rom und zwar zu der teureren, die um viertausend Schilling, weil das f\u00fcr die sparsame eine gr\u00f6\u00dfere Bu\u00dfe ist, wo auch Florenz und Venedig besichtigt werden und da wendet sich das Blatt, lernt sie ja den Kaplan Seydel kennen, im Film von Hals Holt gespielt, der sich ihr annimmt und dem sie alles beichtet.<br \/>\nIm Film pilgert auch Frau Argan mit ihrer Tochter nach Rom und wohnt dem Begr\u00e4bnis bei, Tata erleidet bei der Audienz beim Papst einen Schlaganfall und stirbt wenig sp\u00e4ter im Spital. Vorher kommt aber noch ein hoher p\u00e4pstlicher W\u00fcrdentr\u00e4ger zu ihr und richtet ihr die Gr\u00fc\u00dfe des Papstes aus und bringt ihr von ihm einen Rosenkranz.<br \/>\nIm Buch \u00fcberweist sie von ihrem Geld, das sie, die Devisenvorschriften umgehend, nach Rom im Handt\u00e4schchen mitnahm, zehntausend an Seydels Schwester, damit sich die in einem Lungensanatorium auskurieren kann und f\u00fcnftausend, dem &#8220;armen Trottel Mia&#8221;, der behinderten Schwester, es wird aber angedeutet, da\u00df die nichts bekommen, weil die Frau Oberrevident Teta ja beerben will.<br \/>\nDer Film beginnt mit dem Begr\u00e4bnis und endet auch da, die Schwestern kommen nicht vor. Das Buch endet nach dem Anschlu\u00df in Paris, dort befindet sich der Ich-Erz\u00e4hler auf der Flucht und dorthin hat sich auch Kaplan Seydel, der mit den Nazis nichts am Hut hat,  begeben und die Argans werden, nachdem Leopold aus dem KZ entlassen wurde, auch erwartet.<br \/>\nEin interessantes sehr beeindruckendes Buch, das ich im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/29\/reisevorbereitungen-und-andere-erledigungen\/\" title=\"Reisevorbereitungen und andere Erledigungen\">Elsa\u00df<\/a> gelesen habe, und das, weil es ja teilweise in Paris spielt, auch zur Frankreich Lekt\u00fcre passt und vielleicht ist Franz Werfel ja auch \u00fcber das Elsa\u00df emigriert.<br \/>\nIn Lourdes war er jedenfalls und hat dort das Gel\u00fcbde geleistet, wenn er die Flucht heil \u00fcbersteht, das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/28\/das-lied-von-bernadette\/\" title=\"Das Lied von Bernadette\">&#8220;Lied der Bernadette&#8221;<\/a> zu schreiben, das ich vor kurzem auch gelesen habe.   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt geht es wieder (fast) weiter mit der Leseliste und da kommt &#8220;Der veruntreute Himmel&#8221; von Franz Werfel mit einem Bild der Anni Rosar aus der Verfilmung von 1958, auf dem Cover, an die Reihe. 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