{"id":30280,"date":"2014-08-04T19:18:36","date_gmt":"2014-08-04T17:18:36","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=30280"},"modified":"2014-08-04T19:18:36","modified_gmt":"2014-08-04T17:18:36","slug":"ganze-tage-in-den-baumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=30280","title":{"rendered":"Ganze Tage in den B\u00e4umen"},"content":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit meiner <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/29\/reisevorbereitungen-und-andere-erledigungen\/\" title=\"Reisevorbereitungen und andere Erledigungen\">&#8220;Frankreich-Literatur&#8221; f\u00fcr den Elsa\u00dfurlau<\/a>b.<br \/>\nEine sonderbare Zusammenstellung daf\u00fcr Marguerite Duras &#8220;Ganze Tage in den B\u00e4umen&#8221; auszuw\u00e4hlen, mag sich macher- manche-eine vielleicht denken, das Buch hat aber eine franz\u00f6sische Autorin und stan zuf\u00e4llig auch zeitgerecht auf meiner Leseliste, so da\u00df ich das kleine gr\u00fcne Suhrkamp Taschenb\u00fcchlein, das ich einmal in einem der offenen B\u00fccherschr\u00e4nke gefunden habe, der  1914 in Vietnam geborenen und 1969 in Paris verstorbenen Autorin auf die Reise mitgenommen habe.<br \/>\nEin gro\u00dfer und bekannter Name, ich habe aber noch nichts von ihr gelesen, wohl aber einige ihrer B\u00fccher auf meiner Liste, so war es auch an der Zeit mich mit der Duras zu besch\u00e4ftigen, obwohl das Buch nat\u00fcrlich in Paris spielt, sich, wie das von der<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/02\/nummer-sechs\/\" title=\"Nummer sechs\"> Veronique Olmi<\/a> mit Familienbeziehungen besch\u00e4ftigt und mit dem Elsa\u00df, wie auch das Buch der Francoise Sagan, das noch folgen wird, nichts zu tun hat.<br \/>\n1954 ist es erschienen und  ist im Gegensatz zu dem B\u00fcchlein der Veronique Olmi eine Erz\u00e4hlung.<br \/>\nEtwa achtzig Seiten ist es lang und es ist, k\u00f6nnte man so sagen, eine merkw\u00fcrdige Geschichte. Eine merkw\u00fcrdige Mutter-Sohn Beziehung, eine merkw\u00fcrdige alte Frau, die da die Hauptrolle spielt.Es hat auch einen sehr eindringlichen interessanten Erz\u00e4hlton und irgendwie auch Assoziationen zu dem Buch der Francoise Sagan, das noch folgen wird, obwohl es da um eine Liebesgeschichte geht, w\u00e4hrend die Liebe bei der Duras eher versteckt oder gar nicht vorhanden ist.<br \/>\n&#8220;Der schlimme Charme der Marguerite Duras zeigt sich \u00fcberall dort am deutlichsten, wo sie darauf aus ist, Vergeblichkeit zu schildern, eine Atmosph\u00e4re einzufangen, in der man Lebens\u00fcberdru\u00df, die N\u00e4he des Todes, die Langeweile, welche aus der Hoffnungslosigkeit kommt, gleichsam k\u00f6rperlich sp\u00fcrt&#8230;&#8221;, schreibt Roland Wiegenstein im Klappentext.<br \/>\nEs geht um den Besuch einer Mutter bei ihren Sohn in Paris, die ihn seit Jahren nicht gesehen hat. Die alte Dame kommt mit dem Flugzeug an, wird vom Sohn abgeholt und in seine Wohnung gebracht, wo er mit seiner Freundin lebt. Die f\u00e4ngt beim Anblick der Mutter gleich zu weinen an, weil sie selber mutterlos aufgewachsen ist und die alte Dame, die eine Unmenge goldener Armreife um ihre mageren Arme tr\u00e4gt, ist auch unentwegt hungrig. So schickt sie Sohn und Freundin zum Einkaufen aus, verschlingt eine Unmenge Sauerkraut (was vielleicht als Assoziation zum Elsa\u00df gelten k\u00f6nnte) und dann noch einen ganzen Braten, redet von ihrem Reichtum, verlangt dann zu schlafen, statt sich die Stadt anzusehen, alles ein wenig merkw\u00fcrdig, k\u00f6nnte man sagen, aber vielleicht deshalb so intensiv und metaphernreich.<br \/>\nDie Mutter ist auch mit ihrem Sohn unzufrieden, den sie f\u00fcr einen Faulpelz und auch f\u00fcr ein bi\u00dfchen dumm h\u00e4lt und meint, da\u00df er fr\u00fcher &#8220;ganze Tage in den B\u00e4umen&#8221;, daher der Titel, verbracht h\u00e4tte, w\u00e4hrend sie es im Alter zu Reichtum gebracht hat.<br \/>\nSie hat irgendwo eine Fabrik mit einigen Arbeitern, die sie zu \u00fcberwachen hat, deshalb mu\u00df sie auch bald wieder zur\u00fcck, obwohl sie zuerst ja eigentlich l\u00e4nger bleiben wollte.<br \/>\nZuerst begleitet sie Sohn und Freundin aber zu deren Arbeitsplatz, die beiden sind Eint\u00e4nzer oder Animateure in einem Restaurant, die Freundin scheint vielleicht noch etwas anderes zu sein. Sie ist jedenfalls eine Waise, ein Findelkind, das vom Waisenhaus oder von den Pflegeltern davongelaufen ist und vom Sohn auf der Stra\u00dfe aufgelesen wurde.<br \/>\nDie Mutter erbittet sich vom Chef des Restaurants aus, in einer Loge den Beiden beim Arbeiten zusehen zu d\u00fcrfen, betrinkt sich mit zwei Flaschen Champagner, weigert sich dann die Rechnung zu bezahlen, weist aber immer wieder auf ihren Reichtum hin und mit dem Sohn, der ein Spieler sein d\u00fcrfte, macht sie auch einen Handel aus, ihm ihr Erbe zu vermachen.<br \/>\nSie kehren wieder in die Wohnung zur\u00fcck, die Mutter verlangt abzureisen und vom Sohn, da\u00df er sich nach passenden Fahrgelegenheiten erkundigen soll, der nimmt aber einige ihrer Goldreifen, um sie zu verspielen und am Schlu\u00df scheint es dann doch zu einer verklausulierten Liebeserkl\u00e4rung zwischen den Beiden zu kommen.<br \/>\n&#8220;Der Sohn hatte sich wieder auf das Bett gelegt. Ich habe Angst, ich habe Angst vor mir, dachte er.<br \/>\n-Schlaf Mama, ich bitte dich herzlich.<br \/>\n-Ja, mein Junge, ich werde schlafen.<br \/>\nIn der K\u00fcche lauschte ihnen Marcelle. Sie wagte nicht zu kommen. Sie fand diese Menschen ungl\u00fccklich. Sie hatte endlich wieder zu weinen angefangen, \u00fcber das Los der Mutter.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit meiner &#8220;Frankreich-Literatur&#8221; f\u00fcr den Elsa\u00dfurlaub. 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