{"id":30145,"date":"2014-07-26T00:37:28","date_gmt":"2014-07-25T22:37:28","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=30145"},"modified":"2014-07-26T00:37:28","modified_gmt":"2014-07-25T22:37:28","slug":"doberdo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=30145","title":{"rendered":"Doberdo"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das letzte meiner <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/13\/sommerlekture\/\" title=\"Sommerlekt\u00fcre\">&#8220;Hermagoras-B\u00fccher&#8221;<\/a>, n\u00e4mlich ein Slowenischer Antikriegsroman aus der &#8220;Edition slovenica&#8221;, des 1893-1950 lebenden Lovro Kuhar, der sich auch Prezihov Vorac nannte. Zehn Jahre hat er an den Roman &#8220;Doberdo&#8221; geschrieben, den er dreimal schreiben mu\u00dfte, weil zwei seiner Handschriften verloren gingen.<br \/>\nLovro Kuhar, war Teilnehmer am ersten Weltkrieg, so behandelt das Buch auch diesen Krieg, ist aber, wie am Buchr\u00fccken steht &#8220;in erster Linie eine Botschaft gegen jeglichen Krieg&#8221; und in vier Teile gegliedert.<br \/>\nIm ersten Teil &#8220;Der Landsturm&#8221; wird der Slowene Amun Mohor, weil er als politisch unzuverl\u00e4\u00dfig gilt, in das ber\u00fcchtigte Strafbataillon Nr. 100 versetzt, wo es lauter politische Unzuverl\u00e4\u00dfige gibt, Juden, \u00d6sterreicher, Deutsche, Slowenen, etc. Viele waren in Thalhof bei Graz inhaftiert und einige erz\u00e4hlen unglaubliche Geschichten, so der Tscheche Kalivoda, der allen immer &#8220;Ich bin ein Wiener!&#8221; sagt und der  verhaftet wurde, weil in seiner Wohnung in Favoriten revolution\u00e4re Schriften gefunden wurden, die mit ihm nichts zu tun haben, aber von seiner Braut, beziehungsweise von dem serbischen Studenten, mit dem sie ihm betrogen hat,  eingeschmuggelt wurden. Dann gibt es noch Popovic, den Serben aus Bosnien, der &#8220;vier Monate auf der nackten Erde in der Festung Arad im Ungarischen hatte liegen mu\u00dfte, bis er auf solche Fragen nur mehr &#8220;Ich bin Bosnier&#8221; antwortete. Segal, den Juden, der immer viele Fre\u00dfpakete bekommt, gibt es auch und politischen Unterricht, wo die Soldaten lernen, was sie auf gewissen Fragen antworten sollen. Antworten sie falsch, werden sie ein bi\u00dfchen &#8220;geh\u00e4ngt&#8221;, oder anders schikaniert.<br \/>\nIm zweiten Teil &#8220;Doberno&#8221; geht es 1915 an die &#8220;Isonzofront&#8221;, hier liegen sie im Graben, haben ein paar Tage lang kein Essen und kein Wasser und malen sich aus, ob sie Rothschilds Tochter um f\u00fcnfzig Millionen nehmen w\u00fcrden, auch wenn sie einen Schweinekopf h\u00e4tte?<br \/>\nSie werden bef\u00f6rdert und ausgezeichnet, haben Verluste und \u00fcberlegen sich, ob sie desertieren oder \u00fcberlaufen w\u00fcrden und erkennen die Sinnlosigkeit des Krieges, wenn die Italiener vor ihnen sterben und &#8220;Mamma mia..&#8221; oder &#8220;Maladetta la guerra!&#8221; ausrufen.<br \/>\nZu Weihnachten bekommen sie von ihnen unbekannten Frauenh\u00e4nden gepackte <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/05\/es-ist-fruhling-und-ich-lebe-noch\/\" title=\"Es ist Fr\u00fchling und ich lebe noch\">P\u00e4ckchen<\/a> mit &#8220;Schokolade, Keksen und anderen Naschereien zugeschickt. &#8220;Manche der P\u00e4ckchen enthielten auch die Anschrift oder Nachricht der Schenkenden&#8221;, wie beispielsweise, &#8220;Ich hoffe, da\u00df Sie mir schreiben werden. Ich bin neundundzwanzig Jahre alt und noch unverm\u00e4hlt. Ich habe einen selbst\u00e4ndigen Beruf. Berta Hanzman. Salzburg.&#8221;<br \/>\nEine schrieb nur &#8220;Ihr Esel, wie lange werdet ihr euch noch zum Narren halten lassen?&#8221;<br \/>\nIm dritten Teil &#8220;Lebring&#8221; ist es schon Herbst 1917 und wir befinden uns in der Sammelabteilung des zentralen Milit\u00e4rlagers in Lebring bei Graz, wo wir die noch lebenden Verwundeten bei der &#8220;schweren Stunde&#8221; wiedertreffen, das ist die zwischen acht und neun, wo das klumpige Maisbrot ausgegeben wird, je eins f\u00fcr sechs Mann und die die es aufteilen m\u00fc\u00dfen haben es schwer, weil meistens eine Rauferei darum entsteht. Denn es mu\u00df den ganzen Tag reichen, zu Mittag gibt es Suppe, am Abend Kaffee und wir treffen den Wiener Kalivoda wieder, dem das Kiefer zerscho\u00dfen wurde, so da\u00df sich nach einigen Operationen, sein Mund nun ein paar Zentimeter weiter befindet. Er bekommt einen Brief von seiner untreuen Braut Pavla, die wieder zu ihm kommen will, der dicke Jude Segal, bekommt immer noch Pakete, ist aber um zwei Drittel abgemagert und zeigt zum Beweis, seine fr\u00fchere Unterhose her und der schwinds\u00fcchtige Bosnier Popvic stirbt. Daf\u00fcr wird Jan Janoda, dem nichts fehlt, als sein bestes St\u00fcck, entlassen und von seiner Frau erwartet, die bald das Ungl\u00fcck begreift, aber &#8220;Wenn es sein mu\u00df, kann auch eine gew\u00f6hnliche Tschechin stark sein!&#8221;, antwortet, ansonsten werden die Betten kontrolliert und die die ihre nicht straff gemacht haben, wieder ein bi\u00dfchen &#8220;geh\u00f6ngt&#8221;, der Koporal tut das aber sehr nachl\u00e4\u00dfig und verteilt auch eine Zigarette dabei, w\u00e4hrend man es dr\u00fcben bei den russischen Gefangenen viel sch\u00e4rfer angeht, da der dortige Koporal von den Russen verwundet wurde.<br \/>\nDie russische Revolution hat stattgefunden und der Kaiser ist gestorben, das steht nicht in dem Buch, wei\u00df ich aber so, es wird zur Kirche gegangen und die Vorgesetzten haben ihre N\u00f6te mit den Untergebenen denen man mit nichts mehr drohen kann und die sich nichts mehr sagen lassen wollen.<br \/>\nIm vierten Teil wird der Judenburger Aufstand der Slowenen von 1918 geschildert, der vereitelt und mit einer Hinrichtung der Aufst\u00e4ndischen endete.<br \/>\nLovro Kuhar, der selbst an der Insonzofront k\u00e4mpfte, desertierte aber, wie sein Held der ersten beiden Teile, Amun Mohor und verbrachte den Rest der Kriegszeit in italienischer Gefangenschaft.<br \/>\nDas war mein sehr interessanter Kurzausflug durch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/24\/villa-am-see\/\" title=\"Villa am See\">die<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/23\/plebanus-ioannes\/\" title=\"Plebanus Ioannes, Thabiti kumi\">slowenische<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/22\/die-frauen-der-schaurinia\/\" title=\"Die Frauen der Schaurinia\">Literatur<\/a>, ich danke dem &#8220;Hermagoras-Verlag&#8221; sehr f\u00fcr die Rezensionsexemplare und verweise auf zwei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/22\/rauschen-im-kopf\/\" title=\"Rauschen im Kopf\">slowenische<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/25\/engel-des-vergessens\/\">Romane<\/a>, die ich gelesen habe, ein paar andere, wie der von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/04\/29\/zweisprachige-lesung-mit-florjan-lipus\/\">Florjan Lipus<\/a> stehen noch auf meiner Liste. Einmal war ich auch bei einer <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/29\/poesie-und-prosa-aus-karnten-triest-und-slowenien\/\">&#8220;Hermagoras Veranstaltung&#8221;<\/a> im Literaturhaus, die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/26\/junge-slowenen\/\">jungen Slowenen<\/a> habe ich auch einmal da geh\u00f6rt und was den ersten Weltkrieg betrifft, verweise ich auf <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/23\/im-westen-nichts-neues\/\">Erich Maria Remarque und sein &#8220;Im Westen nichts Neues&#8221;<\/a>, der genauso eindrucksvoll war, wie Lovro Kuhars-Prezihov Vorancs Slowenischer Antikriegsroman.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das letzte meiner &#8220;Hermagoras-B\u00fccher&#8221;, n\u00e4mlich ein Slowenischer Antikriegsroman aus der &#8220;Edition slovenica&#8221;, des 1893-1950 lebenden Lovro Kuhar, der sich auch Prezihov Vorac nannte. Zehn Jahre hat er an den Roman &#8220;Doberdo&#8221; geschrieben, den er dreimal schreiben mu\u00dfte, weil &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=30145\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-30145","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30145","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=30145"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30145\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=30145"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=30145"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=30145"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}