{"id":30112,"date":"2014-07-24T00:33:08","date_gmt":"2014-07-23T22:33:08","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=30112"},"modified":"2014-07-24T00:33:08","modified_gmt":"2014-07-23T22:33:08","slug":"villa-am-see","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=30112","title":{"rendered":"Villa am See"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Krieg geht das Leben weiter, es wird wieder geliebt, gelacht, gearbeitet, aufgebaut und getr\u00e4umt, aber manche tun sich dabei, wenn sie mit ihren Traumatisierungen, beispielsweise von Bergen-Belsen 1948 an den Gardasee kommen, an den Ort, wo die Villa steht, in dem der Duce wohnte, bevor er 1945 erschossen wurde und &#8220;wie ein Tier&#8221; kopf\u00fcber an einer Tankstelle aufgeh\u00e4ngt wurde, schwer, weil sie an das Vergangene denken m\u00fcssen und nicht verstehen k\u00f6nnen, wie die Menschen wieder leicht und fr\u00f6hlich in den Tag leben und sogar Mitleid mit dem Duce haben und ihn bedauern.<br \/>\nSo geht es in dem 1955 geschriebenen Roman &#8220;Villa am See&#8221; der 2009 bei &#8220;Hermagoras&#8221; erschienen ist, des 1913 geborenen slowenischen Schriftstellers Boris Pahor, dem drei\u00dfigj\u00e4hrigen Triestiner Architekt Mirko Godina, der eigentlich f\u00fcr den Frieden arbeiten und Fischerd\u00f6rfer bauen m\u00f6chte, es in seiner Heimatstadt aber nicht aush\u00e4lt und so im April 1948 am Gardasee auftaucht, wo wieder die Ausflugsschiffe fahren und sich nur wenig seit dem Krieg ver\u00e4ndert hat.<br \/>\nEr besucht Frau Amalia, die Witwe seines Verstorbenen Freundes Enricos, die ihm zum Mittagessen einl\u00e4dt, er soll nicht sein Geld in teuren Restaurants ausgeben, wenn er es bei ihr einfach und umsonst haben kann, die ihm schon einmal durch ihr gef\u00fchlloses Geschw\u00e4tz erbost.<br \/>\nBeim Mittagessen lernt er dann ihre Tochter Luciana kennen, die Arbeiterin in einer Spinnerei ist, will mit ihr ins Kino gehen, das im Theater untergebracht ist, dann gehen die beiden aber durch den Ort spazieren, die Arbeiterin fragt den studierten Architekten aus und erz\u00e4hlt ihm, da\u00df sie gerne unterhaltsame Geschichten lese, die von einfachen Leuten handeln und nicht nur von denen, die sich dreimal am Tag umziehen und Luxusreisen machen.<br \/>\nDann kommen sie zu der Villa und es kommt fast zum Streit zwischen ihnen, denn auch Luciana plappert leichtfertig daher und versteht Mirkos Abneigung gegen Diktaturen nicht, hat sie doch in der Schule nichts anderes, als Respekt vor dem Duce gelernt.<br \/>\nEs kommt aber doch zum Ku\u00df zwischen ihnen und zu einer Verabredung am n\u00e4chsten Tag, dazwischen geht Mirko in sein kleines Hotel zur\u00fcck, in dem in der Vorsaison nur ein paar Schweizer wohnen, wird von dem alten rotwangigen Koch in Begschuhen verw\u00f6hnt. Er mischt ihm ein extra St\u00fcckchen Butter in seine Spaghetti, will dann aber ein Empfehlungsschreiben von ihm, damit er von seinem Chef eine Gehaltserh\u00f6hung bekommt.<br \/>\nEs sind die Alltagsbeschreibungen, die in diesem Roman auffallen, die Frau in dem gr\u00fcnen Badeanzug, die er am n\u00e4chsten Tag w\u00e4hrend der Dampferfahrt beobachtet und das Gespr\u00e4ch zwischen dem Maschinisten und einer Ausfl\u00fcglerin.<br \/>\nDas Leben geht weiter, Mirko w\u00fcnscht sich eine Erziehung zur Liebe in der Schule und diskutiert mit Luciana den Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur,  will sie davon \u00fcberzeugen, da\u00df es besser ist Widerstand vor Dikataturen zu leisten und nicht aus Angst alles hinzunehmen.<br \/>\nEs kommt noch zu einem Treffen der beiden, bevor Mirko mit seinem Koffer in den Dampfer steigt, und mit dem Versprechen sie im n\u00e4chsten Sommer zu besuchen, in sein Alltagsleben und die Zukunft zur\u00fcckf\u00e4hrt.<br \/>\nBoris Pahor, der am 26.August seinen hundertersten Geburtstag feiert, hat in dem Roman, wie ich dem Klappentext entnehme, viel Autobiografisches verarbeitet, war der in Triest geborene, der bis 1938 das G\u00f6rtzer Priesterseminar besuchte, auff\u00e4llig viele Hermagoras-Autoren haben dieses <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/23\/plebanus-ioannes\/\" title=\"Plebanus Ioannes, Thabiti kumi\">abgebrochen<\/a> oder sind sogar als <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/18\/das-funfzigste-jahr\/\" title=\"Das f\u00fcnfzigste Jahr\">Priester t\u00e4tig<\/a>, doch ebenfalls in Bergen Belsen inhaftiert.<br \/>\nVon 1953 bis 1975 war als Mittelschullehrer in Triest t\u00e4tig und lebt seit 1975 als freier Schriftsteller in Triest-Barkovlje. Seine B\u00fccher sind zuerst bei &#8220;Kitab&#8221; herausgekommen, jetzt scheint sich &#8220;Hermagoras&#8221; um sein Werk zu bem\u00fchen.<br \/>\nEs ist der erste Roman den ich von Boris Pahor gelesen habe, der mich in seinem Ton an <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/23\/die-gleichgultigen\/\">Alberto<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/05\/17\/eheliche-liebe\/\">Moravia <\/a><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/26\/der-konformist\/\">erinnert<\/a>, aber auch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/09\/14\/kurz-nach-4\/\">Ullrich Becher hat in seinem &#8220;Kurz nach 4&#8221;<\/a> kurz nach dem Krieg eine \u00e4hnliche Thematik aufgenommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Krieg geht das Leben weiter, es wird wieder geliebt, gelacht, gearbeitet, aufgebaut und getr\u00e4umt, aber manche tun sich dabei, wenn sie mit ihren Traumatisierungen, beispielsweise von Bergen-Belsen 1948 an den Gardasee kommen, an den Ort, wo die Villa &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=30112\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-30112","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30112","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=30112"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30112\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=30112"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=30112"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=30112"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}