{"id":30056,"date":"2014-07-22T00:16:40","date_gmt":"2014-07-21T22:16:40","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=30056"},"modified":"2014-07-22T00:16:40","modified_gmt":"2014-07-21T22:16:40","slug":"die-frauen-der-schaurinia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=30056","title":{"rendered":"Die Frauen der Schaurinia"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt bin ich endlich in <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/13\/sommerlekture\/\" title=\"Sommerlekt\u00fcre\">Slowenien<\/a> angekommen und zwar in Istrien, wo in der Zwischenkriegszeit, die Frauen mit K\u00f6rben auf dem Kopf und wenn sie es sich leisten konnten, einem Esel, durch die D\u00f6rfer gingen, Eier gegen ein St\u00fcck Leinen, Gew\u00fcrze, Schnaps etc eintauschten und sie dann am Markt vom Triest verkauften.<br \/>\nEs lebe das Matriachat, die M\u00e4nner waren bei den Kindern zu Hause, bestellten die Felder, manchmal versoffen sie sich auch.<br \/>\nKatina ist so eine Schaurinka und w\u00e4hrend sie mit ihrem Esel durch die Gegend zieht, denkt sie an die Zeit zur\u00fcck, als sie sechzehn war und vom Vater das erste Mal mit ihrer Schwester losgeschickt wurde. Die Mutter hat ihnen den Korb mit der Leinwand, dem Petrolium, dem Pfeffer etc gegeben, die Teta Ursa,die erfahrenste Eiersammlerin, alles genau erkl\u00e4rt.<br \/>\n&#8220;Hart verhandeln, ehrlich zahlen!&#8221; und der Vater sagte &#8220;Ihr werdet euch schon nicht verirren. Alle Stra\u00dfen f\u00fchren nach Rom und alle Wege zur\u00fcck nach Grasice.&#8221;<br \/>\nVon der Mutter kommt, glaube ich, noch das &#8220;Bei Schlechtwetter gehst du, bei Sch\u00f6nwetter kommst du!&#8221; oder umgekehrt.<br \/>\nEs ist ein hartes armes Leben, das die Frauen da auf ihren Wegen f\u00fchren, es gibt aber eine herzliche Solidarit\u00e4t, sie werden von den Bauern mehr oder weniger freundlich aufgenommen, bekommen was zu trinken und ein St\u00fcckchen Brot, k\u00f6nnen \u00fcbernachten und haben manche Freundinnen unter den B\u00e4uerinnen, die Teta Nina beispielsweise oder die Teta Fila, deren M\u00e4nner krank oder geizig sind, sie erz\u00e4hlen sich Geschichten, zum Beispiel von dem Mann der sehr viel trank, dann versprach damit aufzuh\u00f6ren, er verbl\u00f6dete daran, die Frau pflegte ihn, der Arzt kam ihn w\u00f6chentlich besuchen, einmal fand er ihn nicht im Bett, sondern im Weinkeller, denn er hatte sich nur krank gestellt.<br \/>\nEin Zigeuner schenkt Katina ihr erstes Eselchen, sie borgt den armen Frauen manchmal Geld, das sie nicht immer zur\u00fcck bekommt und manchmal wird ein Kind auf den Weg geboren.<br \/>\nKatina, die in den Nachbarsohn einen guten Mann findet, passiert das nicht, sie bekommt aber jedes Jahr ein Kind, das seine Mutter dann nicht sehr oft sieht, denn sie mu\u00df morgens weg und kommt erst, wenn \u00fcberhaupt, sp\u00e4t nachts nach Haus und fragt sie h\u00f6chstens, was sie ihr mitbringen wird?<br \/>\n&#8220;Kipfel, Feigen, s\u00fc\u00dfe Sachen!&#8221;<br \/>\nF\u00fcr viel mehr reicht es nicht und als Katina einmal allen ihren vier Kindern ein Hemd kauft, hat sie alle ihre Lira ausgegeben und ist ihre ersten Wege als junge Frau auch barfu\u00df gegangen, weil kein Geld f\u00fcr Schuhe da war und sie noch beim Schuster waren.<br \/>\nDenn das Leben ist hart, es werden Steuern eingetrieben und die Karabineri erwischen sie manchmal beim Schnapsschmuggeln oder nehmen ihnen ihre Eier weg, weil sie keine Erlaubnis hatten.<br \/>\nDa hilft nur der Wein, die Geschichten oder auch die Zauberei, die in den istrischen D\u00f6rfern der Zwischenkriegszeit eine gro\u00dfe Rolle spielt. Da wird von Hexen und von Zauberern erz\u00e4hlt und im Anhang wird der 1939 geborene Marjan Tomsic als Vetreter des magischen Realismus genannt und das Buch im Klappentext als &#8220;Kollektiver Roman und Dokument des Matriachats, der Grenz\u00fcberschreitung in sprachlicher und kultureller Hinsicht&#8221; bezeichnet.<br \/>\nWohl wahr, \u00fcberschreiten die Frauen ja st\u00e4ndig die italienische und slowenische Grenze, sprechen Italienisch  und auch andere Sprachen, obwohl sie wahrscheinlich nicht viel zur Schule gingen.<br \/>\nDie Handlung ist in verschiedene Kapitel gegliedert, die Namen wie &#8220;Das schickt euch der Onkel, dem Ihr den Esel gestohlen hat&#8221; oder &#8220;Soll doch alles beim Teufel sein, die Butte, das Ferkel und der Wein&#8221;, tragen und so wird der Roman, der von  Johann Strutz aus dem slowenischen \u00dcbersetzt wurde, recht form- und plotlos erz\u00e4hlt.<br \/>\nVon Marjan Tomsic, der im Klappentext als &#8220;der kongeniale Erz\u00e4hler Istriens&#8221; beschrieben wird, ist im Internet nicht besonders viel zu finden, so gibt es den &#8220;Wikipedia-Eintrag&#8221; beispielsweise nur auf Slowenisch. Es gibt aber im Anhang ein ausf\u00fchrliches Nachwort von Silvija Borovnik und auch eine Erkl\u00e4rung, die erl\u00e4utert, wie es &#8220;vom &#8220;Original zur \u00dcbersetzung kam.<br \/>\nDazu passt gut <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/15\/forellenschlachten\/\" title=\"Forellenschlachten\">Veronika Seyrs &#8220;Forellenschlachten&#8221;<\/a>, als kleiner Denkansto\u00df, da\u00df es diese Solidarit\u00e4t und vielleicht auch die ganzen Eierfrauen nicht mehr gibt, das ich zuf\u00e4llerweise knapp vor der <a href=\"http:\/\/www.mohorjeva.com\/knjige_buecher\/autor_detail\/marjan-tomi\">&#8220;Hermagoras-Verlagsspende&#8221;<\/a> bekommen habe, ansonsten hat mich das Buch sehr an <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/29\/der-karren\/\" title=\"Der Karren\">B.Traven und seinen &#8220;Karren&#8221; <\/a>erinnert, denn dort sind die &#8220;Carreteros&#8221; ja auch mit Sack und Pack, \u00fcber die Pa\u00dfh\u00f6hen gezogen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt bin ich endlich in Slowenien angekommen und zwar in Istrien, wo in der Zwischenkriegszeit, die Frauen mit K\u00f6rben auf dem Kopf und wenn sie es sich leisten konnten, einem Esel, durch die D\u00f6rfer gingen, Eier gegen ein St\u00fcck Leinen, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=30056\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-30056","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30056","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=30056"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30056\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=30056"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=30056"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=30056"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}