{"id":29961,"date":"2014-07-18T10:04:27","date_gmt":"2014-07-18T08:04:27","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=29961"},"modified":"2014-07-18T10:04:27","modified_gmt":"2014-07-18T08:04:27","slug":"das-funfzigste-jahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=29961","title":{"rendered":"Das f\u00fcnfzigste Jahr"},"content":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/17\/durch-die-gleitsichtbrille\/\" title=\"Durch die Gleitsichtbrille\">K\u00e4rntner intellektuellen Prominenz<\/a>, denn es geht ums &#8220;F\u00fcnfzigste Jahr&#8221; oder zu den &#8220;Bekenntnisses eines Priesters&#8221;, des 1963 in Wien geborenen Peter Deiblers, der Deutsch-und Biologielehrer an Wiener Hauptschulen war, Theologie studierte und seit 2011 Pfarrer in Klagenfurt-Welzenegg, sowie Gefangenen und  Fl\u00fcchtlingsseelsorger der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/06\/hemma-von-gurk\/\">Di\u00f6zese Gurk<\/a> ist, Kurzfilme, Bilder und Skulpturen aus und herstellte und auch das Libretto zu Bruno Strobls Kirchenoper &#8220;Sara und ihre M\u00e4nner&#8221; schrieb, die 2012 beim Carinthischen Sommer aufgef\u00fchrt wurde.<br \/>\nEin beachtliches Werk f\u00fcr einen F\u00fcnfzigj\u00e4hrigen, der im 2014 bei &#8220;Hermagoras&#8221; erschienen &#8220;F\u00fcnfzigstenjahr&#8221; seinen privaten und beruflichen Jahreserlebnissen in Gedankensplittern, die mal in Ich,-mal in Er Form geschrieben werden, Ausdruck gibt.<br \/>\n&#8220;Zwischensumme eines Reisenden&#8221; hei\u00dft es in der Buchbeschreibung.<br \/>\n&#8220;Der Versuch einer Rechtfertigung in einer Sprache, die oft ironisch, bissig, poetisch oder philosphisch ist. Erz\u00e4hlte Spiritualit\u00e4t oder eigentlich die Geschichte der Zeit selbst&#8230;&#8221;<br \/>\nLos geht es in den sechsundsiebzig St\u00fccken im August mit einer Sizilienreise, das Ich oder der Erz\u00e4hler erlebt Lampedusa, bekommt von seiner Nachbarin, die nach Wien zum Studium f\u00e4hrt, erz\u00e4hlt, da\u00df sie nicht nach Sizilien m\u00f6chte, weil ihr das zu gef\u00e4hrlich ist, kommt mit drogenkonsumierenden Afrikanern, die drei Herkunftsl\u00e4nder und viele Sprachen haben, ins Gespr\u00e4ch und hofft, da\u00df die gro\u00dfe Romafamilie sich w\u00e4hrend der Schiffs\u00fcberfahrt nicht zu dicht neben ihm plaziert.<br \/>\nDanach geht es zum Freundesbesuch nach Istambul und wieder heim in die Gemeinde, in den Schulunterricht, wo sich die Klassen Unterricht zur &#8220;Demokratischen Meinungsbildung und zu den Sakramenten&#8221; w\u00fcnschen. Eine Geburtstagsfeier eines Achtundziebzigj\u00e4hrigen wird geschildert, ein Brief an den Bischof geschrieben und an den Dissidenten, den kritischen Priester, der dann doch nur wegen der Frauen, nicht wegen seiner Kritik aus der Kirche ausgetreten ist, erinnert.<br \/>\n\u00dcber das Asylanten- oder korrekter Asylwerberheim auf der Saumalm, das ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte, wird berichtet, vom Besuch beim Zahnarzt erz\u00e4hlt und die F\u00fchrung einer Pfarre mit einem Radiosender, sprich \u00d61 mit dem Radiokolleg, Wolfgang Kos und Alfred Treiber, verglichen.<br \/>\nVon den Kindern die zur Beichte gehen wird berichtet und vom Spa\u00df zu Ostern, wenn der Priester alle mit dem Weihwasser na\u00df spritzen darf und im Pfarrcafe die Milch vergesser hat, so da\u00df der Kaffee schwarz getrunken werden mu\u00df.<br \/>\nIraner und Afrikaner werden getauft, die Sch\u00fcler melden sich zu Matura an und die Einsamkeit des  des Priesters, wenn dann alle bei den Weihnachts- und Osterfeiern bei ihren Familien sitzen, wird erw\u00e4hnt. Dazwischen werden Priesterkollegen geschildert und Vortr\u00e4ge in Buchhandlungen \u00fcber die philosophischen  Lekt\u00fcreerlebnisse, gehalten.<br \/>\n\u00dcber Ulrich Seidls &#8220;Paradies:Liebe, Paradies:Glaube und Paradies Hoffnung&#8221; schreibt der Autor in der Kirchenzeitung und erl\u00e4utert seinen Lesern, da\u00df die Filmtrilogie nicht dem  Theaterst\u00fcck von \u00d6don von Horvath, sondern dem Korintherbrief nachempfunden wurde, Horvath hatte seine Inspiration aber wohl auch daher.<br \/>\nWir begleiten den Priester zur Gesundenuntersuchung und zum Optiker, k\u00f6nnen seine Gedichte lesen und reisen mit ihn am Ende seines Jahres nach Spanien und Marrakesch, wo &#8220;der Tag mit dem Hanenruf beginnt, der den Muezzin weckt.&#8221;<br \/>\nHaben so einen interessanten Einblick in das Leben eines Pfarrers mit allen seinen Herausforderungen, kreativer Schaffenskraft bekommen und erfahren, was sowohl privat als auch beruflich in einem Jahr passiert, was ich sehr interessant fand, da ich mich mit dem Alltag eines katholischen Pfarrers bisher nicht sehr besch\u00e4ftigt habe, sondern durch die Workcamps, die ich als Studentin machte, eher nur mit evangelischen Pfarrern zusammenkam, die sich  nicht mit dem Z\u00f6libat auseinandersetzen m\u00fc\u00dfen und Familien haben. Die sozialen Heraus-und Anforderungen von Kirche, Schule und Gemeinde bleiben wohl bei beiden Priestergruppen gleich und auf den letzten siebzig Seiten des Buches, dem schon in der Beschreibung und im Klappentext erw\u00e4hnten Essay &#8220;B\u00fcrger- und Messianische Kirche&#8221;, zeigt uns Pfarrer Deibler sein philosophisches K\u00f6nnen, in dem er vom &#8220;Gleichnis \u00fcber die Pharis\u00e4er&#8221; zur Medienkritik kommt und hier die unterschiedlichen Bewertungen, die er zwischen Kirche und Gesellschaft sieht, anprangert.<br \/>\nSo meint er etwa, da\u00df der Berichterstattung \u00fcber den Mi\u00dfbrauch in den kirchlichen Institutionen in der Presse ein viel h\u00f6herer Stellenwert einger\u00e4umt wurde, w\u00e4hrend man bei den Mi\u00dfst\u00e4nden in den Heim am  Wiener Wilhelminenberg sehr schnell zur Tagesordnung \u00fcberging.<br \/>\n&#8220;Sind \u00f6ffentliche Kinderheime weniger interessant? Oder hat die Wiener Stadtregierung st\u00e4rker eingegriffen in die Berichterstattung als zuvor die Kirche?&#8221;, fragt er listig pfiffig auf Seite 212.<br \/>\nEr spricht auch vom Massenkonsumenten, der bis zur \u00f6ffentlichen Meinung geht, was man am Gebrauch von Twitter, Facebook, sowie an den Computerspielen sehen kann, erw\u00e4hnt Julian Assange und kommt dann zu Papst Benedikts Warnung vor den Pr\u00e4servativen auf seiner Reise in das aidsverseuchte Afrika, die die Presse seiner Meinung nach unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig breit und aus dem Zusammenhang gerissen, dargestellt hat, denn was soll man von einem Papst in Fragen der Empf\u00e4ngisverh\u00fctung schon erwarten?<br \/>\nDas gleich sieht man, f\u00fcge ich hinzu, nachdem ich mir in den letzten Tagen einige Margot Honeckder Videos angesehen habe, auch an der Emp\u00f6rung \u00fcber die \u00fcber achtzigj\u00e4hrige alte Dame, die sich am 7. Oktober 2009 in ihrem Haus in Chile mit Freunden zusammensetzte, die DDR-Fahne hi\u00dfte, einen den DDR-Song \u00fcber Rosa Luxemburg sang und den &#8220;sechzigsten Jahrestag der DDR&#8221; feierte.<br \/>\nEin Video das im Internet landete und h\u00f6chstwahrscheinlich nicht von ihr hineingestellt wurde.<br \/>\nEin h\u00f6chst interessantes Buch also &#8220;Das f\u00fcnfzigste Jahr&#8221; mit der privaten und der \u00f6ffentlichen Meinung eines kulturell interessierten katholischen Priester, das man wahrscheinlich nicht nur im<a href=\"http:\/\/www.kath-kirche-kaernten.at\/behelfsdienst-shop\/angebot\/C3445\/aktuelles5\"> Shop des Behelfsdienst der Di\u00f6z\u00f6se Gurk <\/a>,sondern auch im Buchhandel kaufen kann.<br \/>\nDie Pr\u00e4sentation hat am <a href=\"http:\/\/www.kath-kirche-kaernten.at\/dioezese\/newsdetail\/C2600\/buchpraesentation_mit_pfarrer_dr._peter_deibler\">12. Juni im Di\u00f6zesanhaus Klagenfurt stattgefunden, Bilder lassen sich dazu im Internet ansehen<\/a> und wenn ich etwas kritisieren darf, so fehlt ein Anfang mit einem ausf\u00fchrlichen Verzeichnis der zitierten B\u00fccher und sollte vielleicht noch hinzugef\u00fcgt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit der K\u00e4rntner intellektuellen Prominenz, denn es geht ums &#8220;F\u00fcnfzigste Jahr&#8221; oder zu den &#8220;Bekenntnisses eines Priesters&#8221;, des 1963 in Wien geborenen Peter Deiblers, der Deutsch-und Biologielehrer an Wiener Hauptschulen war, Theologie studierte und seit 2011 Pfarrer &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=29961\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-29961","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29961","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29961"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29961\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29961"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29961"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29961"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}