{"id":29831,"date":"2014-07-11T00:52:36","date_gmt":"2014-07-10T22:52:36","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=29831"},"modified":"2014-07-11T00:52:36","modified_gmt":"2014-07-10T22:52:36","slug":"young-austria","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=29831","title":{"rendered":"Young Austria"},"content":{"rendered":"<p>Young Austria, \u00d6sterreicherinnen im Britischen Exil von 1938 &#8211; 1947,  war die bedeutendste Emigrantenorganisation junger \u00d6sterreicher, w\u00e4hrend des Nationalsozialismus, die  auch Dependancen in Kanada und Australien aufzuweisen hatte.<br \/>\nDie 1963 in Wien geborene <a href=\"http:\/\/kunstplatzl.heimat.eu\/KunstPlatzl\/YoungAustria\/YoungAustria.htm\">Sonja Frank, Obfrau des Vereins &#8220;Kunst Platzl&#8221;<\/a>,  deren Gro\u00dfeltern Fanny und Ludwig Gro\u00dfmann nach England fliehen konnten und Mitglieder dieser kulturell und politischen Widerstandsprganisation, die ihren Sitz in London in der N\u00e4he des Paddington Bahnhofs hatte, waren, hat in der &#8220;Theodor Kramer Gesellschaft&#8221;, ein Buch, beziehungsweise einen Katalog dieser Organisation, das mit vielen Bildern, Briefen, Textausz\u00fcgen, das Leben im englischen Exil widergibt, herausgegeben, das jetzt in zweiter erweiteter Auflage, sechshundertdrei\u00dfig Seiten und beiliegender DVD der Interviews, erschienen ist.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/02\/der-krieg-nach-dem-frieden\/\" title=\"Der Krieg nach dem Frieden\">Ruth Asp\u00f6ck<\/a>, Erich und Uli Makomasky und wahrscheinlich viele andere haben dabei mitgearbeitet, Buch oder Katalog wurde auch in der VHS Hietzing vor- beziehungsweise ausgestellt. Ich wei\u00df aus Ruths Gespr\u00e4chen schon lange von dem Projekt, obwohl ich das Buch erst jetzt in die Hand bekommen habe, das eine sehr umfangreiche Materialsammlung anzubieten hat.<br \/>\n&#8220;Mehr als tausend Abbildungen!&#8221;, schreibt die Herausgeberin am Buchr\u00fccken und erw\u00e4hnt, da\u00df das Projekt 2011 in der VHS Hietzing begonnen wurde, wo neun Zeitzeuginnen ihr Leben erz\u00e4hlten.<br \/>\nJetzt ist in dem Buch ein Verzeichnis von \u00fcber zweitausend Personen angef\u00fchrt und enth\u00e4lt neunzig Lebensgeschichten, von einigen sehr bekannten Personen, wie <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/08\/16\/zum-zehnten-todestag-von-arthur-west\/\">Arthur<\/a> und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/04\/07\/zum-neunzigsten-geburtstag-von-edith-west\/\">Edith West<\/a><\/a>, Hannah Fischer, Ilse M. Aschner, Erich Fried, Otto Tausig, Theodor Kramer, nach dem ja die Gesellschaft gegr\u00fcndet wurde, die das Buch herausgab, etc.<br \/>\nDas Riesenrad und Big Ben ziert das Titelbild und man wei\u00df gar nicht, wo man bei dem gar nicht so leicht zu lesenden Buch und umfangreichen Materialband beginnen soll?<br \/>\nSoll man sich zuerst die Fotografien, der Theater- Musik und anderen Kulturellenauff\u00fchrungen, die in jener Zeit in London stattfanden, ansehen, die jungen Frauen meist im Dirndl zeigen, die tanzen, lachen oder singen und dabei doch sehr tramatisiert waren, einen Gro\u00dfteil ihrer Familie verloren und meist ihre Eltern nie mehr wiedergesehen haben oder sich durch die Portraits, beziehungsweise, die abgedruckten Artikel lesen?<br \/>\nOtto Tausig erz\u00e4hlt vom Blitzkrieg und \u00e4rgert sich dar\u00fcber, da\u00df er in der zerst\u00f6rten Wohnung vorher noch die Badewanne putzte.<br \/>\nPlakate von den Auff\u00fchrungen gibt es und Zeitungsartikel mit Aufrufen an die jungen Leute, sich doch zur Armee zu melden, statt ihre Ausbildung fortzusetzen, weil das viel wichtiger w\u00e4re. Als im Arbeitskreis, damals in den sp\u00e4ten Siebzigern die Frage in die Runde ging, was man denn so schreiben w\u00fcrde, kann ich mich an die Briefe erinnern, die sie an Freunde oder Familie nach England schrieb.<br \/>\nViele von den Betroffenen wurden Kommunisten, die in London politisiert wurden und sp\u00e4ter, wie Arthur West, in Uniform nach Wien zur\u00fcckkamen und in den Portraits kann man bei den meist zwischen 1920 und 1930 geborenen von der Kindheit und Schulzeit in Wien, den Ausschlu\u00df und die \u00dcbersiedelung in j\u00fcdische Schulen nach 1938 lesen. In England kamen sie dann zu Pflegefamilien oder mu\u00dften im Haushalt arbeiten, nur so wurden, glaube ich die Visen gew\u00e4hrt. Viele wurden von ihren Familien ausgen\u00fctzt oder hatten auch Schwierigkeiten mit den h\u00e4uslichen Arbeiten, als der sogenannte &#8220;Blitz&#8221; kam, wurden viele interniert, wo es dann auch ein kulturelles Programm und politische Schulungen gab, den j\u00fcngeren wurde das erspart, aber vielen der Schulbesuch verwehrt.<br \/>\nEinige sind nach Wien zur\u00fcckgekommen und haben das meist als Aufgabe verstanden, sich am Wiederaufbau zu beteiligen, beziehungsweise am ver\u00e4nderten politischen Bewu\u00dftsein mitzuwirken, andere, wie Erich Fried zum Beispiel, von dem es einige Gedichte und Textbeispiele gibt, sind in England geblieben und nur zu Besuch, zum Beispiel zu den kontinuierlichen Treffen, der Young Austrians, die es schon seit einiger Zeit gibt, nach \u00d6sterreich zur\u00fcckgefahren.<br \/>\nSo hat es 1988 im Rathaus einen gro\u00dfen Kongre\u00df gegeben. Viele der damaligen Kinder und Jugendlichen sind inzwischen auch verstorben, ihre Portraits wurden durch Aussagen und Fotospenden ihrer Kinder erg\u00e4nzt.<br \/>\nEin sehr interessantes Buch mit einer enormen Materialsammlung, die sehr zu empfehlen ist, wenn man ein St\u00fcck Zeitgeschichte nacherleben will.<br \/>\nOtto Tausig hat einiges in seinem Buch &#8220;Kasperl, Kummerl, Jud&#8221; beschrieben, den ich kurz vor seinem Tod, im Dezember <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/02\/exil-shanghai\/\">2010 noch im Literaturhau<\/a>s erleben konnte, wo er sehr engagiert f\u00fcr Spenden zu seinen Sozialprojekten aufrief. Arthur West, GAV-Mitglied und Gr\u00fcnder des &#8220;Linken Wortes&#8221; beim Volksstimmefest habe ich, im Arbeitskreis schreibender Frauen kennengelernt, wo er sich ebenfalls sehr engagierte, seine Frau Edith, nimmt, obwohl weit \u00fcber Neunzig immer noch an der Maikundgebung der Kommunisten teil und schreibt am Ende ihres Portraits, da\u00df sie &#8220;immer noch zu ihren kummunistischen Idealen steht.&#8221;<br \/>\nUnd von Arthur West, der noch Kulturredakteuer der &#8220;Volksstimme&#8221; war als ihn kennenlernte, kann ich mich an seinem schwarzen Anzug erinnern, den er trug, als ich ihn einmal im Volkstheater traf, was die Mittzwanzigerin, die von Anpassung noch nichts wissen wollte, von dem aufrechten Kommunisten ein wenig wunderte.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/22\/meine-roten-grosmutter\/\">Ilse M. Aschner<\/a> war Sekret\u00e4rin der GAV, als ich dort Mitglied wurde und Erich Fried habe ich in den Achztigerjahren bei einer Veranstaltung im NIG, glaube ich,  vers\u00e4umt, nehme aber jetzt eifrig an den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/10\/erich-fried-tage-2013\/\" title=\"Erich Fried Tage 2013\">Erich Fried Symposien und Preisverleihungen<\/a> teil.<br \/>\nHannah Fischer, Jahrgang 1925, bis zu ihrer Pensionierung, Leiterin des Anna Freud Kindergartens, habe ich immer wieder bei Veranstaltungen getroffen und Bobby Rosner  vor kurzem bei einer <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/04\/30-jahre-zwischenwelt\/\" title=\"30 Jahre Zwischenwelt\">Exilliteraturveranstaltung<\/a> und beim <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/04\/22\/zum-begrabnis-von-friedl-hof-bauer\/\" title=\"Zum Begr\u00e4bnis von Friedl Hofbauer\">Begr\u00e4bnis von Friedl Hofbauer<\/a> kennengelernt.<br \/>\nDie meisten anderen der in den Buch vorgestellten waren mir aber unbekannt und so habe ich mich durch ihr Leben gelesen und wurde auch bei der<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/04\/das-ende-der-kindheit\/\" title=\"Das Ende der Kindheit?\"> heurigen Sommerakademie &#8220;Ende der Kindheit?&#8221; <\/a>an ihre Schicksale erinnert, obwohl Sonja Frank nicht bei den Vortragenden war und ihr Projekt, was sicher zu bedauern ist, bei der Veranstaltung fehlte, da diese Organisation, die auch Mitgliedskarten, etc, ausgegeben hat, f\u00fcr die jungen vertriebenen \u00d6sterreicher eine wichtige Funktion hatte,  ein bi\u00dfchen Heimatgef\u00fchl und Geborgenheit vermitteln und damit das j\u00e4he Ende, der gesch\u00fctzten Kindheitsphase, vielleicht auch verhindern konnte.<br \/>\nArthur und Edith Wests Trauzeuge, m\u00f6chte mich noch erw\u00e4hnen, weil ich es auch von ihm selbst h\u00f6rte, war  Erich Fried und so haben sich damals in der Westbourne Terrace 125, ein Bild von dem Eingagsportal ist gleich am Beginn des Buches abgebildet, manch Freundschaften f\u00fcrs Leben gebildet, die wenn m\u00f6glich, wohl immer noch fortgesetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Young Austria, \u00d6sterreicherinnen im Britischen Exil von 1938 &#8211; 1947, war die bedeutendste Emigrantenorganisation junger \u00d6sterreicher, w\u00e4hrend des Nationalsozialismus, die auch Dependancen in Kanada und Australien aufzuweisen hatte. Die 1963 in Wien geborene Sonja Frank, Obfrau des Vereins &#8220;Kunst Platzl&#8221;, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=29831\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-29831","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29831","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29831"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29831\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29831"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29831"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29831"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}