{"id":29565,"date":"2014-07-01T00:33:04","date_gmt":"2014-06-30T22:33:04","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=29565"},"modified":"2014-07-01T00:33:04","modified_gmt":"2014-06-30T22:33:04","slug":"briefe-in-die-chinesische-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=29565","title":{"rendered":"Briefe in die chinesische Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<p>Von den 2012 verstorbenen Juristen Herbert Rosendorfer, der ein breites literarisches Erbe hinterlassen hat und dessen Schwester ich vor kurzem in der &#8220;Geellschaft f\u00fcr Literatur&#8221; h\u00f6rte, habe ich, glaube ich, in den Siebzigerjahren \u00fcber die sozialistische Zeitschrift &#8220;Die Frau&#8221; die meine Mutter regelm\u00e4\u00dfig las, erfahren. Gelesen habe ich, glaube ich nicht sehr viel von ihm, aber Cornelia Travnicek hat ihn einmal auf ihren Blog erw\u00e4hnt, vielleicht waren es &#8220;Die Briefe in die chinesische Vergangenheit&#8221;, auf die sie sich bezog, dieses Buch habe ich jedenfalls im Schrank gefunden, nicht viel damit anfangen k\u00f6nnen, bis mir die Juristin Nora auf unserer <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/15\/wandern-auf-den-ebenstein\/\" title=\"Wandern auf den Ebenstein\">Wanderung vor zwei Wochen<\/a>, die sich dar\u00fcber wunderte, da\u00df ich die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/22\/anne-frank-tagebuch\/\" title=\"Anne Frank Tagebuch\">&#8220;Anne Frank&#8221;<\/a> noch nicht gelesen h\u00e4tte, von dem wunderbaren Buch erz\u00e4hlte, wo ein Dichter aus dem China des zehnten Jahrhunderts eine Zeitsprungreise in die Zeit von tausend Jahre sp\u00e4ter macht und seinem Freund Briefe dar\u00fcber schreibt. Zuf\u00e4lligerweise, beziehungsweise durch einen Berechnungsfehler, landet er aber nicht im Reich der Mitte des Mao Zsedung, sondern kommt in eine seltsame Stadt names Min-chen, das in einem Land namens Ba-Yan liegt.<br \/>\nJa, Herbert Rosendorfer, der um das Buch zu schreiben, einiges an chinesischen B\u00fcchern las und diesbez\u00fcgliche Studien  betrieb, machte es seinen Lesern, beziehungsweise mir recht schwer, denn ich habe seine \u00dcbersetzungen nicht immer ganz verstanden. Bei manchen hat er sich, wie beispielsweise bei dem Wort Schi, das auf Chinesisch &#8220;Leichnam&#8221; hei\u00dft, auch einen Spa\u00df gemacht und &#8220;Geschafthuber&#8221; sorgt auch f\u00fcr einge Verwirrungen.<br \/>\nDer Mandarin landet jedenfalls in M\u00fcnchen der Achtzigerjahre, es gibt noch eine Fortsetzung, die dann nach der Wende spielt, ist verwirrt \u00fcber die Steinstra\u00dfen die &#8220;A-taos&#8221; und die Gro\u00dfnasen, die sehr h\u00e4\u00dflich sind, \u00fcberall, wie wild herumrennen und so etwas wie einen &#8220;An-tsu&#8221; tragen, so da\u00df man Frauen von M\u00e4nnern nicht gleich unterscheiden kann.<br \/>\nEr wird zuerst verhaftet, landet dann bei einem Gelehrten namens Herrn Schi-shmi, der ihn die Sprache lehrt und in die westlichen Gewohnheiten einf\u00fchrt.<br \/>\nDa\u00df man in Bayern keine Hunde i\u00dft, betr\u00fcbt den  Manderin und Vorsitzenden der Dichtergilde, wie er immer wieder schreibt, da\u00df die Gro\u00dfnasen Rindsmilch trinken kann er nicht verstehen. \u00dcber ihren &#8220;Fort-Schritts-Glauben&#8221; macht er sich lustig und ger\u00e4t in dem er die neue Welt erobert, immer wieder in Abenteuer, die Herbert Rosendorfer gen\u00fc\u00dflich erz\u00e4hlt.<br \/>\nEr geht ins Gericht und Schifahren, das ihm auch nicht gef\u00e4llt, zieht sp\u00e4ter in ein &#8220;Hong-tel&#8221; namens &#8220;Vier Jahreszeiten&#8221;, gl\u00fccklicherweise hat er viel Geld mitgenommen, so da\u00df das kein Problem ist und, da\u00df er keinen Pa\u00df hat, kann Frau Pao-leng mit der er bald eine Beziehung aufnimmt auch regeln.<br \/>\nWenn man ein solches Buch schreibt, ger\u00e4t man wahrscheinlich leicht in Gefahr belehrend zu wirken, beziehungsweise seine Meinungen widerzugeben. Herbert Rosendorfer ist ihr, meiner Meinung nach, auch erlegen, so wenn er zum Beispiel seine Ansichten \u00fcber den &#8220;Irrglauben&#8221; von sich gibt, da\u00df alle Menschen gleich sind und man nicht sagen darf, da\u00df einer minderbemittelt ist.<br \/>\nDer Herr Kao-tai aus dem zehnten Jahrhundert, der sich bei allen f\u00fcnhundertmal verbeugt und etwa &#8220;W\u00fcrdest du, unvergleichliche Ladenbesitzerin, sonne des Stadtviertel, die G\u00fcte haben, einen halben sheng deines honigduftenden \u00d6ls mir unw\u00fcrdigem Zwerg herazureichen&#8221;, sagt, wenn er  einkaufen will, hat auch so seine Macken. So ist er nicht treu und f\u00e4ngt gleich ein Techtelmechtel mit zwei Frauen, eben mit jener Pao-leng und dann noch mit einer chinesischen Stewarde\u00df, an.<br \/>\n&#8220;Kunstst\u00fcck!&#8221;, dachte sich Herbert Rosendorfer vielleicht, die Mandarine der chinesischen Vergangenheit hatten ja mehrere Frauen, Nebenfrauen und Konkubinen, wenn sich die geliebte Shiao-shiao dann auch als Katze entpuppt.<br \/>\nEr ist offenbar auch Jurymitglied eines damaligen Dichterwettbewerbs und so schickt ihm sein Freund, mit dem er \u00fcber ein Zeitfenster in Verbindung steht, auch die Einreichungen der damaligen  Dichterschaft und der ach so H\u00f6fliche, \u00e4tzt und schimpft. Es wird und wurde viel zu viel geschrieben. Jeder Mensch, ein Dichter, damals wie heute und er mu\u00df sich das alles durchlesen. Wwie kommt er dazu, hat er in der neuen Welt, doch so viel anderes zu bestaunen? Er tut es dann doch, w\u00e4hlt schlie\u00dflich einen Gl\u00fccklichen aus und als er in eine Buchhandlung geht, ist er sehr froh, da\u00df er diesen Namen nicht in der chinesischen Anthologie findet, die  Texte bekannter Chinesen enth\u00e4lt.<br \/>\nEr geht auch in Theater bzw. Oper, sieht dort das &#8220;Land des L\u00e4chelns&#8221; und bekommt gar nicht mit, da\u00df es sich dabei um China handeln soll. Ahnlich geht es ihm bei einem Besuch in einem China-Restaurant. Bez\u00fcglich Musik ist er vom Meister &#8220;We-to-feng&#8221; (Ludwig van) beigeistert und mit den technischen Errungenschaften, wie dem Telefon und dem Fernseher macht er nat\u00fcrlich auch seine Erfahrungen.<br \/>\nEine spannende Idee k\u00f6nnte man sagen und Anfangs fand ich es auch sehr lustig, ein wenig anstrengend, wie beschrieben, weil ich nicht alle Namen verstand und dann auch etwas belehrend, wenn Herbert Rosendorfer seine Meinungen und Einsichten da \u00fcber die Leser st\u00fclpt und manches, was in den tausend Jahren da geschehen ist, auch nur sehr verk\u00fcrzt hin\u00fcbergeben konnte. Beziehungsweise manches auch sehr langatmig klang, wenn Herr Shi-shmi den alten Chinesen in die politischen Ver\u00e4nderungen einf\u00fchrt und, ich h\u00e4tte, wenn ich ein solches Buch geschrieben h\u00e4tte, mich wahrscheinlich auch auf anderes bezogen. So h\u00e4tte ich wahrscheinlich mehr die politischen Unterschiede herausgearbeitet, aber vielleicht hat Herbert Rosendorfer, das in seinem Fortsetzungsband auch so gemacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von den 2012 verstorbenen Juristen Herbert Rosendorfer, der ein breites literarisches Erbe hinterlassen hat und dessen Schwester ich vor kurzem in der &#8220;Geellschaft f\u00fcr Literatur&#8221; h\u00f6rte, habe ich, glaube ich, in den Siebzigerjahren \u00fcber die sozialistische Zeitschrift &#8220;Die Frau&#8221; die &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=29565\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-29565","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29565"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29565\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}