{"id":29287,"date":"2014-06-10T00:38:00","date_gmt":"2014-06-09T22:38:00","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=29287"},"modified":"2014-06-10T00:38:00","modified_gmt":"2014-06-09T22:38:00","slug":"apropos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=29287","title":{"rendered":"Apropos"},"content":{"rendered":"<p>In den fr\u00fchen Achtzigerjahren hat der &#8220;Goldberg-Verlag&#8221; zwei B\u00e4nde mit Nachgelassenen von Friedrich Torberg, zusammengestellt von Herbert Eisenreich und Marietta Torberg herausgebracht.<br \/>\n&#8220;Apropos&#8221;. Texte, Artikel des Homme de lettres, wie er sich selber nannte, 1908-1979 in Wien geboren und gestorben.<br \/>\nDazwischen lag eine nicht bestandene Matura in Prag, die zum ersten weltber\u00fchmten Roman f\u00fchrte, eine Emigration \u00fcber Portugal nach Amerika, eine R\u00fcckkehr nach Wien in den F\u00fcnzigerjahren und ein \u00e4u\u00dferst vielseitiges literarisches und \u00f6ffentliches Leben.<br \/>\nDie <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/09\/17\/die-gefahren-der-vielseitigkeit\/\">&#8220;Gefahren der Vielseitigkeit&#8221;<\/a> hie\u00df eine Ausstellung, die es 2008 im j\u00fcdischen Museum gegeben hat und genau dieser Begriff taucht im ersten Band, den ich zusammen mit den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/07\/die-erben-der-tante-jolesch\/?preview=true\">&#8220;Erben der Tante Jolesch&#8221;<\/a> in einem der Schr\u00e4nke gefunden habe, wieder auf, in der ersten Abteilung des Buch &#8220;Apropos Heiteres vom Totenbett&#8221; und da finden wir auch diese Grabinschrift wieder, von der Torberg auch in den &#8220;Erben&#8221; schreibt.<br \/>\nFriedrich Torberg, der Vielseitige, der Homme de lettres, nicht der Dichter, wie er sich selber nannte, obwohl er schon als Kind Gedichte schrieb, der mindestens in f\u00fcnf Genres t\u00e4tig war, Sportmeister war er auch und Herausgeber des &#8220;Forums&#8221;. Als ihm ein Buchh\u00e4ndler dann erz\u00e4hlte, da\u00df einer der Kunden ihn fragte, ob der Autor des &#8220;Sch\u00fcler Gerbers&#8221; der vom &#8220;Forum&#8221; ist, hat er angeblich damit aufgeh\u00f6rt.  Briefe hat er auch viele geschrieben und hat die Menschen wieder angeblich in Brief- und Nichtbriefschreiber eingeteilt. Briefe von Nichtbriefschreiber hat er nicht beantwortet.<br \/>\nDer erste Teil ist also eine Einleitung, eine Art Biografie, im zweiten &#8220;Apropos Deutsch als Sprache, als Kauderwelsch und auch ortografi&#8221;, gibt es dann Artikel f\u00fcr und gegen eine gute Sprache, das \u00f6sterreichische Deutsch wird vom deutschen Deutsch unterschieden und ein &#8220;Fehlender Beistrich bei  Kleist&#8221; wird bem\u00e4ngelt und Heinrich Heines &#8220;Buch der Lieder&#8221; ein wenig geringgesch\u00e4tzt:<br \/>\nHeut wei\u00df man, da\u00df du der Dichter<br \/>\ndes &#8220;Buchs der Lieder bist&#8230;<br \/>\nIm Zweifelsfalle entscheiden<br \/>\nDie Deutschen sich stes f\u00fcr den Mist.&#8221;<br \/>\nBumm, das wird dann gleich ein bi\u00dfchen zur\u00fcckgenommen und einen Artikel \u00fcber die &#8220;Schlager&#8221; hat er 1978 auch geschrieben.<br \/>\nTeil drei hei\u00dft &#8220;Apropos \u00d6sterreich, dieses selbst, und die lieben Nachbarn&#8221; und beginnt mit der Frage &#8220;Gibt es eine \u00f6sterreichische Literatur?&#8221;, die er 1954, nat\u00fcrlich anders beantwortete, als ich es heute t\u00e4te und von der &#8220;Innsbrucker-Jugend-Kulturwoche&#8221; von 1953 berichtete, bei der an die hundert junge \u00f6sterreichische Autoren antraten, die er nicht namentlich nannte und an ihnen auch nicht viele guten Haare fand.<br \/>\nIch wei\u00df von &#8220;Jugend Kultur Wochen&#8221;, etwas sp\u00e4ter, bei der Elfriede Jelinek und andere auftraten und 1973 haben sich die damaligen jungen Autoren sehr kritisch vom damaligen PEN abgespaltet.<br \/>\nDiese Dichter werden vielleicht nicht zu Torberg Lieblingsautoren gez\u00e4hlt haben.<br \/>\nIn dem Artikel von 1954 beruft er sich nat\u00fcrlich auf <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/12\/reisen-mit-franz-grillparzer\/\">Grillparzer<\/a>, Raimund, Nestroy, Schnitzler und bedauert, da\u00df viele der alt\u00f6sterreichischen Dichter den Krieg nicht \u00fcberlebten.<br \/>\n&#8220;<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/19\/schachnovelle\/\">Stefan Zweig<\/a> beging als 60j\u00e4hriger in Brasilien Selbstmord, Robert Musil starb ungef\u00e4hr gleichaltrig in der Schweiz, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/27\/franz-werfel\/\" title=\"Franz Werfel-Abend\">Franz Werfel<\/a> war 54 Jahre, als er in Kalifornien buchst\u00e4blich an gebrochenen Herzen zugrunde ging, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/04\/25\/joseph-roths-legende\/\" title=\"Joseph Roths Legende\">Joseph Roth hat sich mit 45 Jahren vors\u00e4tzlich zu Tode getrunken<\/a>, im gleichen Pariser Exil, in dem \u00d6d\u00f6n von Horvarth von einem st\u00fcrzenden Baum erschlagen wurde.&#8221;<br \/>\nDann gibts Portraits von Peter Altenberg, Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, Heimito von Doderer, Franz Theodor Czokor und &#8220;Pers\u00f6nliche Erinnerungen an Karl Kraus&#8221;, den Friedrich Torberg sehr verehrte und der ihm  das Telfonbuch empfohlen hat, als er nach einem &#8220;n\u00fctzlichen Buch&#8221; fragte. Das hat ein anderer deutscher Meister, n\u00e4mlich MRR auch einmal getan.<br \/>\nDer 1954 verstorbene alt\u00f6sterreichische Dichter Fritz von Herzmanovsky-Orlando wird von Torberg auch ausf\u00fchrlich gepriesen und eine Kurzeinf\u00fchrung in seinen &#8220;Gaulschreck von Roseneck&#8221;, dem Theaterst\u00fcck &#8220;Kaiser Joseph und die Bahnw\u00e4rterstochter&#8221;, etc gegeben. Torberg der viel von dem eigenwilligen Dichter h\u00e4lt sieht im Jahre 1964 eine Hermanovsky-Orlando Renaissance, w\u00e4hrend er im vierten Teil &#8220;Apropos Witz, Satire, Parodie und tiefere Bedeutung, nebst einem Anhang mit eigenen fremden Federn&#8221;, Peter Hammerschlag 1972 f\u00fcr unbekannt h\u00e4lt. Beides hat sich glaube ich inzwischen ein bi\u00dfchen ge\u00e4ndert, was das Lesen des Buches interessant und spannend macht.<br \/>\nEine ausf\u00fchrliche Analyse \u00fcber &#8220;Fug und Unfug des politischen Witzes&#8221; wird an Hand guter und nicht so gelungener Beispiele auch gegeben und dann gehts, wie schon im Titel angek\u00fcndigt durch die literarische Parodie, mit der sich ja der mit Friedrich Torberg befreundete Robert Neumann besonders hervorgetan hat. Ein paar eigene Beispiele gibts nat\u00fcrlich auch, darunter eine Parodie genannte Besprechung von Heinrich B\u00f6lls &#8220;Die verlorene Ehre der Katharina Blum&#8221; &#8211; &#8220;Jetzt B\u00f6llerts&#8221; und am Schlu\u00df noch ein GedichT<br \/>\n&#8220;Einsichten<br \/>\nSeit ich<br \/>\nin einem literaturkritischen Aufsatz<br \/>\nein Zitat von Peter Weiss gelesen habe&#8212;<br \/>\nschreibe ich nur noch Gedichte&#8221;<br \/>\nEin interessantes Buch in dem man in die Ansichten des Vielseitigen eintauchen und sich ein Bild vom Literaturbetrieb des Wiener Literaturbetriebs der Neunzehnf\u00fcnfziger bis Siebzigerjahre machen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den fr\u00fchen Achtzigerjahren hat der &#8220;Goldberg-Verlag&#8221; zwei B\u00e4nde mit Nachgelassenen von Friedrich Torberg, zusammengestellt von Herbert Eisenreich und Marietta Torberg herausgebracht. &#8220;Apropos&#8221;. 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