{"id":29203,"date":"2014-06-09T00:04:17","date_gmt":"2014-06-08T22:04:17","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=29203"},"modified":"2014-06-09T00:04:17","modified_gmt":"2014-06-08T22:04:17","slug":"wachstumsschwerz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=29203","title":{"rendered":"Wachstumsschmerz"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/19\/mangelexemplar\/?preview=true\">&#8220;M\u00e4ngelexemplar&#8221;<\/a> kommt der &#8220;Wachstumsschmerz&#8221;, zwei Jahre nach dem Romanbestsellererstling geschrieben, widmet sich nun die 1979 in Ost-Berlin geborene Moderatorin dem Erwachsenwerden, beziehungsweise der &#8220;Quarterlife-Crisis&#8221; und beides stimmt nicht wirklich, denn die Herrenschneiderin und Castingbesucherin Luise ist zweiunddrei\u00dfig, also schon l\u00e4ngst erwachsen und f\u00fcr die Viertelkrise m\u00fc\u00dfte sie hundertrzwanzig werden, was derzeit noch nicht der realistischen Lebenserwartung der Durchschnittsfrau entspricht, wie Luise in circa der Mitte des Buches selbst erkennt.<br \/>\nUnd im Gegensatz zum &#8220;M\u00e4ngelexemplar&#8221; ist Anfangs alles bestens, Luise und Flo, seit Jahren ein Paar, beschlie\u00dfen zusammenzuziehen und suchen eine gemeinsame Wohnung, weil sie ohnehin schon die meiste Zeit zusammenstecken und das zum Erwachsenwerden auch so geh\u00f6rt.<br \/>\nSie finden auch eine und packen alles zusammen, die Umzugshelfer kommen, Luises Nachbarin eine Langzeitkunststudentin mit wenig Geld, die die Enge liebt, bereitet f\u00fcr die starken M\u00e4nner veganes Quche, die allerdings lieber ungesunde Pizza mampfen.<br \/>\nLuise hat eine Schwester, die in Leipzig Psychologie studiert und gerne klettern geht. Flo ist Mangager in einer Kletterhalle. Luise klettert weniger, daf\u00fcr geht sie gelegenlich zu einem Casting, weil sie einmal in einer solchen Agentur gelandet ist.<br \/>\nDa beginnt vielleicht das b\u00f6se Ende, denn Luise kommt darauf, da\u00df sie nicht wirklich genommen werden und in den Filmen bl\u00f6de Rollen spielen will und ihre Mangagerin redet ihr ins Gewissen, sie soll sich \u00fcberlegen, was sie will?<br \/>\nDas tut auch ihr Vater, der in zweiter Ehe eine kleine Pauli hat und in einem Verlag arbeitet. Luise arbeitet mit Kolleginnen in einer Agentur und schneidert alten M\u00e4nnern f\u00fcr tausend Euro neue Anz\u00fcge. Der Vater meint, sie soll eine eigene Kollektion kreieren.<br \/>\nLuise beginnt weiter nachzudenken und wird immer unzufriedener, sie bekommt Heulkkr\u00e4mpfe, fragt sie Schwester um Rat, die von Sigismund Schlomo Freud zu sprechen anf\u00e4ngt, bei der Hochzeit eines Freundes von Flo eskaliert die Sache endg\u00fcltig, weil sie und Flo den geforderten Geldbetrag in einem gew\u00f6hnlichen Kuvert, statt wie die kreativen anderen, als Selgelschiffchen gefaltet oder im Pudding versteckt mitbringen.<br \/>\nLuise schl\u00e4gt Flo eine Auszeit vor, der zieht zu seinem Freund, der Gro\u00dfvater der Braut, den Luise bei  beim Rauchen kennenlernte, kommt ins Atelier und will sich einen Anzug schneidern lassen, er redet ihrins Gewissen, so da\u00df sie daraufkommt zu Flo zur\u00fcckzuwollen und ihm schon nach zwei, statt der vereinbarten sechs Wochen eine E-Mail schreibt, jetzt will aber er nicht mehr und Luise bleibt allein in ihrer gro\u00dfen Betth\u00e4lfte zur\u00fcck, schreibt Memos und tr\u00e4gt auch zu gro\u00dfe Schuhe, die ihr ihre Freundin Ricke borgt, denn das Erwachsenwerden ist schwer, wie in den Klappentexten steht, in Berlin und wahrscheinlich auch anderswo&#8230;<br \/>\n&#8220;Sarah Kuttner greift den Geist der Zeit auf!&#8221;, lese ich in einer Rezensionen, ich denke die liebe Luise hat sich in ihre Krise hineingedacht, beziehungsweise Sarah Kuttner ihre Prota in ihren gewohnten Schnodderton, dorthin gebracht und erinnere mich an die Ratlosigkeit, die vor einem dreiviertel Jahr ihr erstes Buch bei mir ausl\u00f6ste, in das ich erst langsam langsam hineinkam.<br \/>\nJetzt war es umgekehrt. Das Hineinkommen war nicht das Schwierige. Denn da klappte ja noch alles, klang einfach und verst\u00e4ndlich und war auch spannend zu lesen. Nur nachher wurde es schwer, denn so ganz kann ich nicht verstehen, da\u00df zwei Menschen die lange und gut zusammenleben, wirklich durch das Zusammenziehen pl\u00f6tzlich nicht mehr miteinander k\u00f6nnen und  Luise durch die Fragen ihres Vaters und der Agenturfrau den Boden unter den F\u00fc\u00dfen verliert und hoffe wirklich, da\u00df das ein Rei\u00dfbrettplot und nicht das das Problem der gesamte Generation Drei\u00dfig darstellt.<br \/>\nIrgendwo resumiert Luise  einmal, da\u00df sie ihre ersten Male  nun schon vorbei h\u00e4tte.  Aber das stimmt ja nicht, das erste Kind, die erste Eheschlie\u00dfung, schlie\u00dflich der erste Zahnausfall, vielleicht die erste Operation, das Klimakterium, der Haarausfall und zuletzt das Sterben fehlen bestimmt. Das Leben geht weiter, wenn man drei\u00dfig ist und bisher alles irgendwie klappte, denn da hat es erst angefangen und ist wahrscheinlich ein knappes Drittel vorbei. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem &#8220;M\u00e4ngelexemplar&#8221; kommt der &#8220;Wachstumsschmerz&#8221;, zwei Jahre nach dem Romanbestsellererstling geschrieben, widmet sich nun die 1979 in Ost-Berlin geborene Moderatorin dem Erwachsenwerden, beziehungsweise der &#8220;Quarterlife-Crisis&#8221; und beides stimmt nicht wirklich, denn die Herrenschneiderin und Castingbesucherin Luise ist zweiunddrei\u00dfig, also &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=29203\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-29203","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29203","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29203"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29203\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29203"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29203"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29203"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}