{"id":29167,"date":"2014-06-04T00:10:39","date_gmt":"2014-06-03T22:10:39","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=29167"},"modified":"2014-06-04T00:10:39","modified_gmt":"2014-06-03T22:10:39","slug":"mein-stifter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=29167","title":{"rendered":"Mein Stifter"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Portrait eines Selbstm\u00f6rders in Spe und f\u00fcnf Photografien&#8221;, lauten Titel und Untertitel eines kleinen vom &#8220;B\u00fcchner-Preistr\u00e4ger&#8221; Arnold Stadler geschriebenen B\u00fcchlein, das 2005, zum zweihundertsten Geburtstag des ober\u00f6sterreichischen Dichters erschienen ist und das ich vor eineinhalb Jahren in der &#8220;Thalia Abverkaufskiste&#8221; fand.<br \/>\nHabe ich schon geschrieben, da\u00df ich zu Adalbert Stifter ein besonderes Verh\u00e4ltnis habe, so da\u00df ich vielleicht auch ein diesbez\u00fcgliches Buch schreiben k\u00f6nnte?<br \/>\nDas ist jetzt ein wenig \u00fcbertrieben. Aber in meiner Studentenzeit habe ich viel Stifter gelesen und in der Schule den &#8220;Bergkristall&#8221;.<br \/>\nDen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/09\/20\/erinnerungen\/\">&#8220;Nachsommer&#8221; gabs im B\u00fccherschrank meiner Eltern<\/a>, ich habe ihn gelesen und wahrscheinlich ebensowenig verstanden, wie den &#8220;Mann ohne Eigenschaften.&#8221;<br \/>\nUnd dann gab es ja die kleinen gelben &#8220;Goldmann-Taschenb\u00fccher&#8221; mit den &#8220;bunten Steinen&#8221; und all den anderen Stifter Erz\u00e4hlungen, die der Herr Hofrat nicht Romane nennen wollte. Die habe ich gelesen, im Sommer 1975, als ich mich von meiner Freundin Elfi verabschiedete und mit Sack und Pack und Stifterb\u00fcchern in das Haus am Almweg aufbrach, um dort den Sommer zu verbringen.<br \/>\nNach ein paar Tagen habe ich das abgebrochen, den Stifter aber weiter gelesen und mir auch den &#8220;Witiko&#8221; gekauft, wars noch in der legend\u00e4ren Buchhandlung &#8220;Herzog&#8221; oder war es schon der Nachfolger oder ganz woanders?<br \/>\nGelesen habe ich die Trilogie noch immer nicht, jetzt aber auf meiner Leseliste und weil ich, w\u00e4hrend meines Psychologiestudiums doch vereinzelt Germanistik-Vvorlesungen besuchte, war ich auch einmal in einer von einem alten Herrn, der sich als Stifter Fan outete.<br \/>\nJetzt ist es um den gro\u00dfen Ober\u00f6sterreicher ein wenig still geworden, denke ich, 2005 hatte er aber seinen Geburtstag und da gab es auch Kurt Palms Film &#8220;Der Schnitt durch die Kehle&#8221; und jetzt das Buch des B\u00fcchner-Preistr\u00e4gers, von dem ich &#8220;Eines Tages, vielleicht auch nachts&#8221; und &#8220;Ein hinrei\u00dfender Schrotth\u00e4ndler&#8221; auf meiner Leseliste habe und es wirft einen sehr eigenwilligen ungew\u00f6hnlichen Blick, auf den beleibten Mann, dem Schulinspektor und den Erfinder des &#8220;sanften Gesetzes&#8221;, das mich noch heute bewegt und vielleicht auch Leitbild meines Schreibens ist:<br \/>\n&#8220;Weil wir schon einmal von dem Gro\u00dfen und dem Kleinen reden, so will ich meine Ansichten darlegen, die wahrscheinlich von denen vieler anderer Menschen abweichen: Ein ganzes Leben voll Gerechtigkeit, Einfachheit, Bezwingung seiner selbst.. verbunden mit einem heiteren gelassenen Sterben halte ich f\u00fcr gro\u00df, m\u00e4chtige Bewegungen des Gem\u00fctes, die Begier nach Rache den entz\u00fcndenden Geist der nach T\u00e4tigkeit ukmrei\u00dft \u00e4nder zerst\u00f6rt.. halte ich f\u00fcr mich gr\u00f6\u00dfer, sonder f\u00fcr kleiner , da diese Dinge  so gut nur Hervorbringungen einzelner Kr\u00e4fte sind, wie feuerspeiende Erdbeben.&#8221;<br \/>\nZuerst beginnt es aber mit einem Gedicht des Autors.<br \/>\n&#8220;Als w\u00e4re das Leben eine Winterreise und ein Rasiermesser ein Schmerzmittel&#8221;<br \/>\nDann gibts eine &#8220;Notiz&#8221; und als &#8220;Einleitung &#8220;Die Photographien&#8221;, von denen das erste das ist, das glaube ich, auch das Cover eines der B\u00e4nde meines Schuldeutschlesebuches zierte. Die Stifter, die dann folgen, werden immer d\u00fcnner, am Schlu\u00df gibt es die Totenmaske und dazwischen Arnold Stadlers Betrachtungen, \u00fcber die Fre\u00df- und Trinksucht des Meisters, die er immer wieder dem heutigen Fastfoodkult gege\u00fcberstellt.<br \/>\nOb Adalbert Stifter Chips gegessen h\u00e4tte, w\u00e4hrend er an seinen &#8220;Witiko&#8221; schrieb? Vielleicht kommt das schon im ersten Teil vor, wo Stadler &#8220;Seinen Stifter&#8221; beschreibt, also eines Abri\u00df seines Lebens gibt, Briefe oder Speisezetteln des Meisters, der gleich einmal zwei Tauben hintereinander gegegesen hat und ein paar Forellen, gibt es auch.<br \/>\nAm 23. Oktober 1805 ist Adalbert Stifter im s\u00fcdb\u00f6hmischen B\u00f6hmen am Rande des B\u00f6hmer-sowie des bayrischen Waldes geboren. Er ging nach Wien studieren, schlo\u00df nie ab, vorher war er in einer Klosterschule und sollte vielleicht ein heiliger Herr werden, hatte in Wien Beziehungen zu zwei Frauen und heiratete seine Amalie erst, als die andere einen anderen genommen hat und daraufhin im Kindbett starb.<br \/>\nDiese Amalie soll sehr streng gewesen sein und die Ziehtochter ins Wasser, in die Donau, getrieben haben.<br \/>\nStifter wurde Schulinspektor, schrieib seine Werke, wurde depressiv und krank und starb dann 1868 durch den ber\u00fchmten Schnitt durch die Kehle.<br \/>\nDer zweite Teil ist dem &#8220;Nachsommer&#8221; gewidmet, ein Buch an dessen Inhalt, ich habe es mit circa zwanzig gelesen, kaum mehr erinnern kann, das, wie ich nach der Stadler Lekt\u00fcre daraufgekommen bin, mich aber sehr gepr\u00e4gt haben mu\u00df und es mir offenbar auch als Vorbild f\u00fcr meine eigenen Schreibvorstellungen diente.<br \/>\nArnold Stadler gibt eine kurze Inhaltsangabe. Das Buch beginnt mit dem Satz &#8220;Mein Vater war ein Kaufmann&#8221; und ein junger Mann kommt auf einer Wanderung, zum Rosenhof, wo ein alter Mann lebt, um ein Leben lang dort zu bleiben. Im Nachbarhaus wohnt die ehemalige Geliebte oder Jugendschwarm des alten Mannes, die er nicht heiratete, weil die Eltern dagegen waren, jetzt wahrscheinlich verwitwet, mit zwei Kindern, die der alte Mann erzieht.<br \/>\nEin Entwicklungs-Bildungs-Erziehungsroman, der Hebel nicht gefallen hat, andere Gr\u00f6\u00dfen waren von ihm, wie ich begeistert und Stadler meint, da\u00df sich Stifter, dessen Leben nicht so harmonisch verlief, er war, als er das Buch sehr rasch schrieb, \u00fcber F\u00fcnfzig, sehr dick, in Geldn\u00f6ten und seine Ehe war auch nicht sehr gut, denn die gute Amalie offenbar sehr ungebildet und hat angeblich auch seine B\u00fccher nicht gelesen, damit eine Wunschbiobgrafie erschrieb, ein M\u00e4rchen vom sch\u00f6nen Leben, in dem Rosen und andere Idyllen eine Rolle spielen, was man mir auch schon vorgeworfen hat.<br \/>\nEs geht auch um den K\u00e4fermarkter Altar, der in dem Buch eine Rolle spielt und um Stifters Meeressehnsucht, die sich w\u00e4hrend des Schreibens offenbar auch erf\u00fcllt hat.<br \/>\n&#8220;Selbst den Nachsommer, so deutsch er ist, h\u00e4tte ich anders gemacht, wenn ich ihn nach dieser Reise geschrieben h\u00e4tte.<br \/>\nIch m\u00fc\u00dfte, k\u00f6nnte den &#8220;Nachsommer&#8221; ein zweites Mal lesen, werde das angesichts meiner \u00fcberlangen Leseliste aber h\u00f6chstwahrscheinlich nicht tun, habe aber den &#8220;Witiko&#8221; noch vor mir, den ich mir sehr schwer zu lesen vorstelle, langweilig, steht irgendwo geschrieben, ich bin also sehr gespannt.<br \/>\nIm dritten Teil geht es zuerst um Briefe, die dann zu Thomas Bernhard, auch ein Stifter Kritiker \u00fcbergehen.<br \/>\nDer &#8220;Nachsommer&#8221; wird mit den &#8220;Alten Meistern&#8221; verglichen und Arnold Stadler erz\u00e4hlt, da\u00df er sich das Buch gleich nach Erscheinen gekauft und dann viel gelacht hat, jetzt kann er das nicht mehr und ich habe das ja auch beim <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=12.+Februar\">letzen Satz<\/a>, als der Held endlich ins Burgtheater geht, nachdem er ein paar hundert Seiten dar\u00fcber resumiert hat und die Vorstellung, die er zu sehen bekam, nat\u00fcrlich eine &#8220;F\u00fcrchterliche&#8221; war, damals in der Bahnstation H\u00fctteldorf, als ich mit der kleinen Anna auf den Zug nach St. P\u00f6lten wartete.<br \/>\nWas w\u00fcrde Thomas Bernhard zu den heutigen Burgtheaterskandalen sagen? Aber zur\u00fcck zu Adalbert Stifter, denn, um dem geht es ja in dem Buch, der zweite Teil des dritten Kapitel ist dann noch einmal seinem Ende gewidmet und ich habe ein sehr interessantes Buch gelesen, das meine Stifter Kenntnisse wieder auffrischte.<br \/>\n&#8220;Das beste Stifter-Buch des Fr\u00fchlings&#8221; hat Volker Weidemann am Buchr\u00fccken entschieden, der ist ja nun dabei und ich habe vor kurzem auch von Stifter gelesen, als ich n\u00e4mlich den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/05\/28\/ein-kurzer-sommer-der-literatur\/\" title=\"Ein kurzer Sommer der Literatur\">&#8220;kurzen literarischen Sommer&#8221; beziehungsweise den Nachruf auf Lutz Holtzinger las. <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Portrait eines Selbstm\u00f6rders in Spe und f\u00fcnf Photografien&#8221;, lauten Titel und Untertitel eines kleinen vom &#8220;B\u00fcchner-Preistr\u00e4ger&#8221; Arnold Stadler geschriebenen B\u00fcchlein, das 2005, zum zweihundertsten Geburtstag des ober\u00f6sterreichischen Dichters erschienen ist und das ich vor eineinhalb Jahren in der &#8220;Thalia Abverkaufskiste&#8221; &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=29167\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-29167","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29167","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29167"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29167\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29167"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29167"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29167"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}