{"id":29026,"date":"2014-05-30T00:20:50","date_gmt":"2014-05-29T22:20:50","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=29026"},"modified":"2014-05-30T00:20:50","modified_gmt":"2014-05-29T22:20:50","slug":"der-boxer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=29026","title":{"rendered":"Der Boxer"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcnf gr\u00fcne Hefte liegen vor dem Autor beziehungsweise Ich-Erz\u00e4hler, des 1976 geschriebenen Romans von Jurek Becker, der mich Anfangs genauso ein wenig verwirrte, wie sein Erstling <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/12\/jakob-der-lugner\/\">&#8220;Jakob der L\u00fcgner&#8221;<\/a>, denn um Boxen geht es in dem Buch eigentlich nicht oder nur am Rande.<br \/>\nEs geht um das \u00dcberleben nach dem Holocaust, um die Traumen und Bew\u00e4ltigung der Zur\u00fcckgekommenen und um die hat man sich in Ostberlin der Neunzehnsiebzigerjahre wahrscheinlich noch nicht sehr gek\u00fcmmert und so war Jurek Becker wohl einer der ersten, der das tat und meine Verwirrung kommt bei beiden B\u00fcchern wohl aus der Authentizit\u00e4t, in der sie geschrieben wurden.<br \/>\nDa ist Aron Blank, der aus dem Lager entlassen wird, sich f\u00fcr einen Ausweis fotografieren lassen mu\u00df, er geht in die Stadt und sucht nach einem Fotografen, so leicht sind die nicht zu finden und als er bei einem l\u00e4utet, will der eine Unmenge Geld daf\u00fcr.<br \/>\nAron Blank weist ihn in Schranken, bekommt die Fotos und marschiert damit aufs Amt. Dort verlangt man Dokomente, aber nichts mehr da, au\u00dfer dem Entlassungsschein aus dem Lager und so erfindet Aron Blank seine Biografie neu, macht sich um sechs Jahre j\u00fcnger, das hei\u00dft er streicht, die Kriegsjahre weg, nennt sich nun Arno und gibt Leipzig statt Riga als Geburtsstadt an.<br \/>\nEs wird ihm eine Wohnung zugewiesen, in der bis vor kurzem ein hoher Nazi wohnte und es dauert einige Zeit, bis Aron in seinem Bett schlafen kann.<br \/>\nDann macht er sich auf die Suche nach seiner Familie. Frau und zwei seiner drei Kinder sind umgekommen, das dritte, Mark hat er, w\u00e4hrend der Flucht, bei einer Nachbarin zur\u00fcckgelassen, jetzt wendet er sich an eine amerikanische Hilfsorganisation und die daf\u00fcr zust\u00e4ndige junge Frau namens Paula, findet auch ein Kind in einem Kinderheim, das so alt ist, allerdings hei\u00dft es Berger mit Nachnamen.<br \/>\nAron besucht das Heim, Paula hat sich inzwischen bei ihm einquartiert, spricht mit einer \u00c4rztin, st\u00f6rt sich an ihren roten Fingern\u00e4geln und auch daran, da\u00df sie sagt, da\u00df sie hier ist &#8220;Um die Kinder zu heilen, nicht um sie zu unterhalten!&#8221;<br \/>\nWas im Klartext hei\u00dft, sie liegen im Bett, bekommen Essen und Medikamente, es wird aber nicht mit ihnen gesprochen, bzw. gespielt.<br \/>\nAron besorgt im Schwarzhandel, in dem er inzwischen t\u00e4tig ist, Schokolade und Spielsachen, holt Mark heim und nachdem Paula ihm verlassen hat, auch die Krankenschwester Irma, die seine Geliebte wird und ihn irgenwann auch verl\u00e4\u00dft.<br \/>\nAron f\u00e4ngt zu trinken an, hat Herzprobleme, bekommt Krebs, aber erst wird Mark eingeschult, was etwas schwierig ist, weil man sich auf die Vergangenheit der Lehrer nicht wirklich verlassen kann, kommt einmal mit einem blauen Aug nach Hause, weil er von den Kindern geschlagen wurde.<br \/>\nDa erz\u00e4hlt ihm Aron eine Geschichte, da\u00df er auch einmal boxen lernte, um sich gegen schlagende Kinder zu wehren, erkennt aber, da\u00df man eher beliebt, als stark sein sollte. Eine moralische Annahme, die, wie ich anmerken m\u00f6chte, wahrscheinlich nicht der Wirklichkeit entspricht.<br \/>\nAron f\u00e4hrt mit Irma und mit Mark dreimal ans Meer, soweit, wie einem die DDR wohl fahren lie\u00df und als es 1953 zum Aufstand des 17. Juni kommt, mit Datum wird das nicht beschrieben, ger\u00e4t Aron in Panik, wohl weil er sich an den Holocaust erinnert.<br \/>\nEs kommt aber noch schlimmer, Mark, der nach dem Abitur Mathematik studiert, kommt eines Tages nicht mehr nach Hause, bei einem Zwanzigj\u00e4hrigen an sich nicht so schlimm, nur kommt ein paar Wochen sp\u00e4ter ein Brief aus Hamburg, Republikflucht. Aron zeigt dem Ich-Erz\u00e4hler, dem er diese Geschichte wohl Anfangs Siebzig, als seine Gesundheit schon gezeichnet ist, erz\u00e4hlt, die Briefe, die er jahrelang von seinem Sohn bekommen hat, bis der nach Israel gegangen ist und 1967 dort wohl fiel, weil er seither nichts mehr von ihm h\u00f6rte.<br \/>\nAron hat die Briefe nie beantwortet, ist aber nach dem ersten nach Hamburg gefahren, damals konnte man noch nach Westberlin und von dort zum Flughafen, war dann aber wohl beleidigt, weil er den Sohn nicht antraf und jetzt kommen auch die Zweifel, ob Mark Berger wirklich sein Sohn war oder ihm die sch\u00f6ne Paula nicht ein anderes Kind unterjubelte.<br \/>\nEin wenig ungew\u00f6hnlich dieser Bericht eines Holocaust-\u00dcberlebenden und wohl das, was Jurek Beckers Literatur ausmacht, der  in Lodz geboren wurde und von seinem Vater, wohl etwas j\u00fcnger gemacht wurde, damit er nicht deportiert wurde. 1997 ist er an Darmkrebs gestorben. Dazwischen war er DDR-Dissident, ist nach Westberlin emigriert und als alles vorbei war, hat er auch die Fernsehserie &#8220;Liebling Kreuzberg&#8221; geschrieben.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/04\/14\/schlaflose-tage\/\">&#8220;Schlaflose Tage&#8221;<\/a> habe ich von ihm gelesen und besprochen, &#8220;Amanda herzlos&#8221; nur gelesen und &#8220;Bronsteins Kinder&#8221; steht in meinem Katalog, ob ich das Buch gelesen habe, kann ich mich nicht mehr so genau erinnern und Jurek Becker wiederzulesen, um den es jetzt ein wenig still geworden sein d\u00fcrfte, ist sicher interessant und zu empfehlen, also auf zu den B\u00fccherschr\u00e4nken, wo ich das Buch gefunden habe. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcnf gr\u00fcne Hefte liegen vor dem Autor beziehungsweise Ich-Erz\u00e4hler, des 1976 geschriebenen Romans von Jurek Becker, der mich Anfangs genauso ein wenig verwirrte, wie sein Erstling &#8220;Jakob der L\u00fcgner&#8221;, denn um Boxen geht es in dem Buch eigentlich nicht oder &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=29026\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-29026","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29026","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29026"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29026\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29026"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29026"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29026"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}