{"id":28953,"date":"2014-05-25T00:35:07","date_gmt":"2014-05-24T22:35:07","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=28953"},"modified":"2014-05-25T00:35:07","modified_gmt":"2014-05-24T22:35:07","slug":"hotel-amerika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=28953","title":{"rendered":"Hotel Amerika"},"content":{"rendered":"<p>Auf Maria Leitners &#8220;Hotel Amerika&#8221;, den 1930 herausgebrachten ersten Reportage-Roman der Weimarer Republik, bin ich, glaube ich, durch das Gewinnspiel des <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/22\/rote-lilo-trifft-wolfsmann\/\">&#8220;Duftenden Doppelpunkts&#8221;<\/a> zur B\u00fccherverbrennung am 10. Mai 1933 aufmerksam geworden. das Buch war ja dabei, wie man auf den ersten Seiten des 2013 in der Bibliothek der Frauen, der &#8220;Edition Mokka&#8221;, herausgegebenen Ausgabe sehen kann. Auf der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/05\/16\/kritische-literaturtage\/\" title=\"Kritische Literaturtage\">Krit Lit <\/a>habe ich das Buch bekommen, das ein wenig anders ist, als die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/18\/menschen-im-hotel\/\">&#8220;Hotel-B\u00fccher&#8221;<\/a> Vicki Baums&#8221;, die ja ungef\u00e4hr zeitgleich entstanden sind.<br \/>\nMaria Leitner wurde 1892 in Varazdin bei Zagreb in eine zweisprachig j\u00fcdische Familie geboren. Sie war Journalistin und Schriftstellerin und hat wohl schon in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren das getan, womit <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/05\/aus-der-schonen-neuen-welt\/\">G\u00fcnter Wallraff<\/a> sp\u00e4ter ber\u00fchmt werden sollte, als Zimmerm\u00e4dchen in Luxushotels und als Bedienerin in Fastfoodbuden gearbeitet und sie hat auch f\u00fcr den &#8220;Ullstein-Verlag&#8221; von 1925-1928 Amerika bereist, um solche Reportagen herauszugeben.<br \/>\nSo schildert &#8220;Hotel Amerika&#8221; auch das Luxushotel von unten, aus der Sicht der kleinen Leute, der Angestellten, des Personals, die oft Emmigranten aus Deutschland, Italien, Schweden oder woanders sind.<br \/>\nEs beginnt an einem Morgen hoch oben in einem Schlafsaal des Reinigungspersonal, wo nur die zwei \u00c4ltesten eine Kommode haben, die anderen haben nur ein Bett und ein Fach im Kasten. Geputzt wird  auch nicht wirklich, aber unter Shirleys Bett steht ein Koffer mit einem billigen Abendkleid und sie denkt sich gleich, nachdem ihre Mutter, die auch in dem Hotel arbeitet, sie weckte &#8220;Heute ist mein letzter Tag, als W\u00e4schem\u00e4del!&#8221;, denn Shirley hat gro\u00dfe Flausen im Kopf, beziehungsweise tr\u00e4umt sie davon, von &#8220;ihrem Freund&#8221; hier weggeholt zu werden.<br \/>\nDer ist ein Mister Fish und hat auch andere Pl\u00e4ne, denn in dem Hotel soll am Abend eine gro\u00dfe Hochzeit gefeiert werden. Die Tochter eines Zeitungsm\u00e4zens soll einen Sportler heiraten und Fish hatte offensichtlich ein Verh\u00e4ltnis mit ihr, beziehungsweise Briefe, mit denen er ihren Vater erpressen will. Der l\u00e4\u00dft sich nicht so leicht erpressen und ger\u00e4t auch nicht aus den Fugen, als Fish sich von einem Kellner eine Kellneruniform besorgen l\u00e4\u00dft, um sich am Abend in den Ballsaal hineinschmuggeln zu lassen. Vorerst geht es aber an die Arbeit, beziehungsweise wird beschrieben, wie die Hausdamen \u00fcber die Zimmerflure wachen und die W\u00e4schem\u00e4del in ihren schmucken Uniformen die W\u00e4sche verteilen.<br \/>\nFritz, ein Emigrant aus Deutschland, der von seiner Firma entlassen wurde, weil er bei der Gewerkschaft war, wird als K\u00fcchenhilfe angestellt und ger\u00e4t in Panik, als er den Hummern die Scheren zusammenbinden soll, damit sie nicht zu viel Aufruhr machen, wenn sie ins kochende Wasser geworfen werden.<br \/>\nIm letzten Speisesaal des untersten Personals gibt es inzwischen eine Aufregung, weil sich das gegen die faulenden Kartoffeln zur Wehr setzen, die ihnen serviert werden.<br \/>\nShirley h\u00e4lt eine flammende Rede, der Page Salvatore, ein im italienischen Viertel geborener Italiener geht mit der Schwedin Ingrid, die ebenfalls Stubenm\u00e4dchen ist, in sein Viertel, um ihr die Konditorei seinen Vaters zu zeigen und erkl\u00e4rt ihr, da\u00df er in dem Hotel arbeitet, weil er auch mal etwas anderes als das &#8220;Little Italy&#8221; von New York sehen will.<br \/>\nIn den Zimmeretagen kommt es indessen zu gro\u00dfer Aufregung, weil alle etwas wollen, einen Brief, eine B\u00fcglerin, ein Arzneimittel, das Personal aber noch in den unteren K\u00fcchenr\u00e4umen, bei der Streikbewegung ist und die Hausdame mu\u00df beruhigen.<br \/>\nDann kommen sie schon angelaufen und die Balls\u00e4le f\u00fcr den Abend sind auch schon geschm\u00fcckt, mit exotischen Blumen und lebenden Schmetterlingen.<br \/>\nDie Kellner m\u00fcssen alle Franz\u00f6sisch reden, um feiner zu sein, es wird auch jetzt ein Aufstand geprobt. Sie fordern besseres Essen und eine Gehaltserh\u00f6hung, bevor sie sich an die Arbeit machen. Majories Br\u00e4utigam verschm\u00e4ht aber die Hummer, denn ein Sportler darf nur weiche Eier oder Grie\u00dfbrei essen. Die Kellner servieren ihm das, beziehungsweise treiben sie ein wenig Schabbernak, indem sie statt Mayonnaise s\u00fc\u00dfe Eiercreme den vornehmen G\u00e4sten servieren, dann geht aber doch alles seinen Weg und die verf\u00e4nglichen Briefe Majories, die Mister Fisch, der ein sehr erb\u00e4rmlicher Kellner ist, auf die Tische legen will, entpuppen sich, als Bibelschriften, so wird ihm nichts anderers \u00fcberbleiben, als f\u00fcr einen anderen Reichen, &#8220;die Au\u00dfenreklame f\u00fcr Betsh\u00e4user zu machen&#8221;.<br \/>\nAber auch Shirley ist entlassen worden und mu\u00df den Traum an Mister Fishs Seite reich zu werden, aufgeben, was ihr aber nichts macht, hat sie sich doch in den K\u00fcchenjungen Fritz verliebt, der schon auf sie wartet.<br \/>\n&#8220;Einmal wird das alles uns geh\u00f6ren, aber bis dahin m\u00fcssen wir schwer k\u00e4mpfen. Was tut es? Ich bin ja jung und das ganze Leben steht noch vor mir!&#8221;, endet das Buch zuversichtlich, was im realen Leben etwas anders war, hat doch Maria Leitners Leben 1942 in Marseille geendet, wie ich &#8220;Wikipedia&#8221; entnehme.<br \/>\nSie war auch in Frankreich, wohin sie fl\u00fcchten mu\u00dfte, im politischen Widerstand t\u00e4tig und ist dort &#8220;vor Ersch\u00f6pfung gestorben.&#8221;<br \/>\nIn Traude Korosa, der Herausgeberin, Kapitel \u00fcber das Leben der Schriftstellerin, steht noch, da\u00df es auch sein kann, &#8220;da\u00df sie von den Nazis verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht wurde.&#8221;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/17\/frauenliebe\/\">Traude Korosa<\/a>, die ich 1987 bei der Schreibwerkstatt in Linz, zu der ich eingeladen wurde, weil ich mich am Max von der Gr\u00fcn Preis beworben habe, kennenlernte, die auch GAV-Mitglied ist und bei der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/13\/lili-korber-erlebt-den-anschlus\/\">&#8220;Frauen lesen Frauen-Gruppe&#8221;<\/a> gelegentlich mitmacht, hat dem Buch auch noch einen, f\u00fcr mich eher unn\u00f6tigen Anhang, beigef\u00fcgt, wo Worte wie &#8220;Spucknapf&#8221; oder &#8220;Scheuerfrau&#8221; erkl\u00e4rt werden und in der &#8220;Editorischen Nachbemerkung&#8221; erkl\u00e4rt, da\u00df das Buch auf der Erstausgabe von 1930 basiert und sorgsam bearbeitet wurde. Was hei\u00dft, da\u00df die Rechtschreibung eher beibehalten wurde und auch das Wort &#8220;Neger&#8221;, das heute ja als politisch unkorrekt gilt, in dem Buch mit einem Sternchen versehen und im Anhang erkl\u00e4rt, zu finden ist.<br \/>\n&#8220;Aber Maria Leitner h\u00e4tte mit unserem heutigen Wissen dieses Wort als politisch inkorrekt empfunden und es auf keinen Fall in ihren Texten verwendet&#8221;, vermutet Traude Korosa noch, was wahrscheinlich stimmen wird.<br \/>\n1930 hat man dieses Wort aber verwendet und &#8220;Afroamerikaner oder Farbige&#8221; w\u00fcrde in diesen Kontext wahrscheinlich etwas seltsam klingen. Auch etwas wor\u00fcber man nachdenken kann und auf jeden Fall lohnt es sich, diesen Reportage-Roman zu lesen, in die Programme der &#8220;Edition Mocca&#8221; hineinzuschauen und vielleicht auch bei den Gewinnspielen des &#8220;Duftenden Doppelpunktes&#8221; mitzumachen und mich hat es in der Annahme verst\u00e4rkt, da\u00df der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/05\/14\/gesprach-uber-hugo-bettauer\/\" title=\"Gespr\u00e4ch \u00fcber Hugo Bettauer\">&#8220;Milena-Verlag&#8221;<\/a> mit Maria Leitner eine weitere Frau h\u00e4tte, die er wiederauflegen k\u00f6nnte. Aber das wird ja schon von Traude Korosa in &#8220;ADA-Bibliothek der Frauen&#8221; getan, die auch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/19\/mordserien-in-wien\/\">Auguste Groners &#8220;Der Rote Merkur&#8221; ein Wiener Kriminalroman aus dem Jahr 1907<\/a> herausgebracht hat und in der &#8220;Edition Mokka&#8221; sind auch Max Winters Sozialreportagen &#8220;Die Steigeisen der Kopfhaut&#8221; zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Maria Leitners &#8220;Hotel Amerika&#8221;, den 1930 herausgebrachten ersten Reportage-Roman der Weimarer Republik, bin ich, glaube ich, durch das Gewinnspiel des &#8220;Duftenden Doppelpunkts&#8221; zur B\u00fccherverbrennung am 10. 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